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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nordamerikanische Litteratur
riker Moses Coit Tyler in eine erste Koloniazeit 1607-76, und eine zweite 1676-1765 eingeteilt, enthält mehr theol. Schriften als Erzeugnisse der schönen Litteratur. Die erste gedruckte Sammlung von Versen, das sog. "Bay Psalm Book" (Cambridge 1640), ist ein Monstrum von Geschmacklosigkeit; die ersten originalen Gedichte u. d. T. «The tenth Muse, lately sprung up in America» (Lond. 1650) verfaßte die Frau des Gouverneurs Bradstreet, Anne Bradstreet (gest. 1672). Von der ganzen Flut von (meist Gelegenheits-) Gedichten des folgenden Jahrhunderts sind vielleicht das Klagegedicht auf Nathaniel Bacons Tod (1676), einige Gedichte von Will. Wood, John Norton, Urian Oakes, das früheste amerik. Volkslied auf "Lovewell’s fight" (1725), ferner "The song of Braddock’s men" (1755) zu nennen. Das erste auf amerik. Boden entstandene Drama ist "Prince of Parthia" (1765) von Thomas Godfrey (gest. 1763), der auch als lyrischer Dichter Erwähnung verdient.
Bei weitem bedeutendere Vertreter hatte die Prosa gefunden. Hervorzuheben sind die Reisebeschreibungen von Kapitän John Smith und Strachey und die frühen Berichte über die Anfänge und die Weiterentwicklung in den Kolonien von W. Bradford und I. Winthrop, von Francis Higginson, Winslow, Edward Johnson, D. Gookin, William Wood in den anonymen "Burwell Papers", von Benj. Church, Sam. Penhallow, William Hubbard, Cadwallader Colden, David Brainerd, Thomas Prince u. a. Die Namen der bedeutendsten Theologen sind Hooker, Cotton, Roger Williams, Oakes, Byles, Richard, Increase und Cotton Mather Vater, Sohn und Enkel, John Wise (etwa 1652-1725) und Jonathan Edwards (1703-58). Der letztere ist zugleich der erste Philosoph Amerikas, dessen Metaphysik jedoch im Dienste der Theologie stand.
In diese Periode fallen auch noch die ersten Schriften zur Bekämpfung der Sklaverei von den Quäkern: John Woolmans (gest. 1772) "Some considerations on the keeping of Negroes" (1754) und Anthony Benezets (gest. 1784) "A caution to Great Britain and her colonies relative to enslaved Negroes" (1767). (Vgl. W. F. Poole, Anti-slavery before 1800, Cincinnati 1887.) Allgemeines Aufsehen erregten bald darauf die Gedichte der 1761 nach Amerika gebrachten Negerin Phillis Wheatly (gest. 1784). Von großem Einfluß waren die Schriften von Benjamin Franklin, dessen Leben und Thätigkeit in die folgende Epoche übergreift. In dem 1732 von ihm begründeten "Poor Richard’s Almanac" erschien 1757 die berühmte "Rede Vater Abrahams", die u. d. T. "The way of wealth" lange Zeit eines der gelesensten Bücher war. (Vgl. Spofford im "American Almanac" 1878; I. Partons Lief of Franklin, 2 Bde., Neuyork 1864 u. s. w.)
2) Der zweite Abschnitt der amerik. Litteratur, die Revolutionsperiode (1765-1800),ist eine Blütezeit der polit. Litteratur. Dieser Zeit gehören an: Samuel Adams (1722-1803), James Otis (1725-83), John Dickinson (1732-1808), Josiah Quincy jun. (1744-75), Patrick Henry (1736-99), Timothy Pickering (1745-1829); die Präsidenten George Washington (1732-99), John Adams (1735-1826), Thomas Jefferson (1743-1826), John Quincy Adams (1767-1848); die durch den "Federalist" (1787-88) zu einer Gruppe vereinigten James Madison (1751-1836), John Jay (1745-1829) und Alexander Hamilton (1757-1804); ferner Fisher Ames (1758-1808), Albert Gattatm (1761-1849), Joseph Story (1779-1845) und der auch in der Französischen Revolution genannte Thomas Paine (1737-1809).
