Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

645
Maschine (elektrische) - Maschinenbau
Arbeit (s. d.) gleich Null ist. Eo zeigt sich, daß,
wenn? an der schiefen Ebene um k vertikal abwärts
verschoben wird, die positive Arbeit I>k durch eine
gleiche negative aufgewogen wird. Denn H steigt
längs der Länge um k, entgegen dem Sinne der
Schwerkraft aber nur um K -, so daß die Summe
der Arbeiten I>K-y ^ ^ 0 wird, wenn I> --- H ^
ist. Die M. gerät also von selbst nicht in Bewegung,
wenn bei dieser die Summe der Arbeiten gleich Null
ist und bewegt sich von selbst nur im Sinne eines
positiven Arbeitsüberschusses. Dies ist der Grund,
weshalb eine M. nicht zur Herstellung eines?er-
pktuum inodiis (s. d.) dienen kann.
Der Vorteil der M. liegt teils in der bequemern
Anwendung der Kraft, teils auch darin, daß man
mit Hilfe kleiner verfügbarer Kräfte größere über-
winden kann. Wenn z. V. ein Stein von 100 1cF
1 in hoch zu heben wäre, so ist es zunächst viel be-
quemer, an einer Kurbel zu drehen, als den Stein
unmittelbar anzufassen. Ferner könnte man den
Stein ohne M. überhaupt nicht heben, wenn man
nicht eine Kraft über 100 1^ zur Verfügung hätte.
Mit Hilfe einer M. kann aber ein Mann den Stein
heben durch Ausübung einer Kraft von 25 KZ
auf die Strecke von 4 m. An Arbeit kann man
durch M. nichts ersparen, im Gegenteil wird ein
Teil derselben durch die Neibung aufgezehrt. Man
kann aber an Kraft durch einen Mehraufwand von
Weg ersparen oder an Weg durch einen Mehrauf-
wand von Kraft. Die Leistungsfähigkeit der Ma-
schinenarbeit im Vergleich zur Handarbeit ist ost
beträchtlich; eine Nähmaschine macht etwa 30mal
soviel Stiche in derselben Zeit als die Hand einer
geübten Näherin; die neuesten Schnellpressen liefern
80mal soviel Drucke als eine Handpresse.
Heute übertrügt die Technik der M. auch viele
solche Arbeiten, deren Ausführung bisher nur für
die menschliche Hand möglich schien. Durch fort-
gesetzte Vervollkommnungen ist erreicht worden, daß
die M. in vielen Fällen uicht bloß mehr, sondern auch
Besseres leistet als der darin eingeübte Arbeiter. Die
Spinnmaschine erzeugt mindestens einen ebenso
feinen und durchaus gleichmäßigen Faden wie die
geschickteste Spinnerin, der Webstuhl arbeitet durch-
schnittlich gleichmäßiger als der Handweber, die Näh-
maschine sorgfältiger als die Näherin. Es giebt
kaum einen Erwerbszweig mehr, der nicht mit Zu-
hilfenahme inaschineller Arbeitskraft ausgeübt wird.
Nur im Kunstgewerbe, wo die künstlerische, möglichst
abwechselungsreiche Formgebung die Hauptrolle
spielt, hat die Maschinenarbeit noch wenig Eingang
gefunden. Im allgemeinen bildet die M. die Grund-
lage zu einem vorteilhaften Großbetrieb (s. d.) und
hat dadurch die Hausindustrie und das freie Hand-
werk saft verdrängt. Erst neuerdings ist durch die
Ausbildung der Kleinmotoren (s. d.) dem Klein-
gewerbe die Möglichkeit geboten, neben der Groß-
industrie zu bestehen.
Die Maschinenwissenschaft definiert die M. als
eine solche Verbindung widerstandsfähiger Körper,
vermöge deren mechan. Kräfte genötigt werden, be-
stimmte Bewegungen zu bewirken. Die Verbindung
dieser widerstandsfähigen Körper geschiebt durch
kinematische Elementenpaare (1> Kinematik). In
konstruktiver Beziehung baut sich die M. aus den
Maschinenelementen (s. d.) auf. Nach ihrem Zweck
teilt mandie M. eininKraftmaschinen oder Mo-
toren (s. d.), Zwischenmaschinen (s. Transmis-
sion) und Arbeitsmaschinen. Von den Motoren
wird die zur Leistung nützlicher mechan. Arbeit nö-
tige Kraft entnommen und mittels der Zwischen-
maschinen auf die Arbeitsmaschinen übertragen.
