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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Normalnullpunkt - Normanby
t^)6), d. h. dcs Exemplars, das die genaueste Dar-
stellung der Einheit des Längenmaßes bildet, von
der Negierung aufbewahrt und nur äußerst selten
benutzt wird. Ebenso ist Normal gewicht Be-
zeichnung für die beglaubigte Nachahmung des
Urgewichts. Für das Deutsche Reich galt als
Urmaß ein Platinstab, der sich im Besitze der preuß.
Negierung befindet und als dessen Länge im 1.1863
eine Vergleichung mit dem franz. Urmaß bei der Tem-
peratur des schmelzenden Eises 1,00000301 m ergeben
hat. Das Urgewichr des Deutschen Reichs besaß
ebenfalls die preuh. Regierung; es besteht auch aus
Platin. Seine Schwere wurde 1860 durch eine Ver-
gleichung mit dem franz. Urgewicht ^- 0,999999842^3
befunden. Infolge des Gesetzes vom 26. April 1893
gelten als Urmaß und Urgewicht ein Stab und ein
Gewichtsstück, beide aus Platiniridium, welche die
Internationale Generalkonferenz für Maß und Ge-
wicht in Paris dem Deutschen Reich überwiesen
und die Normalaichungskommission in Verwahrung
hat. Vom Nrmaß und Nrgewicht besteht wieder
eine Anzahl möglichst genauer unmittelbarer Nach-
ahmungen (sog. beglaubigter Kopien), nach wel-
chen die .hauptnormale gefertigt sind. Diese
dienen zur Richtigerhaltung der ihnen nachgeahm-
ten Kontrollnormale. Der Zweck der letztern ist,
die Gebrauchsnormale an den Aichungsstellen
zu berichtigen, und erst nach den Gebrauchsnormalen
wird die Richtigkeit der Verkehismaße und -Gewichte
beurteilt. Die Kontroll- und die Gebrauchsnormale
beißen auch Aichungsnormale, weil sie im Be-
sitze der Aichä'mter sind. (S. auch Aichen sowie Me-
trisches System.) Normalgewicht heißt auch das
streng gesetzliche Gewicht einer Münze, also das Ge-
wicht ohne Berücksichtigung der gesetzlich zulässigen
Abweichung, des Remediums (s. d.), und der Ab-
nutzungsgrenze im Verkehr (s. Passiergewicht).
Normalnullpunkt, Normalnull, der 1879
für alle Nivellements und Höhenangaben in Preu-
ßen angenommene Ausgangspunkt; er ist so ge-
wählt, daß er mit dem Mittelwasser der Ostsee zu-
sammenfällt. Es können daher alle auf den N. be-
zogene Höhenangaben auch als Höhen über dem
Meeresspiegel betrachtet werden. Zur dauernden
Festlegung des N. dient der am Nordpfeiler der
Sternwarte zu Berlin etwa 1 in über dem Erdboden
angebrachte Normalhöhenpunkt, welcher genau 37 in
über dem N. liegt (vgl. Der Normalhöhenpunkt für
das Königreich Preußen an der königl. Sternwarte
zu Berlin, Verl. 1879). In abgekürzter Schreib-
weise wird N. durch ^. ^. bezeichnet. Dem ent-
sprechend tragen die wichtigern an den Hauptnivelle-
mentslinien, besonders an Chausseen und Eisen-
bahnen vielfach durch eiserne Bolzen kenntlich ge-
machten Nivellementsfestpunkte auf einem Schild-
chen die Bezeichnung: Höhe über ^l. ^. x in.
Normalprofil, für Walzeisen s. d.; für Schienen,
N. des lichten Raums, s. Eisenbahnbau.
Normalsäge, s. Sägen.
Normalschule, Muster schule, eine Unter-
richtsanstalt, die in ihrer ganzen Ausstattung und
Einrichtung andern Schulen als Muster dienen soll,
wie die 1803 zu Frankfurt a.M. gegründete Muster-
schule, die 1875 in Brüssel gegründete Ncoi"
moätzls. Am Ende des 18. und am Anfang des
19. Jahrh, legte man den Namen Musterschulen oder
N. auch einzelnen Volksschulen bei, die in besonders
gutem Stande waren, weil an ihnen Lehrer von her-
vorragender Tüchtigkeit junge Lehrer ausbildeten.
