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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nitzsch (Karl Wilhelm) – Nivellieren

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Nitzsch (Karl Immanuel)'

schlag, K. J. N. Eine Lichtgestalt der neuern deutsch-evang. Kirchengeschichte (Berl. 1872).

Nitzsch, Karl Wilhelm, Historiker, Sohn von Gregor Wilh. N., geb. 22. Dez. 1818 zu Zerbst, studierte zu Kiel und Berlin, habilitierte sich 1844 in Kiel und erhielt 1848 eine außerord., 1858 eine ord. Professur. 1862 wurde er Professor der Geschichte in Königsberg, 1872 in Berlin, wo er, 1879 zum Mitglied der Akademie ernannt, 20. Juni 1880 starb. Er schrieb: «Polybius. Zur Geschichte antiker Politik und Historiographie» (Kiel 1842), «Die Gracchen und ihre nächsten Vorgänger» (Berl. 1846), «Vorarbeiten zur Geschichte der Staufischen Periode» (Bd. 1, Lpz. 1859), «Die röm. Annalistik von ihren ersten Anfängen bis auf Valerius Antias» (Berl. 1873), «Deutsche Studien» (ebd. 1879). Nach N.' hinterlassenen Papieren und Vorlesungen gab Matthäi «Die Geschichte des deutschen Volks bis zum Augsburger Religionsfrieden» (3 Bde., Lpz. 1883–85; 2. Aufl. 1893) und Thouret «Die Geschichte der röm. Republik» (2 Bde., ebd. 1884–85) heraus. N. folgte in seinen röm. Arbeiten den Wegen Niebuhrs. Noch bedeutender wirkte er für die Auffassung der mittelalterlichen deutschen Geschichte. Die neuere wirtschaftsgeschichtliche Richtung knüpft namentlich an ihn an.

Niua, Inselgruppe im Stillen Ocean, zwischen den Tonga- und Samoa-Inseln, meist zu erstern gerechnet, unter 16° südl. Br. und etwa 174° westl. L. von Greenwich, besteht aus den Eilanden Boscawen (Tafahi, 17 qkm) und Keppel oder Niuatabutabu (14 qkm), mit etwa 1000 christl. E.

Niuë, auch Savage-Island, neutrale Koralleninsel im Stillen Ocean, östlich von den Tonga-, südlich von den Samoa-Inseln, unter 19° südl. Br. und 170° westl. L. von Greenwich, fast 100 m hoch, mit gegen 5000 prot. E.

Niu-tschwang, Handelsplatz in der chines. Provinz Sching-king, am Liau-ho, 21 km oberhalb der Mündung in den Golf von Liau-tung, mit 60000 E., ist Sitz eines deutschen Vicekonsuls und seit 1860 dem Handel geöffnet. Der Ort heißt eigentlich Jing-tze, und das wirkliche N. liegt weit oberhalb an einem linken Nebenflusse. Die Ausfuhr (1892: 9,08 Mill. Tael) besteht vornehmlich in Bohnen und Bohnenkuchen (67 Proz.), Seide, Hirschhörnern, Bohnen- und Kastoröl, Fellen und Pelzen. Eingeführt werden Baumwollwaren, Nadeln (1892: 161500 Mill. Stück), Petroleum. Sehr lebhaft ist der Verkehr mit Japan und mit Wladiwostok. Im Chinesisch-Japanischen Kriege wurde N. 4. März 1895 nach erbittertem Kampf von den Japanern erobert.

Niveau (frz., spr. -woh), horizontale Ebene, wie die Oberfläche einer ruhenden Flüssigkeit, auch soviel wie Wasserwage, Libelle (s. d.); auf dem N. von etwas stehen, in gleicher Höhe damit sein, auf gleicher Linie damit stehen.

Niveaulinien, Niveaukurven, s. Schichtlinien.

Niveauübergänge, s. Eisenbahnbau (Bd. 5, S. 838b).

Niveauverschiebungen, s. Hebungen und Senkungen.

Nivellement (frz., spr.-well'máng), s. Nivellieren.

