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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mantuanischer Erbfolgekrieg - Manuel I.
crhiclt, als Heimat Virgils genannt, der in Andes ^
^angeblich das jetzige einverleibte Dorf Pietole) ge-
boren wnrdc. Die von Langobarden und Griecken
umstrittene Stadt soll schon vor Karl d. Gr. befestigt
worden sein und unterstand dann zuerst ihren Bi-
schöfen, hierauf dem Markgrafen Vonifacius von
Tuscien. Von Heinrich IV. ION) belagert, versnchte
sie schon 1110 die Herrschaft der Markgräfin Ma-
thilde abzuschütteln nno ward Freistadt nach deren
Tode. 1236 von Kaiser Friedrich II., 1256 von
Ezzelino da Nomano vergeblich belagert, wnrdc sie
18. Juli 1630 von den Österreichern erobert und
furchtbar verwüstet. Zwar erholte sie sich nacbher
wieder; doch seitdem sie anfgchört hatte, Residenz
zu sein, kam sie allmählich mehr und mehr in Ver-
fall. Sie wurde 1796 von den Franzosen blockiert
und ergab sich ihnen 2. Febr. 17^7 unter Wurmscr;
1799 wurde sie denselben von den Österreichern
unter Kray wieder entrissen, Anfang 1801 aber von
neuem den Franzosen übergeben (s. unten).
Das Gebiet des ehemaligen Herzogtums M.
kam nach Untergang des röm. Staates an die
Goten, dann an die Langobarden, uuter Karl d. Gr.
an das Fränkische und unter Otto d. Gr. an das
Deutsche Reich. Als kaiserl. Lehn kam es an die Este
und 1052 an die Markgräfin Mathilde von Tos-
cana, später an die Vonacossi, denen es nach miß-
glückten Versuchen anderer Ende des 13. Jahrb.
gelang, sich zu Herren der Stadt zu macbcn, uud
von diesen 1323 an Lodovigo Gonzaga, der 1329
zum kaiserl. Vikar ernannt wurde, und unter dessen
Nachkommen Künste und Wissenschaften in der
Hauptstadt blühten (s. Gonzaga). Der letzte Herzog
aus dem Hause Gonzaga, Karl IV., starb zu Padua
1708 ohne Erben. Seitdem behielt Österreich da5
Land^ und vereinigte es 1785 mit den mailänd.
Landschaften, woraus es die österr. Lombardei bil-
dete. 1797 kam es zur Cisalpinischen, dann znr
Italienischen Rcpnblik, 1805 zum Königreich Ita-
lien, 1814 wieder zu Österreich, das 1859 die westl.
HMc, 1866 den Nest des Landes mit der Haupt-
stadt an Italien abtrat. - Vgl. De Castro, I pio-
06881 äi ^Illntovk; notixiö 8toi-ick6 (Mail. 1863);
D'Arco, 8wria äi N^mova (Mantua 1871-74).
Mantuanischer Grbfolgekrieg (1628-31),
s. Gonzaga^ sschncidekunst.
Mantuanisches Gefäß, s. Onvr und Stein-
Mantumbasee, See im Kongostaat, liegt in
vollständig flacher Umgebung zwischen dem Aqnator
und dem 1.° südl. Vr., uahe östlich der Mündung des
Mobangi in den Kongo. Stanley fand ihn 1883.
Manu ("Mensch"), im Veda der Vater der Men-
schen; er wird mit Vorliebe IVWnn8ii ^it^ ("Vater
Manu") genannt. Er spielt die Hauptrolle in der ind.
Sintflutsage. Es wird erzählt, daß M. einst einem
Fische, den er in seinem Waschwasser fand, das Leben
schenkte. Der Fisch sagte ihm eine Sintflut voraus
und rettete M., indem er sich dessen Schiff an sein
Horn binden ließ und es auf den Himalaja zog.
Alle Menschen wurden vertilgt bis auf M., der sich
aus flüssiger Butter, dicker Milch, Molken und
Quark ein Weib bildete, mit der er die Menschen
zeugte. Die Tradition macht M. zum Verfasser
des berühmtesten ind. Gesetzbuches, des ^lüwa-
vaäkai-m^Äztl'li. in 12 Büchern, das aber seinen
Namen vielmehr von der Schule der Manavas bat.
