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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Maria (Gemahl. Philipps v. Schwab.) - Maria Luise (Gemahl. Karls IV. v. Span.)
und 29. Juli 1565 wurde die Ehe geschlossen. Dem
Rausch der Leidenschaft folgte baid die Neue, als
sie die Roheit und Anmaßung, Unfähigkeit und
Feigheit des Gatten erkannte. Ihre Verachtung
gegen Darnley, die sie offen zur Schau trug, reizte
diesen zur Rache. Er ersah sich sein Opfer in dem
vertrauten Sekretär der Königin, den: Italiener
Rizzio, den er mit mehrern Genossen im Gemach
der Königin zu Edinburgh überfiel, von ihrer Seite
riß und vor ihrem Gemach niederstieß l9. März 1566).
M. S. wurde als Gefangene gehütet; sie entkam aber
nach Dunbar, zwang ihren Gemahl, seine Genossen
zu verlassen, und diese zur Flucht aus dem Lande.
!nurz darauf gebar sie 19. Juni 1566 zu Stirling einen
^ohn, den spätern Jakob I. von Großbritannien.
Zu ihrem neuen Vertrauten hatte sie sich den Gra-
fen Vothwell ausersehen, und bald erwachte eine
leidenschaftliche Liebe sür ihn in ibr, während das
Verhältnis zu Darnley immer schlechter wurde.
M. S. lebte von ihm getrennt, doch als er in Glas-
gow erkrankte, vermochte sie ihn, sich zu besserer
Pflege nach Edinburgh führen zu lassen, wo er
9. Febr. 1567 von Vothwcll überfallen und erdros-
selt wurde. Der vor Gericht freigesprochene Botb-
well entführte 24.April M. S. nach Schloß Tunbar,
uud 15. Mai wurde sie seine Gemahlin.
Alle diese Vorgänge entfesselten eine mächtige
Empörung der schott'. Lords unter M. S.s Halb-
bruder Murray (s. d.); beide Parteien rüsteten, doch
bevor es noch zur Entscheidung gekommen war, unter-
warf sich M. S. bei Carberry-Hill in der Nähe von
Edinburgh 15. Juni 1567. Während Vothwell nach
Dänemark entkam, wurde sie in dem Schlosse Loch-
leven in Fife gefangen gehalten und 24. Juli zur
Abdankung zu Gunsten ihres Sohnes genötigt.
Der unerträglich werdenden Haft entkam sie in
abenteuerlicher Flucht (2. Mai 1568) und scharte
einigen Anhang um sich; aber bei Langside unfern
Glasgow zersprengte der Regent Murray 13. Mai
ihre Scharen. M. S. ging nach England.
Hier setzte Cecil ihre Verhaftung durch, eine Be-
gegnung mit Elisabeth sollte erst stattfinden, wenn
sie sich von der Anklage des Gattenmordes gereinigt
babe. Als Ankläger trat M. S.s Halbbruder, Lord
Murray, auf. Die richtenden Peers zu Westminster
fanden ihre Schuld erwiesen, Elisabeth hielt sich un-
bestimmt, sie sah den Beweis nicht als erbracht an
und ließ dennoch M. S. nicht frei. Damit setzte sie
sich ins Unrecht. Unter zahlreichen Versuchen, die
mit Unterstützung der katb. Mächte Spanien und
Frankreich für M. S.s Befreiung unternommen
wurden, war am gefährlichsten die Verschwörung
des Herzogs von Norfolk (s. d.), der als Rebell 1572
auf dem Schafott fiel. Eine Reihe ähnlicher größe-
rer und kleinerer Versuche vereitelte Cecils Wach-
samkeit; aber erst, als es ihm gelang, bei einer
größern, von Babington (s. d.) geführten Verschwö-
rung eine Mitschuld M. S.s genügend zu erweisen
(1586), erreichte er von Elisabeth die Erlaubnis zur
Aburteilung M. S.s vor einein Gerichtshof. Diefer
sprach das Schuldig, aber Elisabeth fand erst nach
langem Schwanken den Entschluß zur Unterzeich-
nung des Urteils, das Cecil ungesäumt zu Fothe-
ringhay 18. Febr. 1587 vollstrecken ließ.
Noch heute ist der Streitlcbcndig, ob M. S. wissent-
lich mitgeholfen hat an den Vorbereitungen zu Darn-
leys Ermordung, und völlig wird der auf ihr
lastende Vorwurf der Mitschuld schwerlich hinweg-
Zunehmen lein. Als Hauptbeweismatcrial gegen sie
Brockhaus' Konvcrsations-Lcxikon. 14. Aufl.. XI.
gelten die "Kassetten- oder Schatullenbriefe", die
M. S. an den Grafen Vothwell geschrieben, und die
in einer Kassette gefunden sein sollen, die einem
Diener Bothwells abgenommen wurde. Das un-
schuldig leidende, allen Feinden vergebende Weib
der Schillerschen Tragödie war sie jedenfalls nicht,
mit dem Ruf nach Vergeltung ist sie gestorben.
