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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Maria II. (Königin v. Großbritannien) - Maria Stuart (Königin v. Schottland)
England gesandt, kehrte jedoch, als der erhoffte
Beistand Englands gegen Miguel ausblieb, 16. Okt.
1829 nach Rio de Janeiro zurück. Erst nachdem
Pedro 7. April 1831 die brafil. Krone niedergelegt
hatte, fübrte er seine Tochter wieder nach Europa
und ließ sie in Paris residieren, wäbrend er Dom
Miguel bekriegte und nach dreijährigem Kampfe
aus Portugal vertrieb (Mai 1834). lHchon 23. ^ept.
1833 in Lissabon als Königin ausgerufen, wurde
sie vom Reichstag 20. Sept. 1834 für mündig er-
klärt und übernahm nach dem Tode ihres Vaters,
der bisher die Regentschaft geführt hatte, 24. Sept.
1834 die Regierung. Am 1. Dez. 1834 heiratete
sie durch Prokuration und 26. Jan. 1835 persön-
lich den Herzog August von Leucdtenberg, der
aber schon 28. März 1835 starb. Darauf schloß
sie eine zweite Ehe durch Prokuration 1. Jan. und
persönlich 9. April 1836 mit dem Prinzen Ferdi-
nand von Sachsen-Coburg-Gotha-Kohary, aus der
eine zahlreiche Nachkommenschaft entsprang. (S. Fer-
dinand II. von Portugal.) M. starb 15. Nov. 1853
zu Lissabon. Ihr folgte ihr ältester Tobn, Pedro V.
(s. d.), dann ihr zweiter ^ohn, Ludwig 1. (s. d.).
Maria von Guise, Königin von Schott-
land, Mutter der Maria Stuart, geb. 22. Nov.
1515, das älteste der 12 Kinder des Claude von
Guise (s. d.), wurde 1534 Gemahlin Ludwigs von
Orleans, der schon im folgenden Jahre starb. Im
Mai 1538 heiratete sie Jakob V. von Schottland,
wurde nach dessen Tod (14. Dez. 1542), neben
dem Grafen Arran (f. Hamilton, Geschlecht), feit
1554 allein Regentin des Reichs für ihre Tochter
und hielt nun im Kampfe gegen Heinrich VIII.,
desfen Sohue Eduard sie die Hand ihrer Tochter
versagte, und später gegen den Protektor Somerset
den Bund mit Frankreich und dem Katholicismus
aufrecht. 1559 kam es zu einer Erhebung der von
Knor geleiteten prot. Lords gegen die kath. Regen-
tin; Edinburgh wurde von ihnen genommen und
wieder verloren, und als sie es, von England unter-
stützt, aufs neue belagerten, starb ^N. daselbst
10. Juni 1560.
Maria Stuart, Königin von Schottland
(1542-68), wurde 8. Dez. 1542 im Schlosse Lin-
lithgow wenige Tage vor dem Tode ihres Vaters
Jakob V. geboren. Dem Gedanken, die junge
Königin dem engl. Thronerben zu verbinden, wider-
strebte ihre Mutter Maria von Guise, und als
nach Heinrichs VIII. Tode der Protektor Somer-
set Schottland mit Waffengewalt dazu zwingen
wollte, wurde M. S. 1548 nach Frankreich gebracht,
hier erzogen und 24. April 1558 dem Dauphin,
dem spätern König Franz II., vermcM. Nach
Htarias I. Tod nahm sie als Enkelin der Margarete,
Tochter Heinrichs VII., Wappen und Titel einer
Königin von England an und stellte sich dadurch zu
Elisabeth, die sie von ihrem kath. Standpunkt nicht
als legitimen Sproß Heinrichs VIII. anerkannte,
in den schärfsten Gegensatz. Als sie nach dem frühen
Tode ihres Gatten 19. Äug. 1561 nach Schottland
zurückkehrte, wo Maria von Guise bis zu ihrem
Tode 1560 die Regentschaft geführt batte, fand sie
den Calvinismus des John Knor als einzig herr-
schende Staatsrcligion vor. Mit meisterhaftem Ge-
schick wußte die kath. Königin so unduldsamen Män-
nern wie Knor gcgcnüberzutrcten und auch ibr schwie-
riges Verhältnis zu Elisabeth leidlich zu gestalten.
