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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Loch Neß - Locke
Doms zu Köln, dessen Mittelstück die Anbetung der
heiligen drei Könige, dessen Flügel Heilige und die
Vcrkündigungsfiguren zeigen. Das Vild bezeichnet
den Höhepunkt der Kölnischen Schule und verrät
einen Künstler, dem ein hoher Sinn sür monumen-
tal großartige Komposition wie für reiche gesättigte
Farbenharmonie, zugleich aber eine zarte Empfin-
dung eigen war. Einige andere Werke können ibm
zugeschrieben werden' so die kleine Madonna im
Rosenhag im Kölner Museum, Die Darstellung im
Tempel m Darmstadt und das Altarbild mit dem
Jüngsten Gericht, dessen eine Hälfte im Museum zu
Köln, dessen andere, die Apostel-Martvrien, im
Städelscken Institut zu Frankfurt a. M. ist.
Loch Netz (spr. lock), See, s. Neh.
Lochos (grch.), bei den alten Griechen eine Abtei-
lung von Fußsoldaten. Bei den Spartanern zerfielen
die Hopliten in 6 Moren (s. Mora) zu je 2 Lochen,
bei den Athenern in 10 Taxcis (nach den 10 Phylen),
deren Unterabteilungen ebenfalls L. hießen. In
den spätern griech. Söldnerheeren bestand ein L.
aus 100 Mann und stand unter dem Lochagos.
Lochotin, Ort und Bad bei Pilsen (s. d.).
Lochring, s. Lochmaschine.
Lochsäge, s. Sägen.
Lochstempel, s. Lochmaschine. ^gravhie.
Lochstreifenautomat, s. Automatische Tele-
Lochtaster, soviel wie Hohlzirkel (s. d.).
Lbchwiza. 1) Kreis im nördl. Teil des russ.
Gouvernements Poltawa, hat 2640,6 <il<m, 146748
E. (meist Kleinrusseu); Ackerbau, Vieb-, Pferdezucht,
auch Tabaksbau, Bienenzucht, Töpferei, Böttcherei,
Schmieden. - 2) Kreisstadt im Kreis L., an der L.
und Sula und an der Linie Krcnicntschng-L.-Romnv
der Eisenbahn Charkow-Nikolajew, hat (1894)
10789 E., 0 russ. Kirchen, 2 israel. Vethäuser;
Ölmühlen, Ziegeleien, Schmieden und Viehhandel.
Lochwürmer, soviel wie Sauawürmcr (s. d.).
Lochzirkel, soviel wie Hohlzirkel ss. d.).
I.00I oonuunnVs (lat.), Gemeinplätze,
im lat.-philos. Sprachgebrauche Grundbegriffe und
selbstverständliche Wahrheiten; auch nannte so Mc-
lanchthon (s. d.) sein dogmatisches Hauptwerk.
Locieren (lat.), an seinen Platz stellen, setzen;
ausleihen (Geld), verpachten; die Gläubiger einer
Konkursmasse in Klassen ordnen.
Locke (spr. lock), John, engl. Philosopb, geb.
29. Aug. 1632 zil Wrington in der Grafschaft
Somerset, studierte seit 1851 zu Orford, trat in
Verbindung mit dem Grafen Shafteobury, der in
der Folge Grohkauzler von England wurde, und
erhielt durch ihn einen Posten, den er aber verlor, als
jener 1673 in Ungnade fiel. Aus Gesundheitsrück-
sichten begab er sich 1677 nach Montpellier und
von da nach Paris, kehrte 1679 in sein Vaterland
zurück, begleitete aber 1683 seinen Gönner Ehaftes-
bury, als dieser von neuem in Ungnade fiel, nach
Holland. Beschuldigt, in Holland Pasquille gegen
die engl. Regierung in den Druck gegeben zu haben,
verlor L. seine Stelle im <Hi-i8t l^durcli ^oiieZ'6 zn
Oxford. Nach der Entthronung Jakobs II. kchrte
L. 1689 nach England zurück und erhielt eine unter-
geordnete, aber einträgliche Stelle im Ministerium
der Kolonien. 1700 legte er indes seine Stelle nie-
der und lebte auf der Besitzung eines Frcnndes bei
London. Er starb 23. Okt. 1704 und wurde zu
Oates in der Grafschaft Esser begraben.
