Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

272
Lombarden - Lombardisch-Venetianisches Königreich
Provin

Fläch euraum in ^m
Einwohner
1881
Attf 1 hkin
zen
offiziell
nach
Strelbitskij

Bergamo . Brescia . Como Cremona . Mailand Mantua Pavia . . Sondrio .

2 816 4 258 2 720 1637 2 992 2 490 3 345 3 268
2 828 4 779 2 796 1 778 3 143 2 359 3 399 3 123
390 775 471568 515 050 302138 1 114 991 295 728 469 831 120 534
139 111
139 134 373 119 140 37
Lombardei j 23 526 j 24 205 j 3 680 615 > 156
Eine neuere Ausmessung der Generaldirektion
der Statistik ergab 24317 cikin, eine Berech-
nung vom 31. Dez. 1894: 4007 501 E., d. i. 165
auf 1 gkiu.
Die L. führt ihren Namen nach den Langobarden
(s. d.), die diefen Teil Oberitaliens 569 eroberten
und am stärksten besiedelten. Nach deren Besiegung
(774) vereinigte Karl d. Gr. die L. und Mittelitalien
mit seinem Reich. Nach dem Erlöschen der ital. Linie
der Karolinger machten sich einheimische Fürsten
und burgundische Könige (s. Italien, Geschichte,
Berengar, Guido) die Herrschaft über die L. streitig,
bis Otto I. 951 Italien wieder mit dem Reiche ver-
einigte. Im 11. Jahrh, blühten die Städte, beson-
ders Mailand und Pavia, rasch empor und maßen
sich, im Lombardischen Bund vereinigt, im sieg-
reichen Kampf mit den Kaisern Friedrich I. und II.
(s. Italien, Geschichte). Während im Osten der L.
Venedig seine Herrschaft ausdehnte, vereinigten
die Visconti (s. d.) von Mailand die L. in der
Hauptsache unter ihrer Gewalt. Ihre Nachfolger,
die Sforza (s. d.), gingen in dem Kampfe zwischen
Spanien und Frankreich, der großenteils in der L.
ausgefochten wurde, zu Grunde, und die L. wurde
nun zuerst wieder an das Reich gebracht, dann 1535
einem span. Statthalter unterstellt. Nach den: spa-
nischen Erbfolgekriege, dessen Kriegsschauplatz die L.
zum Teil gewesen war, kam sie 1714 an Österreich.
Im Wiener Frieden (1735) und Wormser Vertrag
(1743) mußten kleinere Abtretungen (8260 q.kin) an
Sardinien gewährt werden; Osterreich behielt ein
Gebiet von 21585 hkin. Allein Vonaparte ver-
wandelte 1797 die L. in die Cisalpinische Republik,
welche 1802 zur Italicnischen Republik und 1805
zum Königreich Italien umgeschaffen wurde. Durch
den Pariser Frieden vom 30. Mai 1814 und die
Wiener Kongreßakte vom 9. Juni 1815 erhielt
Osterreich nicht nur, wie Sardinien, seine vorigen
lombard. Besitzungen zurück, sondern es wurde aucb
hiermit zugleich das oberital. Gebiet der ehemaligen
Republik Venedig vereinigt, und diese Länder bil-
deten seitdem als Lombardisch-Venetianisches König-
reich (s. d.) einen Bestandteil der Osterreichischen
Monarchie. Unverändert blieb der Besitzstand durch
denItalienischen Krieg von 1848und 1849 (s. Italien,
Geschichte, Abschnitt 10). Erst infolge des Züricher
Friedens von 1859 kam zunächst die L., dann durch
den Wiener Frieden von 1866 auch das Venetia-
nische an das neue Königreich Italien. - Vgl. Leo,
Entwicklung der Verfassung der lombard. Städte bis
zur Ankunft Kaiser Friedrichs I. in Italien (Hamb.
1824); von Vethmann-Hollweg, Ursprung der
lombard. Städtefreiheit (Bonn 1846); von Si-
monyi, Geschichte des Lombardisch-Venetianischen
Königreichs (2 Bde., Mail. 1846-47); ders., Ge-
schichte der lombard. und venet. Städte bis 1420
