Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

358

Ludwigs-Eisenbahn - Ludwigsluster Kanal

gedacht war, leidet unter den zahlreichen Schleusen und an den zu geringen Abmessungen dieser sowie dem knapp bemessenen Profil auf freier Strecke. Die Sohle des eigentlichen Kanals ist nur 9,30, der Wasserspiegel nur 15,20 m breit, die Tiefe, in den flachsten Teilen 0,95, sonst 1,30 bis 1,46 m betragend, ist ebenfalls nicht genügend. Die Schleusen haben größtenteils nur 32,10 m nutzbare Länge, 4,50 m Breite, 1‒1,46 m Tiefe. Der anfangs dennoch lebhafte Verkehr litt später unter der Konkurrenz der Eisenbahnen. Den bedeutendsten Verkehr hat Nürnberg aufzuweisen, wo 1895 34736 t aus- und 3299 t eingeladen wurden, während der Durchgangsverkehr nach der Donau 628, nach dem Main 22046 t betrug. An Flößen blieben in Nürnberg 145 t, durch Nürnberg gingen 3347 t. Seit 1891 werden durch den Bayrischen Kanalverein lebhafte Anstrengungen gemacht, um dem L. durch Verbesserung des Mains und durch Umbau oder teilweisen Neubau bessern Erfolg zu sichern, doch zeigt sich hierfür im bayr. Landtage keine Geneigtheit. – Vgl. Schanz, Der Donau-Main-Kanal und seine Schicksale (Bamb. 1894).

Ludwigs-Eisenbahn, Bayrische, s. Bayrische Eisenbahnen.

Ludwigs Eisenbahn, Hessische, s. Hessische Ludwigs-Eisenbahn.

Ludwigsglück, Kohlenzeche, s. Biskupitz.

Ludwigshafen. 1) L. am Rhein, Bezirksamt im bayr. Reg.-Bez. Pfalz, hat (1890) 61478, 1895: 30504 (15036 männl., 15468 weibl.) E. in 17 Gemeinden mit 34 Ortschaften, darunter 1 Stadt. – 2) Unmittelbare Stadt, am linken Ufer des Rheins, Mannheim gegenüber und mit diesem durch eine Eisenbahnbrücke und Dampffähren verbunden, an den Linien Worms-L. (21,7 km), Mannheim-Neunkirchen und den Nebenlinien L.-Darmstadt (13,3 km) und L.-Großkarlbach (23,5 km) der Pfälz. Eisenbahnen, ist Sitz des Bezirksamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Frankenthal), Hauptzollamtes, einer Brandversicherungsinspektion, Reichsbanknebenstelle, Handels- und Gewerbekammer, der Filialen der königl. Bank in Nürnberg und der bayr. Notenbank in München sowie der Direktion der Pfälz. Eisenbahnen und hatte 1864: 3911, 1880: 15012, 1890 einschließlich der 1. Jan. 1892 einverleibten Gemeinde Friesenheim 33216, 1895: 39801 (20468 männl., 19333 weibl.) E., darunter 18846 Evangelische und 403 Israeliten, Post mit Zweigstelle, Telegraph, Fernsprechamt, 3 kath., 3 evang. Kirchen. L. ist der bedeutendste Handelsplatz der Pfalz und hat einen Fluß- und Binnenhafen, Eisen- und Metallgießerei, Maschinenfabrik, Schmirgelwerk, Trikotweberei, Jutespinnerei und -Weberei, Fabriken für Anilin, Soda (die Badische Anilin- und Sodafabrik mit 4500 Beamten und Arbeitern ist die größte chem. Fabrik der Welt), Weinstein- und Schwefelsäure, Alaun, Dünger, Leim, Kunstwolle, pharmaceutische Präparate, Öl, Chamotte- und Thonwaren, Handschuhe, Korkstein- und Isolierungsmasse, Falzziegel, Backsteine, Essig, Sprit, Preßhefen, Werkzeugmaschinen, Eisenbahnwagen und Malz, ferner Gewürzmühle, Kaffeerösterei, Dampfmolkerei, Dampfsägewerk und Aktienbrauereien. – Hier fand 15. Juni 1849 ein Gefecht zwischen Preußen und Badensern statt. L. war früher unter dem Namen Rheinschanze der Brückenkopf der ehemaligen Festung Mannheim, bis König Ludwig Ⅰ. im April 1843 dem Orte den Namen L. erteilte; 1859 wurde er zur Stadt erhoben. (Vgl. Esselborn, Geschichte der Stadt L., Ludwigshafen 1886‒88.) – 3) L. am Bodensee, Dorf im Amtsbezirk Stockach des bad. Kreises Konstanz, fast am äußersten Ende des Überlinger Sees, hat (1890) 844 E., darunter 23 Evangelische, 1895: 911 E., Post, Telegraph, kath. Pfarrkirche, einen Hafen und Dampferverbindung.

