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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nordamerikanische Litteratur
an P. Heyse. Ein Günstling der Kinder ist Louisa May Alcott, die durch ihre "Little women" (1869) große Anerkennung gefunden hat, und in die gleiche Kategorie gehören Francis Eliza Burnett und John Habberton. Einen glänzenden Stil und fast zu große Einbildungskraft zeigt Harnet Spofford, geborene Prescott, in ihren "Sir Rohan’s ghost" (1859), "The amber gods" (1863), "Azarian" (1864). Andere Novellisten dieser Zeit sind: George W. Cable, Albion W. Tourgée, der Norweger Hjalmar Hjorth Boyesen und die Frauen Rebecca H. Davis, Adeline D. P. Whitney, Louise Chandler Moulton, Frances Hodgson, Anne M. Crane Seemuller u. a.
Eine specifisch amerik. Form der humoristischen Erzählung, für die Seba Smiths "Major Jack Drowning" (1833) den Typus bildet, eine drollige, durch Benutzung der Hinterwälder Mundart oder Kakographie gewürzte Mischung von Eulenspiegelei und Münchhausiade, ist in neuester Zeit mit Eifer kultiviert worden. Besonders ausgezeichnet haben sich hierin: B. P. Shillaber (Pseudonym Mrs. Partington), George D. Prentice, George H. Derby (John Phoenix), Charles F. Browne (Artemus Ward), Henry W. Shaw (Josh Villings), Petroleum V. Nasby (David Roh Locke), Robert H. Newell, Bill Nye (Edgar Wilson Nye) und besonders Samuel L. Clemens (Mark Twain), in welchem die tollste Lustigkeit, die derbste, auf Übertreibung begründete Komik ihren erfolgreichen Vertreter findet. Weniger toll und derb ist Charles D. Warner; Edward E. Hale hat durch seine vorzügliche Skizze "The man without a country" (1879) Aufsehen erregt. Thomas W. Higginson schilderte in "Malbone" "(1869) das Leben in Newport trefflich, während Mary A. Dodge (Gail Hamilton) in "First love is best" (1877) eine lesenswerte Novelle des modernen Lebens lieferte.
Die lyrische Poesie ist außerordentlich reich, die epische fast gar nicht (Longfellows "Hiawatha") ist indes rühmend zu erwähnen), die dramatische nur durch äußerst wenige Erscheinungen von wirklich litterar. Werte vertreten. Von den Deutsch-Amerikanern verdienen Erwähnung: Butz, Zuendt, Schnake, Precht, Heinzen, Dilthey, Müller und Knotscr. Unter den Lyrikern steht obenan William C. Bryant, neben ihm H. W. Longfellow, der in Deutschland durch zum Teil treffliche übersehungen bekannt ist. Richard H. Dana ist als Dichter des Seelenlebens durch Tiefe und Reinheit ausgezeichnet. I. G. Percival (gest. 1856), ein Vertreter des Weltschmerzes, zeigt große Herrschaft über Sprache und Metrum. Fitz Greene Halleck, einer der volkstümlichsten Dichter, zeigt eine kräftige, männliche Sprache sowie derben Realismus. G. P. Morris ist ein erfolgreicher Liederdichter, Edgar A. Poes Gedichte tragen denselben düstern, ergreifenden Charakter wie seine Erzählungen. I. G. Whittier, der Quäkerdichter von Neuengland, giebt tiefen sittlichen Überzeugungen eine Form, die an ergreifender Gewalt oft mit den Chorälen Luthers, an Zartheit mit Hölty wetteifern. James R. Lowell, voll reicher Phantasie, geregelt durch feinsten ästhetischen Formensinn, steht auch als polit. und kritischer Schriftsteller unerreicht in der kurzen anschaulichen Charakteristik von Situationen und Menschen. Seine "Biglow Papers" (1848) bezeichnen eine Epoche in der amerik. Litteratur und seine ernsthaften Gedichte ("Three memorial poems", "The cathedral" u. s. w.) pflegen