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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Meurtrière - Meuterei
zieht Pferde (1887: 56348), Schafe (118997),
Schweine (101800), Geflügel und Bienen; die Flüsse
liefern Fische und Krebse. In der Eisenproduktion
(1886:1715872 t) Frankreichs nimmt das Departe-
ment den ersten Rang ein. Das Mineralreich liefert
außerdem Bausteine, Marmor, Alabaster und Stein-
salz. Mineralbäder sind die von Mousson bei Pont-ä-
Mousson und von St. Thiebault südlich von Nancy.
Die Industrie besteht in Woll- und Baumwoll-
ipinncrei, in Stickerei mit Nancy, in Handscbuhfabri-
tation mit Luneville als Mittelpunkt, in Gerberei,
Färberei, Brauerei und Brennerei, Ziegel- und
Kalkbrennerei, in Fabrikation von Papier, Spiel-
karten, musikalischen Instrumenten, Seife sowie
Thon-, Glas- und Krystallwaren. Für letztere hat
Baccarat (s. d.) die bedeutendste Fabrik Frankreichs.
Der Handel wird durch den Rhein-Marne-Kanal und
ein engmaschiges Eisenbahnnetz (im ganzen 553,6km)
sowie durch 410 km gute Nationalstraßen gefordert.
Das Departement besitzt von höhern Unterrichts-
anstalten 1 Lyceum und 4 Colleges.
Nlsnrtriöro (frz., spr. mörtriähr), Schießscharte.
Meuse (spr. möhs'), Fluß, s. Maas.
Meuse (spr. möhs'), nach der Maas benanntes
Departement in Frankreich, grenzt im N. an Belgien
und Luxemburg, im O. an Lothringen und Meurthe-
et-Moselle, im S. an Vosges und Haute-Marne
und im W. an Marne und Ardcnnes, hat 6228 <ikm,
(1891) 292 253 E. M. zerfällt in 4 Arrondissements:
Bar-le-Duc, Commercy, Montmedy und Verdun,
mit 28 Kantonen und 586 Gemeinden. Hauptstadt
ist Var-le-Duc. Längs der Maas, die das De-
partement durchströmt, laufen die Argonnen. Die
Maas mit dem Chiers, die Aisne, Aire, der Ornain
und die Saulr im Seinegebiet, Zuflüsse der Mosel,
nebst kleinen Seen geben Bewässerung. Auch der
Rhein-Marne-Kanal gehört dem Departement auf
96 km an. Der Boden ist im nördl. Teile steinig
und dürr, fruchtbarer im S., namentlicb in den
Thälern und an den Verggeländen. Das Klima ist
etwas kühl und feucht; die fcharfe Bergluft ist aber
gesund und gestattet noch Weinbau. Letzterer, der
durchschnittlich jährlich 226274 Iii (1892:174931 KI)
Wein liefert, sowie die Kultur von Johannisbeeren,
der Anbau von Obst und Gemüse, von Getreide
(1892: 2091201 KI Weizen, 81048 Iil Roggen,
571200 lü Gerste, 2 722 950 Iil Hafer), Hülsen-
früchten und Ölpflanzen, die Zuckt von Pferden
(1887 Bestand 54147), Rindern (107 217), Schafen
(133542) und Schweinen (92679), verbunden mit
bedeutender Butter- und Käsebereitung, sowie auch
die Bienenzucht (1887: 22788 Bienenstöcke) sind die
Hauptzwcige der Landwirtschaft; doch bildet Vieh-
zucht neben den Eisenerzen, welche eine bedeutende
Industrie hervorgerufen haben, den Hauptreicktum.
Außerdem liefern die Berge Schiefer und Bausteine,
und in den Kalkbergen unweit Verdun wird der sog.
Mardrc des Argonnes gebrochen. Es giebt Öl-
mühlen, Gerberei, Glashütten, Fayence-, Kattun-,
Strumpf-, Woll-, Leder-, Papier- und Stahlfabriken
und Branntweinbrennerei. Berühmt sind die Kon-
fitüren von Bar und Verdun; auch der Handel mit
Wein, Getreide, Öl, Stabholz und Eisen ist wichtig.
Das Departement besitzt 524,5 kin Eifenbahnen und
508,6km Nationalstraßen und an höbern Unterrichts-
anstalten 1 Lyceum und 4 Colleges. - Vgl. Renaud,
1^6 ä^pai't6in6nt ä" In, N. (Par. 1894).
