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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Moratscha - Morbihan
^>ie erteilte Nachsicht in noch größere Gefahr kam,
und es mußten die lanfenden Zinsen pünktlich ent-
ricktet werden. Unter diesen und ähnlichen Bedin-
gungen wurden zuweilen ganzen Klassen von Schuld-
nern, z. B. den Gutsbesitzern einer zerrütteten Pro-
Dinz, a l l g e m e i n e oder G eu e r a lm o r a t o r i e n ge-
geben; einzelne Personen erhielten ^pecialmora-
torien gegen ihre Gläubiger. In manchen Ländern
wurden die M. als landesherrliche Dispensationen
und Gnadensachen behandelt, in andern warell sie den
Gerichten zugewiesen. In manchen Staaten durch die
Verfassuugsurkunden als leicht zu Mißbräuchen An-
lah gebende Eingriffe in fremde Privatrcchte unter-
sagt, weil sie erfahrungsmähigdenKreditdes Schuld-
ners vollends uutergrabcn und einbetrügerischesBei-
seiteschaffen der letzten Vefriedigungsmittel begün-
stigen, sind die Befugnisse der Gerichte, dem Schuld-
ner bei der Verurteilung Zahlungsfristen zu ge-
währen, durch das Einführungsgefetz der Deutschen
Zivilprozeßordnung (§. 14,4) aufgehoben. Wichtig
war die Bestimmung des Jüngsten Reichsabschiedes
von 1654, der zufolge die geschuldeten Kapitalien
der im Kriege Verarmten uicht vor drei Jahren und
teilweise zurückgezahlt werden sollten. Die bisher
angelaufenen Zinfen (Renten) und Interessen soll-
ten bei jenen Schuldnern "zu drei Vierteil kassiert
und aufgehoben sein", das letzte Viertel sollte auf
uäher bestimmte Weise allmählich abbezahlt wer-
ben. Von großer Bedeutung auch für die übrigen
Länder wurden die fr anzösis ch eu M oratorien -
gesetze vom 13. Aug. 1870, 10. März, 26. April
und 4. Juli 1871 wegen ibrer Rückwirkung auf die
vom Ausland auf frauz. Schuldner gezogenen und
von dieseu acceptierten Wechsel. - Vgl. Neumann,
Geschichte des Wuchers in Deutschland (Halle 1865);
Fick, über internationales Wechselrecht in Veziehnng
auf Fristbestimmungen (Elbcrf. 1872); Iaques, Die
durch die franz. Moratorienverfügungen hervor-
gerufenen Regreßfragcn (Wien 1872); Endemann,
Studien in der roman.-kanonistischen Wirtschafts-
nnd Rechtslehre, Bd. 1 (Berl. 1874). - Mora-
torialverhaudluugeu heißen die Stundungs-
verhandlungen, die manchmaldem Konkursverfahren
vorausgehen und dessen Abwendung bezwecken. (S.
auch Ausgleichsverfahren und Stundung.)
Moratscha, soviel wie Moraca (s. d.).
Morava, Nebenfluß der Donau in Serbien,
^ntstebt aus der Vereinignng der südlichen oder
bulgarischen mit der westlichen oder serbi-
schen M. Die südliche M. entspringt am Nord-
Abhang des Kara-Dagh in Altserbien, nördlich von
Üsküp, und betritt oberhalb Vranja serb. Gebiet.
Die westliche M. entspringt auf der Golja-Planina
an der Grcllze Serbiens und des türk. Sandschaks
Novipazar und vereinigt sich bei Stolac mit der
südlichen M. Diese letztere sowie die in ihrer Fort-
setzung fließende vereinigte M. besitzt ein weites
fruchtbares Thal, durch das die Hauptstraße (jetzt
Eisenbahn) von Ungarn nach,Rumelien und Macc-
donien führt. DieM.istvonCuprija aus schiffbar,
aber nur für Flöße und kleine Schiffe, und mündet
in zwei Armen in die Donau, der rechte, die M.,
bei Dubrovica, der linke, die Iesava, bei Semen-
dria. Die südliche M. nimmt rechts die Nisava,
links die Toplica, die westliche M. rechts den Ibar
auf. Die Länge der südlichen M. beträgt 261 km,
der westlichen M. 213 km, der vereinigten M.
145 km, das gesamte Fluhgebiet 40 701 tikm. -
M. ist auch slaw. Name der March (s. d.).
Nloravia., lat. Name für Mähren.
