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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ormulum - Ornamentstiche
hat (1891) 6298 E., Lateinschule, schöne got. Kirche;
Seidensabrikation.Seilerei, Brauerei, Korbmacherei;
Kohlengruben. ^Litteratur.
0rlnü1uin, s. Angelsächsische Sprache und
Ormus oder Hormüz, bei den Alten Harmo-
zia, bei den Arabern Dscherun, Insel im Eingang
aus dem Arabischen Meer in den Persischen Meer-
busen, in der 44-80 km breiten Straße von O.,
ist eine quellen- und vegetationslose vulkanische
Felsenmasse von 33 hkni, 90-210 in hoch, deren
bewohnbarer Teil eine mit Salz gesättigte und durch
Regenschluchten zerrissene Ebene bildet. Steinsalz
nebst Schwefel, auch Eisen und Kupfer sind die
Schütze des Bodens. Unter der Herrschaft der Por-
tugiesen, 1515-1622, blühte die Insel O. als
Handelsemporium, ist aber jetzt ganz verkommen
und zWr nur noch 300 E. An einer Hasenbucht der
Nordostküste finden sich Überreste der Stadt und
Festung, die 40000 E. hatte. 1622 entriß es ihnen
Schah Abbas von Persien mit Hilfe der Engländer.
Um die Mitte des 17. Jahrh, fiel O. an den Imam
von Maskat: 1867 kam es wieder an Persien.
Ormuzd, Name der höchsten Gottheit in der
Religion Zoroasters. Das Wort lautet im Alt-
persischen ^ui-Hin^äg., im jungen Avesta ^ura-
Na^M, in den Gathäs <s. Zendavesta) Nll^äa ^Iiura
(unverbunden oder durch andere Worte getrennt), be-
steht also aus zwei selbständigen, später aneinander
gerückten Substantiven. ^Kui-H bedeutet Herr, Gott
und entspricht dem sanskrit. asura (Geist, Gott, später
Dämon), HlÄ2äH ist sanskrit. möälik, Einsicht, Weis-
heit, auch der Weise. Na^äk ^Iiura heißt also der
Weise, der Herr. O. ist das gute Princip, der Schöpfer
der ganzen guten Schöpfung, von Gesetz und Ord-
nung, Licht und Leben. Ihm gegenüber steht Ahri -
man (s. d.), das böse Princip, über das O. am Ende
der Tage siegt. (S. Zoroaster.)
Ornain (spr. -näng), rechtsseitiger Zufluß der
Marne in Ostfrankreich, entspringt im westlichsten
Teil des Depart. Vosges, fließt durch das Depart.
Meuse (bei Var-le-Duc) und mündet im Depart.
Marne, nachdem ihm links die Saulx zugeflossen,
unterhalb Vitry - le - Francois nach einem 150 km
langen Lauf, auf dem er größtenteils vom Marne-
Rhein-Kanal begleitet wird.
Ornamönt (lat., "Schmuck"), die an Gegen-
ständen menschlicher Kunstfertigkeit angebrachte Ver-
zierung, die entweder der organischen Natur (Pflan-
zen- und Tierreich) entnommen oder der Berechnung
oder Phantasie entsprungen ist. Das O. dient zum
Schmuck von Baugliedern, wie Kapital, Fries, Wand,
Decke, oder von kunstgewerblichen Erzeugnissen, wie
Möbeln, Geräten, Glasmalereien, Email- und Kunst-
schmiedearbeiten, Schmucksachen u. dgl. und steht im
Gegensatz zu den durch die Struktur gegebenen und
diese versinnbildlichenden eigentlich architektonischen
Formen. Diese bilden das Gerüst, um welches sich
das O. als Schmuck legt, das Notwendige, welches
die Werkform zur Kunstform macht; jene sind die
Mittel, die Kunstform zu erreichen. Seiner Natur
nach kann das O. vertieft, d. i. eingeschnitten oder ein-
graviert (dazu mit Schmelz oder Farbe ausgefüllt),
sodann flach, d. i. farbig oder gezeichnet (s. Flach-
ornament), und drittens erhaben, in Relief (Flach-,
Halbhoch-, Hochrelief) gebildet sein.
In seiner wechselnden Art der Zeichnung be-
gleitet das O. die ganze Kunstgeschichte. Am ein-
fachsten ist es auf Gegenständen aus der Zeit künst-
lerischer Entwicklung, wie noch heute bei unkultivier-
ten Völkern, nur aus Linien, Kreisen oder aus
Bändern bestehend, die sich verschlingen oder im
Zickzack oder wellig (s. Textfigur 1 u. 2 beim Artikel
Mäander) bewegen. Aber schon die älteste ägypt.
