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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lonigo - Lónyay
Namen Bein- oder Knochenholz bekannte Holz
von 1^. x^Io3t6um wird zu Schuhzwecken, Weber-
kämmen und Ladestöcken benutzt. Die Blüten sind
bei der Normalsorm blaßrot, bei den Varietäten
weiß bis karmesinrot.
Aus der Gruppe der Geißblatte wächst 1^. p6ii-
cl^menum DO. in Deutschland wild. Häufig
angebaut als Laubenpflanze und zu Wandbetlei-
dungen wird 1^. capi-ifoUum ^., das bekannte
wohlriechende Gartengeißblatt, dessen Heimat
das südlichste Europa ist; seltener das nordamerika-
nische 1^. 8(>mpoi-viroii8 Iv. mit glänzend dunkel-
grünen Blättern und prachtvollen scharlachroten
Vlumeu. Eine sapan. Art, 1^. dracliv^oä^ />('.,
ist als kleiner Kletterstrauch sür Freiland- und
Topfkultur beliebt. Besonders die Abart mit gold-
farbig geäderten Blättern (v^r. aureoi^til-uww)
ist geeignet zum Beziehen kleiner Beetfläcbcn, Gar-
nierung von niedrigen Gittern, Ampeln u. s. w. Alle
Arten werden leicht durch Stecklinge vermehrt.
Lomgo, Hauptort des Distrikts L. (36511 E.)
der ital. Provinz Vicenza, am Agno (Gua), am Süd-
westfuß der Bericischen Hügel (s. d.), an der Linie
Verona-Vicenza (Bahnhof 10 kni entfernt) und an
der Trambahn Verona-L.-Cologna, bat (1881)
7023, als Gemeinde 9880 E., zwei mittelalterliche
Türme; Hanf-, Flachs- und Getreidebau.
Aoening, Edgar, Jurist, geb. 14. Juni 1843 zu
Paris, studierte in Bonn, Heidelberg und Berlin,
babilitierte sich 1869 zu Heidelberg, ward 1870 in
die Verwaltung des Generalgouvernements Elsaß
berufen, 1872 außerord. Professor in Straßburg,
1877 ord. Professor in Dorpat, 1883 in Nostott,
1886 in Halle. L. schrieb: "Erbverbrüderungen
zwischen den Häusern Sacksen und Hessen und Sack-
scn, Brandenburg und Hessen" (Franks, a. M. 1867),
"Verwaltung des Generalgouvernements Elsaß"
(Straftb. 1874), "Gefchichte des deutschen Kirchen-
rechts" (2 Bde., ebd. 1878), "Haftung des Staates
aus rechtswidrigen Handlungen seiner Beamten"
(Franks, a. M. 1879), "Die'franz. Verwaltungs-
gerichtsbarkeit" (Berl. 1880), "Lehrbuch des deutschen
Verwaltungsrechts" (Lpz. 1884), "Die Gemeindever-
fassung des Urchristentums" (Halle 1888). Mit Con-
rad, Elster und Lexis veröffentlicht L. das "Hand-
wörterbuch der Staatswissenschaften" (Iena1890 fg.).
Loening, Richard, Jurist, geb. 17. Aug. 1818
zu Frankfurt a. M., Bruder des vorigen, studierte
die Rechte in Heidelberg und Berlin, war dann in:
praktischen Iustizdienst thätig, habilitierte sich 1875
in Heidelberg, wurde 1878 außerord. Professor da-
selbst und ging 1882 als ord. Professor nach Jena.
L. schrieb: "Über Ursprung und rechtliche Bedeutung
der in den altdeutschen Urkunden enthaltenen Straf-
klauseln" (Straßb. 1875), "Der Vertragsbrucb und
seine Rechtsfolgen" (Bd. 1, ebd. 1876), "Der Reini-
gungseid bei Üngerichtsklagen im deutschen Mittel-
alter" (Hcidelb. 1880), "Die Widerklage im Reicks-
civilprozeh" (Berl. 1881), "Über geschichtliche und un-
geschichtliche Behandlung des deutschen Etrafrechts"
(ebd. 1883), "Grundriß zu Vorlesungen über deut-
sches Strafrecht" (Frankf. a. M. 1835), "Die straf-
rechtliche Haftung des verantwortlichen Redacteurs"
iIena 1889), "Über die Begründung des Straf-
rechts" (ebd. 1889); ferner: "Die Hamlet-Tragödie
Shakespeares" (^tuttg. 1893).
