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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Malzeichen - Mame
verwendet wurden. Hierbei nahm das Malz einen
eigentümlichen Rauchgeschmack an. Dazu gehören
die heute noch in Elsaß, Frankreich und andern
Ländern benutzten Koksdarren, bei welchen die Gase
der Koksfeuerung das Malz durchziehen. Gegen-
wärtig sind die Luftdarren in allgemeinem Ge-
brauch. Dieselben bestehen aus gewöhnlich drei
übereinander befindlichen, in mehrern Etagen des
Gebäudes verteilten Näumen, von denen der un-
lerste (Sau genannt) zur Erwärmung der Luft
mittels einer Caloriföre, die beiden darüber be-
findlichen zum Darren und Trocknen des Malzes
dienen, während die mit Wasscrdampf beladenc Luft
aus dem obersten ihren Abzug ins Freie findet.
Die Vöden oder Horden der miteinander kommuni-
zierenden Darr- und Trockenräume werden aus
eisernen, auf Eifenschienen ruhenden Nahmen ge-
bildet, in denen starke Eisendrähte so dicht aneinan-
der gelegt und befestigt sind, daß sie sich gegenseitig
berühren und nur kleine Spalten zwischen sich frei
lassen. Durch diese Anordnung oder durch durch-
lochte Blechböden wird einem Durckfallen der Malz-
wrner vorgebeugt, während die beiße Luft durch die
feinen Fugen aufwärts steigen kann. Das Grün-
malz läßt man meist durch Ausbreiten auf einem
geräumigen Boden, dem Schwelch- oder Welkboden,
erst oberflächlich abtrocknen und bringt das Luft-
malz alsdann in den obersten Darrraum, auf dessen
Boden es in gleichförmig dünner Schicht ausge-
breitet und hier von Zeit zu Zeit umgeschaufelt
wird. Nachdem hier der größte Teil des Wassers
verdunstet ist, wird das Malz durch die im Boden
befindliche Klappe in den darunter befindlichen
Darrraum gestürzt, wo die Darrung bei höherer
Temperatur beendet wird. Je nach der in den
Darrräumen herrschenden Temperatur, je nach der
Regelung des Luftstroms hat man es in seiner Ge-
walt, Malz von hellerer oder dunklerer Färbung
von mehr oder weniger Aroma zu erzeugen. Für
dunklere Biere darrt man bei 90-110", für hellere
bei 50-70°. Die Darrdaucr beträgt 12-48 Stun-
oen. In neuerer Zeit wird durch die fog. mecha-
nischen M. das Wenden und der Transport
des Malzes durch Maschinenkraft besorgt. Dar-
ren, welche nur aus einer Horde bestehen, waren
früher vielfach in Gebrauch und finden sich wieder
in der Anordnung zweier Horden (Darren) neben-
einander, deren eine zum Vertrocknen, die andere
zum Darren dient.
Malzeichen, ein Mal als Zeichen, Kennzeichen,
Dcnkzeichen, befonders von Zeichen, Flecken, Wund-
malen am Körper gebraucht. ^S. 993 fg.).
Malzen, f. Bier und Vierbrauerei (Bd. 2,
Mälzerei-Berufsgenossenfchaft,s.Vrauerei
und Mälzerei-Berufsgenossenschaft.
Malzerkanal, f. Finowkanal.
Malzessig, ein aus vergorenem Malzauszug,
Malzwürze, dargestellter Efsig. Seine Darstellung
ist nur in solchen Ländern von Bedeutung, wo, wie
in England, der Spiritus durch hohe Steuer ein zu
teures Rohmaterial ist.
Malzextrakt, eine im luftvcrdünnten Raume
zur Extraktkonsistenz eingedampfte Malzwürze.
Das M. wird, in Wasser, Bier oder Fleischbrühe
genommen, als Hausmittel gegen Affektionen der
Luftwege und zur Belebung der Verdauung ange-
wendet. Im Handel sind Viere anzutreffen (Hoff-
schcs Malzextrakt u. a.), die außer M. auck
verschiedene PflanzenausFüge entbalten. Gegen ^
wärtig wird M. sehr häufig in Form der Malz^-
extraktpräp arate mit andern Arzneimitteln ver-
mischt in den Handel gebracht und zu Heilzwecken
verwendet. Chininmalzextrakt (mit 0,2 Proz. Chinin-
sulfat), Chinineisenmalzextratt (mit 1 Proz. citronen-
saurem Chinineisen), Eisenmalzextrakt (mit 4 Proz.