von den feinsten Kennern als die Krone der amerik. Poesie angeführt zu werden. Oliver W. Holmes ist besonders genial in seinem Humor, weniger glücklich in reflektierender Poesie, in seinen prosaischen Schriften von attischer Feinheit und kaustischem Witz, dabei jedoch nie ohne sittlichen Ernst. Walt Whitmans formlose Poesie bietet für einen Nichtamerikaner wenig Genuß, aber seine Gemeinde sieht in ihn: einen Genius ersten Ranges. J. G. Saxe hat durch seine derbe Komik hohe Popularität erlangt. Der großen Zahl von Dichtern zweiten Ranges gehören au G. H. Boker, Bayard Taylor, R. H. Stoddard, W. A. Buttler (zuerst als Satiriker bekannt geworden), John Hay, Thomas V. Aldrich, John James und seine Frau Sallie M. Piatt, Henrn Timrod, PaulH. Hayne, Forceythe Willson, Elbridge I. Cutler, George P. Lathrop, Ch. G. Leland (Übersetzer der Heineschen "Reisebilder", Verfasser von "Hans Breitmann’s ballads", ganz von deutschem Wesen durchdrungen), E. C. Stedman, besonders ausgezeichnet durch seine markig-kräftigen Kriegspoesien, und Charles G. Halpine, der unter dem Namen Private Miles O'Reilly zum Biranger des Bürgerkrieges geworden ist und in glücklichster Weise den ihm angestammten irischen Charakterzügen einen berechtigten Platz in der amerik. Poesie erobert hat. Von Dichterinnen sind zu nennen die Schwestern Alice und Phöbe Cary, Edna D. Proctor, Julia W. Home ("Hymn of the Republic"), Maria Brooks (gest. 1845), Frau F. S. Osgood und Helene Fiske Jackson. Als Dramatiker haben sich versucht G. H. Boker ("Calaynos" 1848), I. H. Payne ("Brutus" 1820), N. P. Willis und Espes Sargent. Als Übersetzer fremder Dichtungen ragen Longfellow (Tegnérs "Nachtmahlskinder" und Dante), C. T. Brooks und Bayard Taylor (beide Goethes "Faust"), T. W. Parsons (Dante), Leland (Heine) und George Ticknor (span. Romanzen) hervor. Taylors "Faust" ist eine klassische Leistung.
Unter den periodischen Zeitschriften nimmt die 1815 gestiftete "North American Review" den ersten Rang ein. Die Monatsschriften "New Englander" (New-Haven), "Princeton Review", "Unitarian Review", "Catholic World" u. s. w. sind alle mehr oder weniger religiös gefärbt, während "The Atlantic Monthly" (Boston), "The Century" (Neuyork), "Harper’s New Monthly Magazine" (ebd.), "The Overland Monthly" (San Francisco) und "The Californian Magazine" u. a. m. rein litterar. Monatszeitschriften sind; litterarisch-wissenschaftlich ist das "Popular Science Monthly". (S. Vereinigte Staaten von Amerika, Zeitungswesen.)
Um die engl. Philologie haben sich die Lexikographen Noah Webster (1758-1843) und Joseph E. Worcester (1784-1865) sowie der Linguist George P. Marsh, I. R. Bartlett, Goold Brown, W. C. Fowler, F. A. March u. a. verdient gemacht, und eine jüngere Schule, welche in Deutschland gelernt hat, hat deutsche Methode und Forschungsart eingeführt; zu letztern gehören I. M. Hart, I. W. Harrison, A. S. Cook, Th. W. Hunt, Ch. W. Kent, I. L. Hall, R. Sharp, W. M. Baskervill, Garnett u. s. w. Die vergleichende Sprachforschung, und besonders das Sanskrit, hat an W. D. Whitney einen Vertreter ersten Ranges. Das Studium der Indianersprachen haben gefördert John Pickering, Albert Gallatin, H. R. Schoolcraft, P. E. Duponceau, E. G. Squier, W. W. Turner, Frau M. H. Eastman, I. Hammond Trumbull, Major Powell und ein Kreis jüngerer Forscher, deren Arbeiten das Bureau of Ethnology zu Washington veröffent-^[folgende Seite]