bez. 1708 (ebd. 1847); Handloike, Die lombard.
Städte unter der Herrschast der Viscköse und die
Entstehung der Kommunen (Berl. 1883); Ottolini,
1^ i-ivowöioue lomdaräH äel 1848 - 49 (Mail.
1887); von Helfert, 1814. Ausgang der franz.
Herrschaft in Oberitalien (Wien 1890); C. Cantu,
1^' ^ddlUk I^i'ini 6 la. I^oindnräia nei sscolo pas-
8lUo (Mail. 1892); A. G. Meyer, Lombard. Denk-
mäler des 14. Jahrh. (Stuttg. 1893); wertvolle
Einzelnntersuchungen giebt das in Mailand er-
scheinende Xrcinvio storico loindarclo.
Lombarden, kaufmännische Bezeichnung für
Aktien der österr. Südbahn.
Lombardgeschäft, Darlehen gegen Verpfän-
dung von Wertpapieren, Hypothekenscheinen, Edel-
metallen, Waren u. s. w., so genannt nach den
ital. Geldwechslern ("Lombarden"), die sich im
Mittelalter in den gröftern deutschen Städten nie-
derließen. Das L. gehört zu den Attivgeschäften der
Banken (s. d.), welch letztere wohl auch Lombard-
banken genannt werden, wenn sie (was jedoch sel-
ten ist) das L. vorzngsweise pflegen. Für das L.
der Neichsbank enthält das Deutsche Vankgesetz vom
14. März 1875, §. 13, Nr. 3, für das der Privat-
banken dasselbe Gefetz §. 44, Nr. 1, Schranken.
Statt der Papiere selbst können auch die Depot-
scheine von Effekten, welche der Reichshauptbant für
Wertpapiere in Verwahrung gegeben sind, bei der
Reichsbant belichen werden. Von Waren beleiht
die Reichsbank zu ein halb bis zwei Dritteln ihres
Wertes vorzugsweise Robprodukte, wie Getreide,
Spiritus, Nüböl, Zucker, Petroleum u. s. w., welche
sie unter eigenen Verschluß nimmt und durch beson-
dere Taxatoren und Revisoren abschätzen und be-
aufsichtigen läßt. Der Stand der Lombarddarlehen
der Reichsbank betrug (Ende 1895) 9083 Pfand-
scheine mit 211,2 Mill. M. Darlehnssumme, davon
206,6 Mill. M. auf Wertpapiere einschließlich Wech-
sel. Andere Banken beleihen auch Konnossemente
und Ladescheiue sowie Lagerscheine (Warrants)
u. dgl. Papiere, über das Unterpfand erhält der
Darlehnsnehmer in der RegeleinenPfandschein.
Die Banken behalten sich gewöhnlich statutengemäß
das Recht vor, falls der Schuldner mit Zinszah-
lung oder Rückgabe des Darlehns im Verzüge ist,
das Pfand ohne eine gerichtliche Ermächtigung
oder Mitwirkung öffentlich zum laufenden Markt-
oder"Börsenpreise zu verkaufen und sich aus dem
Erlöse bezahlt zu machen. Für die Reichsbank
crgiebt sich dies Recht aus §. 20 des Bankgesetzes.
Ist das Faustpfand unter Kaufleuten für Forde-
rungen aus beiderseitigen Handelsgeschäften schrift-
lich bestellt, so kommen die Bestimmungen des
Handelsgesetzbuches Art. 310, 311 zur Anwendung.
Der Lombardzinsfuß ist regelmäßig ^2 bis
1 Proz. höher als der jeweilige Diskontsatz. Mit
dem L. verwandt ist das Reportgeschäft (^.Deport).
Von dem L. zu unterscheiden sind die gewöhnlichen
Pfandleih- und Rückkaufsgeschäste (s. d.), für welche
die Bestimmungen der Gewerbeordnung K. 34 maß-
gebend sind.
Lombardifche Alpen, s. Ostalpen.
Lombardischer Bund, s. Italien (Geschichte).
Lombardischer Stil, s. Romanischer Stil.
Lombardisch-Venetianische Eisenbahn, s.
Südbahn, Osterreichische.
Lombardisch - Venetianisches Königreich
hieß seit dem Wiener Kongreß (1815) der nordöstl.
Teil Italiens, welcher ein österr. Kronland bildete,
von dem aber im Züricher Frieden vom 10. Nov.