Bald schritt M. S. zu einer neuen Vermählung:
ihre Wahl fiel auf ihren Vetter Darnley (s. d.),
Theresia, der Tochter des Königs Ferdinand von
Neapel. Nach dem Kriege von 1809 von Napo-
leon zur Gemahlin erwählt, wurde sie zu Paris
2. April 1810 durch den Kardinal Fesch mit ihm
getraut. Am 20. März 1811 gebar sie einen Sohn,
dem schon vor der Geburt der Titel König von Rom
zuerkannt worden war. 1812 begleitete M. L. Na-
poleon nach Dresden zu der Monarchenzusammen-
kunft. Während der Kaiser 1813 in Deutschland
kämpfte, führte sie in Frankreich die Regentschaft,
die sie, von einem Conseil beraten, auch 1814 be-
kleidete. Nach der Abdankung Napoleons lebte sie
zunächst in Air, dann in Schönbrunn. Zu ihrem
Oberhofmeister erwählte man den österr. Feld-
marschalllieutenant Grafen von Neipperg (s. d.),
mit dem sie sich 1821 nach Napoleons Tode in mor-
ganatischer Ehe vermählte. Am 17. März 1816
übernahm sie die Regierung der ihr, neben dem
Titel kaiserl. Majestät, im Vertrage zu Fontainc-
bleau zugesicherten Herzogtümer Parma, Piacenza
und Guastalla und hielt 20. April 1816 ihren Ein-
zug in Parma. Ihr Sohn blieb in Wien und wurde
1818 vom Kaiser Franz zum Herzog von Reichstadt
(s. d.) ernannt. Dem Grafen Ncipperg (s. d.) gebar
sie ebenfalls einen Sohn, den Grafen, später Fürsten
Montenuovo. Sie starb 18. Dez. 1847 zu Wien;
die Herzogtümer gingen an den bisherigen Herzog
von Lucca, den Vourbon Karl II. (s. d.) über. - Vgl.
Imbert de St. Amand, N. I.. (3 Bde., Par. 1856);
Helfert, M. L., Erzherzogin von Österreich, Kaiserin
der Franzosen (Wien 1873); Madame Durand, Ne-
nwii-63 8ur ^Hpolüon 6t N. 1^., 1810-14 (ebd.
1885); ^ori-LZponäancL äs N. I.. 1799 - 1847.
1^6tti'68 intilN68 6t 1N6cIit68 g. 1a. lÜ0IUt6886 (16 lüoi-
101-6(10 6t Ü. Nlul6IN0i86li6 ä6 I^OUtot, (I6M18 1810
(^omt6886 ä6 ^I'6I1N6viIi6 (Wien 1887).
Maria n., Königin von Großbritannien
und Irland (1688-94), Gemahlin Wilhelms III.,
wurde 30. April 1662 als die älteste Tochter Ja-
kobs II. aus seiner ersten Ehe mit Anna Hyde ge-
boren und 1677 dem damaligen niederländ. Statt-
halter Wilhelm von Oranien vermählt, der 1688
Jakob vertrieb und neben seiner Gattin 11. Febr.
1689 zum König erhoben wurde. Die Regierungs-
teilnahme der Königin blieb eine nur formelle; sie
verehrte ihren großen Gemahl schwärmerisch, und
auch diesen tras kein Schlag so hart, wie M.s früh-
zeitiger Tod; sie starb 28. Dez. 1694 an den Blattern.
- Vgl. Nippold, Die Regierung der Königin Mary
Stuart von England, Gemahlin Wilhelms III.
(Hamb. 1895).
Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich,
s. Maria Theresia, deutsche Kaiserin.
Maria II. da Gloria, Königin von Portu-
gal (1826-53), geb. 4. April 1819 zu Rio de Ja-
neiro, war die älteste Tochter des Kaisers Pedro I.
von Brasilien aus dessen Ehe mit der Erzherzogin
Leopoldine von Osterreich. Nach dem Tode ihres
Großvaters, des Königs Johann VI. von Portu-
gal, verzichtete ihr Vater zu ihren Gunsten 2. Mai
1826 auf den portug. Thron und bestimmte, daß
sie sich mit seinem Bruder Miguel (s. d.) verhei-
raten solle. Vorläufig blieb jedoch M. in Brasilien,
und die Regierung in Portugal ward in ihren:
Namen zuerst von ihrer Tante, Prinzessin Isabella,
geführt, darauf Dom Miguel 26. Febr. 1828 zum
Regenten ernannt; doch bemächtigte sich dieser
30. Juni des Thrones und wurde in ganz Portu-
gal als König anerkannt. M. wurde im Juli nach