Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

883
Milha - Militäranwärter
Nlilka. (port., spr. milja), Wegmaß ^ ^ Legoa !
Milhau, Stadt, s. Millau. lli- d.). !
Miliar (lat.), von der Größe eines Hirsekorns !
smilium): Viiliarabscesi, kleinster vunttförmigcr
Absceß; Miliartuberkulose, das Auftreten von
kleinsten hirsekorngroßen Tuberkeln (s. Tuberkulose).
"Hiiaria. (lat.), Fricsel. ^
Milicz (Vtilitz, Milicins) von Kremsier, !
Joh.,VorläufervonHuß,geb.zuKremsierinHtabren, '
ward 1350 Geistlicher, kam an den Hof des Mark-
grafen Johann von Mähren und seines Lohnes, !
König Karls IV., den er als Geheimfchreiber 1360 !
- 62 mehrmals nach Deutschland begleitete. Zu- ^
gleich war er Domherr und Archidiakonus in Prag. ^
1363 legte M. feine Ämter und Würden nieder, zog
sich in die Eiusamkeit zurück, kam aber bald wieder
nach Prag, um dem Volke in czech. Sprache das ^
Evangelium zu predigen. Dabei gewann er immer ^
mehr die Überzeugung, daß die Kirche einer durcb- ^
greifenden Neform bedürfe, und sprach dies rück- >
haltlos aus. 136? zog er nach Rom, um Papst
Urban V. seine Anschauung vorzutragen, ward
wegen einer scharfen Äußerung vorübergehend ein-
gekerkert, kehrte dann wieder nack) Böbmen zurück
und wurde 1369 Pfarrer an der Teynkirche in der
Prager Altstadt. Um sich gegen die Verdächtigun-
gen seiner Gegner zu verteidigen, reiste M. 1371
an den päpstl. Hof zu Avignon, wo er 29. Juni
1374 starb. Seine Schriften ließ der Crzbischof
Sbvnko 1410 verbrennen. - Vgl. Palacky, Die Vor-
läufer des Hussitentums in Böhmen (Prag 1869);
Lechlcr, Johann von Wiclif und die Vorgeschichte
der Reformation (2 Bde., Lpz. 1873); Zitte', Lebens-
beschreibung der drei Vorläufer desHus (Prag 1876).
Milieu (frz., spr. miliöh), eigentlich Mitte, dann
der Lebenskreis, die socialen Verhältnisse, in denen
jemand aufgewachsen ist oder lebt, die ihn umgeben-
den Äußerlichkeiten des alltäglichen Lebens.
Milisgras, s. ^lilium.
Militär (vomlat. inilit^ii^), Gesamtbenennung
für alle zum Kriegsdienst bestimmte bewaffnete
Mannschaft, die einen besondern Stand, den Mili-
tärstand bildet, dessen Angehörige Militärper-
sonen heißen. Im Deutschen Reich geboren zu den
Militärpersonen die Offiziere, Unteroffiziere, Ge-
meinen, Mitglieder des Sanitätskorps, Mitglieder
des Maschinen-Ingenieurkorps und die Militär-
beamten (s. d.).
Für die Militärpersoncn sind in der deutschen
Reichscivilprozeßordnung besondere Vorschriften
über Zustelluugen (ß. 158), Ladungen von Zeugen
(z§. 343,345, 355,374), Aussetzung des Prozesses in
Kriegszeiten (§. 224), Zwangsvollstreckung (§z. 673,
699, 749, 793) gegeben. Die Haft M Mittel der
Zwangsvollstreckung ist unstatthaft gegen Militär-
personen, welche zu einem mobilen Truppenteil oder
zur Besatzung eines in Dienst gestellten Kriegsfahr-
zeugs gehören, und wird für die Dauer dieser Ver-
hältnisse unterbrochen (§ß. 785, 786).
Im Strafprozeß erfolgen Zustellungen an
Militärpersonen nach den Vorschriften der Civil-
prozeßordnung (Strafprozeßordn. §. 37), Bestim-
mungen über die Mitwirkung der Militärbehörden
bei Ladungen von Militärpersonen als Zeugen uud
Sachverständige, bei Vorführung ungehorsamer
Zeugen, bei Beschlagnahmen und Durchsuchungen
enthält die Strafprozeßordnung in den §§. 48, 72'
5>0, 69; 98, 105- entsprechende Bestimmungen die
Öfterr. Strafprozeßordn. Zß. 161, 223.
