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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Mai-Kussa; Maikong; Maikönig; Mail; Mailand

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Maikong - Mailand

die auch in andern Weltteilen vertreten ist (z. B. in Nordamerika unter andern durch Polyphylla crinita Harris, s. Tafel: Käfer Ⅰ, Fig. 13). Engerlinge heißen bei den Jägern auch die Larven der Rachen- und Hautbremsen des Wildes.

Maikong, s. Savannenbund.

Maikönig, s. Maifest.

Mai-Kussa, Fluß in Neuguinea, s. Barter.

Mail (frz., spr. maj), früher sehr beliebtes Spiel, von Karl Ⅴ. wegen der damals gebräuchlichen übertrieben hohen Spieleinsätze verboten, von Ludwig ⅩⅣ. sehr gern getrieben. Auf der 3, 4, oft auch mehrere hundert Schritte langen, ebenen, meist besandeten und von Baumreihen eingegrenzten Spielbahn wurden 6½ cm im Durchmesser haltende Buchsbaumkugeln mittels eines hammerartigen hölzernen Schlägels (mail) nach dem Ziele, einem kleinen eisernen Bogen, getrieben. Wessen Kugel zuerst dieses Ziel durchlief, gewann den ausgesetzten Preis. Die Spielbahn selbst hieß M. und danach werden in manchen Städten Frankreichs öffentliche Spaziergänge u. s. w. genannt, auf denen sich früher die Spielbahn befand. In London geht der Name der Straße Pall Mall auf das Spiel zurück.

Mail (engl., spr. mehl; vom frz. Malle, s. d.), Felleisen zur Beförderung der Postsachen, dann Post überhaupt; Mail-steamer, Postdampfer; Mail-train, Postzug; Mail-coach, Postkutsche; Name großer geschlossener Luxuswagen für Viererzug mit Sitzen auf dem Verdeck für 8‒10 Personen, auch für Damen; Mailachse (auch Mallachse oder Mallpatentachse), die Achsenkonstruktion der engl. Postwagen.

Mailand, ehemals ein Herzogtum in Oberitalien, wurde im W. von Piemont und Montferrat, im S. von Genua, im O. von Parma, Mantua und Venedig, im N. von den vier ital. Vogteien der Schweiz und von Graubünden begrenzt. Der erste, vom König Wenzel 1395 ernannte Herzog war Gian Galeazzo Visconti (s. d.). Das Herzogtum bestand damals aus den blühendsten lombard. Städten, in welchen die Visconti teils durch Fehden, teils durch Begünstigung der Bürger und des Kaisers die höchste Macht erlangt hatten. Als der Mannsstamm der Visconti 1447 erlosch, gelang es, obschon Frankreich die nächsten Ansprüche auf M. hatte, doch dem Francesco Sforza (s. d.), dem Gemahl einer natürlichen Tochter des letzten Visconti, 1450 das Land für sich und seine Familie zu erhalten. Doch seit 1499 fing Ludwig ⅩⅡ. von Frankreich wieder an, seine Ansprüche auf M. geltend zu machen, die sein Nachfolger Franz Ⅰ. noch eifriger verfocht. So war das Land nun abwechselnd im Besitze Frankreichs und der Sforza, bis Franz Ⅰ. im Frieden zu Madrid 1526 alle ital. Besitzungen aufgeben mußte. Als hierauf mit Francesco Ⅱ. Sforza, der M. 1521 vom Kaiser Karl Ⅴ. als Reichslehn erhalten hatte, 1535 der Mannsstamm der Sforza ausstarb, gab Karl Ⅴ. M. seinem Sohne Philipp Ⅱ. von Spanien. Nach dem Spanischen Erbfolgekriege kam es 1714 an Österreich. Im Wiener Frieden von 1735 und im Wormser Vertrage von 1743 wurden Teile an Sardinien überlassen. (S. Mailand, Stadt.)

