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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Maifeuer - Maikäfer
fast überall der Maibaum feierlichst aus dem Walde
geholt und vor den Häusern oder in der Mitte des
Ortes aufgepflanzt, nachdem er zuvor um das .haus
oder durch das Torf getragen worden ist. Spen-
den aller Art, Würste und .Nucken, bunte Bänder
werden an ihm aufgcbängt; feierlichst wird vor dem
Baum getanzt. Er bringt Glück und Wohlstand.
Die Sitte läßt sich bis ins Mittelalter hinab verfol-
gen. Das Maifener lodert am Abend vor dem 1. Mai,
in dcr Walpurgisnacht ls. d.). Ilnter feierlichen Cere-
monien wird das Feuer angezündet; unter Gefang
und Peitsckcngeknall durckschreiten dies die heirats-
fäbigen Jünglinge und Mädchen paarweife. Diese
Feierlichkeit beißt M aileben. Dann wird um das
Feuer, in das allerlei Spenden geworfen werden,
getanzt. Das Feuer hat nach dem Volksglauben
schützende Kraft gegen böse Geister. Endlich bält an !
diesen Tagen der Maigraf oder Mailönig, dem die
Maigräfin oder Maitonigin zur Seite steht, einen
feierlichen Einzug in Dorf oder Stadt. Ein von der
Gemeinde Erwählter wird in festlichem ->uge, dem
Mairitt, nach der Ortschaft gebracht, eine sym-
bolische Darstellung des Einzugs des Frühlings.
Zu den Festlichkeiten, die ficb an dicfen Einzug
knüpfen, gehört auch das Vogelschießen, das in den
Schützenfesten nock allgemein fortlebt. - Vgl.
Pabst, Die Volksfeste der Maigrafen (Rcval 1804);
Mannhardt, Wald- und Feldkultc. Tl. 1: Der
Vaumkultus der Germanen und ihrer Nachbar-
stämme (Berl. 1875).
Maifeuer, s. Maifest.
Maifisch ist der Name mehrerer Fischarten aus
der Gattung der Heringe und der Untergattung
der Alsen (Xlc^a). Nächst den e u r o p ä is ch en Hit.
odcr Alscn (s. d.) ist der amerikanifche M. oder
Shad ((M^^ oder ^V1o!>ll, 8ai"i(li^^imu ^7^o^)
von befonderer Wichtigkeit. Dcrsclbc hat wohl-
schmeckendes Ilcisck und bildet an der Nordoftküste
der Vereinigten Staaten den Gegenstand eines groß-
artigen Fanges (namentlich in den Flußmündun-
gen) sowie einer bedeutenden künstlichen Zucht, in-
dem die schwimmenden Eier dieses Fisches künstlick
befruchtet und in fckwimmcndcn Brutkasten in den
Flußmündungen (z. B. in Eonnecticut) ausgebrütet
werden. Versuckc, den Hhad in Europa einzu-
bürgern, sind bis jetzt mißlungen.
Maifröste, die im Mai auftretenden Kälterück-
fälle (s. d.).
Maigesctze, Bezcicknung für die preuß. Ge-
setze vom 11., 1^., 155. Mai 187.'j, über welche der
sog. Kulturkampf (f.d.) entbrannte. Durcb die unter
Friedrich Wilbclm IV. angcnommcnc und bis 1870
fortgefetzte Verwaltungspraris, welche eine schein-
bare Begründung in dein falscb intcrpretierten
Art. 15 der Vcrfasfungsllrkunde fand, war die Gel-
lendmachung der Staatsaufsicht übcr die tatb. Kirche
in allzu weitem Umfange aufgegeben worden. In-
folge der durch das Vatikanische .Uonzil 1870
hervorgerufenen Aufregung, welche insbefondere
auch in dem ^viladus ^rroinin Pins' IX. aus dem
I. 1864 ibre Rechtfertigung fand, ging Preußen
unter dem Kultusminister Falk zu einem neuen
Svstem des Kirchenstaatsrccbts übcr, das eine
umfangreicbe Staatsaufsicbt fcftfctztc in Bezug auf
Vorbildung, Alistellung, Disciplin dcr Gcistlichcn
sowie Kircbcnzuckt über ^aicn. Organ dieser Auf-
ficht follten teils die böhcrnVerwaltnngsstellen (Re-
gierungspräsident, Oberpräsident, Kultusminister),
teils ein besonderer Gerichtsbof für kirchliche An-
