Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

270
Neuhaldensleben - Neuhannover
des Geh. Kommerzimrats von Hansemann in Berlin
nnd anderer Finanzmänner Otto Finsch (s. d.), der
soeben von der Südsee zurückgekehrt war, ans-
ersehen. Dieser reiste Anfang 1884 nach Neuguinea,
besuchte von Mioko aus mit dem Dampfer Samoa
auf drei Reisen fast die gesamte Nordküste, entdeckte
sieben Häfen und den Kaiserin-Augusta-Fluß, schloß
an verschiedenen Punkten Verträge über Land-
Erwerbungen mit den Eingeborenen ab und heißte
die deutsche Flagge. Diesem schnellen und geheim
gehaltenen Vorgehen war es zu danken, daß das
Drängen der austral. Kolonien, namentlich Oueens-
lands, auf Annexion der ganzen Insel von feiten
der engl. Diplomaten nicht unterstützt werden konnte.
1885 wnrde nach langen Verhandlungen die Frage
dahin geregelt, daß England fein Protektorat nur
über die Südküste und die Ostküste bis zum 8." südl.
Br. aussprach, während sür Deutschland der Nord-
osten verblieb. Am 17. Mai 1885 erhielt die für die
Ausbeutung der neuen Erwerbungen gebildete N.,
der auch die beiden genannten Südfeefirmen bei-
gctreten waren, einen kaiserl. Schutzbrief, welcher ibr
die Landeshoheit sowie die Verfügung über das
herrenlose Grundeigentum übertrug. Nur die Ord-
nung der Rechtspflege anf Kosten der Compagnie
sowie die Regelung der Beziehungen zu fremden Re-
gierungen blieben dem Reiche vorbebalten. Die erste
Station wurde 5. Nov. 1885 in Finfchhafen be-
gründet. Hatzfeldthafen und Konstantinhafen folg-
ten bald nach. Finfchhafen war bis 1891 Sitz des
Landeshauptmanns (zuerst Viceadmiral a. D. von
Schleinitz). Zur Verbindung der Stationen unter-
einander fowie anfänglich mit Australien, später
mit Singapur wurden mehrere Dampfer und Segel-
schiffe beschafft. Wegen der Bedürfnislosigkeit der
Eingeborenen war auf einen lohnenden Betrieb des
Handels mit ihnen nicht zu rechnen. Von Anfang an
wurde daher das Schwergewicht auf Verfuche mit
dem Anbau tropischer Nutzpflanzen gelegt. Versuche
mit Kaffee und Kakao waren mehr infolge von
Zufälligkeiten und Naturereignissen, als weil die
örtlichen Verhältnisse für diefe Kulturen nicht geeignet
wären, ohne Erfolg. Ungleich günstiger haben sich die
auf Anbau von Tabak und Baumwolle gerichteten
Unternehmungen gestaltet. Zu den oben genannten
drei Stationen find 1888 Stephansort, 1890 Erima
getreten, beide der Pflanzung von Tabak gewidmet.
1891 bildete sich eine befondere Kolonialgesellfchaft,
dieAstrolabe - Compagnie, welche letztgenannte
beiden Stationen übernommen hat und in dem ebe-
nen, zum Tabakbau geeigneten Gebiet der Astrolabe-
bai diesen in großem Umfange betreibt. Das erfor-
derliche Perfonal an Beamten, chinef. und malaiischen
Kulis ist aus Sumatra und Singapur nach dem
Schutzgebiet eingeführt worden. 1893 und 1894 sind
von den vier Pflanzungen etwa 160000 Pfd. hoch-
wertigen Tabaks erzeugt worden, obwohl das Unter-
nehmen, wie das in einem neu erschlossenen Tropen-
land regelmäßig der Fall ist, mit Malaria und andern
Krankheiten und Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.
