Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

126
Myronsäure - Myrtifloren
Wiedergabe des Haares, die altertümliche Strenge
und Einfachheit beibehielt. Die erhaltenen Marmor-
kopien verschiedener seiner Werke, die vorwiegend
in Erz ausgeführt waren, bestätigen dieses Urteil.
Am berühmtesten ist sein Diskoswerfer (s. die Text-
figur beim Artikel Diskos). Von ähnlichem Reiz
d'es Motivs wie dieses Werk ist die Gruppe des
Marsyas, dem Athena die Flöten aus der .Hand
schlägt (ebenfalls in verschiedenen Kopien erhalten),
die Statue des Läufers Ladas, des Perseus, der die
Medusa ereilt. Ein Originalwerk des M. glaubt
man jetzt in der berühmten Bronzestatue des Ido-
lino in Florenz zu erkennen (vgl. Kekulii, 49. Pro-
gramm zum Winckelmannsfeste der Archäologischen
Gesellschaft in Berlin, 1889). Auch Tierfiguren des
M. waren berühmt, namentlich die Kuh.
Myrönfäure, (^H^N^Oiu, ein saures Gly-
kosid, das als Kalisalz im Samen des schwarzen
Senfs vorkommt und bei Berührung mit Wasser
durch ein in diesem Samen enthaltenes Ferment,
My rosin, in Senföl, Dextrose und saures schwefel-
1'aures Kalium zerlegt wird.
Myrofin, s. Myronsäure.
NI^roxS'ion ^, Balsam bäum, Pflanzen-
Gattung aus der Familie der Leguminosen (s. d.),
Abteilung der Papilionaceen, mit sechs, den wär-
mern Gegenden Südamerikas angehörigen Arten,
Bäume mit unpaarig gefiederten Blättern und
weißen, in Traubeu stehenden Blüten. Die Stämme
enthalten reichlich balsamartige Stoffe. Von dem
Balsambaume Salvadors, Hoitziloritl genannt
<N. 8NN8ON3.t6N86 H^sc/ö., N^1'08P61MNM 1)61'6irll6
Fo^e), stammt der sowohl in der Medizin als auch
in der Parfümerie vielfach benutzte, vauillenähnlich
riechende Perubalsam. Der ähnliche Tolubal-
1'arn stammt von N. towikerum II. et H. in Co-
lumbien. Die Balsame fließen aus der Rinde bei-
gebrachten Einfchnitten und Bohrlöchern.
Myrrha, Mutter des Adonis (s. d.).
Myrrhe, Myrrhenharz, das freiwillig aus
dem Stamm fließende und an der Luft erhärtete
Gummiharz von LHi8ain0(i6näion in^i-ilni ^Vees
(s. Vai8ÄM0ä6näi'0ii). Es gelangt über Aden und
Bombay in Seronen zu etwa 85 kß- Inhalt in den
Handel und bildet Stücke von ungleicher Größe und
Gestalt, die halb durchsichtig, äußerlich mehr oder
weniger braun gefärbt sind und ein mattes, be-
stäubtes Ausehen haben. Die Oberfläche ist uneben
und mit Höhlungen versehen. Die Masse ist spröde.
Der Bruch ist wachsglänzend, uneben, mit weiß-
lichen Adern durchzogen. Der Geruch der M. ist
balsamisch, der Geschmack gewürzhäft bitter. Die
M. besteht aus einem Gemenge von Harz, ätheri-
schem Öl, Gummi, Salzen und Wasser. Man be-
nutzt sie in der Medizin als Myrrhentinktur
(Lösung von 1 Teil M. in 5 Teilen Spiritus) bei
Krankheiten der Mundhöhle, bei kariösen Zähnen
als fäuluiswidriges Mittel. Früher wandte man
sie zum Salböl und zum Einbalsamieren von Leichen
an, auch dient sie als Bestandteil von Näuchermit-
teln. M. kostet (1894) im Großhandel ^e nach der
Beschaffenheit 2-5 M. das Kilogramm.
Myrrhenöl, aus Myrrhenharz durch Destilla-
tion mit Wasserdampf darzustellendes Ol; es siedet
oberhalb 260° und besteht hauptsächlich aus einer
der Formel O22H326 entsprechenden Verbindung.
Myrrhentinktur, s. Myrrhe.
