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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Magister equitum - Magliabecchi
dasür sorgen, daß nichts gegen die Reinheit des
Glanbens vorkäme. Deshalb trat er später in die
zur Prüfung der Bücher eingesetzte Kongregation.
Er ist ständiger Konsultor der Inquisition und der
Inderkongregation und Censor sür die in Rom zu
druckenden Bücher. Als Gelehrtentitel bezeicknete M.
vor Errichtung der Universitäten, gleichwie "Doktor",
den Lehrer einer Wissenschaft, welcher Echolaren nm
sich versammelte, analog dem "Meister" des Hand-
werks; später einen akademischen Grad (^idm-aiinin
nrtinm in^istor, abgekürzt 1^. ^. ^1., anch ^. ^1.)
in der philos. Faknltät oder klicu1t^8 artium lider^-
linm. In dieser Faknltät war der Titel M. statt
Doktor bis ins 19. Jahrh, üblich.
Nla^ister eynituin (lat.), hieß bei den Nomern
der vom Diktator (s. d.) ernannte Nnterbefehlshaber.
Magistermm (lat.), Würde eines Magisters
(s. d.); Meisterstück (in der Alchimie, s. d.). N. Vig-
liniti, die alchimist. Bezeichnung für basisch salpeter-
sanres Wismnt (s. Wismntnitrat), ^1. ?1umdi, die-
jeirige für Vleichlorid (s. d.).
Magistrat (lat.), s. Amalgamation.
Magistrale (lat.), Grnnd- oder Konstruktions-
linie des Grnndrisses einer Vefestignng. Als solche
galt früher bei Werken mit gemauerter Eskarpen-
beklevdvmH der Kordon dieser Eskarpenmaner, bei
Erdwerken die änhere Kante der Verme; jetzt gilt bei
permanenten wie bei Feldwerken als M. die Fener-
linie. Die Magistralgalerie liegt hinter der
Eskarpenmaner zum Schntz gegen Vrescheminen.
Magistralformeln, ärztliche Arzneiformeln,
Magisträlgalerie, s. Magistrale. ss. Rezept.
Magistrat (von lat. Na^i8ti-aw8, s. d.), bezeich-
net in Deutschland die Gesmntheit städtischer Ver-
waltnngsbebörden. In England werden hanpt-
sächlich die Friedensrichter und solgeweise die obern
Polizeibeamten der Städte mit diesem Ansdrnct
bezeichnet. In Frankreich hingegen versteht man
unter m^iäti-awi-s das Richterpersonal einschließ-
lich der Staatsanwälte; oft werden jedoch anch
höhere Verwaltnngsbeamte, wie diePräfekten, selbst
anch die Maires als M. bezeichnet.
Nla.Fi8tra.tu8 bezeichnete bei den Romern das
vom Volk übertragene Amt wie den Amtsinhaber.
Die Macht, welche jedem Magistrat dein Wesen
seines Amtes gemäß zukam, hieß potegw^; Im-
perium (s. d.) als höchste befehlende und ausfüh-
rende Gewalt besaßen nnr die höchsten 'Amter.
Die Zahl und Art der einzelnen ^1. hat mit der
Entwicklung der röm. Verfassung vom König-
tum, zur Republik, zum Kaisertum gewechselt. Ur-
sprünglich findet man nnr den König (s. 15"x), unter
ihm als Gerichtsbeamte Qnästoren (s. d.) und ge-
legentlich die Dnovii'i P6i'än6i1i0iii3 (s. Duninviii),
für Abwesenheit des Königs von der Hanptstadt
den ?i'li6t'6cw3 ui-di (f. Präfekt), für Neuwahl des
Königs den Int6ri0x (s. d.). Mit der Gründung
der Republik übernahmen die Königsgcwalt jährig
und gemeinsam die Konsuln (s. d.). "Vom Konsnlat
lösen sich allmählich die Censur (s. Censoren), die
Prätnr (s. Prätor) und die Ädilität (s. Ädilen) los;
die Quästur ward Fiuanzamt. Daneben treten die
besondern Beamten der Plebs, die Volkstribunen
<s. Tribnn) und plebejische Adilen, die erst nach und
nach den Charakter wirklicher N. gewinnen. Bis-
weilen wird im Amt des Diktators (s. d.) und seines
Adjutanten, des Nagi8t6i- ociuiwui, für kurze Zeit
die alte Königsgewalt wiederhergestellt. In der
Kaiserzeit ist der evste ^1. der I>i-ilic^3 (s. d.); die
alten repnblikanischen ^1. bleiben, werden aber mehr
nnd mehr durch die konkurrierenden kaiferl. Beamten
znrückgedrängt, bis sie in der Diocletianisch-Kon-
stantinischen Monarchie zu leeren Titeln herabsinken
und sckließliä) ganz verschwinden.