Lönnrot, Elias, Schöpfer der neuern finn. Litte-
ratursprache, geb. 9. April 1802 zu ^ammatti in
Ryland, machte seit I9^?3 cmf der Universität zu L'lbo
philol., vhilos. und naturwissenschaftliche Studien,
wandte sich aber 1827 zuHelsingfors der Medizin M
Nachdem er seit 1833 als Kreisarzt zu Kajana gewirkt
batte, wurde er 1853 Professor der finn. Sprache und
Litteratur an der Universität Helsingfors. 1862 trat
er von seinem Amte zurück und starb in Sammatti
19. März 1884. Seit 1828 unternahm L. behufs
sprachlicher Forschung und Sammlung alter Volks-
l dichtungen Reisen in Finland, Lappland, Ingerman-
! land und dem nordwestl. Rußland. Als erste Frucht
seiuer Wanderungen erschien "Kalewala" (s. d.), das
Nationalepos der Finnen. In den "Kantelswr"
(3 Bde., Helsingf. 1840; 3. Aufl. 1887; deutsch von
H. Paul, ebd. 1882) stellte L. alte lyrische und balladen-
artige Dichtungen zusammen. Diesen folgten noch
"8U0IN6111ilin8.ÄN 8HNHlll8l(UM" (Helsingf. 1842), eine
Sammluug von finn. Sprichwörtern, "spornen kau-
, 8an arvoiwk8iw) (ebd. 1844; 2. sehr vermehrte Aufl.
1861), "I^oitLurnnoM" oder "Z.niberfprüche" (Hel-
singf. 1880). Sonst sind von L.s Sammelwerken
! noch "Xantsleu (4 Hefte, Helsingf. 1829-31), ältere
! und ueuere finn. Lieder enthaltend, und eine Aus-
gabe von Poesien des Vauerndichters Paawo Kor-
honen (ebd. 1848) zu nennen. Außerdem hat er
durch die Ausarbeitung eines "Finnisch-Schwedischen
Lexikons" (Vd.1-2, Helsingf. 1874-80) wesentlich
zur Ausbildung der finn. Sprache mitgewirkt. Für
Hebung der Volksbildung suchte L. durch die Monats-
schrift "^lekMinkii" (Üleab."1836-37; Zelsings.
1839-40) und das Wochenblatt "0uwn >Viikko
Z^nomiH" (Uleab. 1852 fg.) zu wirken.
Lonquimai (spr.-ki-), Vulkan an der Grenze
der ckilcn. Provinzen Eautin, Malleco und Viobio,
westlich von der Hauptkc-tte der Anden, 2810 m boch.
Lons-le-Saunier oder Le (^aulnier (spr.
long le ßonieb). 1) Arrondissement des franz. Depart.
Jura, hat 1567,63 hkw, (1891) 92 711 E., 2l3 Ge-
meinden und zerfällt in 11 Kantone. - 2) Haupt-
stadt des Tepart. Jura, liegt, von Weinbergen um-
geben, in einem Thalkesfel des Juras, 90 kni süd-
westlicb von Vesancon, an den Linien Vesancon-
Lyon, L.-Champagn'ole (45 km) und L.-Chalon-'sur-
Saöne (66 km) der Ätittelmeerbahn, ist Sitz der
Departementsbchörden, eines Assisenhofs, Handels-
gerichts und des Kommandos der 27. Infanterie-
brigade, hat (1891) 9903, als Gemeinde 12610 E.,
in Garnison das 44. Infanterieregiment, Denk-
mäler des Generals Lecourbe und des Komponisten
Nouget dc l'Isle, Lyceum, Lehrer- und Lehrerinnen-
seminar, Bibliothek (25000 Bände) im Stadthaus,
ein Museum, ein Theater; Holz- und Getreidemühlen,
Brauerei, Handel mit Wein, Mehl, Käse und Eisen.
- L. (1.6ä() 3iilinln-i3) verdankt seine Entstehung der
starken, setzt zu Bädern benutzten Salzquelle.
Lontar, Lontarzucker, s. lior^us.
Lontor, eine der Vanda-Inseln (s. d.).
Löntsch, die, Nebenfluß der Linth, s. Klönthal.
Lönyay (spr. lohnjai), Äielchior, Graf von Nagy-
Lönya und Vafaros-Nameny, ungar. Staatsmann,
geb. 6. Jan. 1822, studierte in Pest und wurde 1843
in den Landtag gewählt, wo er sich der Oppositions-
partei anschloß. Er bekleidete im ersten ungar. Mi-
nisterium unter Kossuth die Stellung eines Unter-
staatssekretärs im Finanzministerium, wurde nach
Niederwerfung der Revolution (s. Ungarn, Geschichte)
^ flüchtig und dielt sich in London und Paris auf.
Infolge einer Specialamnestie kehrte er 1850 nach
Ungarn zurück, wurde jedoch vorläufig auf seinen
Gütern interniert. Nach Aushebung der Internie-
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