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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Montenegro
torisch und unentgeltlich. Es besteht ein Lehrer-
seminar, ein Mädcheninstitut, ein Realgymnasium
und etwa 75 Volksschulen mit 4000 Schülern. In
Cetinje besteht eine Staatsdruckerei.
Das Wappen ist ein silberner Doppeladler,
über dessen Köpfen eine goldene Krone mit Kreuz
schwebt; die Brust ist mit einem blauen Herzschild
belegt, in welchem auf grünem Boden ein leopar-
dierter goldener Löwe nach rechts schreitet. Die
Land es färben sind Weih und Rot, die der Stan-
darteRot mit großem weißenKreuz, in dessen Mitte die
Buchstaben H. I.; die der Kriegs- und Handelsflagge
Rot-Blau-Weiß, mit der Standarte in der obern
Ecke. An Orden bestehen der Daniloorden (s. d.)
sowie der Hausorden des heil. Peter ("8V6w^ ?e-
tra"), außerdem die hochgeschätzte goldene Tapfer-
keitsmedaille des Milos Obilic' ("Obiliöa") und ver-
schiedene silberne Medaillen (^^una^tvo^ ^ vM-n
i äiodoäu u. s. w.).
Heerwesen. Die Kriegsmacht beschränkt sich
im Frieden auf die 100 Berittene (pei-Mnici) um-
fassende Leibgarde, 3 Bataillone zu je 500 Mann
und etwa 600 Mann für den Grenzdicnst und die
Militärwerkstätten. Im Kriegsfalle sind alle waffen-
fähigen Montenegriner vom 17. bis zum 50. Jahre
Soldaten. Es sind etwa 26000 Waffenfähige erster
Klasse und 10000 zweiter Klasse (Reserve) vorhan-
den, die in 8 Brigaden mit 45 Bataillonen eingeteilt
sind. Sie erhalten Gewehr (System Werndl und
Krnka) und Munition von der Regierung, und tragen
ihre eigene Kleidung (Nationaltracht). Die Artillerie-
brigade zählt ungefähr 15 Batterien zu 4 Geschützen.
In Rjeka besteht eine Pulver- und Waffenfabrik so-
wie Kugelgießerei, in Cetinje eine Patronenfabrik.
Geschichte. Der Name M. (l^-na Zora) erscheint
für das Land zwischen Cattaro und dem See von
Skutari zuerst im 15. Jahrh. Nach dem Verfall Ser-
biens herrschten hier die Familien der Valscha (s. d.)
und der Crnojevic (s. d.). Die letztern behaupteten
sich mit Hilfe der Venetianer gegen die Türken bis
1528. Im 16. und 17. Jahrh, war das Land der
Pforte Unterthan, allerdings fast nur dem Namen
nach; den größten Einfluß hatte der Bischof (slaw.
^Viaäika) von Cetinje mit den Stammeshäupt-
lingen. In dem Türkenkriege 1683-99 schloß sich
ganz M. den Venetianern an, konnte aber von
ihnen ans dem Kongreß von Karlowitz nicht behaup-
tet werden. Der Metropolit Danilo aus der Fa-
milie Njegos (1697 -1735) trat in Beziehungen
mit dem Zaren Peter d. Gr. und begann 1711 auf
dessen Antrieb einen Angriffskrieg gegen die Tür-
ken, der den venet.-türk. Krieg 1715-18 zur Folge
hatte, in dem die kriegerischen Bergstämme M.s
wieder auf der Seite der Republik standen. Fortan
blieb die Bischofswürde bei der Familie Njegos. Die
Beziehungen mit Rußland wurden auch unter dem
schwachen Sava Petrovic' (1735 - 81) gepflegt.
