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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Neuseeland
anderWestküsteragtderschneegipfeligeTaranakiodcr
Mount-Egmontbis 252^ m empor. Nordöstlich vom
TongariroaberbiszurPlentybaibreitetesichbis188<>
das geologisch und landschaftlich berühmte Seeland
(Lakedistrikt) aus. Dies Geysirgebiet war 10. Juni
1886 der Schauplatz einer großartigen vulkanischen
Katastrophe, die die Gegend völlig veränderte. Der
SeeRotomahana hat sich verkleinert und in einen sie-
denden Schlammsumpf verwandelt. Die berühmten
Kieselsinterablagerungen, die Weihen Terrassen, sind
verschwunden; dagegen finden sich nun sieben tlcine
Krater sowie zahlreiche Fumarolen hier; an Stelle
der Pinkterrasse befindet sich ein mächtiger Schlamm -
gcysir. Der Vimssteinsand bedeckt etwa 200 hkm.
In horizontaler Richtung weist N. eine sehr glück-
liche Gliederung auf; namentlich die Nordinsel ist
mit schönen, tiefen Buchten und Häfen ausgestattet.
Die hauptsächlichsten derselben sind besonders an
der Östküste: die Inselbai, der Haurakigolf mit dem
Aucklandhafen, die Plentybai mit dem Tauranga-
hafen und die Hawkebai mit dem Napierhafen; an
der Cookstraße liegen die Palliserbucht und Port-
Nicholson, an der Westküste der nur durch schmale
Landengen vom Hauratigolf getrennte Manukan-
und der Kaiparahafen. Bei der Südinfel ist die
Nord- und Ostküste ebenfalls buchtenreich; der südl.
Teil der Westküste hat eine völlig fjordartige Bil-
dung, während der nördl. Teil der Westküste un-
gegliedert ist. Die nennenswerten Flüsse sind auf
der Nordinsel der Waikato, die Themse und der
Wanganui, auf der Südinfel der Clutha und der
Waitaki. In geolog. Beziehung sind von den ältesten
Plutonischen Gesteinen bis zu den jüngsten vulkani-
schen Bildungen und von den ältesten metamorphi-
schen Bildungen an bis zu den jüngsten Sediment-
bildungen alle Hauptglieder vertreten. Auch ist N.
reich an Mineralschätzen aller Art, Gold, silber-
haltigen Bleiglanzen, Kupfererz, Eisenerz, Chromerz,
Graphit, Kohlen und Petroleum.
Tier- und Pflanzenwelt. Wilde Säugetiere sind
nur zwei Arten bekannt, beides Fledermäuse, eine
von einer eigentümlichen Gattung. Es soll früher
eine Ratte und ein Hund vorgekommen sein, letz-
terer ein verwilderter, vielleicht von den Maoris
eingeführter Haushund. Landvögel sind durch 57
Arten, welche zu 34 Gattungen gehören, vertreten.
Vier dieser Gattungen sind weit verbreitet, 14 austra-
lisch, 16 eigentümlich. Es finden sich Pieper, echte
Schwalben, Kuckucke, Eisvögel, Papageien, Wach-
teln, Weihe, Eulen; Tauben hingegen, sonst so weit
über die oceanische Inselwelt verbreitet, fehlen. Die
Wat- und Schwimmvögel sind durch 88 Arten ver-
treten, von denen aber nur 10 originell sind. Die
merkwürdigsten Vogelformen sind die Nestorpapa-
geien (3 Arten), Eulenpapageien (2 Arten), die
Kiwi-Kiwis (^Mi-^x, 4 Arten) und ein kleiner
Regenpfeifer mit nach rechts asymmetrisch gebogenem
Schnabel (^uai-I^nc1ni8 lroutHÜZ O"o?/). Durch
die eingewanderten Menschen wurden, vor Ent-
deckung der Inselgruppe durch die Europäer, 11 Ar-
ten straußartiger, zu 4 Gattungen gehöriger flug-
untüchtiger Vögel von der Größe einer Gans bis
zur Höhe von mehr als 3 in ausgerottet. Das sind
dieMoas. Auch den gleichfalls flugunfähigen Eulen-
papageien und Kiwi-Kiwi steht ein ähnliches Schick-
sal bevor. Überhaupt ist die Fauna N.s auch durch
eingeführte europ. Vögel u. s. w. sehr verändert.
