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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mahmudijehkanal - Mahnverfahren
tscharen (s. d.), 132^ nach europ. Vorbild in Angriff
genommen wurde. Ehe aber die neue Kriegsmacht
eine achtunggebietende Gestalt gewonnen hatte,
wurde M. 1828 abermals von Rußland angegriffen
(f. Russisch-Türkischer Krieg von 1828 und 1829)
und zu dem Frieden von Adrianopcl (14. Sept.
1829) genötigt, der die Unabhängigkeit Griechen-
lands besiegelte.
M. wandte sich dann der Arbeit an der innern
Reorganisation feines Reichs wieder zu und unter-
warf die Paschas von Bagdad und Stutari. Aber
im Kampfe gegen den mächtigsten feiner Vasallen,
Mehemed Ali (s. d.) von Ägypten, verfolgte ihn das
Unglück. Auf den demütigenden Frieden von Ku-
tahia 1833 folgten 1839 neue Feindseligkeiten und
die Niederlage bei Nisib. ((H. Osmanisches Reich
und Ägypten.) Noch bevor die Nachricht von letz-
terer nach Konstantinopcl gelangt war, starb M.
1. Juli 1839. Ihm folgte fein ältester Sohn Abo
ul-Medfchid. M. war einer der größten Sultane
der Türkei. Er vernichtete die Allmacht rcligiöfen
Vorurteils, das sich gegen jeden von Europa kom-
menden Fortfchritt fperrte. Besonders aber rich-
tete er fein Augenmerk auf die Reorganifation der
Armee, M welcbem Zwecke er sich europäifchcr, na-
mentlich preuß. Offiziere, darunter Molttes, bediente.
- Vgl. Vastelberger, Die militär. Reformen unter
M. II. (Gotha 1874).
Mahmudijehkanal, f. Nil.
Mahmud von Ghasni, Sohn des türk. Für-
sten Sebuktegin, einer der größten Herrscher und
Eroberer Asiens, war 970 geboren und gelangte
997 zur Herrschaft. M. kämpfte gegen Charism
(Chowaresmien), gegen die gusischen Türken, eroberte
Rei (alte Stadt in der Nähe des heutigen Teheran),
Kaswin, Hamadan, Ispahan und fchlng Chalaf ibll
Ahmed vonSeistan. 1011 nahm er den Puchtu oder
Afghanen das Gor weg. M. unternahm 17 Feldzüge
nach Indien, den ersten 999. Im I. 1001 verleibte
er den Nordwesten des Pandschab feinem Lande ein,
1006 den Süden. 1018 plünderte er Mathura an
oerDfchamna, das Hauptheiligtum des Krischna-
kultus, und 1028 zerstörte er den berühmten ^iwa-
tempel in Somnath, dessen goldene Thore er mit
sich nach Ghasni schleppte. Bei allen Kriegen pflegte
M. Künste und Wissenschafteil. An feinem Hofe
lebten bedeuteude Dichter und Gelehrte, fo z. B.
Unfuri, Ferruchi, Vcinutschehri, Rudegi, Dakiti
und Firdusi: ferner der Historiker und Geograph
Alberuni. M. starb 1030. Er ist der Begründer der
pers. Dynastie der Gbasnewiden (s. Persien). Sein
Andenken lebt noch heute in Pcrsien und Indien
in vielen Legenden und pers. Liedern, welch letztere
zum Teil ihm selbst zugeschrieben werden und meist
scinc ^icbc zu feinem Sklaven Asas behandeln.
Mahnd, ostind. Handelsgewicht, s. Mannd.
Mähne, die am obern Halskamm bei allen Tie-
ren des Pserdegeschlechts befindlichen langen Haare,
die als Schutzhaarc aufzufassen und dem Haarwech-
sel nicht unterworfen sind. Das vordere, über die
Stirn fallende Ende der M. heißt Mähnenschopf.
Bei andern Tiergattungen, z. B. beim männlichen
Löwen, versteht man unter M. die Gefamtheit des
auffallend langen Haarwuchfes, der vom Kopf bis
zur Schulter reicht.
Mähnengrind, bei Pferden ein nässender Aus-
schlag am Grunde der Mähne, führt zur Bildung
des Weichselzopfcs (f. d. und Hautkrankheiten der
Haustiere, Bd. 8, S. 907 a).
