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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Numeros; Numerus; Numerus aureus; Numida; Numidien; Numidinae; Numismatik

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Numeros – Numismatik

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Numerisch'

staben, das allgemeine Größenzeichen, bezieht. Eine numerische Gleichung ist daher eine solche, in der die bekannten Größen nicht durch Buchstaben, sondern durch bestimmte Zahlen ausgedrückt sind.

Numerōs (numerös, lat.), zahlreich, häufig; auch rhythmisch: Numerosität, große Anzahl, Menge; der rhythmische Wohllaut der Rede.

Numĕrus (lat., d. i. Zahl), in der Grammatik der Wechsel von Deklinations- und Konjugationsformen zur Bezeichnung der Ein- und Mehrzahl. Viele Sprachen besitzen hierfür eine dreifache Form: den Singular für die Einzahl, den Dual für die Zweizahl und den Plural für die Mehrzahl; die melanesischen Sprachen haben auch einen Ausdruck für die Dreizahl (Trial).

Numĕrus aurĕus (lat.), Goldene Zahl (s. d.).

Numĭda, Numidīnae, s. Perlhühner.

Numidĭen hieß im Altertum nach den Hirtenvölkern, die die Griechen Nomades, die Römer danach Numidae nannten, ursprünglich das ganze Hinterland der Westhälfte der nordafrik. Küste, ohne scharfe Grenzen. Diese in den heutigen Berbern fortlebenden Stämme waren freiheitliebende, kriegerische, unstete Reitervölker, die überwiegend von ihren Herden, von Jagd und Krieg lebten; besonders mächtig unter ihnen waren die Massylier in der Mitte und die Massäsylier im W. des Gebietes. Sie kamen in den Punischen Kriegen mit den Römern in Beziehung und unterstützten sie zum Teil gegen Karthago. Zum Dank wurde 201 v.Chr. Masinissa (s. d.), der Fürst der Massylier, mit dem früher unter Karthagos Herrschaft stehenden Küstengebiet von der Großen Syrte bis zum Flusse Muluchat (heute Mulaja) unter Ausschluß des eigentlich karthagischen Gebietes (vom Tuscafluß zur Kleinen Syrte) belohnt; er gründete zuerst ein Reich N. mit der Hauptstadt Hippo (Hippo Regius, heute Sebus), später Cirta (heute Constantine). Nach der Zerstörung Karthagos, 146 v.Chr., wurde das damals noch vorhandene Gebiet Karthagos zur röm. Provinz mit dem Namen Afrika gemacht, das Reich N. blieb bestehen, nur wurde es etwas verkleinert; so scheint spätestens nach dem Jugurthinischen Krieg 104 v.Chr. der Osten, von der Kleinen Syrte an, der röm. Herrschaft unterstellt worden zu sein, im Westen löste sich Mauretanien (s. d.) los. Röm. Provinz wurde N. erst nach der Schlacht von Thapsus (46 v.Chr.) und erhielt den Namen Africa nova, im Gegensatz zu der alten Provinz Afrika (Africa vetus); die Grenzen waren im N. das Meer, im O. der Tuscafluß (heute Oned el-Kebir), im S. ungefähr der 34.° südl. Br., im W. der Ampsagafluß (heute Wadi Kebir). 30 v.Chr. machte Augustus diese Provinz wieder zu einem selbständigen Königreich unter Juba II. (s. d.), aber 25 v.Chr. teilte er Juba Mauretanien zu und verschmolz N. mit Africa vetus zu einer Provinz Afrika. Als Verwaltungsbezirk dieser Provinz hat N. bis um 200 n.Chr. bestanden, hat aber mehr und mehr an Selbständigkeit gewonnen als Sitz des seit 37 n.Chr. neben dem senatorischen Prokonsul vom Kaiser ernannten Truppenbefehlshabers (Legaten). Unter Septimius Severus (193–211) wurde N. abermals als selbständige Provinz eingerichtet und ist es in der Diocletianisch-Konstantinischen Monarchie geblieben. Konstantin gewährte ihr seine besondere Gunst, deshalb nannte sich die Provinz Numidia Constantina. Das Land gelangte in der Kaiserzeit wie das benachbarte Africa vetus zu hoher Blüte; im 4. Jahrh. n.Chr. zählte man 123 Bischofssitze. ↔ Von Städten sind außer den genannten Residenzen namentlich Lambäse (jetzt franz. Strafkolonie Lambese) und Theveste (jetzt Tebessa) zu nennen. Im 5. Jahrh. gründeten auch in N. die Vandalen (s. d.) ihr Reich, unter Justinian wurde es zurückgewonnen, geriet später aber unter die Herrschaft der Araber.

