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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Luxeuil - Luxussteuern
Preuß. Grenze (6,94 km); c. von den ältern Strecken
wird die Linie Luxemburger Grenze bei Gouvy-Spa
(in Belgien belegen, 55 inu) von der Belg. Staats-
bahn betrieben. 2) Die luxemb. Prinz-Heinrich-
Eisenbahn und die Erzgruben-Gesellschaft (Sitz
der Direktion in Luxemburg) haben 166,n km Li-
nien. 3) Die Luxemburger Nebenbahnen (Schmal-
spurbahnen, Sitz der Direktion in Luxemburg) um-
fassen 39,3 km. 4) Die Luxemburger Kanton-Eisen-
bahnen (Sitz der Direktion in Diekirch) umfassen
43,2 km, zusammen 509,4i km, davon 443,72 km
innerhalb des Großherzogtums Luxemburg. Die
ersten Bahnen waren die der Wilhelm-Luxemburg-
Eisenbahn-Gesellschaft gehörende Strecken Luxem-
burg-VettingenundLuxemburg-Elsah-Lothr.Grenze,
welche 4. und 5. Okt. 1859 eröffnet wurden. Von
den Strecken der Wilhelm-Luxemburg-Vahn werden
174,0i km ältere Linien von der Generaldirektion
der Neichseisenbahnen in Strahburg i. E. auf Grund
des StaatZvertrags vom 11. Juni 1872, später er-
öffnete Strecken auf Grund besouderer Vereinbarun-
gen betrieben. Die Prinz-Heinrich-Vahn, deren erste
Htrecke Esch-Petange-Athus (21,5 km) 1. Dez. 1874
eröffnet wurde, besaß Ende 1894 Erzgrubengerecht-
same für ein Gebiet von 412 I>H, welche gegen feste
Vacht vergeben sind. Die Einnahmen aus den:
Personen- und Gcpäckverkehr ergaben (1893)
335371 M., aus dein Güter- und Viehvcrkehr
2868450 M., aus sonstigen Quellen 14064 M.; die
Ausgaben betrugen 1669412 M. Der Gesellschaft
ist unterm 23. Dez. 1894 die Linie Luxcmburg-Pc-
tingen (2l km) zum Bau genehmigt worden, welche
1897 eröffnet werden foll.
Luxeuil (fpr. lüxöj) oder Luxeu, Stadt im franz.
Depart. Haute-Saöne, Arronoissement Lure, am
rechten Ufer des Vreuchin, an der Linie Aillevillers-
Lure der Ostbahn, hat (1891) 4498, als Gemeinde
4811 E., eine schöne Kirche (14. Jahrh.), College,
Seminar, Hospital, Bibliothek, Museum mit Alter-
tümern, ferner mehrere Mahl- und Papiermühlen,
Fabriken von Eisen- und Stahlwaren, von Stroh-
hüten, Baumwollspinnerei, Gerberei, Färberei. Die
bier entspringenden Mineralquellen (16 an der Zahl,
von 19 bis 51,5° (^.) waren schon den Römern be-
kannt. L. war ehemals besonders berühmt durch
seine Abtei, welche um 590 der irische Apostel St.
Columban gegründet hatte.
Luxor, ägypt. Dorf, s. Luksor.
Luxuriös (lat.), üppig, verschwenderisch.
Luxus (lat.), strenggenommen jeder Aufwand,
der über das gewöhnliche Bedürfnis hinausgeht.
In der Negel pflegt man aber, indem man das
Bedürfnis festzustellen sucht, die Persönlichkeiten
und ihre Stelluug, die Sitten und Standesgewohn-
heiten u. s. w. in Betracht zu ziehen, und unter-
scheidet notwendige Bedürfnisse, Standes- oder Gc-
wohnheitsbedürfnisse und Luxusbedürfnissc. Da
die Grenze der notwendigen und der Standcsbedürf-
nisfc durchaus nicht feststeht, sondern nach der Kul-
tur der Länder und Völker bedeutenden Verschiebun-
gen unterliegt, so hat auch der L. keine feststehenden
Grenzen. Der Gang der geschichtlichen Entwick-
lung ist häufig der, daß der Verbrauch eines Gutes,
welches anfänglich nur ein Luxusbcdürfnis befrie-
digte, allmählich so allgemein wird, daß er den Eha-
rakter des L. verliert, z. V. der Konsum von Kolo-
nialproduktcn. Von einer Ausschreitung des L.
spricht man, wenn er unvernünftig oder gar uusitt-
lich ist. Er wird dann auch wohl raffinierter L.
genannt. Gegen das Übermaß des L. bei den Rei-
chen wie auch gegen das Eindringen desselben in
die mittlern und untern Klassen wurde früher viel-
fach vou.den Staaten eingeschritten. Schon bei den
Römern gab es Luxusgesetze. Am zahlreichsten
finden sie sich indes an und nach dem Ende des
Mittelalters, vom 16. bis 18. Jahrh.; sie betreffen
namentlich den Aufwand für Kleider, Gelage, Fest-
lichkeiten und Begräbnisse und dienen auch dem
Zwecke, der Festhaltung der Standesunterschiede.