Mähnenfchaf (Ovis traßsiapliuä De^m,-^,
f. Tafeln Schafe II, Fig. 1), ein Wildfchaf der
Gebirge Afrikas vom Atlas bis Abeffmien, der
Ostküste Ägyptens und von Kordofan. Es ist von
der Größe eines starken Rehbocks, rotbraun, mit
verlängerten Haaren auf der obern Mittellinie des
Halfes und auf dem vordern Widerrist, an der
Kehle und der Brust. Das M. ist ein vorzüglicher
Kletterer und stellt einen Übergang von den Schafen
zu den Ziegen dar, indem es, in Gegensatz zu
erstern, wie die letztern keine Thränengruben und
einen flachen Nasenrücken hat. Das Äi. fehlt in
keinem zoolog. Garten, wo es sich leicht hält und
regelmäßig sortpflanzt. Ausgewachsene Tiere wer-
den mit 3-500 M. bezahlt.
Mähnentaube, auch Schmalkaldener Pe-
r ü ck e, Schmalkaldener Mohrenkopf genannt,
Haustaube mit sehr stark entwickelter, vom Genick
aus sich entfaltender, aus 40-50 inin langen, wei-
chen, zerfchliffenen Federn bestehender, ungescheitel-
ter Mähne, stark befiederten Schenkeln und Füßen,
braunschwarzen Augen, langem und kräftigem
Körper. Sie ist länger und kräftiger als die Feld-
tanben (s. d.). Der Kopf, Vorderhals und der ganze
Schwanz sind schwarz, alles übrige weiß. M. heißt
auch die Kragentaube (s. d.).
Mähnenwolf ((^ni8 ^iilmwg De6ttl"i'65t, s. Ta-
sel: Wilde Hunde und Hyänen I, Fig.5, Bd.9,
^.426), eine Art der wilden Hunde von 1,i3 in
Körperlänge, 0,40 in Schwanzlänge, wolfsähnlich,
aber fchwächer, die Farbe ist oben zimmetbraun und
wird nach dem Bauche zu heller, gelblich, vom Nacken
verläuft entlang des Rückens ein anfänglich 13 cin
hoher, sich nach hinten verjüngender Kamm rostroter
Haare mit schwarzen spitzen. Die Keble ist weißlich.
Der M. lebt über fast ganz Südamerika verbreitet,
aber einzeln und ist daher in den Sammlungen selten.
Mahnung, s. Interpellation.
Mahnverfahren, nach der Deutschen Civil-
prozeftordnung eine besondere Prozcßart, zu dem
Zwecke, einfache Ansprüche mittels einfachen Ver-
fahrens zur endgültigen Aburteilung zu bringen.
Dasselbe findet statt wegen solcher Ansprüche, die
auf Zahlung einer bestimmten Geldsumme oder auf
Leistung einer bestimmten Quantität anderer ver-
tretbarer dachen oder Wertpapiere gerichtet sind,
vorausgesetzt, daß nicht ihre Geltcnomachung von
einer noch nicht erfolgten Gegenleistung abhängig
ist und die Zustellung des Zahlungsbefehls weder
im Anslande noch durch öffentliche Bekanntmachung
zu erfolgen braucht. Das M. gehört zur ausschließ-
lichen Kompetenz der Amtsgerichte. Auf Gesuch des
Gläubigers, welches die Bezeichnung der Parteien
und des Gerichts, die bestimmte Angabe des An-
spruchs nach Betrag oder Gegenstand und nach ^
Rechtsgrund, sowie das Gesuch um Erlaß des Zah-
lungsbefehls enthalten muß, wird durch Zahlungs-
befehl des Gerichts dem Schuldner aufgegeben, bin-
nen einer vom Tage der Zustellung laufenden Frist
vonzweiWochenbeiVcrmcidungsofortigerZwangs-
vollftreckung den Gläubiger wegen Hauptfache und
zu fpeeifizierender Kosten zu befriedigen oder bei dem
Gericht Widerspruch zu erheben. Die Zustellung des
Zahlmlgsbefehlsanden^chuldnerbewirktdieRechts-
hängigkeit. Nach Ablauf der Frist ist auf Gesuch
des Gläubigers der Zahlungsbefehl für vorläufig
vollstreckbar zu erklären, fofern uicht vorher vom
Schuldner Widerspruch erhoben ist. Die Vollstreck-
barkcitserklärung erfolgt durch einen auf den Zah-