Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

217
Neapel (Stadt)
ein Vau der Frührenaissance aus dem Ende des
15. Jahrh., 1882-86 neu errichtet für die Samm-
lungen des Fürsten Gaetano Filangieri; das Na-
tionalmuseum, 1586 vom Vicekönig Herzog von
Ossuna als Neiterkascrne erbaut, 1615 der Univer-
sität überlassen und 1790 für die königl. Altertums-
und Gemäldesammlungen eingerichtet; der Palazzo
Neale auf dem Capodimonte oberhalb der Stadt,
1738 durch Karl III. begonnen, 1834-39 unter
Ferdinand II. vollendet und von schonen Garten-
anlagen umgeben, und die malerische Ruine des
Palazzo di Donn' Anna, im 17. Jahrh, erbaut, aber
unvollendet geblieben.
Unterrichts- und Bildungsanstalten. Die
Universität, seit 1780 im Iesuitenkollegium unter-
qebracht, wurde 1224 durch Kaiser Friedrich II. als
Generalstudium gestiftet,1229 aufgelöst, 1234 wieder-
hergestellt und nach kurzer Verlegung nach Salerno
(1252-58) durch König Manfred neu errichtet; sie
verfiel unter span..Herrschaft und wurde 1780 reor-
ganisiert. Seit der Einverleibung N.s in das König-
reich 1860 blüht die Universität mehr und mehr auf;
sie hat fünf Fakultäten (eine philosophische, juristische,
mathematische, naturwissenschaftliche und medizi-
nisch-chirurgische), eine pharmaceutische Schule, etwa
260 Professoren und Docenten und (1890) etwa 4600
Studierende. Ein großartiger Neubau ist geplant.
Ferner bestehen eine königl. Ingenieurschule, höhere
Tierarzneischule, ein königlich orient. Institut, astron.
Observatorium, ein botan. Garten, eine königl.
Gesellschaft der Wissenschaften mit 3 Klassen (physik.-
mathem. Klasse, Klasse der polit. und moralischen
Wissenschaften und archäol.-litterar, und artistische
Schule), eine Marineschule, eine deutsche evang. Ge-
meindeschule für Knaben und Mädchen, je eine inter-
nationale Schule für Knaben und Mädchen und ein
königl. Konservatorium der Musik. Die Universitäts-
bibliothek ist durch König Murat 1812 gegründet und
umfaßt 169 892 Bände, 36 364 kleinere Schriften und
109 Manuskripte: die Nationalbibliothek, seit 1804
dem Publikum geöffnet, ist reich an griech. und lat.
Handschriften und besitzt350000Vände, 150000klei-
nere Schriften und 7688 Manuskripte. In dem zu der
Kirche Severino e Sosio gehörigen Kloster befindet
sich das große Neichsarchiv, eins der wichtigsten der
Welt, mit 40000 Pergamenturkunden (zum Teil in
griech. Sprache) vom I. 703 bis zu den Zeiten der
Normannen, Hohenstaufen, Anjou (380000 Stücke
in 378 Bänden) und der Gegenwart.
Das Nationalmuseum (Nu860 Mxionals, früher
lieals Lordonico), eine der ersten Sammlungen der
Welt, vereinigt die Sammlungen der Krone N., die
aus Nom und Parma stammende Farnesische, die aus
den Palästen von Portici und Capodimonte und end-
lich die Ausgrabungen von Herculanum, Pompeji,
Etabiä und Cumä und enthält unter anderm antike
Wandgemälde, ornamentale Malereien, Inschriften,
Marmor- und Vronzeskulpturen, antike Terrakotten,
Kupferstiche, Kopien pompejanischer Bilder, Papy-
rusrollen, Gemälde der ital. Schulen, antike Glas-
sachen, Münzen, Vasen, kleine Bronzen, Gold- und
Silbersachen und Pretiosen. Einen Weltruf genießt
die Zoologische Station (s. d.). N. hat zahlreiche
Theater, darunter San Carlo (s. S. 216 d>, mit
6 Logenreihen zu je 32 Logen, für Oper und Ballett,
Nuovo für koinische Oper, Vellini für Drama und
Oper, Rossini für Lustspiel und Operette u. a.
