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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Niederländisches Heerwesen

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Niederländisches Heerwesen

Die einem feindlichen Angriff besonders ausgesetzten schwachen Punkte im SO. und O. von Utrecht hat man durch einen Fortgürtel zu verstärken gesucht. Zwischen Lek und Zuidersee sollen die Inundationen bei günstigstem Wasserstand 4‒5 Tage, beim ungünstigsten 12‒13 Tage erfordern, südlich der Waal bei mittlerm Wasserstand der Maas innerhalb 5‒6 Tagen immer ausführbar sein. Für den Fall nun, daß die Überschwemmungsvorrichtungen nicht tadellos funktionieren sollten, oder daß die Hauptstellung aus sonst einem Grunde auf die Dauer nicht zu halten ist, besteht die Absicht, in dem «Reduit von Amsterdam», das die ganze niederländ. Armee in sich aufzunehmen vermag, sich bis aufs äußerste zu verteidigen. Diese letzte Zuflucht des konzentrierten Verteidigungssystems mit seinen auf 14‒20 km vorgeschobenen Forts, ringsum mit Inundationen versehen, wird zwar mit großer Energie im Bau gefördert, doch haben sich so viele Schwierigkeiten, namentlich in der Überwindung des unsichern Baugrundes eingestellt, daß die Arbeiten nicht mit der gehofften Beschleunigung vorschreiten und wohl das Ende des Jahrhunderts erst die Vollendung sehen wird.

II. Küstenbefestigungen. Die Anfang der achtziger Jahre in Angriff genommenen gepanzerten Küstenbefestigungen sind zwar in Bezug auf Panzerung und Armierung nach modernen Grundsätzen hergestellt, entsprechen aber schon nicht mehr den neuesten Anforderungen der Deckungen gegen Brisanzgeschoße. Von N. angefangen sind es zur Verteidigung des Zuidersees, Kanal- und Flußzugänge folgende: 1) An der Helder-Einfahrt in den Zuidersee Fort op de Harssens auf einer Sandbank mit 2 Kuppeltürmen zu je zwei 30,5 cm-Geschützen. 2) Am Eingang des Nordseekanals als Zugang zu Amsterdam von der Seeseite Panzerfort Ijmuiden mit Frontpanzerbatterie von fünf 24 cm-Geschützen und einem gegen Kehle, Kanal und südl. Ufer gerichteten Panzerturm mit zwei 15 cm-Geschützen, sowie einer freistehenden gepanzerten Infanteriegalerie. 3) An der Maas-Einfahrt die Nieuwe Maasmond-Befestigung mit 2 Panzerkuppeln zu je zwei 24 cm-Geschützen und 1 zu zwei 15 cm-Geschützen. Die ganze Länge des aus 23 Stützpunkten bestehenden Gürtels von Edam bis Muiden beträgt (in den Fortsintervallen gemessen) 95 km, die längs der Küstenfront (in der Luftlinie) Muiden-Edam 20 km; zusammen giebt das also 115 km befestigte Linie. Nach Osten ist vor die Hafeneinfahrt das Fort Pampus (12 km vom Mittelpunkt) vorgeschoben, ein gegen Brisanzgranaten gesichertes Werk mit 4 schweren gepanzerten Geschützen (24 cm, in Kuppeln); zu seiner Unterstützung liegt am nördl. Ufer die Panzerbatterie Durgerdam mit 3, und am südl. Ufer Diemerdam mit 4 schweren Geschützen.

Niederländisches Heerwesen. Trotz des in den Niederlanden ebenso wie in Belgien, namentlich in militär. Kreisen, längst gefühlten Bedürfnisses nach Einführung der persönlichen Dienstpflicht, verharrt das N. H. bis heute noch beim Werbesystem, und alle Versuche einer Änderung, so namentlich die Gesetzvorlage 1891 zur Einführung der persönlichen Dienstpflicht und numerischen Verstärkung durch Erhöhung der jährlichen Rekrutenzahl und Verlängerung der aktiven Dienstzeit, sind bisher gescheitert.

