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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Myrtilos - Mysterien

Onagraceen, Rhizophoraceen (s. die einzelnen Artikel). Hierzu Tafel: Myrtifloren; zur Erklärung s. die Artikel Gewürznelke, Eucalyptus, Granatbaum, Fuchsia, Trapa, Oenothera.

Myrtĭlos, im griech. Mythus der Wagenlenker des elischen Königs Oinomaos, des Vaters der Hippodameia. Von Pelops bestochen oder aus Liebe zu Hippodameia setzte er, als Pelops die Braut durch eine Wettfahrt mit dem Könige erringen sollte, wächserne Pflöcke in die Achsen der Räder des letztern, oder ließ die Nägel ganz weg, wurde aber hernach, als er verlangte, daß Hippodameia sich zum Lohn für seinen Verrat ihm hingebe, von Pelops in das Meer gestürzt. Die Scene vor der Wettfahrt ist im östl. Giebelfeld des vollständig wiederausgegrabenen Zeustempels von Olympia (s. d.) dargestellt.

Myrtōisches Meer, s. Ägäisches Meer.

Myrtōl, der zwischen 160-170° C. siedende Anteil des Myrtenöls (s. d.), ein Gemenge von Rechtspinen und Cineol; man hat es in neuerer Zeit bei Krankheiten der Respirationsorgane (Lungenbrand, putridem Bronchialkatarrh u. s. w.) innerlich und zur Desinfektion empfohlen.

Myrtus, s. Myrte.

Mysĭen (grch. und lat. Mysia), im Altertum die ganze Landschaft im nordwestl. Kleinasien, welche im N. von der Propontis und dem Hellespont, im W. durch das Ägäische Meer begrenzt wird, im S. an Lydien, im O. an Phrygien und Bithynien stößt, im engern Sinn jedoch nur der nordöstl. und mittlere Teil dieses Landstrichs, wobei dann der nordwestliche als Troas, der südwestliche als Äolis, der südlichste als Teuthrania davon unterschieden wird. Die Landschaft ist größtenteils von Gebirgen durchzogen, unter denen der troische Ida im W., der Temnos im S., der mysische Olympos im NO. die bedeutendsten sind. Unter den zahlreichen Flüssen sind der Rhyndakos, der Äsepos, der Granikos im N., der Skamander in der Troas und der Kaikos im südlichsten Teile der Landschaft zu nennen. Unter den Städten waren Kios, Prusa, Apollonia, Kyzikos, Parion und Lampsakos im N., Alexandreia Troas im W., Skepsis und Adramyttion in der Mitte und Pergamon im S. von Bedeutung. Die Bewohner gehörten ursprünglich wahrscheinlich zu der großen indogerman. Gruppe der Westkleinasiaten, zu der auch Phryger, Lyder, Karer zählten, ein kräftiges kriegerisches Bauernvolk. Eine polit. Rolle spielte M. erst in der Diadochenzeit infolge der Gründung des Pergamenischen Reichs durch Philetärus (283 v. Chr.). - M. war auch der griech. Name von Mösien (s. d.).

Mysis vulgāris Thompson, s. Spaltfüßer.

Myslbeck, Joseph, Bildhauer, geb. 11. Juli 1848 in Prag, war daselbst Schüler des Bildhauers Thomas Seidan, arbeitete dann bei W. Lewy bis zu dessen Tode 1868 und erhielt darauf ein eigenes Atelier an der Prager Akademie, welches er bis 1872 behielt. Seitdem selbständig, hat M. eine Reihe größerer Arbeiten vollendet, z. B. die vier Pylonengruppen für die Palackybrücke, den Marmorsarkophag im städtischen Museum, die Marmorfiguren der Gesinnungstreue und der Ergebenheit für das Parlamentsgebäude zu Wien. Für die im Auftrage des Unterrichtsministeriums ausgeführte bronzene Reiterstatue des heil. Wenzel erhielt er auf der Internationalen Kunstausstellung zu Wien 1894 die große Medaille. M. ist seit 1885 Professor, seit 1893 Direktor der Kunstgewerbeschule in Prag.