1895 verdarben infolge der ausnahmsweifen Dürre
50 Proz. der Ernte und wurden nur 125000 Pfd.
geerntet. 1896 wird der Ertrag anf etwa 300000
Pfd. gefchätzt. Die Verfuche der N. mit Baumwolle
in Konstantinhafen und in Herbertsböhe auf Neu-
pommern find ebenfalls erfolgreich gewefen. 1895
find etwa 52000 Pfd. langstaplige Baumwolle auf
den Markt gebracht worden. Gute Aussichten bietet
6uch der Export nutzbarer Hölzer, da das Land
reick an edeln Tischlerhölzern, wie (^lopliviwm,
^oi-äia. und ^txLiia, ist. Die Heranbildung der ein-
geborenen, ursprünglich jeder regelmäßigen Arbeit
abgeneigten Bevölkerung zu brauchbaren Plantagen-
arbeitern hat erhebliche Fortschritte gemacht. Zum
Schutze der Eingeborenen ist die Ausfuhr derfel-
ben aus dem Schutzgebiet nach andern als deutschen
Plantagen (Samoa) verboten und die Anwerbung
im allgemeinen genau durch Gesetze geregelt. Seit
1891 befindet sich, nachdem Finfchhafen aufgegeben
worden war, der Sitz der Landesverwaltung in
Friedrich-Wilhelms-Hafen.
Vom 1. Okt. 1889 hatte auf Antrag der N. das
Dentfche Reich die Landesverwaltung auf Kosten
der Compagnie in die Hand genommen; an der
Spitze der kaufmännifchen Unternehmungen der
Compagnie stand ein von der N. ernannter General-
direktor. Diefes Verhältnis ist infolge der Konzentrie-
rung der kolonisatorischen Thätigkeit der Compagnie
an der Astrolabebai und der Verringerung des wirt-
schaftlichen Wirkungskreises nach Abzweigung der
Astrolabe-Compagnie 1. Sept. 1892 wieder aufgelöst
und der alte Zustand wiederhergestellt worden.
Fast gleichzeitig mit den ersten Beamten der N.
begann die Mission ihre Thätigkeit; bis jetzt arbeiten
hier nurdeutsche und zwar evang. Gesellschaften, näm-
lich die Neuendettelsauer Gefellfchaft mit Stationen
zu Simbang sowie auf dem Sattelberg bei Finsch-
dafen und auf den Tami-Infeln fowie die Rheinische
Missionsgesellschaft zu Barmen mit Stationen zu
BogadschimbeiStephansortundzuSiarin Friedrich-
Wilhelms-Hafen und auf der Dampierinsel.
Seit 1887 gehört die Kolonie dem Weltpostverein
an. Seit April 1893 hat der Norddeutsche Lloyd
nach Bewilligung einer Subvention vom Reich die
Herstellung einer regelmäßigen Dampferverbindung
zwischen Singapur und dem Schutzgebiet übernom-
men. Seit 1894 hat die N. das Recht zur Ausgabe
eigener Münzen. Das Verhältnis der Europäer zu
den Eingeborenen ist mit Ausnahme einiger Streitig-
keiten im Huongolf, bei Hatzfeldthafen sowie auf der
Gazellehalbinfel bisher durchaus befriedigend. -
Litteratur f. unter Neuguinea.
Neuhaldensleben. 1) Kreis im preuß. Reg.-
Vez. Magdeburg, hat 677,54 ylcm, 1890: 60957,
1895: 63078 (31416 männl., 31662 weibl.) E.,
1 Stadt, 55 Landgemeinden und 39 Gutsbezirke. -
2) Kreisstadt im Kreis N., an der Ohre, der Linie
Magdeburg-Obisfelde der Preuß. Staatsbahnen
und der Neuhaldenslebener Eisenbahn (Nebenbahn,
32 kni), Sitz des Landratsamtes und eines Amts-
gerichts (Landgericht Magdeburg), Steueramtes und
Bezirkskommandos, hatte 1890: 8657,1895: 9615
E., darunter 376 Katholiken und 51 Israeliten, Post-
amt erster Klasse, Telegraph, Standbild Heinrichs
des Löwen, Gymnasium, höhere Mädchenschule mit
Pensionat, Knaben- und Mädchen-Bürgerschule,
Handwerkerfortbildungsfchule, städtisches Kranken-
baus, zwei Altersversorgungsanstalten, elektrische
Straßenbeleuchtung; Steingut-, Majolika-, Wagen-,
Seifen-, Hefe-, Glacehandschuh-, Stärkefabriken,
Töpfereien, Ziegeleien, Kupferschmieden und Gelb-
gießereien, Orgelbauerei, Wollspinnerei, Zucker-
fabrik, Mühlen, Sägewerke, Brauereien, Brennerei.
- Vgl. Behrends, Chronik des Kreifes N. (2 Bde.,
2. Aufl., Neuhaldensl. 1893).
Neuhampshire, s. New-Hampshire.
Neuhannover, die nördlichste größere Insel
des Bismarck-Archipels (s. d.), durch die Byron-