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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Meißelpflug - Meißen (Stadt)
Fig. 1.
Flachmeißel geht sie von einer ichmalen Seite zur
andern und ist demnach länger als beim Kreuzmeißel.
Ersterer wird zum Einarbeiten von Nuten und über-
haupt in solchen Fällen
gebraucht, wo man
starke Späne abnehmen
will; letzterer findet Ver-
wendung, wenn breite,
aber dünne Späne ge-
nommen werden sollen.
Die Bewegung des M.
erfolgt durch Hammer-
ichläge, welche auf den
Kopf des in der Hand
gehaltenen M. geführt
werden. Der M. unter-
scheidet sich hierdurch
vornehmlich von den
durch unmittelbaren
Druck der Hand geführten Grabstichel (s. d.). Dreh-
meißel (s. d.) sind Drehstähle für Holz.
Meitzelpflug, ein Pflug, dessen Scharspitze ein
verschiebbarer ^tahlmcißel bildet, ist bei hartem
oder steinigem Boden empfehlenswert.
Meißen. 1) Amtshauptmannschaft in der sächs.
Kreishauptmannschaft Dresden, hat 683,i? c^in
und (1890) 101646, 1895: 109748 (53138 männl.,
56 610 weibl.) E. in 5 Stadt- und 277 Landgemeinden.
- 2) Hauptstadt der Amtshauptmannschast M., ge-
genüber von Cölln (s. d.), an und
auf Hügeln, an der Elbe, in die
bicr der Triebischfluß mündet,
und an der Linie Leipzig-Döbeln-
Dresden der Sächs. Staatsbah-
ncn, Sitz eines Amtsgerichts
(Landgericht Dresden), einer
königl. Gewerbeinspcktion und
eines Hauptsteueramtes, hat
(1890) 17875, 1895: 18828
(9107 männl., 9721 weibl.) E., darunter 1143 Ka-
lholiken und 33 I^raeliten, Postamt erster Klasse
mit Zweigstelle, Telegraph, Neste der alten Be-
^stiMngen, einen Dom, dessen Renovierung geplant
ist, St. Afrakirche, 1205 zuerst erwähnt, Stadt- oder
Marienkirche, 1150 vom Burggrafen Hermann I. ge-
stiftet, eine kath. Kirche (1887), ein Kloster St. Asra
der regulierten Augustinerchorherren, von Bischof
Dietrich (1024-39) gegründet, feit 1543 Sitz der
1879 neu gebauten Iürstenfchule mit fchöner Aula
(Wandgemälde von Pawels und Große), Reste der
Kreuzgänge und Kirche eines Franziskanerklofters,
Ruinen eines Eistercienserinnenklosters zum Heiligen
Kreuz unterhalb der Stadt an der Elbe, Rathaus
(1473 begonnen), auf dem Schloßberg ein spätgot.
Schloß, an Stelle der alten markgräfl. Burg unter
Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht dem Beherzten
ieit 1471 durcb den Meister Arnold von Westfalen
erbaut, welches feit feiner Restauration unter Kur-
fürst Iobann Georg II. den Namen Albrechts-
burg führt. (S. Tafel: Burgen II, Fig. 6 u. 7.)
Nack Erfindung des Porzellans durch I.F.Vöttger
(s.d.), dem 1892 ein Denkmal errichtet ist, wurde es
1710 zur Porzellanfabrik, der ersten in Europa,
eingerichtet und nach Verlegung derselben in das
Trrebischthal 1863 in architektonischer Reinbcit her-
gestellt und im Innern durch Wandgemälde ge-
ickmückt. Hervorragend ist das Treppenhaus mit
seinem stalaktitenartigen Gewölbe und den Galerien
jowie die Gewölbe der Säle. Im Schlohhof das
Denkmal Albrechts des Beherzten. Der Schlohberg
ist durch eine vielleicht aus dem 13. Jahrh, stammende
Brücke mit dem Asraberge verbunden. An die Al<
drcchtsburg stößt der got. Dom, an stelle des von
Kaiser Otto I. erbauten und zu Anfang des 13. Jahrh,
abgebrannten von Bischof Withego"l. (1266-93)
! begonnen, unter Withego II. (1312-42) bis auf die
beiden westl. Türme vollendet; letztere wurden im
15. Jahrh, erbaut, 1479 nach dem Brande von 1413
erneuert, 1547 aber vom Blitz zerstört. Den westl.