Ludwigshöhe, königl. Villa bei Edenkoben (s. d.) in der Rheinpfalz.

Ludwigshöhle, s. Muggendorf.

Ludwigskanal, s. Ludwigs-Donau-Main-Kanal.

Ludwigslied, ein histor. Lied in rheinfränk. Sprache zur Verherrlichung des Siegs, den der westfränk. König Ludwig Ⅲ. bei Saucourt in der Picardie 3. Aug. 881. über die Normannen erfocht. Obgleich der geistliche Verfasser unmittelbar nachher, jedenfalls vor Ludwigs Tode (5. Aug. 882) seine knappe, echt volkstümliche Ballade verfaßte, finden sich doch schon poetisch wirksame legendarische Züge eingemischt. Das Ludwigslied besteht aus Strophen zu je zwei oder drei Reimpaaren. Die einzige von Hoffmann von Fallersleben in Valenciennes aufgefundene Handschrift stammt aus der flandr. Abtei St. Amand-sur-l’Elnon. Die beste neue Ausgabe steht in Müllenhoffs und Scherers «Denkmälern deutscher Poesie und Prosa» (3. Ausg., 2 Bde., Berl. 1892), Nr. 11.

Ludwigslust, Stadt im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin und Sommerresidenz des Großherzogs, 35 km südlich von Schwerin, an dem von der Elbe abgeleiteten Ludwigsluster Kanal, an den Linien Wittenberge-Hamburg der Preuß.Staatsbahnen, L.-Wismar (68,2 km) und der Nebenlinie L.-Dömitz (30,3 km) der Mecklenb. Friedrich-Franz-Eisenbahn und an der Nebenlinie L.-Neubrandenburg. (142,4 km) der Mecklenb. Südbahn, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Schwerin), hat (1895) 6658 (1890: 6500) E., Postamt erster Klasse, Fernsprecheinrichtung, in Garnison das Dragonerregiment Nr. 17, ein Denkmal des Großherzogs Friedrich Franz Ⅰ., Realgymnasium, höhere Mädchenschule, Taubstummeninstitut, Wasserleitung, Kanalisation, Gasbeleuchtung, Schlachthaus; Fabrikation von Tuch, Chemikalien, Schokolade und Zuckerwaren. Das 1772‒76 erbaute Residenzschloß, ein Viereck von 80 m Länge und mit Pirnaer Sandstein verkleidet, hat einen schönen Schloßgarten mit künstlichen Ruinen, Mausoleen und dem Denkmal des Herzogs Friedrich. Bemerkenswert sind die luth. Hofkirche in Form eines griech. Tempels, mit dem großen Granitsarkophag des Herzogs Friedrich und einem Riesenaltarblatt, die gotische kath. Kirche, das Prinzenpalais und der sog. Prinzengarten mit der Begräbniskapelle des 1819 verstorbenen Erbgroßherzogs Friedrich Ludwig und seiner ersten Gemahlin, der Großfürstin Helena Paulowna (gest. 1803), die großherzogl. Villa Gustava und das Stift Bethlehem mit Kirche, sowie das Krankenhaus mit Diakonissenbildungsanstalt. – Herzog Friedrich (1756‒85) legte den Ort an Stelle des Dörfchens Klenow an und benannte ihn zu Ehren seines Vaters, des Herzogs Christian Ludwig Ⅱ. (1747‒56), L. Am 1. Juli 1876 wurde L. zur Stadt erhoben.

Ludwigsluster Kanal, s. die Tabelle Ⅲ zur Karte: Die Schiffahrtsstraßen des Deutschen Reiches, beim Artikel Schiffahrtskanäle.