Myrtaceen, Pflanzenfamilie aus der Gruppe
der Dikotyledonen, Ordnung der Myrtifloren (s. 0.),
gegen 1800, meist in den Tropen, besonders in
Australien, selten in außertropischen Breiten ein-
heimische Arten umfafseud. Es sind Bäume oder
Sträucher mit einfachen, meist ganzrandigen, häufig
Oldrüsen enthaltenden und daher durchscheinend
punktierten Blättern, meist viergliedrigem Vlüten-
blattkreise, Kelch- und Blumenblättern und zahl-
reichen Staubgefäßen. Die Frucht ist eine Kapsel,
Beere oder Steinfrucht. Zu den M. gehören viele
Gewürz- und Arzneipflanzen sowie auch technisch
und gärtnerisch wichtige Gewächse, so Artender Gat-
tungen N^rtu8, UuFOnia.) I^uc3.^ptu8, die Stamm-
pflanzen der Gewürznelken und des Nelkenpfeffers,
die schön blühenden Melaleuca- und Callistemon-
arten, die Stammpflanze der Paranüsse; auch den
Granatbaum stellt man hierher.
Myrte (HI^rw3 2^.), Pflanzengattung aus der
Familie der Myrtaceen (s. d.). Ihre Arten, lauter
immergrüne Bäume und Sträucher der warmen
und wärmern gemäßigten Zone beider Hemisphären,
haben achselständige Blütenstände, Blüten mit vier-
bis fünfteiligem Kelchsaum, vier bis süu^ Bkn^n-
blättern, zahlreichen freien Staubgefäßen, einem
fast kugeligen, unterständigen Fruchtknoten und eine
zwei- bis dreifächerige, mit dem Kelchsaume gekrönte
Beere mit nierenförmigen Samen. Seit den ältesten
Zeiten ist die gemeine M. <N^rw8 e0Ninuni3 D.)
beliebt, ein immergrüner, gewürzhafter, 2-4 m
hoher Strauch oder kleines Bäumchen mit weißen
Blumen, in allen Ländern am Mittelländischen
Meere einheimisch und sonst häufig kultiviert. Man
hat Varietäten mit schmälern und breitern Blättern,
die auch in der Natur vorkommen, sowie mit gefüll-
ten Blüten. Da die M. den Winter Deutschlands
nicht verträgt, so muß sie bei uns im Kalthause
überwintert werden. Ihre bitterlich-zusammenzieheu-
den und gewürzhaft schmeckenden Blätter und Beeren
dienten ehedem als Heilmittel. In den klassischen
Zeiten Griechenlands war sie als Symbol der
Iugeud und Schönheit der Aphrodite geweiht.
Selbst bis auf unsere Zeiten ist der Gebrauch eines
Myrtenkranzes als Ehrenschmuck jungfräulicher
Bräute bei Vermählungen geblieben. Dazu wählt
man die Varietät mit kleinen, am obern Ende abge-
rundeten Blättern, während die großblätterige (die
gewöhnliche Form der wildwachsenden Pflanze) zu
Kränzen und Guirlanden für Verstorbene benutzt
zu werden pflegt und deshalb den Namen Toten-
myrte erhalten hat. Die M. läßt sich durch Steck-
linge leicht vermehren; da sie in ihrer Heimat auf
sumpfigem Boden wächst, muß sie während des
Sommers feucht gehalten werden.
Myrtengrün, s. Chromgrün.
Myrtenkranz, s. Myrte.
Myrtenöl, aus den Blättern und grünen Früch-
ten der gewöhnlichen Myrte durch Destillation mit
Wasserdampf darzustellendes Öl; es enthält be-
sonders Myrtol (s. 0.).
Myrtenwachs, s. N^i-ica und Wachs.
Myrtifloren, Ordnung aus der Gruppe der
Dikotyledonen, Abteilung der Choripetalen, charak-
terisiert durch regelmäßige, zwittrige Blüten mit
meist vier- oder fünfzähligem Kelch und Blumen-
krone, zahlreichen, in zwei oder mehr Kreisen an-
geordneten Staubgefäßen und einen in der Regel
unterständigen, aus mehrern Fruchtblättern ver-
wachsenen Fruchtknoten mit nur einem Grifsel. Die
Ordnung der M. umfaßt die Familien der Com-
bretaceen, Lythraceen, Melastomaceen, Myrtaceen,