Landformen von Schildkröten und Schlangen giebt
es nicht, wohl aber 12 Eidechsen, darunter'eine sehr
merkwürdige und altertümliche. Unter den 15 Süß-
wasserfischen fällt eine Lachsart auf, weil sie die
einzige Süßwasserform aus diefer Familie auf der
südl. Hemifphäre ist. Schmetterlinge wurden 11 Ar-
ten beobachtet, darunter der kosmopolit. Distelfalteiv
Käfer 300 Arten, hauptsächlich Bock- und Rüssel-
käfer, Hautflügler 20 Arten, Tausendfüßer 10, wäh-
rend Skorpione fehlen. Landfchnccken sind durch
114 Arten vertreten.
Längst nicht so eigentümlich ist die Pflanzen-
welt. Zwar ist auch hier ein hoher Prozentsatz (61 ^
Proz.) an Arten der Insel eigentümlich, steht aber
z. B. weit hinter Westaustralien oder dem Kaplande
zurück, und von eigentümlichen Gattungen besitzt N.
nur 6^/2 Proz. (Australien dagegen 31 Proz.). Diese
gehören zu den Formenkreisen der pacifischen Inseln,
oder zu denen Australiens, oder der antarktischen
Inseln und Länder. Als besonders charakteristisch
sind zu nennen die zahlreichen Farne (120 Arten
unter 1093 Gefäßpflanzen überhaupt), die fast alles
offene Land bedecken und in den baumartigen Species
(Oieksonig. und Oyatkog,) über 10 m Höhe erreichen.
Dem Lande eigentümliche Nutzpflanzen sind die
Kaurifichte (vammai a austi-alis _l)o".), die Bauholz
und ein sehr gefuchtes Harz, einen der wichtigsten
Aussuhrartikel, liefert, und der Neuseeland. Flachs.
Die einheimische ^LtraFonili (ixpansli ^m'i'. wird
auch in Europa als Gemüse kultiviert.
Bevölkerung. Die Eingeborenen sind echte Poly-
nesier und gehören derselben Rasse an, welche die
Inseln der Südsee von den Samoa- und Tonga-
Inseln östlich bis zur Osterinsel sowie den Sand-
wicharchipcl bewohnt. Sie nennen sich selbst Ma 0 ri
und treten nach Zahl wie nach körperlicher uud
geistiger Begabung als der bedeutendste Stamm der
Polynesier auf. (S.Tafel: Australische Völker-
typen, Fig. 4.) Ihren Sagen nach sind sie aus
Hawaiki eingewandert, das man bald mit Hawaii
der Sandwichinseln, bald mit Sawaii der Samoa-
gruppe identifiziert hat. Den Europäern gegenüber
zeigten sie sich anfänglich feindselig. Kannibalismus
und Kindermord waren bei ihnen gewöhnlich; beide
Geschlechter tättowierten sich. Dagegen trieben sie
schon damals neben Jagd und Fischerei Ackerbau,
verzierten ihre Hütten mit kunstvollen Holzschnitze-
reien , lebten in Dörfern beifammen und bereiteten
aus Flachs Matten und Mäntel.
Ihre Zahl beträgt (1891) 41993, von denen nur
etwa 2000 auf der Südinfel leben; es ist jedoch un-
zweifelhaft, daß auch diefe Nasse völlig dem Unter-
gange geweiht ist. 1857 wurden noch 56000 ge-
zählt. Auffallend ist schon jetzt, daß die wenigsten
Maoris das mittlere Lebensalter erreichen. Jetzt
sind sämtliche Maoris Christen und eine große Zahl
derselben besitzt gute Schulbildung (71 Schulen).
Die übrige, nicht einheimische Bevölkerung wurde
für 31. Dez. 1894 auf 686128 (363763 männl.,
322365 weibl.) berechnet. 43 Proz. der Bevölkerung
wohnt in Städten (doi-ou^L), 4 Städte haben über
10000 E.: Auckland, Wellington, der Sitz der Re-
gierung, Christchnrch und Dunedin (s. d.). Der
Überschuft der Geburten über die Todesfälle betrug
(1894) 11610, der der Einwanderer über die Aus-
wanderer 2253 Personen. 13 Proz. sind katholisch.
Neben der engl. Staatskirche sind alle prot. Sekten
vertreten. Der Elementarunterricht in 1302 Schulen
ist frei und teilweise obligatorisch. Die 3 Colleges
hatten (1894) 21 Professoren, 20 Lektoren und
680 Studenten. Dem Gouverneur, dem ziemlich