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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Militärkommission - Militärmusik
des Landes angewendeten Niederlassungen, in denen !
ganze Truppenteile oder ausgediente Soldaten an- ^
gesiedelt sind. Landmann und Soldat sind in den !
M. in einer Person vereinigt. Schon Alexander o.Gr. !
siedelte seine Veteranen nun Teil in M. an. Die !
Nömcr legten 3N. röm. Bürger in Italien, später
in den Provinzen an und begründeten dadurch ihre
Weltherrschast; sie erbauten am Rhein und in Gal-
lien cll8tr^ 8t^tiva, aus denen die großen Städte
sich entwickelten. Die sog. Nömcrstraßen vcrban^
den diese (^ll8ti'H ss. d.). Die Spanier und Portu-
giesen legten in Äcexiko und Südamerika ebenfalls
Ät. an, ebenso in neuerer Zeit Großbritannien im
Kaplande (die Teutsche Legion an der Kafserw
grenze) und die Franzosen in Algerien, allerdings
ohne Erfolg. Dagegen richtete Konig Karl XI. von
Schweden gegen Ende des 17. Jahrh, in großem
Unifange M. ein, die die noch jetzt vorhandenen
Indelta-Truppen <s. Indelta) aufstellten. Auch die
ehemalige östcrr. Atilitärgrenze ss. d.) bestand aus
Vt. Die Pforte legte im wcstl. Bulgarien, in der
Dobrndscha sowie an den Grenzen von Griechen-
land, Montenegro und Serbien M. an und besie-
delte dieselben mit Tschcrkcssen; ebenso besitzen die
Chinesen an der nordwestl. Grenze ibrcs Reichs und
am Amur M., die mit Tataren iVannertruppcn)
besetzt sind; auch in oder in der Nabe großer Städte
finden sich vielfach solche chinesische M. Viel genannt
sind die russischen M., die nach einem vonAraktscbcjew
auf Wuusch des Kaisers Alexander I. entworfenen
Plane angelegt wurden, sich jedoch nicht bewäbrt
haben und deshalb 1850 bei der Unigestaltung deo
rnss.^Heerlvesens eingegangen sind. 'l>can brachte
die Soldaten bei den Kronbaucrn unter, unterwies
dieselben in der Landwirtschaft und siedelte bis
18W in den nördl. Goilverneinents ." Infanterie
und im südl. Rußland 5 Kavalleriedivisionen an.
Der Kolonist konnte nach 25jäbrigcr Dienstzeit den
Abschied verlangen und die Kolonie verlassen, blicd
aber dann noch 5 Jahre dienstpflichtig in der N^
scrvc. Nach 1857 bestanden nnr nock die südrussi-
schcn M. in den Gouvcrneulents Charkow, Ehcrson,
Kiew und Podolicn weiter sort, erhielten jcdocd
unter Aufhebung der militär. Organisation die l^
incindevcrfafsung. Ilr deil Kankasusländcrn und
in Asien sind ebenfalls russische M. vorbanden, in
denen uamcntlich Kosaken ss. d.) znm Schutze der
Grenzen angesiedelt sind. Letztere tragen mächtig
zur Erweiterung des russ. Machtbereichs bei, indem
sie die Völkerschaften, in denen sie wohnen und an
die sie angrenzen, allmählich russifizieren.
Militcirkommission des Deutschen Bundes, s.
Deutsches Heerwesen (Bd. 5, S. <^!d>.
Militärkontingent, s. Kontingent.
Militärkonvention, jede auf das Heerwefen
bezügliche Übereinkunft zwifchen zwei Staaten. Ins-
besondere nennt inan M. die einzelnen Vereinbarun-
gen, welche Preußen mit allen deutschen Staaten
außer Vaycrn, Sachsen und Württemberg dabin
geschlossen hat, daß die Kontingente jener Staaten
dadurch Teile des vrcuß. Heers geworden sind. Die
M. enthalten Bestimmungen über die den Landes-
herren verbliebenen Nechte, Ernennung der Offiziere
und deren ^telluug, Uniformiernng der Truppen
u. s. w. Im Verbände der preuft. Armee stehen aber
auch das 15. und Ili. Armeekorps, die in Elsaß-
Lothringen garnisonieren. Die M. sind abgedruckt
in dem Werk "Die Militärgesetzc des Teutschen
Reichs mit ßl/älttenmgen", Bd. 1 (Berl. 1870'.
