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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mazocha - Mazzolim
Zar maß den Beschuldigungen keinen Glauben bei
und schickte beide Ankluger M. selbst zur Bestrafung
zu, der sie in der That hinrichten ließ. Als aber
der Zar anderer Überzeugung wurde, erstürmte er
die frühere Residenz M.s, Baturin; M. wendete
sich nun zu Karl XII. und nahm an dessen Zuge in
die Ukraine teil. Nach der Niederlage bei Poltawa
flüchtete er mit dem schwed. König nach Vcnder, wo
er 22. Sept. 1709 angeblich an Gift starb. Byron
bat M. zum Helden eines seiner schönsten Gedichte,
Bulgarin zum Helden eines Romans gemacht,
R. von Gottschall hat ihn in einem Drama und
Horace Vernet im Gemälde verherrlicht.
Mazocha, Macocha, s. Adamsthal.
Mazuranic (spr. -schüranitsch), Ivan, kroat.
Dichter und Staatsmann, geb. 11. Aug. 1814 in
Novi, nabm litterarisch und politisch hervorragen-
den Anteil an der Bewegung des Illyrismus (s. d.),
bekleidete seit 1861 hohe Ämter bei der kroat. Re-
gierung und war 1873 - 80 Banns von Kroatien.
Er starb 3. Aug. 1890 in Budapest. Durch sein
Hauptwerk, die episch-nationale Dichtung "8mrt
^inaii-^M ^6NFi(-a" ("Tod des Smail Äga Een-
a,ic", Agram 1857; deutsch von W. Kienberger,
Brunn 1874) und durch gelungene Ergänzung
zweier verloren gegangener Gesänge von Gundulics
(s. d.) großer Epopöe "Osman" steht er an der
Spitze der neuern südslaw. Dichter. Auch schrieb
er histor. Arbeiten und ein deutsch-illyr. Wörter-
buch (Agram 1842).
Mazurka, poln. Nationaltanz, s. Masurka.
Mazzara del Vallo, Hauptort des Kreises
Mazzara in der ital. Provinz Trapani auf Sicilien,
an der Münduug des Flühchens Mazzara und
der Eisenbahnlinie Palermo-Trapani, hat (1881)
13 505 E., hohe Mauern, Reste eines Kastells, erz-
bischöfl. Palast, eine Kathedrale, Seminar, Gym-
nasium, Hafen und bedeutenden Handel.
Mazzarmo, Stadt im Kreis Terranova di Si-
cilia der ital. Provinz Ealtanissetta auf Sieilien,
hat eine Festung und einen großen Baronialpalast
und (1881) 12 964, als Gemeinde 13 213 C.; dabei
Schwefelgruben.
Mazzrni, Giuseppe, Leiter der Bewegung für
die Einigung Italiens als Republik, geb. 22. Juni
1805 zu Genua, studierte die Rechte und Litteratur
und wurde Rechtsanwalt in Genua. 1830 trat er
den Carbonari (s. d.) bei, wurde aber verraten und
mußte nach sechsmonatiger Haft in Savona nach
Marseille auswandern; hier begründete er 1831
den Verein des Jungen Italien (s. d.). Nach dem
Mißlingen seiner Versuche von 1833 und 1834, in
Italien eine Erbebung zu erzielen, hielt er sich fast
drei Jahre in der Schweiz auf und ging dann nach
London, wo er das Blatt "I^^postolato poiwliii'e"
und eine schule für ital. Handwerker begründete;
seine umfangreiche Korrefpondenz mit ital. Unzu-
friedenen erregte jedoch den Argwohn der engl.
Negierung und wurde mit Beschlag belegt. Wie
schon 1831 an Karl Albert, so erließ er 1847 an
Pius IX. ein Sendschreiben, in welchem er ihn zur
Einigung und Befreiung Italiens aufrief. Nach
Ausbruch der Februarrevolution 1848 eilte er nach
Paris und von hier nach Mailand, wo er das Blatt
"1^' Italia äei popolo" und den Verein "^ssocia^ione
nkxionÄ^" gründete, in dcncn cr die Anglicdcrung
der Lombardei an Piemont bekämpfte. Kurz vor
Mailands Fall trat er in Garibaldis Freischar,
begab sich dann als Mitglied der Konstituierenden
Versammlung nach Rom, wo er mit Armellini
und Saffi als Triumvir die Leitung der röm.