Myślenice (spr. mislenitze). 1) Bezirkshauptmannschaft in Galizien, hat 1063,74 qkm und (1890) 85820 (41217 männl., 44603 weibl.) poln. E. in 67 Gemeinden mit 141 Ortschaften und 65 Gutsgebieten und umfaßt die Gerichtsbezirke Jordanów, Maków und M. - 2) Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft sowie eines Bezirksgerichts (421,20 qkm, 39128 poln. E.), im Thale des Rabaflusses, hat (1890) 2600 poln. E., Pfarrkirche mit besuchtem Marienbild.

Mysliweczek, Musiker, s. Misliweczek.

Myslowitz, Stadt im Kreis Kattowitz des preuß. Reg.-Bez. Oppeln, an der zur Weichsel gehenden Przemßa, über die eine 260 m lange hölzerne Brücke über die russ. Grenze führt, an den Linien Kosel-Kandrzin-Oswiecim der Preuß. Staatsbahnen und M.-Szczakowa (13 km) der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Beuthen), Haupt- und Nebenzollamtes, hatte 1890: 9392 E., darunter 1049 Evangelische und 634 Israeliten, 1895: 11184 E., Postamt erster Klasse, Telegraph, 3 kath., 1 evang. Kirche, Synagoge, höhere Knaben- und höhere Mädchenschule, städtisches Krankenhaus, Gasbeleuchtung, Wasserleitung, Kanalisation; Flachsspinnerei, Zinkwalzwerk, Säge- und Hobelwerk und zahlreiche Steinkohlengruben.

^[Abb.]

Mysol, Insel, s. Misol.

Mysophŏbie (grch.), die Furcht vor Beschmutzung, nicht seltenes Symptom bei Nervenleiden und Geistesstörung.

Mysore, Vasallenstaat in Ostindien, s. Maisur.

Mysost (dän.) oder Molkenkäse, die durch Verdunsten der Molken erhaltene braune krümlige Masse, die in Norwegen als Nahrungsmittel dient.

Mystagōg, bei den alten Athenern derjenige, welcher den in die Mysterien (s. d.) Einzuweihenden einführte.

Mysten, Mystai (grch.), s. Eleusis und Mystik.

Mysterĭen (grch., d. i. Geheimnisse), bei den Griechen gewisse Kultgebräuche, an denen nur solche Personen teilnehmen durften, die nach gewissen Vorbereitungen, ja bei einzelnen erst nach Bestehung gewisser Prüfungen und nach Ablegung des Gelübdes der Verschwiegenheit in den Kreis der Eingeweihten aufgenommen waren. Der besondere Inhalt dieser M. war, soweit die nur mangelhafte Kunde davon reicht, ein doppelter: teils eigentümliche Legenden über die Thaten und Schicksale der Gottheiten, denen die M. geweiht waren, teils symbolische Gebräuche, indem an den Festversammlungen der Teilnehmer unter Leitung des priesterlichen Personals der Inhalt jener Legenden durch sinnbildliche Aufführungen dargestellt wurde. Von einer religiösen Belehrung in unserm Sinne, d. h. lehrhafter Mitteilung von reinern Vorstellungen über die Gottheit, Ausdeutung der Mythen des Volksglaubens im philos. Sinne, findet sich in den alten M. keine Spur. Vielmehr beruhte ihre Bedeutung wesentlich auf den ohne Zweifel zum Teil sehr mächtigen Eindrücken, welche jene Schaustellungen, deren Wirkung besonders durch Beleuchtungseffekte noch gesteigert wurde, auf die Phantasie und das Gemüt der "Schauenden" (Epopten) ausübten, indem sie in denselben das Gefühl der Reinigung und Heiligung und die tröstliche Hoffnung auf ein Fortleben nach dem Tode in einem seligen Jenseits erweckten.