L.s philos. Lehre, die er in seinen: Hauptwerk
<^38l^ concerninF i1um9.11 nndßi-LtÄnäinZ" (2 Bde.,
Lond. 1690; französisch von Coste, Amsterd. 1700
u.ö.; deutsch von Tennemann, 3 Bde., Jena und
Lpz. 1795 - 97, und von Kirchmann, ebd. 1872)
niederlegte, entsprang aus dem Bestreben, die Er-
kcnntnisfähigkeit des Menschen durch eine Unter-
suchung über den Ursprung der Vorstellungen zu
prüfen; er findet ihn unter Leugnung aller angebo-
renen Begriffe nur in der Erfahrung und Zwar der
äußern (86N3lttion) sowohl als auch der innern sre-
iiexion). In Bezug auf die erstere führte er die An-
sicht von Descartes und Hobbes, daß die sinnlichen
Qualitäten, wie Farbe, Ton, Geschmack u.s.w., nicht
als Eigenschaften der Dinge an sich, sondern nur
als deren subjektive Wirkungen zu betrachten seien,
konsequent aus und lehrte, daß nur Größe, Gestalt,
Zahl, Lage und Vewegungszustand als objektive
Eigenschaften der Dinge angesehen werden dürften:
diese nannte er primäre, jene sekundäre Qualitäten.
Da nun das menschliche Denken sich ans der Kom-
bination dieser einfachen Elemente zufammensetzt,
so giebt es ein streng demonstratives Wissen immer
nur von den Verhältnissen unserer Vorstellungen,
nicht aber von den Dingen: denn unter Substanzen
verstehen wir nur den unbekannten Träger einer
Reihe von bekannten Eigenschaften. Alle Wahrheit
besteht für uns nicht in der Übereinstimmung der
Vorstellungen mit Dingen, sondern in der Überein-
stimmung der durch die Erfahrung gewonnenen Vor-
stellungen untereinander. Mit diesen Lehren wurde
L. der eigentliche Begrüuder des engl. Empirismus
und zugleich der Urheber einer sorgfältigen Forschung
in der empirischen Psychologie. In England ist
alle spätere Philosophie durch L.s Lehre beeinflußt;
in Frankreich wurde sie durch Voltaire eingebürgert
und durch Eondillac zum Sensualismus umgebildet;
in Deutschland rief sie als Gegensatz die bedeutendste
Schrift von Leibniz hervor und übte auf das ganze
Zeitalter der deutschen Aufklärung großen Einfluß
aus. Nicht minder anregend wirkte L. auf den übri-
gen Gebieten des Denkens. In der Religionsphilo-
sophie arbeitete er dem Deismus vor, indem er in
seiner Schrift "'II16 r6N80nadi6ii638 ot'ckli8tiHiiit^"
<Lond. 1695; neue Ausg. 1842) uachzuweifen suchte,
daß die Lehren der positiven Religion, obwohl nicht
durch die Vernunft gefunden, ihr doch nicht wider-
sprächen. In polit. Hinsicht ist L. der erste philos.
Vertreter des modernen Konstitutionalismus: er
verteidigte in seinen "I^o ti-6lUi863 0k Fovsi'n-
M6nt" (1690; 6. Aufl. 1764) die soeben zu Gunsten
Wilhelms von Oranien vollzogene Revolution und
die repräsentative Verfassung, und dieses Werk hat
auf Montesquieu und die spätern Begründer des
modernen Liberalismus großen Einfluß gehabt.
Seine 1693 gedruckten "^ii0uAit8 conesruin^ tke
eclucation" entwickeln an den besondern Verhält-
nissen der engl. Familienerziehung^jene pädagogi-
schen Grundsätze, die Rousseaus "^mii6" vorgear-
beitet baben. Ausgaben seiner Werke erschienen zu
London (3 Bde., 1714; 12. Aufl., 9 Bde., 1826); seine
philos. Werke gab Saint-John (2 Bde., Lond. 1854)
heraus. - Vgl. die Biographien L.s von Lord King
(Lond. 1829; neue Aufl. 1858), Bourne (2 Bde.',
ebd. 1876), Fräser (ebd. 1890) und Fowler (ebd.
1895); über seine Philosophie Tagart, I^.'L ^i-itw^8
anä pki1o80p1iv (ebd. 1855); Webb, 1d6 wwIlLo
tua1i3N 0t' ^0lm 1^. (ebd. 1858); Schärer, John L.
Seine Verstandestheorie und seine Lehren über Re-
ligion, Staat und Erziehung (Lpz. 1860); Cousin,
La i^ilc,80i)djo äs I.. (4. Aufl., Par. 1861); Fritscbe,