Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

175
Napoleon II. - Napoleon III.
gewiesen wurde. Die Generale Bertrand, Gour-
<;aud, Montholon, Graf Las Cafes u. a. durften
feine Verbannung teilen, in der er sich vorzugs-
weise mit Abfassung feiner Denkwürdigkeiten be-
schäftigte. Mit dem Gouverneur der Infel, Sir
Hudson Löwe (s. d.), der den Gefangenen streng
bewachte, lebte er in fortwährendem Streite. Nach
längerer Kränklichkeit starb er 5. Mai 1821 am
Magenkrebs. 1840 wurde, nach Verständigung zwi-
schen der engl. und franz. Negierung, fein Grab ge-
öffnet und der Leichnam durch den Prinzen von
Ioinville nach Paris geführt, wo man ihn 15. De^.
1840 in einer Gruft unter der Kuppel des Invali-
dendoms in einem prächtigen Sandsteinfarkophag
beisetzte. Von den ihm errichteten Standbildern
sind zu erwähnen: Das Bronzestandbild in röm.
Kaiferornat (von Dumont) auf der Vendömesäule
zu Paris, das Reiterstandbild, umgeben von feinen
Brüdern, in Ajaccio (von Varye) und das Reiter-
standbild zu Cherbourg (von Le Veel).
Die histor. Wertschätzung N.s hat, insbesondere
in Frankreich, vielfach feit feinem Tode gewechselt.
Das unvernünftige Regiment Karls X., das selbst-
süchtige Ludwig Philipps und seiner Bourgeoisie
hatten N.s Namen zu hohen Ehren gebracht und
ihm einen legendenhaften Glanz verliehen, der auch
seinem Neffen, Napoleon III., zu gute kam. Als
aber dieser mit feiner Politik gescheitert war und
die republikanische Opposition siegte, da verblaßte
der Glanz der Bonapartischen Legende, und die
kritische Wissenschaft trat in ihr Recht., bis in der
neuesten Zeit die Sehnsucht des revanchelustigen
Teils der Nation nach einer militär. Größe das
Bild des genialen Imperators aufs neue erhöhten.
Die eigenen Schriften N.s erfchienen nach seinem
Tode mehrmals gesammelt ("d^uvi-eL", 6 Bde., Par.
1821-22; 6 Bde., Stuttg. und Tüb. 1822-23).
Außerdem veröffentlichten die Generale Gourgaud
und Montholon die fog. "Vict668 äs 8to. Hölono"
("N6M0ir68 P0ur 86rvir ü. 1'1ii8toir6 66 I^iHiic6
80118 ^s.) 6crit8 3, 8t6. Ü6iöN6, 80U8 lg. (1iet66 ä6
I'emperßur)), 8 Bde., Lond.^nd Par. 1822 - 25;
2. Aufl., 9 Bde., Par. 1830; deutsch, 9 Bde., Verl.
1823-25). Hierzu kam die auf Befehl Napoleons III.
veranstaltete Sammlung der "Oorre^onäancs äe
N. I"" (32 Bde., Par. 1858 -70; deutsche Aus-
wahl von Kurz, 3 Bde., Hildburgh. 1868, dazu
neuerdings mehrfache Ergänzungen); "Nngedruckte
Briefe N.s aus den 1.1796 und 1797" gab Hüffer
(Wien 1873) heraus; ferner erfchien: "^orre^on-
äance miiitaii-6 ä6 N. I"'" (10 Bde., Par. 1875-77,
ein Auszug aus der großen Korrefpondenz) und
"(Nuvi'68 1itt6lÄir68", hg. von Martel (4 Bde., ebd.
1887-88). Zu den wichtigsten Quellenschriften für
die Geschichte des ersten Kaiserreichs gehören auch die
zahlreichen MemoirenderBrüderund Feldherren N.s
und anderer Personen aus dessen Umgebung. Von
den sehr vielen biogr. Darstellungen sind hervor-
zuheben die von Stendhal (Par. 1^843; Fragment),
Norvins (4 Bde., ebd. 1827 u. ö.), Walter Scott
(9 Bde., Edinb. 1827 u. ö.), Iomini (4 Bde., Par.
1827 u. ö.), Thibaudeau (6 Bde., ebd. 1827-28),
Lanfrey (5Bde., ebd. 1867 - 75; deutsch, 7 Bde.,
Mind. 1884-87), Seeley (Lond. 1886); ferner die
Werke von Vignon (s. d.), Thiers (s.d.), Schlosser
(3 Bde., Franks. 1832-35), Fournier (3 Bde., Prag
und Lpz. 1886-89) und Silvagni, Napoisone Lona-
parw 6 i 8uoi tempi (Rom 1894-95). Eine illustr.
Biographie ist Dayot, ^l. i-aconte par i'imaFs (Par.
