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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Michelet

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Michelet (Jules) - Michelet (Karl Ludw.)

gegenwärtig sehr unscheinbare kleinere Freskobilder (Bekehrung Pauli, Kreuzigung Petri) von seiner Hand in der Paulinischen Kapelle des Vatikans. Sein letztes großes Werk, seit 1546, war der Bau der Peterskirche zu Rom. Seit Julius' II. Zeit war hier an der Stelle der alten Basilika des heil. Petrus unter Bramantes und anderer Bauführung ein Neubau von großartigen Verhältnissen unternommen, doch, bis M. die Leitung desselben erhielt, verhältnismäßig wenig gefördert worden. M. führte den Bau, trotz mannigfacher Hemmnisse, die auch ihm entgegentraten, so weit, daß nach seinem Tode die großartige Kuppel, welche ihn bekrönt, nach seinem Entwurf vollendet werden konnte. Nach seinem Plane sollte die Kirche aus einem griech. Kreuz bestehen; später wurde ihr die lat. Kreuzform gegeben, indem man unter Papst Paul V. ein langes Vorderschiff hinzufügte, welches dann Carlo Maderna 1614 mittels der nicht glücklicken Facade abschloß. In seinen Architekturen zeigt sich M. als ein von der Überlieferung sich absichtlich lostrennender, in den Einzelheiten nicht immer von barocker Übertreibung freier Meister.

Am 18. Febr. 1564 starb M. Seine Leiche wurde nach Florenz geschafft, wo sich über seinem Grabe, in der Kirche Sta. Croce, ein nach Vasaris Entwurf 1570 errichtetes Denkmal erhebt. M.s Werke sind der Ausdruck eines majestätisch-erhabenen Geistes, der, seiner Machtfülle sich bewußt, nur die Gesetze und Gebote seiner gewaltig angelegten Subjektivität anerkennt.

M. war auch Dichter. In seinen Sonetten erkennt man denselben hohen, schwungreichen Geist, zugleich aber auch eine innige Hingebung an das Ewige und Göttliche. Seine Gedichte wurden wiederholt herausgegeben, namentlich von seinem Neffen M. dem Jüngern (Flor. 1623), der eine Menge willkürlicher Änderungen in denselben anbrachte, endlich nach den Originalhandschriften von E. Guasti (ebd. 1863), und ins Deutsche übersetzt von Regis (mit ital. Text, Berl. 1812), Harrys (Hannov. 1868), Grasberger (Brem. 1872) und Sophie Hasenclever (Lpz. 1875). M. war unverheiratet und zeigte sich im Verkehr verschlossen, aber von milder Gesinnung; als er 60 J. alt geworden war, fand er eine edle Freundin in der Dichterin Vittoria Colonna (s. d.), deren Name für immer mit dem seinen verknüpft ist.

Sein Leben beschrieben seine Schüler Vasari in den "Vite de pittori etc." (Flor. 1550 u. ö.) und Ascanio Condivi in der "Vita di Michel Angelo" (Rom 1553, Flor. 1746, Pisa 1832; deutsch von Valdek, Bd. 6 der "Quellenschriften für Kunstgeschichte und Kunsttechnik des Mittelalters und der Renaissance", hg. von Eitelberger von Edelberg, Wien 1874). Vgl. auch die Biographien von Harford (2 Bde., Lond. 1857), H. Grimm (2 Bde., 6. Aufl., Berl. 1890), A. Gotti (2 Bde., Flor. 1875), Ch. C. Black (Lond. 1874), C. Heath Wilson (ebd. 1876; 2. Aufl. 1881), John Addington Symonds (2 Bde., ebd. 1892); ferner A. Springer, M. in Rom 1508-12 (Lpz. 1875); ders., Raffael und M. (3. Aufl., 2Bde., ebd. 1895-96); Le Lettere di M. (hg. von G. Milanesi, Flor. 1875); L. Passerini, La bibliografia di M. (ebd. 1875); C. Eliot Norton, List of the principal books relating to the life and works of M. (Cambridge 1879); H. Wölfflin, Die Jugendwerke des M. (Münch. 1891); L. von Scheffler, M. Eine Renaissancestudie (Altenb. 1892).

