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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Montenegro
von Braunschweig-Öls auf die Westfalen bei Ölper. Er starb 13. Dez. 1843 in München.
Montenēgro, serb. Crnagora (Černagora, Czernagora, Tschernagora), türk. Karadagh (welche Namen alle "Schwarzer Berg" bedeuten), unabhängiges Fürstentum im nordwestl. Teil der Balkanhalbinsel, innerhalb des Dinarischen Gebirgssystems zwischen 41° 55' und 43° 18' nördl. Br. und zwischen 18° 30' und 20° östl. L. von Greenwich. Es umfaßt 9085 (nach russ. Messung 9475) qkm und grenzt im N. an die Herzegowina, im O. an das Sandschak Novipazar, durch den Tarafluß geschieden, im SO an die türk. Wilajets Kosovo und Skutari (Oberalbanien), im SW. an Dalmatien, das als schmaler Streifen M. vom Adriatischen Meere trennt. Nur im südl. Teil der Westgrenze erreicht M. seit 1878 die Küste der Adria auf einer 70 km langen Strecke, nördlich von der Bojanamündung.
Oberflächengestaltung. M. ist fast durchaus Gebirgsland. Die Zeta, der centrale Fluß des Landes, zerlegt mit seinem tiefen Thale M. in zwei Gebirgsmassen. Die westliche, die eigentliche Crnagora, ist eine karstähnliche, wasserarme, steinige Hochfläche mit ziemlich gleich bleibender Hohe von 600 bis 1000 m, die sich nur am Westrande bis über 1700 m erhebt, um dann äußerst steil zu dem schmalen dalmatin. Küstensaume abzufallen. Sie besteht fast durchgehends aus Kreidekalk. Das östl. Bergland, die Brda, wird dagegen durch eine Anzahl größerer Thäler in mehrere nordnordwest-südsüdöstl. Bergrücken aufgelöst, welche sich teils ebenfalls oben zu Plateaus abflachen, teils in wilden Gipfeln aufragen. Hier treten unter der Kreide Trias- und Juraschichten (Kalke, Sandsteine und Schiefer) auf. Es erheben sich hier die höchsten Gipfel des Landes, der Durmitor (2528 m), der Kom (2448 m) u. a. Die Brda ist reicher bewässert und hat üppigere Vegetation als Westmontenegro. Kleinere Ebenen befinden sich an der Zeta (bei Nikšić, Danilovgrad), die sich mit der Morača vereinigt, die darauf die einzige größere Ebene des Landes am Nordende des Sees von Skutari durchstießt (die Ebene von Podgorica). Die genannten beiden Flüsse mit der Rjeka bilden das innere Flußsystem M.s, das sich in dem großen See von Skutari sammelt und aus ihm als Bojana zum Adriatischen Meere abfließt. Mehrere Zuflüsse der serb. Drina strömen nach N.: Lim, Tara, Piva. (Vgl. Karte: Bosnien, Dalmatien u. s. w., beim Artikel Bosnien.)
Klima, Pflanzen- und Tierwelt. Das Klima ist im W. extrem, mit sehr starken Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht, Sommer und Winter; in Ostmontenegro gemäßigter und regenreicher. Außerdem bedingen die Höhenverhältnisse große Unterschiede; die große Ebene des Südens hat sehr heiße Sommer und als Winter nur eine kurze Regenzeit, während die Hochgipfel fast das ganze Jahr hindurch Schnee ausweisen. Dem Klima entsprechend ist auch die Vegetation verschiedenartig. Am See von Skutari und an der Küste gedeihen die Fruchtbäume und immergrünen Pflanzen des Südens (Orangen, Oliven, Feigen, Lorbeer, Oleander u. s. w.), daneben Maulbeerbäume und Wein. In Westmontenegro findet sich nur dürftiges Strauchwerk und Krummholz, in der Brda dagegen mitteleurop. Bäume und Wälder (Eichen, Buchen, Kiefern u. s. w.). Unter den Tieren ist Bär, Wolf und Gemse bemerkenswert, besonders aber ein im See von Skutari und dessen Zuflüssen, vor allem der Rjeka, massenhaft auftretender Weißfisch, die Scoranze (Aspius bipunctatus Bloch), die einen Hauptgegenstand des Handels bildet.
