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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Lithiumcarbonat; Lithiumsmaragd; Litho...; Lithobius forficatus; Lithobolen; Lithochromie; Lithodomus; Lithofracteur; Lithographie

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Lithiumcarbonat - Lithographie und lithographischer Druck

der Natur ziemlich verbreitet, aber nie in großer Menge. Außer im Petalit kommt es vor im Spodumen, Amblygonit, Triphyllin, Lepidolith, Turmalin. In vielen Mineralwässern ist es in sehr geringer Menge gefunden worden, so in den von Karlsbad, Franzensbad, Nauheim, Baden-Baden, Pyrmont, Marienbad, Kissingen, Hofgeismar, Bilin, Hall in Österreich, Kreuznach, Klausen in Steiermark und in großer Menge in einer heißen Quelle in der Nähe von Redruth in Cornwall, deren Wasser innerhalb 24 stunden 8 Centner L. zu Tage fördern soll. Das reine metallische L. wird an besten dargestellt durch Zersetzung des Chlorlithiums mit Hilfe eines starken elektrischen Stroms. L. gehört zu den Alkalimetallen, ist silberweiß, läuft aber schnell an der Luft gelblich an; es ist weit leichter als Wasser (spec. Gewicht 0,59), schmilzt bei 180° C. und verflüchtigt sich in der Rotglut noch nicht. L. ist härter als Kalium und Natrium und weniger leicht oxydierbar als diese, zersetzt jedoch Wasser energisch. Auch ist es dehnbar und zähe, so daß man Draht aus ihm ziehen kann. An der Luft bis über seinen Schmelzpunkt erhitzt, verbrennt es mit intensivem Lichte zu Lithion.

Die Verbindungen des L. zeigen im Spektrum eine karminrote Linie. Interesse hat von ihnen nur das Lithiumcarbonat (Lithium carbonicum). Es findet mediz. Verwendung bei Nierenkrankheiten, Gicht u. s. w., zur Umsetzung der Ablagerungen von harnsaurem Natrium in leicht lösliches harnsaures L. Das Lithiumcarbonat wird entweder aus Triphyllin, der 5-8 Proz. Lithion enthält, oder aus Lepidolith, mit einem Gehalt von 2-5 Proz. Lithion, dargestellt.

Lithiumcarbonat (Lithium carbomicum), s. Lithium.

Lithiumsmaragd, s. Hiddenit.

Litho... (grch.), Stein....

Lithobius forficatus L., Steinkriecher, s. Skolopendren und Tafel: Spinnentiere und Tausendfüßer II, Fig. 12.

Lithobolen (grch., "Steinwerfer"), s. Balliste.

Lithochromie (grch.), s. Lithographie (S. 223 a).

Lithodomus, Muscheltier, s. Seedattel.

Lithofracteur (spr. -töhr), ein zu den Dynamiten (s. d.) und besonders zu den Nobeliten (s. d.) zählender Sprengstoff, besteht aus 76 Teilen Kieselgurdynamit und 24 Teilen Minenpulver, ist schwächer in der Wirkung als Kieselgurdynamit, soll aber noch weniger empfindlich als dieser und in gefrorenem Zustande auch leichter zur Explosion zu bringen sein. Er wird von der Firma Krebs & Co. zu Kalk am Rhein hergestellt und namentlich nach Amerika in Menge ausgeführt. Auch im Feldzuge 1870/71 gelangte er zur Verwendung.

Lithographie und lithographischer Druck oder Steindruck, eine der wichtigsten vervielfältigenden Künste, die auf dem Verfahren beruht, mit dazu bereiteter fetter Tinte, Tusche oder Kreide auf polierte oder gekörnte Steine (Solnhofener Kalkstein) zu schreiben oder zu zeichnen, oder auch Schrift und Zeichnung mit Nadel oder Diamant in den Stein zu gravieren und diese gezeichneten oder gravierten Stellen des Steines durch vorherige Ätzung desselben mit Salzsäure, Scheidewasser oder Kleesalz mit Auflösung von Gummiarabikum für die Annahme der fetten Druckfarbe empfänglich und ebenso die leeren Stellen des Steines für diese Druckfarbe abstoßend zu machen, wodurch es möglich ist, dieselben nach Art der Buch- oder Kupferdrucker einzuschwärzen und mit einer für lithogr. Druck konstruierten Presse abzudrucken. Man unterscheidet als Hauptmanieren 1) die Federzeichnung, 2) die Kreide- oder Crayonzeichnung oder -Manier, 3) die Gravüre.