^6lruin ox^clHtuni Lacciiai-Htuin), Iodmalzextrakt
(0,i5 Proz. Iodkalium enthaltend), Iodeisenmalz-
extrakt (2 Proz. Iodeisen), ferner M. mit 0,5 Proz.
Kreosot, 20 Proz. Leberthran u. s. w. sind die haupt-
sächlichsten dieser Präparate. M. eignet sich wegen
seines Wohlgeschmacks sehr gut als geschmackver-
bessernder Zusatz zu verschiedenen Arzneimischungen.
- Vgl. Nüdinger, Die Bierbrauerei und die Malz-
ertraktfabrikation (Wien 1887).
Malzfabrik, f. Malz.
Malzkeime, Abfälle bei der Vraumalzberei-
tung, gutes Futtermittel für Rindvieh, enthalten
an verdaulichen Nährstoffen 19,i Proz. Eiweißstoffe,
37,7 stickstofffreie Extraktstoffe, 11,8 Rohfafer und
1,0 Proz. Fett.
Malzputzmafchine, auch Gerstenputzma-
schine genannt, eine in Bierbrauereien verwendete
Reinigungsmasckine, welche die Keime des Malzes
entfernt und ähnlich wie die Getreidescheuermaschine
(f. Getreidereinigungsmaschinen) wirkt.
Malzquetsche, s. Vier und Bierbrauerei (Bd. 2,
S. 995 ll, und Tafel: Bierbrauerei I, Fig. 1).
Malzsirup, ein Hustenmittel, wird bereitet,
indem man 16 Teile Zucker mit 9 Teilen einer
starken Malzabkochung zum Sirup aufkocht. (S.
auck Traubenzucker.)
Malzsteuer, f. Viersteuer (Bd. 2, S. 991a).
Malzsurrogate, Ersatzmittel des Malzes, sind
Stärkezucker, Maismehl, Melasse, Glycerin; sie sind
in manchen Bändern, wie in Bayern, verboten.
Malztenne, s. V-:er und Bierbrauerei.
Malzzucker, s. Maltose. M. oder Malzbon-
bons nennt man auch unter Zusatz von Malzextrakt
bereitete braune Bonbons; nicht selten sind die
Malzbonbons aus Gerstenzucker (s. d.) hergestellt.
Mamaltga, ital. Nationalspeise, s. Polenta.
Mamberziege, s. Ziege.
Mame (spr.mam), Armand, franz. Buchdrucker,
geb. 18. Mai 1776, etablierte sich 1796 in Tours
und starb 2. Jan. 1848. Das Geschäft ging 1833
an dessen Sobn Alfred M. (geb. 17. Äug. 1811,
gest. 12. April 1893) und des letztern Stiefbruder
Ernest M. (geb. 4. Nov. 1805, gest. 8. Febr. 1883)
über. 1845 wurde Alfred alleiniger Besitzer und er
war es besonders, der das Geschäft zu einem der
bedeutendsten graphischen Institute in Frankreich
mit großer Buchbinderei und Verlagsbuchhandlung
erhob. 1859 trat sein Eobn Paul M. (geb.29.Nov.
1833; Firma seitdem "Alfred Mame & Fils") als
Teilhaber ein, der seit dem Tode des Vaters Be-
sitzer ist, gemeinsam mit seinen Söhnen Edmond
M. und Armand M. (Teilhabern seit 1887 und
1888). Der Verlag, anfangs aus Andachtsbüchern
und kleinen religiösen Erziehungsschriften bestehend,
erweiterte sich auf Schulbücher, Kirchenbücher, die
zahlreichen Bände der "Lidliotk^ue äe I^6un6886
clii-6ti6ini6", Kirchen- und Erbauungsbücher in span.
Sprache, typogr. Prachtwerke, wie das "Ni88ai6
I^m^num" (in Fol.), "I^a, ^0urNiii6. Hi8toii'6 6t
Monuments, pudii^pHi'N. i'iidl)6^0iirav'6" (1855),
<cI.H 8tiinto Vidiov (1866; mit Illustr. von G. Dors),
"1^68 ^lN'äii18", <c<D1i6t8-l1'tVNVI-68 äo lu. I^NFIio trau-
^136" (1868-70; mit Kupferstichen) u.a. Das