Bevölkerung. M. zählt heute (nach ungefährer Schätzung) 240000 Seelen (22 auf 1 qkm). Mit Ausnahme von etwa 15000 Mohammedanern albanes. und serb. Stammes und 5000 kath. Albanesen sind die Einwohner griechisch-orthodoxer Religion. Der Süden um den See von Skutari wird von orthodoxen Albanesen bewohnt. Die Montenegriner (serb. Crnogorci, Singular Crnogorac) sind serb. (südslaw.) Stammes und sprechen den südl. Dialekt des Serbischen. Sie sind abgehärtet, kräftig, kriegerisch, arbeitsam, sittenrein, mäßig und gastfreundlich, stehen aber noch auf niedriger Kulturstufe und zeigen zuweilen rohe Grausamkeit. Die Häuser sind von Stein, haben selten Fenster und fast nie Schornsteine und bergen meist die ganze Familie samt den Haustieren in einer Stube. Alles ist noch patriarchalisch; der Älteste (starješina) führt das Regiment über die Familie. Mehrere Familien bilden eine Bruderschaft (bratstvo), mehrere derselben ein Dorf (selo) oder einen Stamm (pleme), deren mehrere einen Bezirk (nahija) bilden. Die sog. "Städte" sind: Cetinje (2000 E.), Podgorica (4000 E.), Dulcigno (2000 E.), Antivari (1500 E.), Kolašin (1500 E.), Nikšić (3000 E.) und Danilovgrad (1000 E.).
Erwerbszweige. Die Montenegriner leben hauptsächlich von Viehzucht, welche die wichtigsten Gegenstände der Ausfuhr, die 2 Mill. Fl. au Wert beträgt, liefert. Dieselben sind: Rindvieh, Hammel, Ziegen, Käse, Fische, geräuchertes Hammelfleisch, Häute, Wolle, Sumach u. a. Die Ackerwirtschaft wird nur in der primitivsten Weise betrieben; neben Getreide wird viel Wein, etwas Tabak, Oliven und Südfrüchte (in den Niederungen) gebaut. Industrie ist kaum vorhanden. Die Gewerbe werden meist von Ausländern (Dalmatinern, Albanesen, Italienern, Zigeunern) besorgt. Die Einfuhr ist sehr gering (höchstens 1/2 Mill. Fl.) und besteht aus Getreide, Schießbedarf, Kolonialwaren und Luxusartikeln. Die Handelsflotte zählt etwa 150 Schiffe, die meist nach Dulcigno zuständig sind.
Verkehrswesen. Außer den Fahrstraßen Cattaro-Cetinje-Rjeka, Podgorica-Danilovgrad und Virpazar-Antivari giebt es nur elende Saum- und Fußpfade. Antivari und Dulcigno sind Dampferstationen des Österreichischen Lloyd. Die Zahl der Postbureaus betrug (1888) 8, die Länge der Telegraphenlinien war 444km, die Zahl der Bureaus 11.
Verfassung und Verwaltung. An der Spitze steht der absolute Fürst, ihm zur Seite 5 Minister und ein Staatsrat von 3 Mitgliedern. Das Land ist eingeteilt in 10 Nahijen und 76 Kapitanate. Es besteht ein oberster Gerichtshof aus 5 Mitgliedern und 40 Gerichte. An der Spitze der autokephalen Kirche steht der Metropolit von Cetinje; ein Bischof residiert im Kloster Ostrog. Für den kath. Kultus residiert ein Erzbischof in Antivari (seit 1886). Der kath. Klerus bat vom Papst die Erlaubnis, bei der Liturgie die altslawon. Sprache anzuwenden. Der oberste Mufti der Mohammedaner residiert in Podgorica. über die Finanzen wird nichts Offizielles veröffentlicht. Die Einnahmen belaufen sich auf etwa 600000 Fl. und fließen hauptsächlich aus der Grund- und Viehsteuer, dem Salzmonopol und den Zolleinnahmen (6 Proz. vom Werte der Einfuhr). Die erste Schule wurde 1834 gegründet, zwei weitere unter Fürst Danilo. Jetzt ist der Schulbesuch obliga-^[folgende Seite]