Republik übernahm, trat aber zurück, als nach
der Einnahme Roms durch Oudinot sein Vor-
schlag, den Krieg in die Provinzen zu tragen, ab-
gelehnt wurde. Er ging nacb England, von wo
aus er als Haupt des ital. Nationalkomitees die
Erhebungen von Mantua 1852, von Mailand
Febr. 1853 und von Genua Juni 1857 leitete, zu
welchen er die Mittel von den Radikalen aller Län-
der erhielt: ebenso trieb er Garibaldi zu seiner Un-
ternehmung von 1860, wäbrend er selbst in Italien
1859 Umtriebe gegen das ital.-franz. Bündnis er-
öffnet hatte. 1862 und 1867 unterstützte er Gari-
baldis Expeditionen, obschon er sie erst widerraten
hatte. Nachdem im Sept. 1866 die ital. Regierung
das bereits 1833 über ibn verhängte Todesurteil
aufgehoben hatte, wurde M. zu Messina zum dritten-
mal wiedergewählt und von der ital. Kammer be-
stätigt, erklärte aber, unter dem bestehenden Schein-
bild einer Verfassnng nickt eintreten zu können.
Seinen letzten Versuch einer Erhebung machte M.
im Juli 1870 in Palermo, wurde aber verhaftet,
jedoch alsbald wieder in Freiheit gesetzt. Zu An-
fang 1872 beimlich ins Vaterland zurückgekehrt,
starb er 10. März in Pisa. In Genua wurde ihm
1882 ein Marmorstandbild errichtet. M. schwärmte
sür Freiheit und Menschenglück, deren Gewähr er
allein in republikanischen Einrichtungen sab, und
sür deren Erreichung er auch bedenkliche Mittel und
rücksichtslose Opferung anderer nicht scheute; er
hat aber auch an seinem Teil beigetragen zur Er-
weckung und Änfeuerung des Nationalgefühls, wes-
halb Erispi den Kammerbeschluß der Errichtung
eines Denkmals für ibn in Rom (1890) gutbieß.
M.s "8critti 6äiti 6ä in6äiti" (18 Bde.) erschienen
Mailand und Rom 1861-91, eine Auswahl deutsch
von L. Assing (2 Bde., Hamb. 1868),^ M.s "^orri-
8ix>nä6N29> ineäita" (Mail. 1875); seine "I^6tt6r6
in6äit6" gab Mario (Rom 1885), "vuscenw 1er-
t6i-6 in6äit6" Giuriati (Tur. 1888) heraus. -
Vgl. Nardi, <3iu86pp6 N., Ia vit^, Zli 8critti 6 1s
8U6 äotti'inö (Mail. 1872); Simoni, ^VI. IIi3t0ir6
llL8 c0N3^ii'Äti0N8 ma^ini6nn68 (Par. 1870); Ma-
rio, N. iißUa, 8Uk vitll. 6 uel 8uo i^po^ol^o (Mail.
1891); A. Boullier, IIn roi 6t un con^ii-at^ir:
Victor Nmanu6i 6t N. (Par. 1885); Saffi, II p6n-
3i6r0 poUtico 6 8oeiai6 6i (Fiu86i)i)6 ^>I. (Rom
1887); Graf Schack, Iofeph M. und die ital. Ein-
heit (Stuttg. 1891); Eanestrelli, Vidlio^raiiH ä6Fii
8critti äi ^iu36i)p6 ^1. lRom 1893). - Ein Vetter
Giuseppe M.s, der ebenfalls flüchtig zu Paris lebte,
Andrea M., schrieb: "v<3 I'lwli6 äkw3 863 rai>
^0i't8 HV60 1^ 1id6rt6 6t lg. civiIi3ati0N IQ0ä61'N6"
(2 Bde., Par. 1847; deutsch, 2. Aufl., Lpz. 1848).
Mazzocchio (ital., spr. -ockio), Haarwulst, Bün-
del, die im 15. und 16. Jahrh, gebräuchliche Wulst-
baube der Mittelitaliener, mit einem offenen Beutel,
welcher einerseits, und einer langen ^endelbinde,
welche andererseits vom Gesicht herabhängt. (S.
Tafel: Kostüme II, Fig. 5.)
Mazzola, ital. Maler, s. Parmeggianino.
Mazzolmi, Lodovico, einer der berühmtesten
Maler der Schule von Ferrara, geb. 1479, gest.
1528, war ein Schüler des Lorcnzo Costa und nimmt
neben Dosso und Garofalo cine selbständige Stel-
lung ein. Realistisch und phantastisch zu gleicher
Zeit ist er besonders kenntlich durch die etwas plum-
pen Typen seiner Figuren und das glutvolle, braun-