Zur Federarbeit muß der Stein wohl geschliffen und fein mit Bimsstein nachgeschliffen werden; dann aber, um das Ausfließen der Tusche zu vermeiden, übergießt man ihn mit einer ganz schwachen Seifenauflösung (1 Teil Seife, 10 Teile Wasser), die man rasch ablaufen läßt, worauf man den Stein mit einem reinen Tuche abreibt. Gezeichnet oder geschrieben wird auf einen solchen vorpräparierten Stein nur mit chemisch fetter Tusche, zu deren Bereitung Seife, Schellack, Mastix, Talg, Kienruß u. s. w. verwendet wird. Die mit Tusche und Feder auf Stein ausgeführten Zeichnungen haben meist den Charakter einer Kupferradrerung, wenn sie auch nie die Reinheit einer solchen erreichen. Anfänglich zur Nachahmung von Radierungen und Holzschnitten verwendet, dient die Federmanier heute vorzugsweise noch zur Darstellung technischer Zeichnungen u. dgl. Sehr wichtig ist die Federpunktiermanier für die Anfertigung von Farbenplatten bei der Chromolithographie.

Die Kreide- oder Crayonmanier besitzt neben Weichheit und malerischer Wirkung künstlerischen Wert, sie übertrifft an freier Behandlung sogar die sog. Kupferstich-Crayonmanier. Jeder Künstler kann bildliche Darstellungen mit Kreide auf dem Stein selbst ausführen. Wie man mit der flüssigen lithogr. Tusche auf die Steine zeichnen kann, ebenso läßt sich eine jener Tusche ähnliche fette Masse, die in Stiftform gebracht ist, in trocknem Zustande auf den Stein auftragen. Vor der Zeichnung muß der Stein "gekörnt" werden, was der Oberfläche des Steins eine eigentümliche Rauheit verleiht. Der Kreidestift macht daher keine zusammenhängenden Linien, sondern eine aus kleinen und größern Punkten bestehende weiche Zeichnung.

Die Gravüre oder vertiefte Manier heißt das Verfahren, bei welchem die Zeichnung mit Diamant und Nadel in die Steinplatte vertieft graviert wird wie bei dem Kupferstich, und eignet sich vorzüglich zu sehr feinen Schriftarbeiten, Landkarten, Diplomen, architektonischen Zeichnungen u. s. w. Der Stein wird erst fein geschliffen und dann mit Bimsstein nachpoliert; hierauf erhält er eine Präparatur, damit er später beim Einschwärzen mit Farbe auf den ungravierten Stellen weiß bleibt. Das Präparieren geschieht durch Überstreichen mit Gummiauflösung, der oft etwas Gallusextrakt beigemischt wird, auch kann statt dessen der Stein mit einer Kleesalzauflösung poliert und zur Aufnahme der Gravierung hergerichtet werden. Der Gummigrundierung wird etwas Kienruß beigegeben, damit die Oberfläche des Steins geschwärzt erscheint und der Lithograph beim Gravieren den Effekt seiner Striche, die weiß erscheinen, sehen kann. Ist die Gravüre vollendet, so muß der Stein "eingelassen", d. h. es müssen die gravierten Striche mit Fett, gewöhnlich Leinöl, ausgefüllt werden, damit sie dann die Druckfarbe willig annehmen. Da hier die Farbe in die Vertiefung des Steins gebracht werden muß, so ist eine Walze zum Einschwärzen nicht geeignet, sondern es werden dazu sog. Tampons, deren sich auch die Kupferdrucker bedienen, angewendet, um die Farbe in die Vertiefungen hineinzudrücken. Die Oberfläche des Steins muß dann wieder vor dem Abdruck rein gewischt werden. Der Druck ist