Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

370
Luhali - Luise Dorothee (Herzogin von Sachsen-Gotha und Altenburg)
Post, Tclegrapb, eine schöne roman. Kirche, Überreste
des 1173 gestifteten und 1548 aufgehobenen Cister-
cienserklosters; Leder-, Pfeifen- und Wagenfabriken,
Pferde- und Viehmärkte.
Luhali, Nebenfluß des Kongo, s. Aruwimi.
Luik (spr. leuk), vläm. Name für Lüttich.
Luina, Volk in Südafrika, s. Barotse.
Lumi, Bernardino, ital. Vtaler, geb. Mischen
1475 und 1480 in dem Flecken Luino am Lago
Maggiore, gest. uach 1533, gehört der von Leonardo
da Vinci beeinflußten Mailänder Schule an. Er ver-
einigt die zarteste Naivetät und Innigkeit mit der
höchsten Schönheit. Sein Kolorit ist warm und reich,
seine Komposition und Zeichnung meisterhaft, der
Ausdruck oft großartig. Soine Fresken ans dem
Leben der Maria und Christi finden sich hesonders
zu Mailand in San Giorgio, in Sta. Maria delle
Grazie, in Sau Ambrogio, in der Chiesa del Mona-
stero Maggiore, ferner in der Brera saus Kirchen und
Häusern von der Wand abgelöste Fresken; daruuter:
Thronende Madonna von 1521 und Vestattnng der
heil. Katharina). Aus seiner spätesten Zeit stammen
die Fresken aus dem Marienleben in der Wallfahrts-
kirche zu Saronno (1525) und in Sta. Maria degli
Ungioli M Lugano (um 1530; Leidensgeschichte
Christi). Von seinen Tafelbildern sind zu uennen:
Tochter der Herodias mit dem Haupt Johannes' des
Täufers (Florenz, Tribuna der Nffizien), Heilige
Familie (Paris, Louvre; Madrid, Prado-Museum),
Christus unter den Schriftgelehrtcn (London, Natio-
nalgalcrie), Heilige Katharina (München, Pina-
kothek^, Heiliger Hieronymus (Wien, Hosmuseum).
Lumo oder Luv ino, Flecken im Kreis Varese
der ital. Provinz Como, Geburtsort des Bernar-
dino Luini (s. d.), liegt bei der Mündung der Tresa
auf dem o'stl. Ufer des Lago Maggiore an den
Linien L.-Novara, Ponte Tresa-L. (13 lim) und
Bellinzona-L. (39 1cm, Gotthardbahn), hat (1881)
2291, als Gemeinde 3540 E., mehrere Kirchen, einen
alten Palazzo der Familie Crivelli; Feld- und Wein-
bau, Baumwoll- und Scidenindustrie. Ein Stand-
bild Garibaldis erinnert an das Gesecht Garihaldis
gegen die Österreicher (15. Aug. 1818).
Luis, San, s. San Luis.
Luis de Leon, s. Ponce de Leon, Fray Luis.
Luise Henriette, Kurfürstin von Branden-
burg, erste Gattin (seit 1646) des Großen Kurfürsten
Friedrich Wilhelm, geb. 17. (27.) Nov. 1027 im Haag
als älteste Tochter des Prinzen Friedrich Heinrich
von Oranien, gest. 8. (18.) Juni 1667, gilt für die
Verfasserin von vier Kirchenliedern: "Jesus meine
Zuversicht", "Ich will von meiner Missethat", "Gott,
der Reichtum deiner Güte", "Ein andrer stelle sein
Vertrauen". Ihre Autorschaft ist aber nenerdings
angezweifelt worden; man hat die Lieder für Paul
Gerhardt in Anspruch genommen. Sie begründete
1665 in der nach ihr benannten Stadt Oranienburg
das Waisenhaus; daselbst wurde ihr auch 1858 ein
Bronzestandhild errichtet.
Luise Amalie, Gemahlin des Prinzen August
Wilhelm (s. d.) von Preußen, des ältesten Bru-
ders Friedrichs d. Gr., geb. 29. Jan. 1722, gest.
13. Jan. 1780, Tochter des Herzogs Ferdinand Al-
brecht II. von Vraunschweig, ist als Mutter Fried-
rich Wilhelms II. die Stammmutter des jetzigen
deutschen Kaiserhauses geworden.
Luise, Auguste Wilhelmine Amalie, Königin von
Preußen, Gemahlin Friedrich Wilhelms III., geb.
