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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mailand
Barzaghis Reiterstandbild Napoleons III., dessen
Ausstellung auf einem Platze durch die Radikalen
verhindert wurde, im neuen Teile der Giardini
pubblici Standbilder des Mailänder Dichters Carlo
Porta, des Generals G. Sirtori von Bntti, der
Italia von Puttinati und des Pbilosopben A. Ro-
mini von Consalonieri, ans der Piazza Cavour das
Bronzestandbild Eavours von Tabacchi (1865), an
der Via Principe Umberto ein Bronzedenkmal Bcr-
tanis von Vela (1888). Die Vecchia Piazza d'Armi
(712 in lang, 680 in breit), jetzt in einen Park um-
gewandelt, enthält das Kastell der Visconti und
Sforza und die Arena für Wettrennen, von Na-
poleon I. erbaut, mit Raum für 30000 Personen;
gegenüber der Arco del Sempione, ein Triumph-
bogen aus weißem Marmor, von Napoleon I. be-
gonnen und von Kaiser Franz 1838 vollendet, mit
Bildwerken von Pompeo Marchesi. Am Foro Vona-
parte vor dem Kastell das Nov. 1895 enthüllte Reiter-
standbild Garibaldis vonEttore.Nmenez. Die öffent-
lichen Gärten ((^iai-äini pudlilici) zwischen Porta Ve-
nezia und Nuova, und die Kastanienallee der Bastioni
di Porta Venezia bilden den Hanptspaziergang.
Kirchen. Eine der größten und schönsten Kirchen
der Welt ist der Dom aus weißem Marmor (148 in
lang, 88 in breit, Mittelschiff 47 in, Kuppel ^bis zur
Laterne^ 64 in, Turm 108 in hoch, 11700 hin Grund-
fläche), mit Raum für 40000 Personen. Der Van
wurde angeblich 1386 im got. Stil begonnen, die
roman. Facade im 16. Jahrb. nach Plänen von Pelle-
grino Pcllegrini dei Tibaldi gebaut und unter Na-
poleon I. vollendet, die Kuppel 175!)-75 von Croce
und Merula errichtet. Der Grundplan ist eine kreuz-
förmige Vafilika mit fünfschiffigem Lang-, dreischif-
figem Querhaus und 52 Pfeilern. Auf dem Dache
stehen 98 Fialentürmchen, an der Außenseite 2000
marmorne Vildsäuleu. (S. Tafel: Italienische
Kunst II, Fig. 2 u. 5.) Vgl. Rupp und Vramati,
II änoino <ii ^lilann (Mail. 1823, mit Kupfern);
Voito Eamillo, 11 äuonio äi Hlil^no o i äise^ni
1)^i- 111. 3NH t^ceiHta (ebd. 1889). Älter ist die durck
die Krönungen mit der Eisernen Krone berühmte
Kirche San Ambrogio, im 4. Iabrh. errichtet, im
12. Jahrh, als roman. Pfeilerbasilika mit drei Schif-
fenneu erbaut, mii eiuenlAltarciborium ans der Ka-
rolingerzeit (s. Tafel: Altäre I, Fig. 3). Die älteste
Kirche ist San Lorenzo, zuletzt im 16. Jahrh, vou
Martino Bassi umgebaut, ein Achteck mit Kuppel und
vier großen zweistöckigen Apsiden; an die Klosterkirche
(15. Jahrh.) Sta. Maria delle Grazie, mit schönem
Kuppelraum von Vramante, anstoßend das Refek-
torium des jetzt als Kavalleriekaserne dienenden
Klosters mit dem Abendmahl des Leonardo da
Vinci (s. Tafel: Das heilige Abendmabl, beim
Artikel Leonardo da Vinci); die Ehiesa del Mona-
ftero Maggiore oder San Maurizio, 1503-19 von
Dolcebuono, einem Schüler Bramantes, erbaut,
enthält Fresken von Luini. Eine der jüngsten ist die
1847 eingeweihte Kirche San Carlo Vorromeo, ein
Rundbau in der Art des Pantheons in Rom, deren
Kuppel 1895 durch Feuer zerstört wurde. Im NW.
der Stadt liegt der 1.^66 eröffnete Friedhof (20 n^
groß) mit Säulenhallen und einem 'I'oin^io äi Oo-
ina/.i0N6 für Feuerbestattung. Ein neuer Friedbof
(40 d^) wurde im Nov. 1895 bei Musocco (6 km ent-
fernt) eröffnet; nach demfelben führt eine elektrische
Straßcnbabn.