Michelet (spr. misch'leh), Jules, histor. und philos. Schriststeller, geb. 21. Aug. 1798 zu Paris, war 1821 Professor am Collège Rollin, von 1826 bis 1830 an der Normalschule; durch die Julirevolution wurde er Sektionschef am Reichsarchiv und gleichzeitig Guizots Stellvertreter an der Sorbonne. Sein erstes Geschichtswerk "Tableaux synchroniques de l'histoire moderne" erschien 1826; 1831 folgte seine "Histoire romaine" (République, 2 Bde.; 5. Aufl. 1876). Aber erst durch seine Geschichte Frankreichs wurde er als Schriftsteller berühmt und als Historiker ungemein populär. Mit Unrecht ist im Gegensatz zu dem Pragmatismus Mignets und Guizots seine Geschichtsdarstellung als die philosophische bezeichnet worden, wohl weil er es liebt, den idealen Kern der treibenden Gewalten hervorzuheben; mit mehr Recht nennt man ihn einen poet. Geschichtschreiber, dessen temperamentvolle phantasiereiche Darstellung durchdrungen ist von Begeisterung für die Ideale der Demokratie, Haß gegen den Klerikalismus und einen feurigen, von der Überlegenheit der "kelt. Rasse" überzeugten Patriotismus bei großer Belesenheit und Quellenkenntnis. Diese "Histoire de France" erschien 1837-67 (16 Bde.; zuletzt 1879, 19 Bde.). In demselben Geiste demokratischer Propaganda ist auch "L'Histoire de la Révolution française" (7 Bde., 1847-53; neue Aufl., 5 Bde., 1889) geschrieben. Indes wurde M. 1838 Mitglied der Akademie moralischer und polit. Wissenschaften und Nachfolger Daunous als Geschichtsprofessor am Collège de France. Gestützt auf die Sympathien der studierenden Jugend, begann er für die demokratischen Ideen und namentlich gegen die Jesuiten und ultramontanen Bestrebungen eine heftige Fehde, die ihm erbitterte Feinde zuzog. Infolgedessen gab M. mehrere Flugschriften heraus, wie "Des Jésuites" (1813), mit Quinet gemeinschaftlich verfaßt; "Le prètre, la femme et la famille" (1845), "Le peuple" (1846). Die Regierung schloß 1851 seinen Lehrkursus, und nach dem 2. Dez. 1851 verlor er wegen Verweigerung des Huldigungseides seine Archivarstelle. Aus der folgenden Zeit stammen seine viel gelesenen Schriften: "L'oiseau" (1856; deutsch, 4. Aufl., Berl. 1869), "L'insecte" (1857; deutsch Braunschw. 1858), "L'amour" (1859; deutsch von Spielhagen, 4. Aufl., Lpz. 1874), "La femme" (1860; deutsch von Spielhagen, 2. Aufl., ebd. 1875), "La mer" (1861; deutsch von Spielhagen, ebd. 1861), "La sorcière" (1862; deutsch von Klose, ebd. 1863). Während der Belagerung von Paris verfaßte M. in Italien die Schrift "La France devant l'Europe" (Flor. 1871). Er starb 9. Febr. 1874 auf Hyères; die Beisetzung seiner Leiche auf dem Père-Lachaise wurde (Mai 1876) zu einer großen Kundgebung für die demokratische Republik. Aus seinem Nachlaß erschien "Histoire du XIX^{e} siècle" (bis Waterloo, Bd. 1-3, Par. 1875), "OEuvres complètes. Edition définitive". - Vgl. Monod, Jules M. (Par. 1875), Corréard, M., sa vie, son oevre historique (1887), und M.s autobiogr. Werke: Ma jeunesse (Par. 1884) und Mon journal 1820-23 (ebd. 1888).

Michelet (spr. misch'leh), Karl Ludw., Philosoph der Hegelschen Schule, geb. 1. Dez. 1801 zu Berlin, wurde daselbst wissenschaftlich gebildet und 1825 am Französischen Gymnasium angestellt, habilitierte sich 1826 an der dortigen Universität und wurde 1829 zum Professor ernannt. Er starb daselbst 16. Dez. 1893. Seinen Ruf begründete M. mit dem "System der philos. Moral"