Von Historikern hat diese Periode auszuweisen den englisch-patriotisch gesinnten Thomas Hutchinson (1711-80) und die auf Seite der Revolution stehenden Jeremy Belknap (1744-98), David Ramsay (1749-1815) und William Henry Drayton (1742-79). Obwohl schon mehr der folgenden Zeit angehörend, können hier angeschlossen werden Hannah Adams (1755-1832), John Marshall (1755-1835), Robert Proud (1728-1813) und Abiel Holmes (1763-1837). Als Verfasser von Reisebeschreibungen ist zu nennen der Botaniker John Bartram (1699-1777), dessen Sohn William V. (1739-1823) des Vaters Fußstapfen folgte.
Die Revolutionszeit und die früheste Periode der Republik hat an Dichtern nur eine geringe Anzahl hervorgebracht, deren bekanntester und beliebtester Philip Freneau (1752-1832) ist. Seine besten Gedichte zeichnen sich durch Frische, Phantasie und glühende Freiheitsliebe aus. Ein an Hudibras erinnerndes komisches Epos "McFingal" verfaßte 1775 John Trumbull (1750-1831). Einzelne treffliche lyrische Gedichte von Thomas Paine, Joseph Warren, John Shaw, Francis und Joseph Hopkinson, I. M. Sewall, Timothy Dwight, William Clifton u. a. m. werden noch heute gelesen und gelobt, der in den Tagen der Revolution bekannt gewordene "Yankee Doodle" gilt heute noch für ein Nationallied, während die sog. "Conquest of Canaan" (von Timothy Dwight, 1752-1817) und "The Columbiad" (von Joel Barlow 1755-1812) jetzt ebenso vergessen sind, wie die Satire "The terrible Tractoration" von T. G. Fessenden. Das Drama kultivierten Royall Tyler (1757-1826) und William Dunlap (1766-1839). Als Romanschriftsteller errang Charles Brockden Brown (1771-1810) großen Erfolg auch in England und kann als würdiger Vorgänger Coopers gelten; auf dem gleichen Gebiete hat ferner der als Lyriker bekanntere H. H. Brackenridge (1748-1816) auf Erwähnung Anspruch.
Unter den theol. Schriftstellern der Revolutionszeit und Frühzeit der Republik ragen u. a. hervor Samuel Hopkins (1721-1803), der als Dichter jetzt bekanntere Timothy Dwight (1752-1817), William White (1748-1836), John Murray (1741-1815). Als Mathematiker verdienen David Rittenhouse (1732-96). als Mediziner (und Schriftsteller im allgemeinen) Benjamin Rush (1745-1813), als Botaniker und Ethnograph V. S. Bacton (1766-1815), als Ornitholog Alexander Wilson (1766-1813), als Chemiker Samuel Latham Mitchell (1764-1831) Erwähnung.
3) Spätere Zeit der Republik. Die dritte Periode der amerik. Litteratur (etwa 1800 bis zur Gegenwart) kann in eine Vorbereitungszeit (etwa bis 1820, "Sketch-book"), eine Übergangszeit (bis 1848, "Big-low Papers") und eine klassische Zeit zerlegt werden. Das Erscheinen des "Sketch-book" von Washington Irving (1820) gilt den Amerikanern als epochemachend besonders in ihrer prosaischen Litteratur. Auf dem Gebiete der Prosa ist seitdem eine eigentümliche Vermischung des engl. Essay und des franz. Feuilleton, eine Art von populär-philos. Abhandlung in der anmutigen Form munterer und lebendiger Plaudereien mit großem Erfolg aus-^[folgende Seite]