Unser NänavkädHi'iuÄ^8ti'3, ist eine junge Bearbei-
tung eines ältern Werkes, das nock nicht gefunden
ist, aus dem man aber Citate hat. In seiner jetzigen
Gestalt ist es stark interpoliert; Buch 1 und 12 sind
späte Znsätzc. Die Gesetze des M. wurden von
den Vrahmanen znr Norm für alle Kasten erbobcn
und gelten noch heute als bindend. Erste Ausgabe
mit dem Kommentar des Kullüka (Kalkutta 1813);
die kritisch beste Ausgabe von Iolly (Lond. 1887);
eine Ansgabe mit sechs einheimischen Kommentaren
gab Mandlik (3 Bde., Bombay 1886); Übersetzung
mit wertvoller Einleitung gab Bühler in den "^ci-eä
^001(8 ul t1i6 I^8w, Bd. 25 (Oxford 1886). - Vgl.
Iobaentgcn, über das Gesetzbuch des Vt. (Berl. 1863).
Manna, Insel, s. Tan.
Manual (lat.), in der Buchhaltung, s. Memorial.
- An der Orgel (s. d.) heißen M. die für das
Spiel der Hände bestimmten Klaviaturen (zwei bis
vier). Jedes M. bat besondere Stimmen, deren
Gesamtheit durch Koppeln auf ein M. (Haupt-
manual) übertragen werden kann.
Manuälakten oder Handakten, die Privat-
akten, welche der in einer Rechtsfache beauftragte
Sachwalter zu führen hat. Ans ihnen lassen sich
die gerichtlichen Akten, wenn solche durch irgend
einen Zufall verloren gehen oder beschädigt werden,
ergänzen. Im Eivilprozesse kann das Prozeßgericht
die Vorlegung der M., soweit diese ans Schrift-
stücken bestehen, welche die Verhandlung und Ent-
scheidnng der Sache betreffen, anordnen. Die M.
sind Eigentum des Auftraggebers. Deshalb hat
dieser jederzeit ein Recht auf Einsicht derselben. Da-
gegen ist der Rcchtsanwalt zu deren Herausgabc vor
Empfang seiner Auslagen und Gebühren nicht ver-
pflichtet. Die Pflicht zur Aufbewahrung der M.
erlischt für den Rechtsanwalt mit Ablauf von fünf
Jahren nach Beendigung des Auftrags und schon
vorbcr, wenn der Auftraggeber, zur Empfangnahmc
der M. aufgefordert, sie nicht binnen fechs Atonalen
in Empfang genommen hat. Vgl. Deutfche Rechts'
anwaltsordn. ß. 32 und Civilprozehordn. ß. 134.
Manualoperation,s.(5hirurgie(Bd.4,S.235d).
Nla.nua.riulnHn8 (lat.), Fanstrecht (s. d.).
Manubien (lat.), Kriegsbeute und das daraus
gelöste Geld; auch Wuchcrgcwinn.
Nlannbriuin (lat.), Handhabe, besonders Be-
zeichnung für die aus dem Orgelgehäuse hervor-
stehenden Knöpfe der Registerstangen (s. Register).
Manucci (spr. -nuttschi), Buchhändlerfamilie,
s. Manutius.
NlNnuoiuni, lat. Name von Manchester.
Manuduktiou (lat.), Handlcitnng, Anlcitnng.
Manuel I. Komnenos, byzant. Kaiser (1143
-80), geb. 1122, war ein Sobndes siaisers Johannes
Komncnos und gelangte bei seines Vaters Tode
(8. April 1143) zur Herrschaft. 1144 vermählte er
sich mit Bcrtha (Irene), einer Verwandten des deut-
schen Kaisers Konrad III. Nach Überwindung der
Gefahren, die ihm der Naubzug der sieil. Normannen
(1147) nach Griechenland und der zweite Kreuzzug
(1147 und 1148) bereiteten, gelang es ihm, sich für
lange Zeit das entschiedene Übergewicht über die
Seldsckulen im östl. Kleinasien und über die sranz.
Ritterstaaten in Syrien zu sichern. In Europa
bengte er nicht allein Serbien (1151) wieder unter
seine Hobeit, sondern machte anch das Rcick der
Magyaren (1168) zu einem byzant. Vasallenstaat.
Weniger erfolgreich in seinen Kämpfen mit den
sicil. Normannen und mit den Venetianern, über-
spannte er seine Kräfte durch die Versuche, im Bunde
mit den Orientalen, mit Hilfe des Papstes und der
Lombarden den deutschen Hohenstanfen Friedrich I.