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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Neapel (Stadt)
N.s umgekommenen Patrioten, die Piazza Dante
mit einem Marmordenkmal des Dichters von Tito
Angelini und Solari und dem Liceo ginnasiale
Vittorio Emanuele, 1757 von der Stadt zu Ehren
Karls III. errichtet und von einer Balustrade von
26 Säulen überragt, Piazza Cavour mit Garten-
anlage, der geräumige, vom Kleinhandel stets be-
lebte Mercato, auf dem Konradin von Hohenstaufen
enthauptet wurde, und die 1877 angelegte Villa del
Popolo, ein öffentlicher Garten unweit des Hafens.
Vor der Kirche San Francesco stehen die Reiterstand-
bilder der neapolit. Könige Karls III. von Canova
und Ferdinands I. von Cali in röm. Gewände.
Kirchen. Von den etwa 400 Kirchen und
Kapellen ist die bedeutendste der Dom, dem heil.
Ianuarius geweiht, 1272 von Karl I. an der Stelle
eines Neptuntempels gegründet, 1294 unter Karl II.
weiter gebaut und 1314 unter Robert vollendet, eine
got. dreischiffige Basilika mit flachem Mittelschiff und
hohen Türmen, deren Hauptfacade (1299) und Por-
tal (1407) neuerdings renoviert sind; die nach dem
Erdbeben 1456 zerstörte Kirche wurde von König
Alfons I. wieder aufgebaut, im 17. und 18. Jahrh,
mehrfach verändert. Unter dem Hochaltar ruht in
der reichgeschmückten Konfession der heil. Ianuarius,
dessen Blut in der 1608 für 4^ Mill. M. erbauten
Kapelle des heil. Ianuarius (cappella äei I'kZoro)
aufbewahrt wird; es soll vor Verwüstungen des Ve-
suvs und jeder andern Not schützen, auch angeblich
im Jahre dreimal (6. Mai, 19. Sept. und 16. Dez.)
flüssig werden. Ferner sind zu nennen die Kirche
Monte Oliveto, meist Sta. Anna dei Lombaroi ge-
nannt, 1411 begonnen und von Andrea Ciccione im
Stil der Frührenaissance weiter geführt, eine flach ge-
deckte einschiffige Basilika mit trefflichen Skulpturen
und Kapellen; im anstoßenden Kloster der Olive-
taner (weißen Benediktiner), jetzt Sitz von Behörden,
fand 1588 Torquato Tasfo krank und unglücklich
Aufnahme. Sta. Chiara, 1310 durch Robert den
Weisen gegründet, 1318 neu aufgeführt und 1752
reich, aber geschmacklos erneuert, enthält got. Grab-
mäler des Änjouschen Herrscherhauses und ein präch-
tiges Innere; San Domenico Maggiore, 76 m
lang, 33 m breit, 27 m hoch, 1289 von Karl II.
in got. Stil erbaut, später, zuletzt 1850, vielfach ver-
ändert, hat drei Schiffe, 27 Kapellen, 12 Altäre
sowie zahlreiche Denkmäler vornehmer Familien im
Renaissancestil: San Giovanni a Carbonara, 1344
erbaut, später durch König Ladislaus erweitert, mit
dessen Denkmal, dem Meisterwerk des Andrea Cic-
cione ; San Lorenzo, 1266 von Karl I. zum Andenken
seines Sieges bei Venevent im got. Stil begonnen,
1324 vollendet, auf der Stelle der alten Basilica
Augustalis; das prächtige ehemalige Kartüuser-
kloster San Martino, 1325 durch Herzog Karl von
Calabrien begonnen und im 17. Jahrh, völlig er-
neuert, mit einschissiger Kirche; endlich San Francesco
da Paola, 1817 nach Entwürfen von Bianchi be-
gonnen und 1831 vollendet, eine Nachahmung des
Pantheons in Rom; San Giacomo degliSpagnuoli,
1540 errichtet; die alte Kirche Sta. Maria del Car-
mine im gleichnamigen Castello, 1769 erneuert, mit
einem Gnadenbild der Madonna und einem 1847 von
Maximilian II. von Bayern errichteten Standbild
Konradins von Thorwaldsen; Incoronata (1352),
Sta. Maria la Nuova, 1268 erbaut und 1525 er-
neuert, Gesü Nuovo (1584), in Form eines griech.