Militärkrankenwärter,untereMilitärbeamte,
die durch Sanitätsoffiziere in der Krankenpflege und
dem niedern ökonomischen Lazarcttdicnst ausgebil-
det und in den Lazaretten verwendet werden, ^ie
leisten mit den Lazarettgehilfen (s. d.) auch Kran-
tenwacktdienst.
Militärlazarett, s. Sanitä'tswcsen.
Militärlehrschmieden, s. Lehrschmieden.
Militärmast, das gesetzlich festgestellte Mindest-
maß von Mannschaften und Pferden. Das M.
wird neben der körperlichen Diensttauglichkeit in fast
allen Heeren als Anhaltepuukt für die Beurteilung
der militär. Verwendbarkeit benutzt. In den mei-
sten Staaten wird nnr die Körperlänge, in einigen
auch der Brustnmfang gemessen, und fast allent-
halben werden die untermäßigen Wehrpflichtigen
nicht weiter ärztlich untersucht. Beträgt der Brust-
umfang weniger als die halbe Körperlänge, so sind
die Mannschaften nicht tauglich für den Dienst mit
der Waffe. Die erforderliche Minimalkö'rperlänge
ist je nach der Waffengattung verschieden, auch bean-
spruchen die verschiedenen Staaten verschiedenes M.
Im Deutschen Neiche ist durch die im Aug.
1893 verfügten Änderungen der Dcutfchen Heer-
und der Webrordnung vom 1^2. Nov. 1888 das
Mindestmaß bei der Infanterie für die zum Dienst
mit der Waffe auszuhebenden Mannschaften ans
1,54 in festgesetzt worden. Für Mannschaften, die
nicht zum Dienst mit der Waffe eingezogen werden,
z. B. Äonomicbandwerker, giebt es überhaupt kein
Mindestmaß. Dagegen ist die Bestimmung der
Hcerordnung in Krast geblieben, nach welcher alle
Truppen dc^ Gardekorps und das bayr. Leibinfan-
tcricregiment Ersatz von mindestens 1,?o in erbaltm
und die Hälfte ihres Ersatzes 1,?-> in und darüber
messen muß. iAusuahmswcise dürfen Mannschaf-
ten bis 1,07 in herab genommen werden.) Mindest-
maße sind bestimmt sür den Train auf 1,5.? (au5-
uabmsweise 1/>4), sür leichte Kavallerie auf 1,5?,
Feldartillerie, Pioniere und Eifenbabntruppen aus
1,02, für Kürassiere, Ulanen und Fußartillerie ans
1,67 m. Bei einigen Waffengattungen ist anch ein
Marimalmaß vorgeschrieben und zwar für Jäger,
Kürassiere, Ulanen, reitende Artillerie uuo Train
1,75 m, für leickte Kavallerie 1,<2 m.
In Österreich-Ungarn bestimmt das Vehr-
gesetz vom 5. Dez. 1868 das Minimalmaß auf 1,55 in
für die Infanterie, die Jäger, die Pioniere, die
Genictruppe und die Sanitätstruppe, auf l/.i für
Kavallerie und Artillerie, ferner das Marimalmaß
für die Jäger anf 1,74 und für die Kavallerie auf
1,79 in. - Das Minimalmaß beträgt in den Ver-
einigten Staaten von Amerika, in Großbritannien,
Schweden und Dänemark 1,00, in Belgien 1,57, in
Italien und Spanien 1,50, in der Schweiz 1,5',, in
Frankreich 1,54 und in Rußland 1,53 in. Alö Erfatz
für das Offizierkorps, die Musiker, Epielleute und
einzelne Waffengattungen darf in vielen Staaten
unter das Minimalmaß gegangen werden' für Ka-
vallerie und Mineure ist auch hier ein Marimal-
maß vorgeschrieben.
Auch für Militärpferde besteht ein Minimal-
maß. - Vgl. Neglement über die Nemontierung vom
2. Nov. 1870.
Militärmedizinalwesen, s. Sanitätswesen.
Militärmusik, die den Truppenteilen der moder-
nen Heere bcigegebcnen Musitkorps. Diejenigen
Militä'rpcrsoncn, welche die M. vortragen, heißen in
verdeutschen Armee bei der Infanterie Hautb 0 isten