Die letztern verrichten die eigentliche beabsichtigte
Arbeit und teilen sich in solche M., die zur Orts-
veränderung, und solche, die zur Formveränderung
von Körpern dienen. Die ortsverändernden M.
oder Transportmaschinen (s. d.) spielen im Vau-
und Verkehrswesen eine wichtige Rolle, während
die sormverändcrndcn M. die Prozesse der mechan.
Technologie (s. d.) durchführen und die große
Gruppe der Werkzeugmaschinen (s. d.) mit ein-
begreifen. Der Dampfhammer ist ein Beispiel für
eine M., bei welcher der Motor (Dampfcylinder mit
Kolben und Steuerung), die Transmission (Kolben-
stange) und die Arbeitsmaschine (Amboß und Bär)
in einem Ganzen vereinigt sind.
Im Reicksadreßbuch der deutschen Montan- und
Metallindustrie führt Ncntzsch allein über 400 ver-
schiedene Maschinensorten auf, während die Zahl
aller vorkommenden Maschinenspecialitäten minde-
stens 1500 betragen dürfte. (S. Maschinenbau,
Maschinenlehre.) - Vgl. Reulcaux, Die M. in der
Arbeiterfrage (Mind. 1885).
Maschine, elektrische, s. Dynamomaschinen
und Elektromotor.
Maschinenbagger, s. Bagger (Bd. 2, S. 282a).
Maschinenbau', Kollektivbezeichnung für alle
zur Erzeugung von Maschinen (s. d.) erforderlichen
Arbeiten, also das Entwerfen und Zeichnen der Ma-
schinen, Anfertigen der Modelle, Gießen, Drehen,
Hobeln, die Schlosserarbeiten und das Montieren
zusammen.
Als das eigentliche Stammland des M. und der
Maschinenindustrie ist England Zu betrachten.
Begünstigt durch den Reichtum des Landes an Eisen
und Steinkohlen sowie durch den praktischen "Hinn
und die Energie der Nation, fand die Dampf-
maschine, als der von Anfang an gebräuchlichste
Motor, nachdem sie durch James Watt im wesent-
lichen ihre heutige Gestalt erhalten hatte, in Eng-
land zuerst Eingang und hat sich hier in raschem
Fortschritt vervollkommnet, wie auch dem engl.
Ersindungsgeist die praktische Gestaltung der wich-
tigsten Arbeitsmaschinen, namentlich der in der
Landwirtschaft und der in der Spinnerei zur An-
wendung kommenden, zu danken ist. In Frank-
reich hat die Theorie des M., welche durch die
vorzüglichen technischen Lehranstalten eine sorg-
fältige Behandlung und weite Verbreitung fin-
det, die Grundlage mancher bedeutenden Erfindung
gebildet. Das verhältnismäßig kleine Belgien
nimmt, dank einiger hervorragenden Firmen, auf
dem Gebiete des M. eine ehrenvolle Stellung ein.
Deutschland hat sich auf diefem Gebiet in den letz-
ten Jahrzehnten mehr und mehr vom Ausland unab-
hängig gemacht, wobei ihm die vergrößerte Ausbeute
seines Eisen- und Kohlenreichtums zu statten kommt;
viel hat hierzu auch das Aufblühen technischer Bil-
dungsanstalten sowie die intensive And extensive
Wirksamkeit seiner zahlreichen Gewerbevereine bei-
getragen. Von andern europ. Ländern haben Öster-
reich-Ungarn, die Schweiz, neuerdings- auch Italien
eine bedeutende Leistungsfähigkeit erlangt. In
Nordamerika sind es die Kostspieligkeit mensch-
licher Arbeitskräfte und der Reichtum an Brenn-
material in Verbindung mit dem Unternehmungs-