Meusebach, Karl Hartwig Gregor, Freiherr von,
Germanist, gcö. 6. Juni 1781 zu Neubrandenburg
in Mecklenburg, studierte iu Göttingen und Leipzig
die Rechte, wurde 1803 zu Dillenburg Kanzleiassessor
und nach Errichtung des Großherzogtums Berg
Prokurator am Obertribunal daselbst. 1814 wurde
ihm die Leitung des Iustizwesens zu Trier und bald
darauf der Vorsitz bei dem provisorischeu Kassations-
hofe zu Koblenz übertragen. 1819 kam er als Geh.
Oberrevisiousrat nach Berlin zugleich mit dem rhein.
Kassations- und Revisioushofe, dessen Präsident er
später wurde. Er zog sich 1842 aus dem Staats-
dienste zurück und starb 22. Aug. 1847 auf seinem
Gute Baumgartenbrück bei Potsdam. M.s Haupt-
werk war seine wundervolle Bibliothek, in der na-
mentlich die deutscheLitteraturdes16.und17.Jahrh.
außerordentlich reichhaltig vertreten war; sie kam
1849 durch Ankauf an die königl. Bibliothek in
Berlin, ^ein anonymes Schriftchen: "Geist aus
meinen Schriften durch mich selbst herausgezogen
und an das Licht gestellt von Markus Hüpsinsholz"
lFrankf. a. M. 1809), atmet den Geist Jean Pauls.
Aus seinem Nachlaß gab Wendeler "Fischartstudien"
(Halle 1879) und "Briefwechsel mit den Brüdern
Grimm" (Heilbr. 1880) heraus.
Mensel, s. Armschienen.
Meuselwitz, Stadt im Landratsamt Altellburg
(Ostkreis) des Herzogtums Sachsen-Altenburg, au
der Scknauder und den Nebenlinien Leipzig-M.
(37 km), M.-Ronneburg (27,2 km) und Altenburg-
Zeitz der Sächs. Staatsbahnen, hat (1895) 5266
(1890: 4322) E., darunter 68 Katholiken, Postamt
zweiter Klasse, Telegraph, evang. Kirche (1657),
städtiscke Sparkasse; Textilindustrie, Metallgieße-
reien, Maschinenfabriken, Braunkohlengruben und
Briquettfabrikation. Wusculus (s. d.).
Meuslin, der eigentliche Name von Wolfgang
MeusnierscheTasche(spr.mönleh-),s.Vallonet.
Meute, eine Anzahl aneinander gewöhnter und
zusammenhängender Hunde. Der beste und schnellste
heißt Kopf- oder Leithund. Zu den reinen M.
gehören die Forhounds, Staghounds und Beagle-
meuten Englands, die zur Jagd auf Hirsch, Fucbs
und Hase benutzt werden. Einige werden auch in
Deutschland gehalten. Nur eine M. enthalten
Hunde verschiedener Rassen. Hierher gehören na-
mentlich die Schwarzwild- und Ottermeuten.
Meuterei, die Vereinigung von zwei oder mehr
Personen zu Ungehorsam und Empöruug wider
die Vorgesetzten; ferner der Aufruhr (s. d.) selbst.
Der M., abgesehen von der militärischen, machen
sich nach dem Deutschen Strafgesetzbuch schuldig:
1) Gefangene, und zwar a. wenn sie sich zusam-
menrotten und mit vereinten Kräften die Anstalts-
beamten oder die Aufseher angreifen, denselben
Widerstand leisten, oder wenn sie es unternehmen,
sie zu Handlungen oder Unterlassungen zu nötigen;
d. wenn sie sich zusammenrotten und mit verein-
ten Kräften einen gewaltsamen Ausbruch unter-
nehmen. Abnlick der Schweizer ^trafgesetzentwurf
von 1896. Strafe: Gefängnis von 6 Monaten bis
zu 5 Jahren; Zuchtbaus bis zu 10 Jahren mit
Polizeiaufsicht für diejenigen, welche Gewaltthätig-
keiten gegen die Beamten verüben (§. 122 des Straf-
gefetzbuchs). 2) Echiffsleute, und zwar a. wenn sie
dem Schiffer den schuldigen Gehorsam auf Ver-
abredung gemeinschaftlich verweigern; d. wenn sie
es unternehmen, den Schiffer zur Vornahme oder
Unterlassung einer dienstlichen Verrichtung gewalt-
sam oder durch Dienstverweigerung auf Verabre-
dung gemeinschaftlich zu nötigen oder ihm gewaltfam