Vgl. Davis, Ruined cities within Numidian and Carthaginian territories (Lond. 1862); Boissiere, Esquisse d'une histoire de la conquête et de l'administration romaines dans le Nord de l'Afrique et particulièrement dans la province de Numidie (Par.1878); ders., L'Algérie romaine (2 Tle., 2. Aufl., ebd. 1883); Corpus inscriptionum latinarum, Bd. 8 (Berl. 1881–91); Tissot, Exploration scientifique de la Tunisie. Géographie comparée de la province romaine d'Afrique (2 Bde., Par. 1884–88); ders., Fastes de la province romaine d'Afrique (ebd. 1885); ders., L'Algérie romaine (2 Bde., 2. Aufl., ebd. 1885).

Numismatik (vom griech. nómisma, lat. numisma, Münze), Münzkunde, die Wissenschaft, welche das Studium der Münzen und Medaillen zum Gegenstande hat, bildet einen wichtigen Zweig der Archäologie. Man teilt sie ein in die alte N., die mit dem weström. Kaiserreich endet, die mittelalterliche, die mit den Byzantinern und mit den Münzen aus den Zeiten der Völkerwanderung beginnt, und die moderne, von der Renaissancezeit an. Besondere Abteilungen bilden die orient. und die überseeischen Münzen. (S. Tafel: Münzen I–IV.) Die antiken Münzen geben wichtige Belehrung über Mythologie, Kultus, Regierung, Kriegswesen, Handel, Gewerbe, Litteratur, Sitten, Trachten der Völker des Altertums und gewähren urkundliche Belege für den jedesmaligen Stand der Kunstentwicklung. Von besonderm Interesse durch die Schönheit der Prägung sind namentlich die griechischen Münzen, d. h. die alten Münzen vom eigentlichen Griechenland, von den griech. Inseln und Kolonien in Kleinasien sowie von Sicilien und Großgriechenland (Unteritalien), welche griech. Aufschriften haben. Sie zerfallen in drei Arten, nämlich: Städtemünzen, Münzen der hellenistischen Könige und die unter röm. Herrschaft geprägten. Münzeinheit war ursprünglich der Stater (s. d.), später die Drachme (s. d.). Die älteste Prägung griech. Münzen schreibt die Überlieferung gewöhnlich Pheidon von Argos (Anfang des 7. Jahrh. v.Chr.) zu, Herodot den Lydern. Diese und nach ihnen ein Teil der kleinasiat. Griechenstädte scheinen jedenfalls mit der Prägung in Gold und Elektron, einem stark mit Silber legierten Gold, vorangegangen zu sein. Auf dem Festlande war Ägina die älteste Prägstätte und schlug Silber. Silberwährung ist auch weiter herrschend geblieben. Diese ältesten Münzen waren von länglicher oder kugelförmiger Gestalt, hatten nur auf einer Seite eine bildliche Darstellung, während sich auf der andern Seite eine quadratförmige Vertiefung, das sog. quadratum incusum, befand, welches später durch Linien geteilt wurde. Auch waren diese ältesten Münzen aufschriftlos, und nur vereinzelt kommt der Anfangsbuchstabe des Stadtnamens vor. Ihre Einfachheit ist vor allem durch die Typen charakterisiert, die wappenähnlich die Stadt oder das Land bezeichnen. So befindet sich z.B. auf den äginetischen Münzen eine Schildkröte, auf den böotischen ein Schild, auf den ephesischen eine Biene, auf den rhodischen eine Rose. Später finden sich neben dem Symbol oder Wappen des

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 476.