Kreuzes, überreich an Marmor und Schmuck, Sant'
Angelo a Nilo (1385), mit Grabmal des Erbauers
Kardinal Brancacci; San Severino Sosio (1490),
Sta. Annunziata (1757 - 82), San Filippo Neri
(1592-1619), mit Schmuck überladen, und San
Paolo Maggiore, 1590 auf der Stelle eines Tempels
oes Kastor und Pollur. Ferner bestehen je eine evang.,
engl., schott. Methodisten- und Waldenserkirche. Vor
der Porta Capuana liegt der prot. Friedhof und
weiter der 1836 angelegte Camposanto Nuovo, mit
Kirche und einem großartigen, von Säulen umschlosse-
nen Atrium (darin ein Kolossalstandbild der Religion
von Angelini) und zahlreichen Doppelkapellen der
Begräbnisbruderschaften, sowie der Armenfriedhof
(1888). Nördlich von der Stadt befinden sich in den
Bergen die in das 1. Jahrh, zurückreichenden christl.
Katakomben, bestehend aus vier Hauptgalerien mit
Gängen und Grabkammern.
Behörden. N. ist Sitz der Präfektur, eines Erz-
bischofs, eines Kassationshofs, Appellhofs, Civil-
und Korrektionstribunals, einer Eisenbahnbetriebs-
direktion, des Generalkommandos des 10. Armee-
korps, der Kommandos der 19. Infanteriedivision,
der Infanteriebrigaden Re, Como und Salerno, der
9. Kavalleriebrigade, des 2. Marinedepartements
sowie zahlreicher Konsuln.
Weltliche Gebäude. Die Stadt hat im Ver-
gleich zu andern ital. Städten wenige Denkmale der
Baukunst aufzuweisen. Reste aus griech.-röm. Zeit
sind fast gar nicht mehr vorhanden; dagegen sind
von mittelalterlichen und Renaissancebauwerken
außer den Kirchen und Kastellen ein Stück Stadt-
mauer und vier Thore erhalten; von letztern ist be-
sonders Porta Capuana zu erwähnen, um 1484 von
Ferdinand von Aragonien erbaut, ein Werk des
Florentiners Giuliano da Majano und eins der
schönsten Thore der Renaissance, seit 1535 mit Re-
liefs geschmückt. Das Castello dell'Ovo auf der
südlich vom Pizzofalcone liegenden Felseninsel rührt
in seiner jetzigen Gestalt aus der Zeit des span.
Vicekönigs Don Pedro de Toledo her; das Castello
Nuovo am Kriegshafen, dessen äußere Wälle und
Bastione niedergelegt sind, wurde 1283 von Karl von
Anjou erbaut und später mehrfach erweitert; das
Castello Sant' Elmo, 1343 von Nodert dem Weisen
angelegt, jetzt als Militärgefängnis benutzt, hat in
Felsen gehauene Gräben, Kasernen und Gewölbe.
Das königl. Schloß, 1600 begonnen, nach dem
Brande von 1837 bis 1841 wiederhergestellt, hat
an der Vorderseite dor. und ion. Säulen, in den
Nischen Marmorstandbilder (1885 - 88), eine
Staatstreppe (1651) aus weißem Marmor mit Re-
liefs und einen Thronsaal. Das Teatro San Carlo,
1737 von Karl III. durch Angelo Carasale erbaut
und nach dem Brande 1816 wiederhergestellt, ist
eins der größten Opernhäuser Italiens. Das Stadt-
haus (Nnnicipio) ist 1819-25 nach Entwürfen von
Luigi und Stefano Gasse für die Ministerien er-
baut; im Thorweg die Standbilder Rogers und
Friedrichs II.; der Palazzo Gravina, jetzt Sitz des
Oberpost- und Telegraphenamtes, ist um 1500 durch
Ferd. Orsini Duca di Gravina nach Gabriele d'Agno-
los Plan aufgeführt, jedoch gänzlich modernisiert:
die großartige Galleria Umberto I., 1887-90 nach
Plänen des röm. Architekten di Mauro, angeblich
für 22 Mill. Lire errichtet, hat die Form eines lat.
Kreuzes (147 m lang, 122 in breit), eine Kuppel
(57 m hoch) aus Glas und Eisen und wird elektrisch be-
leuchtet. Unter den Palästen verdienen Erwähnung:
La Vicaria (Castello Capuano), 1231 vollendet und
seit 1540 Sitz der Gerichtshöfe; Palazzo Cuomo,