Kunst benutzte außerdem die Pflanze, besonders die
Lotosblume, als O. (s. auch Tafel: Altägyptische
Malerei, Bd. 1, S. 246), und die griech. Orna-
mentik wußte das Blatt der Fächerpalme zur graziös
stilisierten Palmette zu verwenden. Solche Gebilde
der Pflanzenwelt (Blatt, Blume, Ranken) sind durch
alle Epochen der Kunstgeschichte hindurch das vor-
nehmste Motiv der Ornamentik geblieben. Nur war
die Anwendung eine verschiedene; jedes Land und
jede Stilepoche hatte seine bevorzugten Pflanzen,
die entweder stilisiert oder naturalistisch gezeichnet
zu O. verwertet wurden. Zu dem linearen Element
und den Motiven aus der Pflanzenwelt kamen für
die Ornamentik noch Tier- und Menschenfiguren
hinzu. Letztere vermeidet die islamit. Kunst; sie
pflegt dafür die Arabeske oder Maureske, welche
entweder rein linear oder durch Blattwerk von
streng stilisierter Art nur wenig durchdrungen ist.
(S. Tafel: Kunst des Islam I.) Die Renaissance
behandelte das O., mit Anlehnung an griech. und
röm. Art, am reichsten und stilvollsten. (S. die
Tasel: Intarsia.) In ihm spielt die Akanthus-
pflanze (s. ^cant1iu8) in Blättern oder Ranken
die Hauptrolle, werden die Figuren, zumal in der
Gestalt von nackten Kindern (Putten), entweder
in naturalistischer Weise in dieses verflochten oder
in stilistischer zu Zwitterwesen zwischen Tier und
Pflanze, zu phantastischen Grotesken ausgebildet.
Der Barockstil nahm alle vorhandenen Motive, na-
mentlich auch die Mauresken, in sich auf und bildete
sie in malerischer Weise zu größter Freiheit durch.
Das Rokoko aber schuf aus Muschelwerk und Ranke
ein streng stilistisches, wenngleich zeichnerisch will-
kürliches O. Das 19. Jahrh, trieb zuerst natura-
listische Ornamentik, während die Gegenwart zum
stilvollen O. zurückgekehrt ist. (S. auch Muster.)
Vgl. Owen Iones, 'Ike Fi'Hinmg.i' ok Ornament
(Lond. 1865; 4. Aufl. 1880; deutsch Lpz. 1865);
Hirth, Der Formenschatz der Renaissance (Lpz.
1877 fg.); Racinet, I^'oi-neinLnt pol^ckrome (deutsch,
4. Aufl., Etuttg. 1890); Semper, Der Stil in den
technischen und tektonischen Künsten (2. Aufl., 2 Bde.,
Münck. 1878 - 79); Ch. Vlanc, (^mmaii-e 668
art8 äecoi-atifs (Par. 1882); M.Heiden, Motive
(300 Tafeln, Lpz. 1890-92); F. S. Meyer, Hand-
buch der Ornamentik (5. Aufl., ebd. 1895); Ferd.
Moser, Handbuch der Pflanzenornamentik (120 Ton-
drucktafeln, ebd. 1892); von Zahn und Hübler,
Muster-Ornamente (ebd. 1892); Alois Riegl, Stil-
fragen. Grundlegungen zu einer Geschichte der
Ornamentik (Berl. 1893); (5. Gurlitt, Das Varock-
und Rokokoornament Deutschlands (1. bis 4. Lfg.,
ebd. 1885-89); Hammel, Ornamentale Motive des
Barock- und Rokokostils (1. Sammlung, Lpz. 1893);
Stauffacher, Pflanzenzeichnungen in natürlicher und
stilisierter Darstellung, Teil 1 (40 Tafeln in Licht-
druck, Bresl. 1893); Dolmetsch, Der Ornamenten-
schatz. Ein Musterbuch stilvoller O. aus allen Kunst-
epochen (3. Aufl., Stuttg. 1896).
Ornamentstiche, Gesamtbezeichnung für alle
Kupferstiche, Punzenarbeiten, Radierungen (auch
wohl Holzschnitte), welche dem Kunstgewerbe dienen
sollen. Sie beginnen mit dem Anfang der Kupfer-
stechkunst (s. d.) und begleiten sie durch alle Epochen,
in Manier, Zeichnung und Gegenstand dem wechseln-