Auch die Einteilung der N. hat gewechselt. Man
unterschied in der ältern Repnblik N. popnii und
pledig oder pati-icii und pied^i; als die Plebs
Gleicbberechtignng erkämpst hatte, ^1. cum impei-io
(Konsnln oder die sie ersetzellden außerordentlichen
Beamten, Prätoren, Diktatoren) und Lino imperio
(die übrigen N.). Mit dieser Echeidnng sällt im
ganzen die der ^1. inaim-68 und ininor^g znsammen
(zu den erstern rechnet nur noch die Censnr), ebenso
die der 16. cnrn1^3 (dnrch den Knrnlischen Stnhl, s. d.,
nnd die Toga mit Purpurstreifen ansgezeichnet) und
Hon cui-u1"3. Zu den cni-ui68 gehörten Konsnln,
Prätoren, Censoren und knrulische ^ldilen. Ans
ein ganz anderes Princip gründete sich die Eintei-
lung in ^1. Ordinarii und oxtrlwi'liinln'ii, die stän-
digen und die mit außerordentlicher Regierungs-
vollmacht ausgestatteten Beamten (Intki-rox, Dik-
tator, Konsnlartribnnen, Decemvirn u. a.).
Die Dauer der Amtsführung war bei allen or-
dentlichen Magistraten auf ein Jahr beschränkt,
nur bei den Censoren betrng sie anderthalb Jahre.
Eine Reihenfolge der Ehrenstellen oder iionoi-68,
wonach man erst nach dem niedern das höhere Amt
bekleiden konnte, ward schon in alter Zeit herkömm-
lich. Hernach wurde diese Reihenfolge und das für
die Bekleidung der einzelnen Ehrenstellen erforder-
liche Alter anch durch Gesetze, insbesondere durch
die I.6x ViNi^ nnnli1i3 von 180 v. Chr., festgestellt.
Es solgten sich in der Repnblik mit mindestens zwei-
jährigem Abstand: Qnästnr, Prätnr, Konsulat;
fakultativ waren Tribnnat und Ädilität. In der
Kaiserzeit wnrde die Adilität vor dem Tribnnat obli-
gatorisch eingefchoben und vor der Qnästnr die Be-
kleidung des sog. Vigintivirats (s. d.) verlangt.
Besoldnngen der Magistrate gab es nicht, aber sie
genossen verschiedene Ehrenrechte <s. oben), und der
Staat sorgte für die Ansstattuug des Magistrats
mit dem gebührenden Glanz, desgleichen sür die
Besoldnng der Diener (^pMi'it0i'L8), zu denen die
8crilm6 als Erpeditionspersonal, die Liktoren(s.d.),
die Vi^t0r68 oder Voten, die ?i-a6c0iiL8 oder Aus-
rufer u. s. w. gehörten.
Maglaj, Hauptstadt des Bezirks M. (23148 E.)
im bosn. Kreis Dolnja Tuzla, in einer Thalschlucht
der Bosna, in welcher hier die Lisnica einmündet,
in 193 m Höhe, am Fuße des Ulesnjak in Crdo
und an der Linie Vosnisch-Brod-Zenica-Serajcwo
der Bosnabahn, hat (1885) 3210 meist modammed.
E., eine Moschee und ein altes Schloß. M. wurde
1697 von Prinz Engen von Savoyen erobert. Bei.
der Occupation durch die Österreicher fand hier 3.
und 5. Aug. 1878 der erste blutige Zusammenstoß
mit den Insurgenten statt. (S. auch Vanjalnka.)
Magliabecchi (spr. maljabecki), Antonio, Ge-
lehrter, geb. 28. Okt. 1633 zu Florenz, war seit 1673
Bibliothekar des Großherzogs Cosimo III. de' Me-
dici und starb 2. Juni 1714. Seine über 30000
Bände starke, an Handschriften und alten Drncken
reiche Bibliothek vermachte er dem Großherzog. Ihr
Verzeichnis bot Fossi in seinem "(^tHloß^ (^oäi-
euin etc." (3 Bde., Flor. 1793-95). ^>eit ihrer nach
1859 ersolgten Vereinignng mit der großherzogl.
Privatbibliothek, der I'HlHtiiiH, hat sie den Namen
izidUotec^ Ka^ionals erhalten. M. hat mehrere
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