Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

634
Mart - Martens (Friedr. Frommhold von)
des gleichnamigen Flusses bei Kelänä, wo auch auf
dem Markt neben der Quelle des Flusses der sog.
schlauch des M. zu sehen war. Dargestellt wurde be-
sonders die Bestrafung des M. durch Apollon, und es
sind verschiedene statuarische Nachbildungen davon
vorhanden. Zu der Gruppe gehorte auch der sog.
Schleifer. Aber schon Myron, der ältere Zeitgenosse
des Phidias, hatte M. gebildet, wie ihn Athena von
der Doppelflöte, die er aufheben will, zurückschreckt,
und auch hiervon sind Kopien erhalten. In Rom
und in den röm. Kolonien standen Statuen des M.
auf den Marktplätzen als Sinnbilder der Freiheit.
- Vgl. Hirschfcld^ Athena und M. (Berl. 1872);
Sybel, Athena und M. (Marb. 1879); Jordan, M.
auf dem Forum in Rom (Berl. 1883).
Märt (der und die), auch Mahr, Nachtmart,
Nachtmahr, Name eines in ganz Norddeutschland
und dem german. Norden verbreiteten geisterhaften
Wesens, das sich in vielen Punkten mit dem Alp
deckt. Es setzt sich auf die Brust des Schlafenden
und raubt ihm Sprache und Regung. (5s schleicht
leise heran wie eine Katze und kann nur durch Erb-
Handschuh festgehalten werden. Auch kann der M.
der Ausgang durch Verstopfen aller Öffnungen des
Zimmers versperrt werden. In der Gegend von
Wendisch-Vuchholz heißt dies Wesen Murraue.
Im Altenburgischcn heißt eine gcspcnsterbafte Er-
scheinung B o cksmarte. Als Heimat der M. gilt im
Volksmunde England. Wird die M. gefangen, so hat
sie die Gestalt eines schönen Mädchens, das sogar
Ehen eingebt. Menschen, die die Eigenschaft besitzen,
sich in eine M. verwandeln zu können, erkennt man
an den säst zusammengewachsenen Augenbrauen.
Mtti'l., bei naturwissenschaftlichen Namen Ab-
kürzung für Karl Friedr. Philipp von Martins (s. d.).
und Tenasserim, in die der Saluen und der Ira-
wadi mündet. An der Küste die wichtigen Häfen
Rangun, Amherst und Malmen. Die Festung M. ist
jetzt Dorf. Die Engländer faßten hier 1826 und
1852 festen Fuß.
Martel (spr.-tell), Louis Joseph, sranz. Poli-
tiker, geb. 15. Sept. 1813 zu (5t. Omcr, wurde 1849
in die Gesetzgebende Versammlung, 1863 und 1869
in den Gesetzgebenden Körper und 187l in die Na-
tionalversammlung gewählt, wo er sich dem linken
Centrum anschloß und zum Vicepräsidenten gewählt
wurde. 1875 ward er lebenslängliches Mitglied des
Senats, warvom13. Dez. 1876bis 16. Mai1877 Mi-
nister der Justiz und des Unterrichts und wurde im
Jan. 1879 Präsident des Senats. In dieser Stellung
blieb er bis Mai 1880. seitdem hielt er sich von der
Politik fern und starb 4. März 1892 in Evreur.
Martel de Ianville (spr. -tell de schangwil),
Gabriellc, Gräfin de, geborene de Riquctti de
Mirabeau, franz.Schriftstellcrin, geb. llnr 1850 auf
dem Schlosse Koetsal (Vtorbihan), verheiratete sich
1869 mit dem Grafen M. Unter dem Pseudonym
Gyp veröffentlichte sie seit 1882 eine große Zahl
Romane, welche sich durch Schärfe der Beobach-
tung auszeichnen, jedoch häufig pikante, ja anstößige
Scenen enthalten; auch kehren gleiche Charaktere
und ähnliche Situationen häufig wieder. Genannt
seieni "I^tit Lok", "I^H voi tu d^ lil, I^ronno" (1882),
"^itoui- än inai-iu^" (1883; mit H. Cre'mieux dra-
matisiert, 1883), "s>o Huo i'einin6 v(5nt?" (1883>,
"1'Iuins tit poil", "IIn Iioinin^ ä61i<^t", "I^o inonäc^
Üi c6t6" (1884), "NI163 6t lui", "1^6 p1u3 iiLU^LUX
clL t0U5", "8^N8 V0Ü63" (1885), "^utoui' du divorce",
"8ao ü. 1)3^)161'" (1886), "^0168 con^i^^sz" (1887),
"?6tit 1)l6H", "1^68 86äuct6U1'8 )), <( ^Iaä6IN0i86i1o
I.012I011" (1888), "Lod ÄU 8ai0n" (3 Bde., 1888-89),
"Ode! 163 p8)^1i0i0FU63)) (1889), eine Sammlung
von Gesprächen und Aufzeichnungen, in denen eine
mutwillige Kritik an den Psychologen der modernen
sranz. Richtung geübt wird, "^liideinoi^iis ^V6"
(1889), "(^'68t 110U8 l^ui 30nt 1'iii3t0ii'6" (1890),
"Hn ratö" Ulld "ÜN6 ^H83i0nn6tt6)) (1891), "Non-
LI6UI- 16 Duo)) (1892), "Nadains 1a> 1)uc1l6886",
"I^NtL ^OUMI", "1^8 M10U86", "Du ^^ut 6Q da8"
(1893), "1^6 .joui'QÄi (I'un plnl080^1i6", "1^6 tlei'
/iömsu (1894), "1^6 clNUl' (1^Vi'iHQ6)), I^6UI'8 Ü.M63",
c<(^68 I)0U8 X0I'MHIiä8!v (1895).
