Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

476
Numismatik
Landes oder des Prägeortes, welches meistens auf
der Rückseite, also in das vertiefte Quadrat auf-
genommen wurde, auf der Vorderseite auch schon
die Schutzgötter der betreffenden Städte dargestellt.
Kupferne Scheidemünzen wurden erst gegen das
I. 400 v. Chr. geprägt.
Wenn auch die Typen der ältesten griech. Mün-
zen schon hier und da von künstlerischer Schönheit
sind, so erreichte die griech. Münzkunst doch erst ihre
Vollkommenheit in der Zeit des 5. Jahrh, bis zu
Alexander d. Gr. Zu den gelungensten Münzen der
griech. Prägekunst gehören die macedon. Münzen
mit den Köpfen des Apollo oder des Herakles, die
von vollendeter Schönheit sind, wie sie sich z. V.
auf den Münzen von Amphipolis, der Chalkidike
und von Philipp: finden. Unter Alexander d. Gr.
wurden zuerst die Götterköpfe durch das Bildnis
des Königs von der Vorderfeite verdrängt. Einen
teilweise noch höhern Aufschwung als in dem Mutter-
lande nahm die griech. Prägekunst in den griech.
Kolonien, in Unteritalien und in Sicilien. Es wur-
den viele und große Münzen geprägt, welche sich
hinsichtlich ihrer Typen durch Mannigfaltigkeit und
Reichhaltigkeit auszeichnen. Vor allem sind hier die
im Anfang des 5. Jahrh, geschlagenen Dekadrach-
men (Stücke zu 10 Drachmen) von Syratus zu er-
wähnen, die als die größten und zugleich vollendet-
sten Münzen des Altertums zu betrachten sind. Die
unter den ersten röm. Kaisern in Griechenland und
besonders in Kleinasien geprägten Münzen sind von
großer Schönheit und besitzen hauptsächlich einen
bedeutenden Reichtum an Typen, wie z. V. an Dar-
stellung der Lokalgottheiten und ihrer Mythen. Sie
geben auch manchen Aufschluß über Kunstwerke,
welche verloren gegangen sind und die nur nach
diesen Münzen wiederhergestellt werden können.
Im allgemeinen stehen dieselben jedoch, was Kunst-
wert anbelangt, tief unter den griech. Städte- oder
Autonommünzen. Die spätesten griech. Münzen
sind die von Alexandria, die mit der Eroberung
dieser Stadt durch Diocletian aufhören, und die
der bosporanischen Könige, die bis Konstantin d. Gr.
geschlagen wurden.
Auch beiden römischen Münzen läßt sich eine
lange und reiche Entwicklung verfolgen, doch ist
diese, Roms Geschichte entsprechend, einheitlicher
und weniger von kunstgeschichtlicher als von wirt-
schafts- und politischgeschichtlicher Bedeutung. Die
Münzung hat bei den Römern wie bei den andern
Italikern mit dem Kupfer begonnen, das an Stelle
des ältesten Tauschmittels, des Viehs (p6cu8, davon
^cuuia.), trat. Man findet zunächst gestempelte
Gewichtsbarren, die die Überlieferung dem König
Eervius Tullius zuschreibt, dann ein plumpes,
rundes, gegossenes Stück von einem röm. Pfund
liidi-a, davon Libralfuh). Dieses Stück des As ls. d.)
ist die älteste Münzeinheit. Erst spät, mit dem I.
269 v. Chr., beginnt in Rom die Silberprägung,
nachdem man sich bis dahin mit Barren und mit
den Edelmünzen der benachbarten campanischen
Griechenstädte beholfen hatte. Die Münzeinheit ist
jetzt der Denar (s. d.), neben dem als kleineres Stück
Silber der Scherz (s. d.) steht. Goldmünzen sind
bereits 217 v. Chr. geprägt worden, aber erst in
Cäsars Zeit hat man die Goldwährung eingeführt,
die dann in der Kaiferzeit bleibt. Augustus behielt
die Gold- und Silberprägung dem Kaiser vor und
beließ dem Senat nur die im 1. Jahrh. n. Chr. ganz
verfallene, aber damals neu belebte Kupferprägung.
