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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lissabon
Keins der weltlichen G e b ä u d e lu i t (5in schluß
der königl. Schlösser ragt durch architektonische
Schönheit hervor. Von den Schlössern bewobnt
der König jetzt den 1743 angefangenen und 1750
vollendeten Paco das Necessidades unt Park nnd
Kirche..Frühere'Residenz ist der Paco de Belem.
Neben dem Palast ist die königl. Reitschule. Der
Paco d'Ajuda anf einer Anhöbe, 1 1<m nördlich
voin vorigen, ist ein gewaltiges viereckiges, doch noch
unvollendet gebliebenes Bauwerk mit einem Natnra-
licntabinett und wertvollen Sammlungen. Daneben
sind zu nennen: die Münze (schon seit 1720) mit
Stempclsabrik, die Staatsdruckerei, das 1834 zum
Parlamentsgebäude erhobene ehemalige Venedik-
tincrklostcr (I'lllllcio (Iü8 (Bi't"8) unt dem Staats-
archiv sloi-i'6 llo ^omdo), das Stadthaus ((^m^ra,
>Iunici^ll1, 1875) mit seinen Marmortreppen, das
Marine-Arsenal, die Stadt- und Polizeipräfektur,
das Kriegsarsenal, die Marktballe und das Schlackt-
haus im Norden der Stadt. Außerdem giebt es ein
großes Zellengefängnis (I^niwnciln-üy, ein Ge-
fängnis für Männer (Limo^iro, einst ein königl.
Schloß), ein Franengefängnis fahnde) und eine
Besserungsanstalt für verwabrloste Kinder in dem
ehemaligen Kloster der heil. Monica.
L. hat nur sieben Denkmäler: das bronzene
Reiterstandbild König Josephs I., die Statnen der
.verzöge und Vtarschälle von Terceira und von
Sa da Vandeira, das von Camoes (seit 1867), die
Bronzestatue Dom Pedros IV. und das Monnmento
dos Nestailradores de Portugal, der Befreiung von:
span. Joch (1640) gewidmet.
Die Verwaltung liegt in den Händen von
25 Ratsherren (Vei^alioi-cs), an deren Spitze ein
Bürgermeister (I'r68iä6nto än. ^'lnnai^ ^Innicipal)
steht. Der Sicherheitsdienst wird von einer Militär-
und einer Civilpolizei gehandhabt; erstere ((^uni-äa
iminicipal) bestebt aus 4 Scbwadronen Kavallerie
und 6 Compagnien Infanterie; letztere zählt etwa
1000 Manu. Die Feuerwehr zählt ungefähr 000
Mann, 32 Stationen mit ebensoviel Spritzen,
6 Dampfspritzen, 3 Etationen mit 12 Leiterwagen.
Die Stadt wird anßer durch das schlechte Wasser
der Hausbrunnen durch zwei Wasserleitungen ver-
sorgt, durch den Aqueducto das Aguas Livres und
den Kanal von Alviclla. Ersterer, unter Iobann V.
(1732 - 38) begonnen und 1749 vollendet, beginnt
ungefähr 10 km von L. Von seinen 127 Bogen sind
die, welche das Thal von Alcantara überschreiten,
besonders großartig. Der Kanal von Alviella i1871
-80 erbaut) erhält seine Wasser aus dem Flüßcben
Alviella, ungefähr 30 Km von L., besitzt 111 Ar-
laden und 94 Tunnel. Die Kosten betrugen 3500
Contos de Re'l's (15'/. Mill. M.). 1892 verbranchte
die Stadt 8165 386 cdm Wasser. 13 Behälter
führen das Wasser den Häusern zu und speisen
59 öffentliche Brunnen (c^nfai-i?^). Die Kanalisa-
tion hatte bis 1892 eine Länge von 176521,5. in in
eisernen Röhren und umfaßte 12267 Grundstücke. -
Mit Ausnahme von wenigen Privatgebänden und
der Avnnda da Liberdade, die elektrische Beleuchtung
besitzt, zäblt die öffentliche Beleuchtung 8000 Gas-
lampcn. Die Straßenreinigung ist nocb mangelbaft.
L. besitzt mehrere Mineralquellen, die durchschnittlich
12 m<^ Schweselstoff per Liter enthalten und gegen
Hautkrankheiten und Rhenmatismus benutzt werden.
Sebr beliebt sind die Bäder im Fluß und an der See.