Weltliche Gebäude. Der bedeutendste Über-
rest des alten ^I^äioiannin ist der große antike Por-
tikus von 16 korinth. Säulen, dicht bei der Lorenzo-
kirche. An der Spitze der öffentlichen Gebäude steht
dieBrera, das
(jetzt I^ig^o äi 5oien26, letters eä arti), ein
mächtiger Palast, dessen Erdgeschoß seit 1863 das
Archäologische Museum, dessen oberes Stockwerk
eine wertvolle Gemäldesammlung (Raffaels Sposa-
lizio, Bilder lombard. und venet. Maler), die Bi-
bliothek (254321 Bände, alte Drucke und kostbare
Handschriften), eine ^ammlung von Gipsabgüssen
antiker Bildwerke, die Sternwarte und eine Münz-
sammluug (50000 Stück) entbält. Im prächtigen,
von Richini erbauteu Hofe steht seit 1859 eineBronze-
statuc Napoleons I., als röm.Imperator, von Canova.
Ferner sind zu uennen das Krankenhans (0z-
peälÜL ina^ioi-e), ein schöner Backsteinbau im
got. Stil mit Renaissance gemischt, 1157 von Fila-
rete-Florenz begonnen, mit Terrakottenbekleidung,
9 Höfen, deren Haupthof von Richini (17. Jahrh.)
stammt; die Galleria Vittorio Emannele am Dom-
platz, inmitten einer großartigen, 1878 vollendeten
Palastfacade, die fchönste der überdeckten Kanfballen
Europas', 1865-67 von Mengoni in Form eines lat.
Kreuzes (195 in lang, 14,50 ni breit, 50 in Kuppel-
böhe) für 8 Mill. Lire erbaut, mit Ackteck über der
Kreuzung, Glaskuppel, Fresken und elektrischer Be-
leuchtung; der königl. Palast, 1772 an Stelle eines
Schlosses der Visconti erbaut, mit schönen Sälen
nnd Fresken von Appiani, Luini und Haycz; der
erzbischöfl. Palast (^i'civkLcovlläo) von Pellegrini
(1565), mit schönen Pfeilerarkaden, Statuen und
korinth. Säulen (15. Jahrh.) in den Höfen; der große
Palazzo Marino, feit 1861 Stadthaus, 1555 uack
Entwürfen von Galeazzo Alessi erbaut, die Haupt-
facade 1890 nach Plänen von Veltrami vollendet;
die Easa Taverna (jetzt Ponti) mit scbönem Portal
nnd restauriertem Hofe (16. Jahrh.); der Palazzo
Vorromeo mit^Eammlungen, der Iustizpalast, die
Präfektur, die Sparkasse, das ueue 3)tnscnm und der
Ccntralbahnhof.
Bedördcn. M. ist Sitz des Präfeltcn, eines
Erzbischofs, eines Appellatioushofs, der General-
dircktion der oberitalischen Eisenbahnen, eines
Eisenbalmbezirksaufsichtsanltes sowie des General-
kommandos des 3. Armeekorps, der Infanterie-
brigaden "Regina" und "Bologna" und der 3. Ka-
valleriebrigade.
Unterrichts- und Vildungswefen. Die
Wissenschaftlich-Litterarische Akademie, 1859 als
eine Art philos.-litterar. Fakultät gegründet und
1861 eröffnet, feit 1875 den vollständigen philos.
Fakultäten gleichgestellt; das königl. Powtecbnikum,
1862 eröffnet und 1875 durch eine Vorbereitungs-
schule mit zwei Jahreskursen erweitert; die königl.
Geburtshilfliche Schule; die höhere Ticrarzneischulc,
1808 an Stelle einer 1783 gegründeten, 1807 ein-
gegangenen niedern Veterinärscbule errichtet, mehr-
mals reorganisiert und 1860 zur Hochschule crboben;
mit ihr ist die 1870 gegründete Ackerbauschule ver-
eiuigt; die 1776 errichtete ^caäoinia cki I^iis ^i-ti,
das Institut für Wissenschaft und Litteratur, die
Fortsetzung einer 1776 als Qocietü. pati-ioticH zur
Pflege des Ackerbaues, der schönen Künste und des
Handels gegründeten, wiederbolt neu organisierten
Akademie, die eine mathematisch-naturwissenschaft-
liche und eine litterar.-histor. Klasse besitzt, das königl.