Wohlthätigkeitsanstalten. N. hat etwa60
wohlthätige Anstalten, darunter das große Armen-
3?
haus (^IderZo äs' ?0veri oder I^clnZorio), in
dem nebst den davon abhängigen Anstalten etwa
2000 Personen unterhalten werden, ein großartiges
Findelhaus mit musterhafter Einrichtung und etwa
400000 Frs. Einkünften, ein Leihhaus, das Ospe-
dale internazionale, das Hospiz San Gennaro de'Po-
veri, das deutsche Krankenbaus, die Hospitäler della
Pace, degli Incurabili, Gesü e Maria, dei Pelle-
grini und San Francesco. Die Wasserleitung, welche
ausgezeichnetes Trinkwasser aus dem Apennin durch
Ableitung des Flusses Serino in einem meilenlangen
Viadukt nach N. liefert, wurde 1885 vollendet. Die
Stadt besitzt auch mehrere schwefel-, eisen-und kohlen-
säurehaltige Mineralquellen, darunter die Schwefel-
quelle Sta. Lucia, und Seebadeanstalten.
Verkehrswesen. N. hat vier Bahnhöfe und liegt
an den Linien N.-Acerra-Caserta-Rom (249 km), N.-
Potenza-Brindisi und N.-Eboli-Reggio des Mittel-
meernetzes (Centralbahnhof), N.-Aversa-Benevent-
Foggia (198 1cm) des Adriatischen Netzes, sowie an
den Nebenlinien N.-Nola-Bajano (38 km), N.-Tor-
regaveta (20 km), welche unter dem Castello Sant'
E1mohindurcbführt,undN.-SanOttajano. Straßen-
bahnen mit Pferdebetrieb durchziehen die Stadt und
führen nach Posilipo Portici, Torre del Greco, zum
Camposanto und nach Pogaio Neale, mit Dampf-
betrieb vom Museum nach Korretta (mit Zahnrad
bis zur Piazza Salvator Rosa), ferner nach mehrern
Vororten; Drahtseilbahnen führen nach dem Vomero
von O. und von S. aus; ferner giebt es zahlreiche
Omnibusse. Die Hafenanlagen sind in den letzten
Jahren wesentlich erweitert und verbessert worden;
von der durch das Gesetz vom 14. Juli 1889 für
Wasser- und Hafenbauten ausgeworfenen Gesamt-
summe von 64"/.2 Mill. Lire entfallen etwa 9 Mill.
auf N. Die den äußern Hafen (11-30 m tief) bil-
denden Hafendämme Molo di San Vincenzo im S.
und Molo orientale im O. sind verlängert worden,
letzterer durch den Molo Curvilineo, zum Schutz
gegen die Süd- und Westwinde; ferner werden eine
neue Warte- und Zollabfertigungsstation für die
Reisenden sowie zwei große Docks, östlich an den
Molo orientale anstoßend, gebaut. Der den Kriegs-
hafen (Porjo militare) von den beiden Handels-
häfen (Vecchio und Nuovo Porto Mercantile) tren-
nende Molo Angivino ist 1302 von Karl von Anjou
angelegt; der Kriegshafen ist 1826 unter Franz I.
begonnen; daneben der alte Kriegshafen (Darsena);
am Endpunkte des Molo Angivino, der ein Knie
bildet, befindet sich ein Leuchtturm; der 1740 erwei-
terte Handelshasen (8-11 m tief) hat eine Verbin-
dungsbahn nach dem Centralbahnhof.
Der Schiffsverkehr im Hafen von N. umfaßte
(1894) 4363 eingelaufene Segelschiffe zu 175965
Registertons und 3225 eingelaufene Dampfer zu
2 690029 Registertons, zusammen 7588 Schiffe zu
2 865994 Registertons Tragkraft; hiervon waren
6533 italienische mit 1342 239, 386 britische mit
680651,268 deutsche mit 541816,179 österreichisch-
ungarische mit 132 957 und 97 französische mit 86 088
Registertons. Die Hamburger Nobert-Sloman-Lime
läuft N. 36mal im Jahre an, die Deutsche Ost-
afrika-Linie alle drei Wochen; seit 1892 haben der
Norddeutsche Llovd und die Hamburg-Amerikanische
Paketschiffahrt-Akticngesellschaft je eine Linie nach
N. eingerichtet; endlich laufen seit 1893 die nach
Ostasien und Australien fahrenden deutschen Post-
dampfer des Norddeutschen Lloyd auf der Aus- und
Rückreise N. monatlich je einmal an. Wichtig ist N.