Gewöhnlich war dies an die Person des Lehrers ge-
knüpft. Andererseits wurden jedoch auch bestimmte
Schulen bleibend zu N. mit dem Zwecke der Aus-
bildung von Lehrern gemacht, indem man stets
wieder besonders tüchtige Lehrer an sie berief. So
war es lange in Österreich, in der Schweiz, in Frant-
reich u. s. w. In neuerer Zeit erfolgt die Ausbildung
der Lehrer meist in besondern mit Übungsschulen ver-
bundenen Lehrerbildungsanstalten, die in Deutscb-
land Lehrerseminare, in Frankreich, Belgien und
Italien N. Mcolos norinllieZ) genannt werden. In
Frankreich unterscheidet man ^colsg noi-mNieg pri-
ininreZ, deren es eine große Anzahl giebt, und eine
^coi6 N0I-MI.I6 8U!)6!-i6ui'6 in Paris. In erstern
werden Volksschullehrer, in letztern die Lehrer der
höhern Schulen vorgebildet. Auch in Nordamerika
giebt es 5lormü1 8c1i0oi8 mit dem gleichcnIwecke, an
deren Spitze die ^oi-mai Univoi-äi^ zu Mvomingtrn
im Staate Illinois steht.
Normalserum, s. Schutzimpfung.
Normalspur, s. Spurweite.
Normaltarife, s. Eisenbahntarife.
Normalthermometer, die mit äußerster Sorg-
falt aus bestem Thermometerglas (s. Glas Mr
wissenschaftliche Zweckes) gearbeiteten Thermometer,
deren Siedepunkt und Nullpunkt direkt bestimmt find
und deren Rohrweite überall genau dieselbe ist. Die
N. dienen ihrerseits wieder dazu, andere Instru-
mente zu vergleichen und zu korrigieren.
Normalton, s. Kammerton. starife.
Normaltransportgebühren, s. Eisenbahn-
Normaluhr, die Hauptuhr einer Sternwarte,
auch die in großen Städten auf öffentlichen Plätzen
aufgestellten Nhren, deren Gang von einem Central-
punkte aus reguliert wird.
Normalwald, ein Waldzustand, der allen in-
nern Anforderungen der Wirtschaft entspricht. Er
dient einmal dazu, die innern wirtschaftlichen Gesetze
der Waldwirtschaft zu erforschen, dann bedeutet er
aber auch ein ideales, nie ganz erreichbares Ziel der
letztern. Setzt man die den gegebenen Verhältnissen
entsprechende Holzart voraus, so ist der Normal-
zustand eines Waldes bedingt durch das Vorhanden-
sein des normalen, den Standortsverhältnissen ent-
sprechenden Zuwachses (s. d.) und des normalen
Verhältnisses der Altersklassen (s.d.). Als unmittel-
bare Folge der Erfüllung dieser beiden Bedingungen
erscheint dann der normale Holzvorrat. Indem die
Lehre der Forsteinrichtung (s. d.) die theore^chen
Grundlagen der Waldwirtschaft entwickelt, hat sie
es mit der Betrachtung des N. zu thun.
Normalwörtermethode, s. Lesen und Lese-
Normalzeit, s. Eisenbahnzeit. ^methoden.
Norman (spr. nöhrmänn), Fluß in der brit.-
austral. Kolonie Queensland, mündet in die Süd-
ostecke des Carpentariagolfs. An der Mündung
liegt der Ort Kimberley, das Centrum der Kim-
berleygoldfelder, 50 Kin aufwärts liegt Norman-
town, der Verschiffungshafen für die Conclurry-
Gold- und -Kupfergruben und die Etheridge- und
Croydongoldfelder.
Normanby (spr. nöhrmännbl), Stadt in der
engl. Grafschaft York, im North-Riding, im SO.
von Middlesbrough, im Cleveland-Distrikt, hat
(1891) 9128 E., Eisenhütten und Glasindustrie.
Normanby (spr. nöhrmännbl), Konstantine
Henry Phipps, Marquis von, brit. Staatsmann, geb.
15. Mai 1787 als Sohn des Grafen Mulgrave, führte
während dessenLebzeiten (bis 1831) den Titel Lord N.