Morawiden, soviel wie Almoraviden.
Moray (spr. mörre), sckott. Grafschaft, s. Elgin.
Moray, Graf voll, s. Murray, James Stuart.
Moray-Firth (spr. mörre förth), trichterförmiger
Meerbusen an der nordöstl. Küste Schottlands, dessen
innerster Teil durch die Halbinsel Black Isle in
den Cromarty Firth im N. und Inverneß Firtb mit
dem Vcauly Firth im S. geteilt wird. Der Cale-
domsche Kanal (s. d.) führt zum Atlantischen Ocean.
Morbid (lat.), krankhaft, kränkelnd.
Morbidität (vom lat. inoi-dus, Krankheit), in
der Sanitätsstatistik das Zahlenverhältnis der Kran-
ken zu deu Lebenden; dasselbe ist meistens anf die
Durckschnittsziffer eines ganzen Jahres gegründet.
Die statist. Untersuchung der Erkrankungen, der
Dauer und des Ausgangs der Krankheiten erlangte
zuerst in England und den Vereinigten Staaten all-
gemeinere Anerkennung, wird aber jetzt auch in
Deutschland mit dein größten Eifer betrieben. We-
gen der geregelten Registerführung in Militärlaza-
retten, Knappschafts -/gewerblichen Unterstützungs-
vereinen, Krankenkassen der Eisenbahnarbciter n. dgl.
konnte man schon seit längercrZeit den Durckschnitts-
stand der diesen Kassen u. s. w. angelwrigen Mitglie-
der mit dem mittlern Krankenbestande vergleichen
und dadurch nicht allein Verbesscrnngen in der Ge-
sundheitspflege anbahnen, sondern auch die Bei-
tragsleistungen regulieren. Die Berechnung der M.
für die Bevölkerung ganzer Städte und Landschaften
erfordert so viel Sorgfalt und Mühe, daß man bis-
her nur den Epidemien gegenüber, bei denen An-
meldepflicht gesetzlich besteht, richtige Morbiditäts-
ziffcrn feststellte.' Das Reichsgesundhcitsamt erfüllt
durch deren Veröffentlichung einen Teil seiner Auf-
gaben. Morbiditätstabellen, d. h. Tafeln,
welche die Wahrscheinlichkeit und Dauer der Er-
trankung für verschiedene Alter und Verufsarten
angeben, sind in England von Neison und Fin-
laison, in Frankreich von Hubbard, in Deutschland
von Heym u. a. veröffentlicht worden.
Litteratur. Osterlen, Handbuch der medi;.
Statistik (Tüb. 1865); A. Oldendorff, Die Jahres-
berichte der deutschen Lebensversicherungsgesell-
schaften und ihre Bedeutung für die Medizinal-
statistik (Berl. 1874); G. Mayr, Die Gesetzmäßig-
keit im Gesellschaftsleben (Münch. 1877); Heym,
Anzahl und Dauer der Krankheiten in gemischter
Bevölkerung (Lpz. 1878); A. H. Westergaard, Dic
Lehre von der Mortalität und M. (Jena 1882).
Morbihan (spr. -biäng, im Keltischen "kleines
Meer"), franz. Departement in der Bretagne, das
vom Atlantischen Meere und Finistöre, Cötes dn
Nord, Ille-et-Vilaine und Loire-Inferieure begrenzt
wird. Es zählt auf 6708 likui (1891) 544 470 E. und
zerfällt in die Arrondissements Vannes, Lorient,
Ploe'rmel und Pontivy mit 37 Kantonen und 25:;
Gemeinden. Hauptstadt ist Vannes (s. d.). die bc-
völkertste Stadt aber Lorient (s. d.). HN. hat seinen
Namen von einen: östlich der Bai von Qui'beron
zwischen den Halbinseln Ruis und Crach eindrin-
genden Meerbusen (I^L Nordidiin), welcher, 20 km
lang und gegen 10 km breit, mehrere Eilande ein-
schließt. Das Departement hat eine Küstenentwick-
lung von 200 km, mit einer Menge von Buchten,
Reeden, Häfen und Inseln, unter welchen letztern
Belle-Isle (s. d.) die größte ist, und bildet ein Hügel-
land, welches sich in der an der Nordgrenze gelegenen
Montagnc noire bis zu 300 m erhebt, nach Süden