Haupteingang verdeckt die von Kurfürst Friedrich dem
Streitbaren 1425 erbaute Fürstenkapelle, die das
eherne Grabmal des Stifters und andere Grab-
platten enthält. Das Domkapitel besteht aus acht
Kapitularen (darunter zwei Professoren der Theologie
an der Universität Leipzig), an der Spitze ein Dom-
propst und ein Domdechant. Die Fürstenschule (s. d.),
deren erster Rektor Georq Fabricius (s. d.) war, zählte
Gollert (1729 -34), Rabener und Lessing (1741
-46) zu ihren Schülern. Ferner hat die Stadt eine
Realschule mit Progymnasium, Handels- und land-
wirtschastliche Schule, Krankenhaus (1890), Schlacht-
hof, Gasbeleuchtung und Wasserwerk (1892).
Im Anfchluß an die "Königlich Sächfifche Por-
zellan-Manufaktur zu Meißen^ (s. d.) hat fich in M.
das keramische Kunstgewerbe hoch enlwvHe'ct. Ferner
hat die Stadt Eisengießereien und Maschinenfabriken,
die größte Iutefpinncrei und -Weberei Sachsens,
Fabrikation von Stöcken, nebst Elfenbeinschnitzerei,
Zündern, Cigarren und Tabak, Vleckwaren und
Nähmaschinen, 2 Brauereien, Schiffahrt, Speditions-
handel; nahebei reiche Thonlager, Granit- und
Porphyrbrüche fowie Wein- und Obstbau. In der
Umgegend liegen das von Miltitzsche Schloß Sieben-
eichen mit Park, das alte schloß Scharfenberg mit
Silberbergbau, der Stadtpark und der Heilige Grund.
- Die Burg M. wurde um 930 von Hcinrick I. ge-
gründet; um sie, als Sitz des Markgrafen, bildete
sich bald eine Stadt. Im Hussitenkriege litt M. große
Bedrängnis; 1447 brannte es gänzlich nieder; im
Dreißigjährigen Kriege wurde es 1632 von den
Kaiserlichen genommen, 1637 von den Schweden, die
es zum Teil niederbrannten. Die Elbbrücke brannte
Kurfürst Johann Friedrich 1547 bei seinem Rückzüge
vor Kaiser Karl V. hinter sich ab; 14. März 1813
lieh Marschall Davout ihre beiden Hauptjoche in
Brand stecken und 15. Juni 1866 wurden sie bei dem
Rückzüge des sächs. Heers durch Sprengung aber-
mals vernichtet. Durch große Überschwemmungen
litt M. 1784,1845, 1862, 1876 und 1890.
Vgl. Gersdorf, Urkundenbuch der Stadt M. (im
<(<^0cl6x äipion^ticuL 39.x0iiiÄ6 i'6ZiH6", Bd. 4, Lpz.
1873); Flathe, Das Kloster der Augustinerchorherren
zu St. Afra (in von Webers "Archiv für ^ch^'. Ge-
schichte", Neue Folge II, ebd. 1876); Gurlitt, Das
Schloß zu M. (Dresd. 1881): Mitteilungen des
Vereins für die Gefchichte der Stadt M. (1882fg.);
Loofe, Altmeihen in Bildern, mit Text (Meiß.1889).
Gefchichte. Die Mark M. entstand als eine der
fünf Marken, in welche Kaifer Otto I. nach Geros
Tode 965 dessen große Sorbenmark zerlegte. Sie er-
streckte sich, die Gaue Nisani, Dalaminza und
Chutizi umsassend, vom Gebirge aus an der Elbe
und den beiden Mulden abwärts bis Htrehla, Dahlen
und Grimma. Als ihr erster Markgras wird Wig-
bcrt genannt; einer seiner nächsten Nach^Io,er,
Etkehard l., unterwarf die Milzener jenseit der
Elbe und wurde als Kronprätendent nach Kaiser
Ottos III. Tode 1002 zu Pölde ermordet. Den