10. März 1776 in Hannover, wo ihr Vater, Herzog
Karl von Mecklenburg-Strelitz, damals die hannov.
Truppen befehligte. Sie verlor schon im sechsten
Jahre ihre Mutter, eine geborene Prinzessin von
Hessen-Darmstadt, und blieb hierauf der Aufsicht
eines Fräuleins von Wolzogen anvertraut. Später
wurde sie ihrer Großmutter, der Landgräfin von
Hcssen-Darmstadt, zur fernern Erziehung übergeben.
Infolge der Unruhen des franz. Revolutionskrieges
begab sie sich mit ihrer ältern Schwester Charlotte
nach Hildburghauscn, wo sie bis zum März 1793
blieb. Ailf der Rückreise lernte sie in Frankfurt a. M.
der nachhcrige König Friedrich Wilhelm III. von
Preußen kennen und verlobte sich 24. April 1793 in
Darmstadt mit ihr; die Vermählung erfolgte am
Weihnachtsabend desselben Jahres in Berlin. An
der Seite ihres Gatten, der sie hoch verehrte und
innig liebte, führte L. als Kronprinzessin einsehr
glücklickes häusliches Leben, in den Sommermona-
ten meist zurückgezogen auf dem Gute Paretz. Als
Königin gewann sie schnell aller Herzen und wurde
von den Unterthanen herzlich geliebt und gefeiert.
Her Reformpartei am preuß. Hofe, die ein ent-
schiedenes Vorgehen forderte, stand auch die Königin
nahe. Als der Krieg im Herbst 1806 den König
ins Feld rief, folgte sie ihm nach Thüringen. Nach
der Schlacht bei Jena flüchtete sie mit ihren Kindern
nach Königsberg, dann nach Merael (Jan. 1807);
Napoleon verfolgte die Königin, die er als An-
stifterin des Krieges bezeichnete, mit den gemeinsten
Schmähungen; trotzdem überwand sich die Königin
vor dem Frieden in Tilsit so weit, um persönlich
(6. Inli l807) von Napoleon mildere Bedingungen
zu erbitten; doch Vergehens. Die schweren Leiden,
die üher den Staat und das Königshaus herein-
brachen, trug sie mit Ergebung und Festigkeit; durch
ihren Zuspruch hielt sie den tiefgebeugten Gemahl
aufrecht; voll Einsicht sür das, was Preußens Un-
glück herbeigeführt hatte, begrüßte sie mit Freuden
die großen Reformen und die großen Männer, die an
Preußens Wiedergeburt arbeiteten. Im Dez. 1809
kehrte sie mit ihrem Gemahl nach Berlin zurück; doch
bald erkrankte sie während eines Besuchs bei ihrem
Vater in Strelitz auf dem Luftschlosse Hohenzieritz
und starb daselbst in den Armen ihres Gemahls
19. Juli 1810. Ihre Überreste wurden in dem Schloß-
garten zu Charlottenhurg beigesetzt, wo ihr und
ihrem Gemahl ein Mausoleum (mit beider Marmor-
figuren auf Sarkophagen, von Chr. Rauch; s. Tafel:
Deutsche Kunst IV, Fig. 10) errichtet wurde. Dem
Andenken der Königin ist die Luisenstiftung in
Berlin, eine Anstalt sür Ausbildung junger Mädchen
zu Erzieherinnen, und der Luiscnorden (s. d.) gewid-
met. Am 10. März 1880 wurde ein Marmorstand-
bild der Königin (von Encke) im Tiergarten zu Ber-
lin enthüllt. - Vgl. Kluckhohn, L., Königin von
Preußen lBerl. 1876); Mommsen und von Treitschke,
Königin L. (ehd. 1876); Gräfin Voß, Neunundfechzig
Jahre am preuh. Hofe (5. Aufl., Lpz. 1887); Hudson,
Ü., Königin von Preußen (nach dem Englischen be-
arbeitet von Karl und Pfau, ebd. 1887); Adarni,
L., Königin von Preußen < l2. Aufl., Gütersloh 1888).
Luise Dorothee, Herzogin von Sachsen-
Gotha und Altenhurg, eine geistvolle deutsche
Fürstin des 18. Jahrh., geb. 10. Äug. 1710 zu Co-
burg als einzige Tochter des Herzogs Ernst Lud-
wig I. von Sachsen-Meiningcn und der Dorothea
Maria von Sachsen-Gotha, verlor ihre Mutter
schon im dritten Jahre und verlebte ihre Jugend in
großer Zurückgezogenheit, vermählte sich 1729 mit