Die Wirkung solcher Maßregeln war indes gering,
und man ist in der neuern Zeit vollständig davon
zurückgekommen. Auch die Luxussteuern (s. d.) sind
für die Beschränkung des L. von geringem Belang.
Die sittlichen und wirtschaftlichen Nachteile des L.
gelten übrigens nur von dem entarteten, raffinier-
ten L. Der vernünftige, edle L. ist sowohl für die
Wirtschaft als auch für die übrigen Kulturbestand-
teile der Gesellschaft von hoher Wichtigkeit. - Vgl.
H. Vaudrillart, lliätoire clu Inxe pi-ivü 6t ^ndiio
(4 Bde., 1878-80); Kambli, Der L. nach seiner sitt-
lichen und socialen Bedeutung (Fraucnfeld 1890);
Röscher, System der Volkswirtschaft, Bd. 1 (20. Aufl.,
Stuttg. 1892); E. de Lavcleye, Der L., deutsch von
E. Jacob: (Neuwied 1893). sgesellschafteu.
Luxusexpreßzüge, s. Eisenbahnwagen-Miet-
Luxusgesetze, s. Luxus.
Luxussteueru, im weitcrn Sinne alle Abgaben,
die aus Anlaß des Verbrauchs oder Gebrauchs von
Lurusgegcnständcn oder überhaupt einer Luxusaus-
gabe erhoben werden. Es gehören also dahin auch
die Zölle und innern Verbrauchssteuern, sofern sie
Luxuswarcn, wie Schaumweiue, Austern, feine Ci-
garren, Spitzen, Seidenstoffe u. s. w. mit besonders
hohen Sätzen treffen. Hierher gehört auch die Spiel-
tartcnsteuer und die in England z. V. sehr hohe Ab-
gabe sür Stcmpeluug der Gold- und Silberwaren
(Ertrag 1894/95: 53 711 Pfd. St.). Im engern Sinne
nennt man L. gewisse Steuern, die von bestimmten
Personen periodisch für das Recht, eine bestimmte
Art von Luxus zu treiben, erhoben werden und aus
der Erwägung beruhen, daß das höhere Einkommen
aucb eine höhere Steuer tragen kann. So giebt es
in England eine Steuer für das Halten männlicher
Dienstboten(Dienstb 0 tensteuer; Ertrag 1894/95:
143622 Psd. St.), ucben welcher bis 1870 auch uoch
eine Taxe für gepuderte Diener bestand. Ferner wird
eine jährliche Steuer für das Recht, ein Wappen zu
führen, erhoben, deren Ertrag in diesem Jahrhundert
immer mehr zugenommen hat und 1894/95 75000
Psd. St. betrug. Weit einträglicher ist die Wagen-
steuer, die 1894/95: 473 550 Pfd. St. einbrachte.
In Frankreich brachte die Pferde- und Wagen-
fteuer 1895 etwa 12^ Mill. Frs. ein; auch die
Billards (Villard st euer) und die Klubs sind hier
besonders besteuertund von denTheatervorstellungen
wird eine Abgabe zu Gunsten der Armenpflege er-
hoben. Andere Arten von L. sind die Abgaben für
Juwelen (1809 - 12 in Preußen), Taschenuhren
u. s. w. In Deutschland sind die L. wenig entwickelt.
Für das Reich wird ein Spieltartenstempel erhoben
(für das Etatsjahr 1896/97 auf 1 328000 M. ver-
anschlagt); auch einige Gebühren, wie die für Aus-
ftelluug eines Jagdscheins, können bierhcr gerechnet
werden. Ferner sind Steuern auf Cafe - Chantants
und ähnliche Lokale, die in Deutschland verschie-
dentlich von Gemeinden erhoben werden, und die
Nachtigallensteuer (in Hessen Staatssteuer, in
Preußen fakultative Gemeindesteuer, in Sachsen