Die Freiheit des Landes war bei dem Verfall Ve-
nedigs und der Pforte gesichert; dafür wurde es
aber von Abenteurern viel heimgesucht, von denen
der Steinmetz Stephan Mali (der Kleine) sich an-
fangs für den Zaren Peter III. ausgab und 1768
-73 das Land thatsächlich beherrschte. Savas
Neffe Peter I. Petrovic (1781 - 1830) beteiligte
sich an dem Kriege Rußlands und Österreichs gegen
die Pforte (1788-91) und schlug 1796 den Kara-
Mahmud Pascha von Skutari in der Schlacht von
Krusi, worauf sich die Landfchaften der Brda im
Osten an M. dauernd anschlössen. Vereint mit den
Russeil belagerte er 1806 die Franzosen in Nagusa,
trat in Verbinduug mit den aufständischen Serben
unter Karadjordje und vertrieb die franz. Garnisonen
1813-14 aus den Vocche di Cattaro mit Hilfe der
engl. Flotte. Peter II. Petrovic (1830 - 51), be-
rühmt als serb. Dichter, begann mit Reformen, hob
1832 die Würde eines weltlichen "Gubernators"
neben dem Bischof auf, errichtete einen Senat, eine
stehende Garde, eine Regierungskanzlei, Druckerei,
Schulen u. s. w. Sein Neffe Danilo I. (1851 - 60)
erklärte sich mit Zustimmung des Volks sowie Ruß-
lands und Österreichs zum ersten weltlichen "Fürsten
und Herrn von M. und der Brda". Die Pforte be-
gann einen Krieg gegen ihn, der aber auf den Pro-
test Österreichs eingestellt wurde. Im Krimkrieg blieb
M. ruhig, beschäftigt mit Reformen. Ein neuer Ver-
such derPforte, M. zu unterwerfen, führte zur Nieder-
lage der türk. Truppen bei Grahovo (1858), worauf
die Grenzen des Fürstentums von einer inter-
nationalen Kommission festgestellt wurden. Nach der
Ermordung Danilos trat im Aug. 1860 der jetzige
Fürst Nikolai, (s. d.) die Regierung an. M. unterstützte
den damaligen Aufstand derHerzegowinerund wurde
durch die gegen Cetinje vorrückenden Armeen von
Derwisch Pascha und OmerPascha arg ins Gedränge
gebracht; jedoch stellte ein unter internationalem
Einstuft abgeschlossener Friede 1862 den Kampf auf
Grund des 8ww8 ^10 ein. Es folgten 14 Fric-
densjahre, die zu Organisationsarbeiten verwendet
wurden. Nach Zinsbruch der herzegowin. Revolution
verhielt sich M. ein Jahr ruhig und erklärte erst im
Juli 1876 vereint mit Serbien der Pforte den Krieg.
Die Kooperation mit Serbien sowie ein Zug nach
Nevesinje mißlangen, aber die Montenegriner, samt
den Insurgenten an 25000 Mann stark, schlugen
MukhtarPascha beiVucidol und nahmen dieFestnng
Medun. Nack längerm Waffenstillstand begann M.
1877 den Krieg im Bunde mit Rußland und Ser-
bien von neuem. Im Inni drang Suleiman Pascha
von Niksic nach Spnz vor, um sich dorr mit Ali
Saib Pascha zu vereinigen und gegen Cetinje zn
operieren; aber nach zehntägigem Kampfe wurden
beide gegen Podgorica zurückgetrieben. Die Mon
tenegrincr nahmen sodann die Festnng Niksic und
im Jan. 1878 nach harter Belagerung Antivari und
erstürmten auch Dulcigno. Nach dem Frieden von
San Stephano sollte M. alle Eroberungen behalten,
im Norden auch Foca, Plevlje u. s. w. bekommen
und sich bis knapp an die serb. Grenze erstrecken. Im
Berliner Vertrag wurde dies Gebiet eingeschränkt,
aber die Unabhängigkeit des Fürstentums anerkannt
und ihm in Antivari der Zutritt zum Meer eröffnet.
Als die Albanefen die Abtretung von Gusinje und
Plava am obern Lim verhinderten, erhielt M. dafür
Dulcigno, das ihm im Nov. 1880 nach einer inter-
nationalen Flottendemonstration übergeben wurde.
An der Südgrenze giebt es fortwährend Reibungen
mit den Albanesen, aber das Land wurde dem Ver-
kehr zugänglich gemacht und die Reformen der Ver-
waltung durch Protlamierung eines von BogiZic
(s. d.) ausgearbeiteten Civilcodex 1888 vervollstän-
digt. Die traditionellen Beziehungen zu Rußland
wurden 1889 durch die Vermählung zweier Töchter
des Fürsten Nikola mit zwei Großfürsten befestigt.
Eine dritte Tochter verlobte sich 1896 mit dem Kron-
prinzen von Italien.
Litteratur. Andric, Geschichte des Fürstentums
M. (Wien 1853); Frilley-Vlahovic', 1.6 N. con-
temporain (Par. 1875); Ducic', Ona ^ora (serbisch,