Ⅰ. Landheer. Das niederländ. Heer in Europa setzt sich zusammen aus dem stehenden Heer und den Schutterijen (Bürgerwehren). Das stehende Heer besteht zu einem Drittel aus (auf 6‒8 Jahre) geworbenen Mannschaften (Freiwilligen), zu zwei Dritteln durch Aushebung der durch Gesetz vom 19. Aug. 1861 organisierten Miliz. Von dieser Miliz werden jährlich 11000 Mann zum Dienst einberufen, wovon 600 Mann der Marine überwiesen werden. Von 1893 bis 1895 ist für die Landmiliz eine 7jährige, für die Seemiliz eine 5jährige (bisher 5 und 4 Jahre) Dienstzeit vom 20. Lebensjahr an festgesetzt. Stellvertretung und Nummertausch bei der Auslosung sind gestattet. Der Dienst bei der Fahne dauert 1 Jahr; ein Siebentel der Miliz kann nach diesem Jahr noch 4‒6 Wochen bei der Fahne behalten werden. Die jetzige Organisation besteht seit 1. April 1881. Die Friedensstärke des stehenden Heers beträgt 2335 Offiziere und 63391 Mann, von denen jedoch ein großer Teil der Milizsoldaten zeitweilig beurlaubt ist.

Die permanenten Friedens-Cadres des stehenden Heers einschließlich aller Milizurlauber betragen 1895:

Truppengattungen Offiziere Mannschaften

Höhere Stäbe und Verwaltung 196 491

Infanterie 1005 10725

Kavallerie 139 2329

Artillerie (Feld-, Festungs-, Panzerforts-) 401 2945

Genietruppe einschl. 2 Torpedocompagnien 62 954

Sanitätstruppe 3 108

Gendarmerie 19 767

Zusammen 1825 18319

Rekrutierungsdepot für Kolonien 13 62

Dazu kommen noch 885 Offiziere und 43412 Freiwillige und Milizen der dienstthuenden und 1409 Offiziere und 75514 Freiwillige und Milizen der ruhenden Schutterij.

Die Gesamtstärke im Frieden beträgt 3923 Offiziere, 181734 Freiwillige und Milizen, 5256 Pferde und 120 Geschütze.

Im Kriege werden von den vorstehend aufgeführten Feldtruppenformationen besondere Besatzungstruppen formiert; von jedem der 9 Infanterieregimenter 1 Bataillon, von 4 Festungsartillerieregimentern 40 Compagnien; das Panzerfortartilleriekorps tritt ganz hinzu mit 4, das Torpedokorps mit 2 Compagnien, vom Genie 4 Festungscompagnien.

Die Stärke der Feldtruppen berechnet sich dann auf zusammen an Kombattanten: 726 Offiziere, 34897 Mannschaften, 3258 Pferde, 120 Geschütze; an Nichtkombattanten: 306 Offiziere, 6522 Mannschaften, 4518 Pferde, 1047 Fahrzeuge.

Die Stärke der Besatzungstruppen ist zusammen: 362 Offiziere, 16744 Mannschaften; der Depots: 223 Offiziere, 1002 Unteroffiziere. Zahl der Mannschaften und Pferde in letztern ist unbestimmt.

Jede Waffengattung besitzt einen eigenen Stab, an dessen Spitze Generallieutenants oder Generalmajors als Inspecteurs stehen. Die Infanterie ist in 3 Divisionen zu je 3 Regimentern formiert und besteht aus 1 Grenadier- und Jägerregiment zu 3 Grenadier- und 2 Jägerbataillonen, aus 8 Linienregimentern zu je 5 Bataillonen, 1 Lehrbataillon und 1 Strafcompagnie. Außerdem bestehen 1 Normalschießschule und 1 Pupillenschule zur Ausbildung von Knaben für den Militärdienst. Die Bewaffnung der Infanterie besteht zum größten Teil im Gewehr System Beaumont-Vitali, 11,45 mm Kaliber, doch ist die Umbewaffnung mit einem neuen Gewehr von 6,5 mm (Anfertigung in Steyr) eingeleitet. Die Kavallerie besteht aus 3 Husaren-^[folgende Seite]