Mailand (ital. Milano; lat. Mediolanum). 1) Provinz des Königreichs Italien, in der Landschaft Lombardei, grenzt im N. an die Provinz Como, im W. an Novara, im S. an Piacenza und Pavia, im O. an Bergamo und Cremona, hat 2992 (nach Strelbitskij 3143) qkm mit (1881) 1114991, nach Berechnung vom 31. Dez. 1894: 1271191 E., d. i. 425 E. auf 1 qkm, und zerfällt in die 5 Kreise Abbiategrasso, Gallarate, Lodi, M. und Monza mit zusammen 297 Gemeinden. Das Land ist meist eben und fruchtbar und gehört zum größten Teile der Lombardischen Ebene an, nur im N. sind Höhenzüge der Alpenausläufer; es wird bewässert von den Flüssen Lambro, Olona, Seveso, an der Grenze von dem Po, dem Tessin und der Adda, vor allem durch zahlreiche Kanäle. Haupterwerbsquellen sind Getreide-, Reis-, Flachsbau, Viehzucht, Butter- und Käsebereitung, Maulbeerbaum-, Seidenzucht, Obst- und Weinbau, ferner Seidenwaren-, Papier-, Möbel-, Maschinen-, Woll- und Baumwollwarenfabrikation. Die die Provinz durchziehenden Eisenbahnen berühren die Hauptstadt M. (s. unten). – 2) Hauptstadt der Provinz und des Kreises M. (491383 E.), liegt in 45° 25’ nördl. Br. und 9° 11’ östl. Länge von Greenwich, in 123 m Höhe, in einer weiten fruchtbaren Ebene, die im N. durch die Alpen begrenzt wird, am Flüßchen Olona und ist durch drei schon im Mittelalter angelegte schiffbare Kanäle, den Naviglio della Martesana mit der Adda, dem Comer See und dem Po, den Naviglio Grande mit dem Tessin und dem Lago Maggiore und den Naviglio di Pavia mit Tessin und Po verbunden. (Hierzu ein Stadtplan nebst Verzeichnis der Straßen, öffentlichen Gebäude u. s. w.)

^[Wappen von Mailand]

Bevölkerung. M. hat (1881) 321839 E., von denen auf die innere Stadt (circondario interno) 214004, auf die einverleibten Vororte (circondario esterno dei corpi santi) 107835 E. entfallen, nach Berechnung vom 31. Dez. 1894: 434478 E. und 7227 Militärpersonen. In Garnison liegen das 9., 10., 39. und 40. Infanterieregiment, das 9. und 18. Kavallerieregiment, 4 Batterien reitende Artillerie, das 5. Alpenjägerregiment und 1 Traincompagnie.

Anlage, Straßen. Die Altstadt hat teilweise enge und unregelmäßige Straßen, doch sind in den letzten Jahren durch Niederlegung ganzer Stadtviertel prächtige Straßen geschaffen worden, z. B. Via Dante. Die Vorstädte (borghi) werden nach den Thoren (Porta Volta, Garibaldi, Nuova, Umberto, Venezia, Sempione u. a.) benannt; Altstadt und Vorstädte sind durch Kanäle sowie Straßen- und Promenadenringe eingeschlossen. Den Mittelpunkt des Verkehrs bildet der Domplatz, in letzter Zeit bedeutend erweitert und nach Plänen Mengonis von Palästen umgeben.

Plätze, Denkmäler. Vor dem Dom steht das Reiterstandbild Victor Emanuels Ⅱ. (24. Juni 1896). An den Domplatz stößt nordwestlich die Piazza de’ Mercanti, der Mittelpunkt des alten M., früher durch 5 Thore verschließbar; auf der Piazza della Scala steht das 1872 errichtete Denkmal Leonardo da Vincis von Magni, am Sockel die Schüler Marco da Oggiono, Cesare da Sesto, Salaino und Boltraffio; auf der Piazza San Fedele ein Denkmal Manzonis; auf der Piazza Mentana ein Denkmal für die Gefallenen von Mentana (1880) von Luigi Belli; auf der Piazza Beccaria ein Standbild des Rechtsgelehrten Beccaria von Grandi (1871); auf dem Platze bei Porta Vittoria (seit März 1895) das großartige von Grandi modellierte Denkmal (Granitobelisk, von fünf Frauengestalten umgeben) zur Erinnerung an die Befreiung der Stadt von den Österreichern (März 1848); im Hofe des Palastes des Senates