Nivelles (spr. -well, vläm. Nyvél), Stadt in der belg. Provinz Brabant, an der Thines und an den Linien Manage-Wavern, Brüssel-Luttre und N.-Fleurus (22 km) der Staatsbahnen, hat (1890) 10642 E., Wollspinnereien, Woll- und Baumwollweberei, Maschinen- und Wagenfabrik, Papier- und Leinwandindustrie. Die Gertrudenkirche, eins der ↔ ältesten Baudenkmäler roman. Stils, besitzt wertvolle Kunstwerke. Berühmt war im Mittelalter das von Ita, der Gemahlin Pippins von Landen, 645 gegründete Nonnenkloster.

Nivellieren (frz.), in der Vermessungskunst das Bestimmen der Höhenlage verschiedener Punkte und zwar entweder auf trigonometr. oder geometr. Wege. Das trigonometrische Nivellement (s. Höhenmessung) bei größern Entfernungen unter Berücksichtigung der Einflüsse der Strahlenbrechung und der Erdkrümmung kann aber infolge der nie ganz scharfen Längen- und Winkelmessungen den Anforderungen wissenschaftlicher Genauigkeit nicht genügen; daher bedient man sich für solche Zwecke ausschließlich des geometrischen Nivellements, das dann als Präcisionsnivellement ausgeführt wird, unter Anwendung der besten und feinsten Nivellierinstrumente (s. d.).

Die Aufgabe des geometrischen N. besteht darin, eine horizontale Visierlinie herzustellen und den vertikalen Abstand zweier Punkte von dieser Linie durch unmittelbares Messen zu bestimmen. Man führt dies aus, indem man das Instrument auf oder über dem einen Punkt selbst aufstellt und die Visierlinie nach dem andern richtet (Nivellement aus dem Endpunkte), oder indem man sich zwischen beiden Punkten aufstellt und die horizontale Visierlinie erst auf den einen und dann auf den andern Punkt richtet. Ist die Entfernung oder der Höhenunterschied zwischen den beiden Punkten zu groß, so müssen die erforderlichen Zwischenstellungen genommen werden. Das praktische Verfahren beim N. ist in Kürze folgendes:

  • Aufstellen des Instruments auf dem Ausgangspunkt und der Latte auf dem Objektspunkt;
  • Horizontalstellen des auf die Latte eingerichteten Fernrohrs;
  • Anvisieren der Latte und Einrichten der Zielscheibe;
  • Ablesen der Meßziffer an der Latte und Aufschreiben derselben und der Zahl, welche der Gehilfe abgelesen und zugerufen hat.

Beim N. aus dem Endpunkt ist endlich auch noch die Höhe der Fernrohrachse über dem Erdboden der Station zu messen. Den Höhenunterschied zwischen der Bodenhöhe der Station und dem Aufstellungspunkt der Latte findet man sodann nach der Formel: h₁–h=i–l–x, wo h₁ die Höhe des Lattenpunktes, h die Höhe des Stationspunktes, i die Höhe der Fernrohrachse über h, l die Ablesung an der Latte und x die durch die Erdkrümmung und Strahlenbrechung bedingten, unvermeidlichen Fehler bedeutet. Beim N. aus der Mitte vereinfacht sich die Rechnung sehr wesentlich dadurch, daß sowohl die Instrumentenhöhe i, wie auch die Fehler x gänzlich fortfallen, da letztere sich hierbei, sobald wirklich genau aus der Mitte zwischen den beiden Punkten nivelliert wird, vollkommen aufheben. Nennt man hierbei die Ablesung an der ersten Latte, den Rückblick, r, die Ablesung an der zweiten Latte, den Vorblick, v, so vereinfacht sich die vorstehende Formel in h₁–h=r–v. Durch wiederholte Ausführung der einzelnen Messungen und durch das Arbeiten in sog. Schleifen, bei denen das Ende des Nivellements an den Ausgangspunkt wieder anschließt, läßt sich in Verbindung mit einer zweckmäßigen Ausgleichung ein sehr hoher Grad der Genauigkeit erreichen. Zur Ausführung roher Höhenmessungen kann auch das Barometer benutzt werden (s. Barometrische Höhenmessung). – Vgl. Bauernfeind, Das bayr. Präcisionsnivellement (Heft 1–8, Münch. 1870–90);

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 389.