Auch Kupfermünzen autonomer Städte fanden sich
in der Kaiserzeit; das Prägerecht wurde hier beson-
ders verliehen. Aurelian (gest. 275) nahm dem
Senat auch noch die Kupferprägung. Die Haupt-
münzeinheit ist damals der Aureus, an dessen Stelle
in Konstantins d. Gr. Zeit der Solidus (s. d.) tritt,
über den histor. Wert der Kaisermünzen s. d.
Von einer wissenschaftlichen Beschäftigung der
Griechen und Römer mit Münzen ist nichts bekannt,
wenngleich es den Anschein hat, daß letztere kostbare
griech. Münzen aufbewahrten (vgl. Suetons "^u-
3U8W8", Kap. 75). Im Mittelalter war Italien das
erste Land, in welchem man Interesse für die N. ge-
wann und mit dem Sammeln von Münzen begann.
Petrarca und Cosimo de' Medici besaßen Münz-
sammlungen. Dann breitete sich das Interesse für
die Münzkunde auch in Spanien, Frankreich, den
Niederlanden und Deutschland aus. Zunächst legten
die Fürsten Münzkabinettean, später wurde das
Sammeln von Münzen eine gelehrte Lieblingsbe-
schäftigung und vornehme Modesache. Der Holland.
Kupferstecher und Antiquar Hubert Goltzius be-
suchte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh, nicht
weniger als 950 numismat. Kabinette. Zu den
bedeutendsten Münzsammlungen gehören die des
Britischen Museums (s. d., Bd. 3, S. 552 d) in Lon-
don, der Lid1iotli6(iu6 national in Paris und das
Münzkabinett im Museum zu Berlin; ferner die
Sammlungen zu Wien, Gotha, München, Dresden,
Petersburg (Eremitage), Kopenhagen, Madrid,
Turin, Florenz, Rom, Neapel.
Die vermehrte Nachfrage, zunächst nach antiken
Münzen, rief bald Nachahmungen seltener Stücke
hervor. Namentlich in Padua schnitten im 16. Jahrh.
Giovanni Cavino und Alessandro Bassiano vor-
zugsweise nach Großbronzen röm. Kaiser neue
Stempel und stellten mittels derselben Kopien her,
die man Paduaner nennt. In neuerer Zeit haben
sich namentlich Becker in Hanau und Cigoe in
Udine einen berüchtigten Namen als Münzfälscher
gemacht; die Falsifikate des letztern haben die besten
Kenner getäuscht. Das Studium dieser Fälschungen
ist ein treffliches Mittel, den praktischen Blick für
echte Münzen zu schärfen; im königl. Münzkabinett
zu Berlin sind die verschiedenen Falsifikate als be-
sondere Abteilung gesammelt. Ein wesentliches
Verdienst um die Verbreitung der Münzkunde haben
sich die numismat. Gesellschaften erworben.
Bekannt sind die Gesellschaften in Berlin, Wien,
London und Paris; neuerdings ist von den Brüdern
Erbstein in Dresden auch ein "Kongreß deutscher
Münzforscher" ins Leben gerufen w'orden.
Litteratur. Auf dem Gebiet der antikenMün-
zen war epochemachend das Werk von Ios. Eckhel,
voctrina. numoruni vetsruiu (8 Bde., Wien 1792
-98). Außerdem sind hervorzuheben die Werke von
Voeckh, Mionnet, Cohen, Lenormant, Graf Vorghesi,
Herzog Blacas d'Aulps, Cavedoni, Hultsch, Fried-
länder, Imhoof-Blumer (s. die Einzelartikel); ferner
Werlhof, Handbuch der griechischen N. (Hannov.
1850); Vrandis, Das Münz- und Gewichtswesen in
Vorderasien bis auf Alexander d. Gr. (Berl. 1866);
Samwer, Geschichte des ältern röm. Münzwesens
(Wien 1883); Babelon, DkLci'iptiou Ki8t0i-iciii6 et
c1n'0N0l0giqU6 ä63 IU0NNHi68 ä6 13. r6Ml)1iHU6 1'0>
main6 (Par. 1885); Head, IIi3t0ri3. numoi-uui (Orf.
1887) u. v. a. Vgl. auch ^ cataloFUL ok^reek coinä iu
tlie Lriti8ii ^Iu86um (Lond. 1878 fg.); Beschreibung
der antiken Münzen der königl. Museen zu Berlin