Unter den Gemeinnützigen Anstalten sind
13 meist aus Privatmitteln erhaltene Hospitäler,
worunter ein französisches (^3)Io (l^ ^o I.ui^) und
ein englisckes. Unter den 9 portugiesischen befindet
sich ein Marine- und ein Militärhospital, ein Hospi-
tal für Aussätzige, das noch von den Kreuzzügen
ber datiert und seit 1849 mit dem St. Iofephs-
dospital verbunden ist. Letzteres (llo^piwl tt^ai dl;
>)uc> .so?"') vereinigt eine Htenge kleiner Kranken-
häuser. Ferner enthält L. eine Irrenanstalt (Ililli^
tollem), eine Blindenanstalt, ein nenerdings geschaf-
fenes bakteriologisches und ophthalmologisches In-
stitut sowie ein O.uarantänelazarett auf dem linken
Flußufer, Belem gegenüber. Daneben sind zu nennen:
die 8antu ^':l3<^ äl^ ^li^kiicoräi^, das Findelhaus,
das große Waisenhaus, (^8^ I'j^, in den Räumen
des Hieronymitcnklosters in Belenr sowie die öffent-
liche Speifeanstalt. Die wichtigste Freimaurerloge
ist 0 (iilinäo Orions 1.n8iUlnc>.
Bildn ngsw es en. L. besitzt eine Polytech-
nische Schule (500 Studierende), eine mediz.-
chirurg. Akademie, eine Kadettenanstalt (I^ola (lo
I^x^i's'it"), eine Gewerbeanstalt nebst Handels-
schule, eine Gewerbeschule, eine mit Tierarznei-
kunde (1830) verbundene landwirtschaftliche Schule
(In8titut0 Ill^I <l6 ^^'1'onomicl, tt V6t(!i'iuliriH), eine
Marineschule, eine Akademie der schönen Künste,
cin königl. Konservatorium für Musik und dramat.
Unterricht, eine königl. Akademie der Wissenschaften,
eine Geographische Gesellschaft, eine Gesellschaft der
mediz. Wissenschaften, ein Geodätisches Institut,
eine höbere wissenschaftliche Anstalt, eine Akademie
für Musikliebhaber. Für die Pflege des Körpers
sorgt ein Turnverein <I<6aI s^'mntl^io (^Ind). Die
Ii^cola <.!<) Nx"i'oiw betrachtet als Hauptaufgabe
das Studium des Festuugswesens und der Artillerie.
Der Besuch des Lyceums oder Teiluahme an den
^chlußprüfungen für einzelne Fächer ist Vorbe-
dingung für den Zntritt zu den höhern Lehranstalten.
Außerdem bcstcben 59 Gemeindeschnlen, die nach
Geschlechtern getrennt sind und teilweise Vorbe-
reitnngsanstalten für Elementarlehrer bilden. Für
diefe Schulen unterhält die Stadt mehrere Biblio-
theken. Ferner befinden sich hier mehrere Asyle für
die Erziebnng armer Kinder, für Blinde und Klein-
kinderbewahranftalten. Höhern ^tudieuzwecken
dienen besonders die Vidliotlioca 1^ili1i<'^ und die
Bibliothek der Wissenschaften. (5'rftere enthält un-
gefähr 300000 Bände nebst 952 Paläotypen, 7349
Handschriften und eine reiche Münzsammlung. Auch
das Staatsarchiv, ^oi'i-6 do ^omlw, enthält eine
Menge von Doknmentcn, darunter 82902 allein auf
Indien bezügliche Handschriften. Hierher gehören
ferner die verschiedenen Museen (>Iu8en (^oloniül,
>ln^n In(1u3tiia1 ^ ('ommsüci^I, IVIu^en Nilit^n-,
^1u86n .v^iico^a. " I^l0i63t6i, ^IU86N X^s:i0UÄi (^1e;
Hi^toi'iu ^atni lU), das astronomische wie ineteorolog.
Observatorium der Polytechnischen Schule. Mit der
Polytechnischen Schule ist ein botan. Garten ver-
bunden. Theater giebt es 7, darnnter das 1846
eröffnete und an der Nordseite des Rocio gelegene
Tbeater Dona Mariall., meist 44i6ati-0 ^ioi-nml ge-
nannt. Tpern giebt das ^eati-o cle 8llo Caii""^.
Sebr beliebt sind die Stiergefechte. Neben vielen
Fachschriften, Witzblättern erscheinen 22 polit. Zei-
tungen (6 republikanische, 3 liberale, 8 konservative).
Industrie, Handel und Verkehr. In in-
dustrieller Beziehung hat L. Fortschritte gemacht.
Außer dcr Anfertigung von Schmuckfachen, Filigran-,
Gold- und ^ilberwaren, einer hier uralten Industrie,
besteben in ^. und nächster Umgebung Kork-, Tabak-,