1895, deutsch Lpz. 1895). Hierzu kommen von Schrif-
ten über einzelne Lebensepochen und Wirkungskreise
des Kaifers: Coston, Ziograpliie ä68 pr6ini6i-63
ann668 ä6 N. (2 Bde., Par. und Valence 1840);
Nasica, N6iuoii'68 8ul- I'sufaiics 6t 1a ^6nn6836 äe
^l. (Par. 1852); Libri-Carrucci, 80nv6nii-8 äs 1a
^6UN6886 ä6 ^. I" (ebd. 1842); Böhtlingk, N. Bona-
parte, seineIugend und seinEmporkommen (2.Ausg.,
2 Bde., Lpz. 1883); Jung, NonaMrw 6t 8on t6mp8
(1769-99)ä'az)i'63 ä68 (1ocum6iit8 in6äit8 (3 Bde.,
Par. 1880-81); Edmond-Vlanc, N.1^, 868 w3titu-
ti0N8 civii68 6t Qämini8trNtiv68 (ebd. 1880); Brown-
ing, NnFianä anä X. in 1803 (Lond. 1887); P. Ber-
trand, I^6tti'63 in6äit68 ä6 ^Hiw^ranä H X. 1^^ (Par.
1889); Welschinger, 1.6 äiv0lc6 ä6 I>l. I" (ebd. 1889);
Nocquain, ^l. 1^^ 6t 16 roi I^oui" (ebd. 1875); Ben-
iamin Constant, ^l6ni0ir63 8ur 168 (^6nt <sour8
(2Tle., ebd. 1820); Forsyth, lli8toi^ oftli6 captivit^
01 K. at 8t. Ü616NH (3 Bde., Lond. 1853); Firmin-
Didot, La captivit6 ä6 8aint6-ll6i6N6 (ebd. 1894);
Yorck von Wartenburg, N. als Feldherr (2. Aufl.,
2 Bde., Verl. 1887-88); Tatistfcheff, ^I6xanär61"
6t N., cl'apr68 i6ur c0ri'68p0nciHnc6 in6(1it6 (Par.
1891); Vandal, ^. 6t ^i6xaiM-6 I" (3 Bde., ebd.
1891-96); Pelet de la Lozere, 0pini0ii8 ä6 X. 8ui-
äiv6i'8 8i^6t8 ä6 po1itiliu6 6t li'aämi^ti'Ätioii (ebd.
1833); Welschinger, 1^ c6N8ur6 80N8 16 pr6mi6r
> 6mpii-6 (ebd. 1882); Guillois, ^., 1'1winm6,16 poli-
l til^U6, 1'0lHt6U1' ä'apr68 83. c0lI-68p0I1(lHN.e6 6t 868
! WU.VI-68 (2 Bde., ebd. 1889); Taine, 1.6 r6^ini6 N10-
! li6rn6 (2 Bde., ebd. 1891 -94); Houssaye, 1814
z (ebd. 1889); ders., 1815 (Bd. 1, ebd. 1894); Chap-
! tal, N68 80uv6nir3 8UI- ^. (ebd. 1893); Levy, I>s.
! intim6 (ebd. 1893); Masson, N. I" 6t 168 f6inm68
^ (ebd. 1893; deutsch Lpz. 1895); ders., N. ck62 wi
(Par. 1894; deutsch Lpz. 1895); ders. und Biagi,
N. inconnu. I>HZ)i6r8 in6äit8, 1786-93 (2 Bde.,
Par. 1895); Sorel, VonapHr^ 6t IIoc1i6 6n 1797
(ebd. 1896); Damas Hinard, DictionnNii^ ^.
(2. Aufl., ebd. 1854). Eine Bibliographie bietet
Fournier in den litterar. Anmerkungen seiner Bio-
graphie N.s, einen Nachweis aller die Person und
die Zeit N.s betreffenden Schriften A. Lumbroso,
8aMi0 äi UN3, didlio^-HÜa rHFFionata ä6i1'6p0cg.
^Hp0i60nic3. (Heft 1 fg., Modena 1894 fg.).
Napoleon II., f. Reichstadt, Herzog von.
Napoleon III., Kaiser der Franzosen, der dritte
Sohn des Königs Ludwig Bonaparte (s. d., Bd. 3,
S. 275d) von Holland und der Königin Hortense
(Beauharnais), geb. 20. April 1808 zu Paris, folgte
nach der zweiten Restauration seiner Mutter in die
Verbannung, zuerst nach Genf, dann nach Augs-
burg, wo er das Gymnasium besuchte, zuletzt nach
Arenenberg am Vodensee. Durch die Bewegung des
I. 1830 wurde N. zuerst in das öffentliche Leben
hineingezogen und beteiligte sich mit seinem ältern
Bruder Napoleon Ludwig an dem Aufstandsver-
fuche Ciro Menottis in der Nomagna und den be-
nachbarten Herzogtümern; der ältere Bruder starb
17. März 1831 zu Forü. Nach der Schweiz zurück-
gekehrt, befchäftigte sich N., der abwechselnd auf
Arenenberg und dem Schlosse Gottlieben unweit
Konstanz wohnte und als Zauptmann der Artillerie
in die schweiz. Miliz eintrat, vorzugsweise mit schrift-
stellerischen Arbeiten. Zuerst erschienen von ihm
1832 "N6V6i'i63 po1itihu68", worin er geradezu
aussprach, daß eine Wiedergeburt Frankreichs nur
durch Wiederherstellung des Napoleonischen Kaiser-
tums mit demokratischen Institutionen möglich sei.