Schön, geistvoll, bestrickend, war sie erfüllt von
dämonischer Leidenschaft, die sie fortriß zu ihrem
Verderben; hin und her geworfen zwischen Liebe
und Haß ermaß sie nie im voraus die Bahn, die sie
beschritt. Keine Gefahr aber brach ihren verschla-
genen Geist und ihren feurigen Mut; trotz Sünde
und Fehl bleibt sie eine hinreißende Erscheinung.
VeidemInteresseanM.S.sPersönlichkeitunddenl
streit über ihre Schuld und Unschuld ist die Litte-
ratur über sie ganz außerordentlich groß. Zu er-
wäbnen sind außer den allgemeinen Darstellungen
in Froudes Ilintoi-v ot' England (12 Bde., Lond.
1881) und Rankes Engl. Geschichte vornehmlich im
17. Jahrh., Bd. 1 (4. Aufl., Lpz. 1877) die Biographien
von Mignet, Hi5toii'6 ci6 ^1. 8. (2 Bde., Par. 1851);
Agnes Strickland, I^it'6 oi^I^r^, ciuoen ok 8cot8
l2 Bde., Lond. 1873); Hosack,^Im7, <iu66n ol8cot8
lmä Ilor nccu86i'3 (2 Bde., ebd. 1874); Chante-
lauze, ^1. 8.) 8ou ^1-0003 6t 8011 exöcutiou (Par.
1876); Gaedecke, M. S. (Heidelb. 1879); Opitz, M. S.
nach den neuesten Forschungen dargestellt (2 Bde.,
Freib. i. Vr. 1879 - 82); Vekker, M. S., Darnley,
Bothwell (Bd. 1 der "Gießener Studien auf dem
Gebiet der Geschichte", Gieß. 1881); Gerdes, Ge-
schichte der Königin M. S. (Gotha 1885); Kervyn
de Lettenhove, N. 8. i^wuvi-6 puritaine, 16 i)ro-
(X!8) 16 3ui)Mc6 (2 Bde., Par. 1889); Henderson,
^I1i6 casivLt I6tt61'8 UNll Nai'^ HU66N ol 8c0t8
(Edinb. 1889); Bell, 1.il6 ot' Nln'7, hi.16611 s)k8cot8
(2 Bde., Lond. 1890); Philippson, I1i8t0ir6 än ro^
ä6 N. 8. (3 Bde., Par. 1891); Ruble, I.a in^miöi-"
M1N6886 ä6 N. 8. (ebd. 1891); außerdem die Auf-
sätze von Brehlau, Die Kassettenbriefe der Königin
M. S. (im "Histor. Taschenbuch", 6. Folge, 1. Jahrg.,
Lpz. 1882); ders., Beiträge zur Geschichte M. S.s
(in Sybcls "Histor. Zeitschrist", Bd. 52, Münch.
1884); Cardanus, M. S. (im "Histor. Jahrbuch",
Münster 1881 u. 1884). Die I^6tti'08, in8truotioii8
6t !N6in0ii'68 (16 U. 8. gab Fürst Lobanow heraus
(7 Bde., Lond. 1844). Morris veröffentlichte ^6
I6tt6r-1"00k8 ot'8ii- ^Vmili8 ?ani6t, Ii66p6l ot'Nar^
HU66N ol 8cot8 (Lond. 1874). Dramatisch wurde
das Schicksal der M. S. behandelt in einem Trauer-
spiele von Schiller und in mehrern Opern (von To-
nizetti, Fetis u. a.). ^s. Irene.
Maria, Gemahlin Philipps von Schwaben,
Maria Sophie Amalie, Königin beider Si-
cilien, geb. 4. Okt. 1841 zu München als Tochter
des Herzogs Maximilian Joseph von Bayern, ver-
mählte sich 3. Febr. 1859 mit Franz II. (s. d., Bd. 7,
S. 1351)), welche Ehe kinderlos blieb. Nach dem
Fall von Gaeta (Febr. 1861) folgte sie ihrem Gatten
nach Rom, ging von da 1870 nach Bayern, später
nach England.
^ Marta Luise, Gemahlin König Karls IV. von
Spanien, geb. 9. Dez. 1751, Tochter des Herzogs
Philipp von Parma, wurde 1765 mit dem In-
santen Don Carlos vermählt. Nachdem Karl IV.
14. Dez. 1788 seinem Vater auf dem Thron gefolgt
war, regierte sie gemeinschaftlich mit ihrem Günst-
ling, dem Herzog von Alcudia (s. Godoy), unum-
scbränkt. Trotzdem sie von Gestalt unansehnlich
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