Martell, s. Karl (Bd. 10, S. 14ld).
Martellotürme^ die zur Küstenvcrtcidigung in
England ui^d Italien mehrfach erbauten runden
Türme, welche, freistehend und kasemattiert, oben
mit einer Plattform für einige Geschütze versehen
waren. Das obere Stockwerk diente als Wohnraum,
das untere als Magazin. Der Name stammte von
einem Turme dieses Namens her, den die Engländer
1796 auf Eorsica belagerten. Den beutigcn Schisfs-
gcschützen gegenüber würden dieseTürme obneEisen-
panzerung sehr schnell unterliegen.
Martellthal, Mortellthal, rechtes Seiten-
thal der Etsch, in der Tiroler Bezirkshauptmann-
schaft Mcran, 6 stunden lang, mit einer mittlern
Erhebung von 1645 in, hat im Hintergründe die
großartigen Gletscher der Zufallfpitz (s?(5eveoale;
3774 m) der Ortlergruppe. Hauptort ist Mortell
(1302 m) mit 960 E. Lärchen und Zirbelkiefern
finden sich noch bei 2300 in.
Martens, Eduard von, Zoolog, geb. 18. April
1831 in Stuttgart, studierte seit 1849 in Tübingen,
München und Berlin Medizin und Naturwissen-
schaften, wurde 1855 Assistent, 1859 Kustos am
köuigl. Zoologischen Museum zu Berlin, dessen zwei-
ter Direktor er jetzt ist; zugleich ist er außerord. Pro-
fesfor für Zoologie an der Universität. Außer an
auderu Reisen nahm er als wissenschaftliches Mit-
glied an der königlich preuß. Erpedition nach Ost-
asien in den 1.1860-1862 teil. Von seinen zahl-
reichen, namentlich mit niedern Tieren (Mollusken,
Krustaeecn) sich beschäftigenden Arbeiten sind her-
vorzuheben: der zoolog. Teil des offiziellen Werkes
"Die preuß. Expedition nach Ostasien" (2 Bde.,
Verl. 1865-76), "Die Mollusken" (in Fedtschenkos
"Reise in Turkestan", in russ. Sprache, Mosk. 1874
-80), "Über vorderasiat. Konchylien" (Cass. 1874),
"Die Weich- und Schaltiere gemeinfaßlich dar-
gestellt" (Prag 1883); er gab heraus "Koncho-
logische Mitteilungen als Fortsetzung der Xovitllt63
concnoloxicHL" (ebd. 1880-89).
Mariens, Friedr. Frommhold von, russ. Völker-
rechtslehrer, geb. 15. (27.) Aug. 1845 zu Pernau in
Livland, studierte an der jurist. Fakultät der Pe-
tersburger Universität, wurde daselbst 1871 Do-
cent des Völkerrechts, 1872 Professor der Staats-
wisscnschaften an der kaifcrl. Rechtsfchule und am
Alerandralyccum, 1873 ord. Professor. Seit 1868
im Ressort des russ. Ministeriums des Auswärtigen
beschäftigt, wurde M. 1874 dem Fürsten Gortscha-
kow für besondere Aufträge attachiert, war in dem-
selben Jahre russ. Delegierter auf der Brüsseler Kon-
ferenz für die Kodifikation der Kriegsgesetze ^ 1884
und 1887 auf den Konferenzen des Roten Kreuzes,
1889 auf dem Brüsseler Kongreß sür Handels- und
^ecrecht, 1889 - 90 zweiter russ. Bevollmächtigter