In Strafsachen gegen Militärpersonen besteht
eine eigene Gerichtsbarkeit mit eigenem Verfahren
(s. Militärstrafverfahren) und, soweit es sich um
militär. Verbrechen, Vergehen und Disciplinarver-
gehen handelt, ein besonderes Militärstrafgesetzbuch
(s. d.). In staatsrechtlicher Beziehung ruht
bei den zum aktiven Heere gehörenden Militärper-
sonen, mit Ausnahme der Militärbeamten, die Be-
rechtigung zum Wählen, sowohl in betreff der
Reichsvertretung, als in betreff der Landesver-
tretungen (Reichsmilitärgesetz §. 49). Das passive
Wahlrecht ist nicht beschränkt. Die Teilnahme an
polit. Vereinen und Versammlungen ist allen zum
aktiven Heere oder zur aktiven Marine gehörenden
Militärpersonen, also auch den Militärbeamten
untersagt (Reichsmilitärgesetz a. a. O.). Zu dem
Amte eines Schöffen oder Geschworenen dürfen
Militärpersonen nicht berufen werden (Deutsches
Gerichtsverfassungsgesetz ߧ. 34, 85). Zur Über-
nahme von Vormundschaften, zum Betrieb eines
Gewerbes, zur Annahme von Amtern in der Ver-
waltung und Vertretung der kirchlichen oder polit.
Gemeinden und weitern Kommunalverbänden be-
dürfen Militärpersonen der Genehmigung ibres
Dienstvorgesetzten, zur Verheiratung die Gemeinen
der des Dienstvorgesetzten, die aktiven Offiziere der
des Königs. In §. 44 des Reichsmilitärgefetzes vom
2. Mai 1874 ist eine besondere Form letztwilliger
Verfügungen im Kriege oder während eines Belage-
rungszustandes angeordnet.
Besondere Bestimmungen enthalten znm Teil noch
die Landesgesetze. Auch sind dem M. einzelne Steuer-
vorrechte eingeräumt, namentlich bezüglich der Gc-
meindestenern.
Militäracronautik, die Luftfchisfahrt für mili-
tär. Zwecke (f. Luftschiffahrt).
Militärakademien, im allgemeinen Bezeich-
nung für höhere inilitär. Fachschulen, im besondern
für allgemein militär. Hochschulen (preuß. Kriegs-
akademie, russ. Generalstabsakademie), für militär-
technische Hochschulen (russ. Artillericakademie uud
^ugenieurakademie), für Anstalten, die die Heran-
bildung des ^ffizicrersatzes bezwecken (Theresianische
Militärakademie zu Wiener-Neustadt, uugar.Ludo-
vika-Akademie zu Budapest, ital. Militärakademie
zu Turin, cngl. Militärakademie zu Noolwich).
Militärakademie zu Wiener-Neustadt,
frühere Bezeichnung der Theresianischel: Militär-
akademie (s. d.).
Militäranwärter, Militärpcrsonen, die sich
durch lange Dienstzeit oder durch eine im Dienste
eingetretene Invalidität das Recht auf Anstellung im
Civildienst erworben haben; sie erhalten den Civil-
versorgungsschein (s. d.). In Deutschland haben die
verbündeten Regierungen 1882 bestimmte Grund-
sätze für die Besetzung der Subaltern- und Ilnter-
beamtenstellen bei den Reichs- und Staatsbehörden
mit M. festgesetzt. Ausschließlich mit M. sind zu be-
setzen: Stellen im Kanzleidienst und Stellen, deren
Obliegenheiten in: wesentlichen in mechan. Dienst-
leistnngen bestehen und keine technischen Kenntnisse
erfordern. Mindestens zur Hälfte mit M. sind zu
besetzen: stellen der Subalternbeamten mitVureau-
dienst, mit Ausschluß derjenigen, für welche eine
besondere wissenschaftliche oder technische Vorbil-
dung erfordert wird. Die den M. vorbehaltenen
Stellen dürfen mit andern Personen nicht besetzt
werden, sofern sich M. finden, welche .zu deren Über-
nahme befähigt und bereit sind. - Vgl. Müller,
50"