gelegenheiten fein. Die Gesetze bezogen sich sowohl
auf die katb. wie auf die evang. Kirche, zum Teil
auch auf dic andern Religionsgesellschaften. Seinen
Abschluß fand dies System in den Gesetzen über
die Vermögensverwaltung der Gemeinden und Diö-
cesen aus den I. 1875 und 1876. Wä'brend die
letztern Gesetze zur Ausführung gelangten, setzte die
katb. Kircbe jenen oben genannten M. einen durch
die biscböfl. Denkschrift vom ^6. Mai 187:> begrün-
deten absoluten Widerspruch entgegen, ja der Papst
erklärte dieselben durch Encvklika vom 5. Febr. 1875
für nichtig. Daraufbin stellte der preuß. Staat
kraft Gefetz vom ^l. April 1875 alle finanziellen
Leistungen aus Staatsmitteln für die tatb. Kirche
ein und verbot durcb Gcsetz vom ^>1. Mai 1875
die geistlichen Orden und Kongregationen mit ge-
ringen Ausnabmen. (S. Deutschland und Deutsches
Reich, Gesckichte.) Seit 1880 trat ein Svstem-
wcchsel cin, dessen Träger die Minister von Putt-
kamer und von Goßler waren. (S. Deutschland
und Deutsches Reich, Gescbichtc.) Durch Gesetz,
vom ^4. Juni 1891 wurde endlich Bestimmung über
die Verwendung des infolge des sog. Sperrgesetzes-
aufgesammelten Kapitals getroffen. (S. Sperrgefetz.)
Maiglöckchen, s. ('oiivulwi-ia.
Maigraf, s. Vcaifest.
Maikäfer (UkIoloiitnidÄL), eine znr Abteilung
derfünfgliedrigenundblattbörnigenKäfergebörende
Käfcrfamilie (s. Käfer), welcbc nur von Pflanzen lebt
und zchnglicdrige Fübler mit einer beim Üitänncken
aus 7 größern, beim Weibchen aus 6 kleinern Blättern
beftebenden Keule hat. Der gemeine M. i^l6lo
loittliH vn^Hi-is /^., s. Tafel: Scbädli cb e F o rst -
insekten 1, Fig. 10, beim Artikel Forstinsekten)
ist eins der schädlichsten Kerbtiere. Die Weibchen
legen die Eier, aus welchen nach 4 - 6 Wochen
die Larven ausschlüpfen, in Häufchen zusammen in
den Boden. Nach 4-6 Wochen kriechen dic Larven
(Engerlinge, Fig. 10I>) aus und beginnen ibren
Fraß an den Saugwurzeln der Gcwächsc. Nack dcr
Überwinterung setzen sie ibr verderbliches Werk fort
und werden nach ein- oder zweimaliger Überwinte-
rung im August zur Puppe (Fig. 10c), die n^M^'n-
ber den Käfer (Fig. 10^) liefert, der freiwillig erst im
Mai des nächsten (dritten oder vierten) Fabres die
Erde verläßt, in welckem die Käfer dann oft in un-
gebcuren Massen auftreten. Der M. braucht zu feiner
Entwicklung in dcn mcistcn Gcgcndcn Deutschlands
vicr, in andern bloß drei Iabrc. Von dcn zur Bckam-
pfimg dcs M. und dcs Engerlings vorgeschlagenen
Mitteln haben nur wenige praktischen Wert. Als
solche sind zu bezeichnen: Hegung der Feinde dcs
Käfcrs (Eulcn, Flcdcrmäuse und Stare j und des
Engerlings (Maulwurf, Saatkräbe, Wicdcbopf);
"Auffaminlung dcr Engerlinge bintcr Pflu^ und Spa-
tcn; Ausfctzung von Fangpflanzcn -.wischcn.Nultur-
gcwächsc. Als solchc cinpficblt sich vor allcn an-
dern dcr Gartenfalat, den der Engerling bevorzugt.
Wenn eine dieser Fangpflanzen rasch zu welken be-
ginnt, so benagen sicher Engerlinge die Wurzeln;
man fängt sie durch Ausbcbcn dcr Salatstaude.
Ferner empficblt sich bci Beginn dcr Flugzcit cin für
gro'ßcrc ^andstrichc tonfcqucnt dilrchgcfillutcr Fang
dcr Käfcr in dcr Htorgcnfrübc, wcnn sic von dcr
Nachttüblc crstarrt lcicbt von den Bäuillen gefchüt-
tclt wcrdcn können. Am wirksamsten abcr trctcn un-
günftigc Wittcrungsvcrbältnisse wäbrcnd dcr Bc-
gattungszcit dcmllbcrbandnchmcn des M. entgegen.
Auch der Walker (s. d.) gebort zu der Familie dcr M.,