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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ornans - Ornithopoden
den Geschmack folgend. Viele Meister der hohen
Kunst haben selbst solche Stiche verfertigt; andere,
wie insbesondere die Maler, haben sie nach ihren
Entwürfen stechen lassen. Eo aus älterer Zeit von
ital. Künstlern Mantegna, Michelangelo, Leonardo,
Raffael; von den Niederländern Lutas van Leiden,
Israel van Meckenen; von den Deutschen Schon-
gauer, Dürer, die beiden Beham, Cranach, Hirsch-
vogel, Holbein u. s. w. Sehr zahlreich sind auch
die franz. und deutschen O. des 17. und 18. Jahrh.
Sie bestehen aus ornamentalen Entwürfen, solchen
für die Webkunst, für Kunstschmiede- und Schlosser-
arbeiten, Goldschmiedekunst, Waffen, Geräte und
Gefäße, Wappenkunde u. s. w. Das moderne Kunst-
gewerbe hat seine Anregungen zu einem wesentlichen
Heil aus diesen O. gezogen; daher wurden in Ver-
bindung mit den Kunstgewerbemuseen vielfach Orna-
mentstichsammlungen angelegt. Die bedeutendsten
finden sich in den Museen zu Wien, Berlin, London,
Nürnberg, Dresden u. a. - Vgl. Katalog der Orna-
mentstichi'ammlung des österreichischen Museums
für Kunst und Industrie (Wien 1871) und des Kunst-
gewerbemuseums in Berlin (Lpz. 1894); ferner Hirth,
Der Formenschatz der Renaissance (ebd. 1879fg.);
Wessely, Das Ornament und die Kunstindustrie
(3 Bde., Verl. 1876-79).
Ornans (spr. -näng), Stadt im franz. Depart.
Doubs, Arrondissement Vesancon, an der Loue und
der Nebenlinie L'Höpital du Gros Bois-Lods der
Mittelmeerbahn, hat (1891) 2828, als Gemeinde
3092 E., eine große Kirche aus dem 10. Jahrh.;
Fabrikation von Rasiermessern, Papier, Gruyere-
täse; ferner Mühlen, Gerbereien und Weinhandel.
Ornat (lat., "Schmuck"), die den Geistlichen bei
ihren Amtshandlungen vorgeschriebene Kleidung.
Der O. der röm.- und griech.-kath. Geistlichen ist
nach den Amtsgraden verschieden und für die höhern
Grade von reichster Pracht (s. Liturgische Gewänder
und Meßgewand). Viel einfacher und für alle 3imter
gleich ist der O. der evang. Geistlichen, der in der
Hauptsache aus schwarzem Chorrock (Talar) und
weißen Büffchen (s. d.) besteht. Die reform. Geist-
lichen tragen zum Teil gar keinen O. - Über Krö-
nungsornat s. Insignien.
Orne (spr. orn), linker Nebenfluß der Mosel, ent-
springt im franz. Depart. Meuse, durchflieht den
nördl. Streifen des Depart. Meurthe et-Moselle, er-
reicht oberhalb Groß-Moyeuvre Deutsch-Lothringen,
mündet, 86 km lang, 7,5 kni südlich von Diedenhofen.
Orne (spr. orn), 158 Km langer Fluß in Nord-
frankreich, entspringt im Departement O., 7 km öst-
lich von Se'es, durchflieht das Departement in nord-
westl. und das Depart. Calvados in nördl. Richtung,
nimmt in diesem links Noireau und Odon auf, wird
bei Caen (s. d.) schiffbar und mündet in die Seine-
bai. Sein Stromgebiet umfaßt 2863 cikm.
Orne (spr. orn), franz. Departement, wird im
N. von Calvados, im NO. von Eure, im O. von
Eure-et-Loir, im S. von Sarthe und Mayenne und
im W. von Manche begrenzt, gehört größtenteils
zur Normandie, umfaßt aber noch von der ehemali-
gen Provinz Maine den größten Teil der Landschaft
Perche, hat auf 6092 qkin (1891) 354387 E. (12861
weniger als 1886), also 58,2 auf 1 hkm, zerfällt in die
4 Arrondissements Alencon, Argentan, Domfront,
Mortagne mit 36 Kantonen und 512 Gemeinden
und bat Alencon zur Hauptstadt. Die wellenförmige
Oberstäche wird von Osten nach Westen von einem
Landrücken aus Kreide, Jura und Granit durch-
zogen, der die Wasserscheide zwischen Kanal und
dem Loirebecken bildet und nördlich von Alencon
seine bedeutendste Höhe (417 m) erreicht. Nach Nor-
den fließen Touques, Dives und O., zur Loire da-
gegen Huisne, Sarthe, Mayenne und deren Zufluß
Varenne, wogegen im Osten Eure und Rille und
einige von deren Zuflüssen entstehen und zur Seine
laufen. Der Boden ist zum Teil sandig und mit
Heide bedeckt, doch sonst fruchtbar. 3322 ykm wer-
den zu dem noch wenig entwickelten Landbau benutzt
und trugen (1894) 837 200 Iii Weizen, 127500 Iii
Roggen, (1893) 8523 t Gerste, 13080 t Hafer,
außerdem Kartoffeln, Hanf, Flachs und Zuckerrüben,
auch zieht man viel Apfel und Birnen zur Vereitung
von Cider (1894:1070105 iii), der hier den Wein
ersetzen muh. Der Wildstand ist bedeutend. Gut
bewässerte Wiesen (1513 hkm) befördern die Vieh-
zucht, welche die schönsten normann. Pferde, aber
auch viele Schweine und Ochsen für Paris lie-
fert. Die Erde liefert viel Kupfer, Granit, Quarz-
krystalle (I)iainant3 ä'^i6iih0ii), Porzellanerde so-
wie 17 Mineralquellen, von denen der Sauerbrun-
nen von Bagnoles (s. d.) am wichtigsten ist. Es
sind zahlreiche Eisenwerke in Betrieb und werden
besonders Eisen- und Quincailleriewaren sowie Lein-
wand, Baumwollwaren, Leder, Handschuhe, Papier
und Glas fabriziert, wogegen die früher berühmte
Spitzenfabrikation (?oint8 ä'^Iei^on) sehr zurück-
gegangen ist. Der Handel führt besonders Pferde,
Mastvieh, Gänsefedern, Cider und Holz aus und
wird durch die Bahnlinien Paris-Argentan-Gran-
ville, Caen-Alencon-Le Mans und einige Neben-
linien (zusammen 1886: 582,2 km) und 459,2 kin
Nationalstraßen gefördert. Das Departement besitzt
ein Lyceum und 4 Colleges.
Ornithichnlten, früher für Vogel^puren ge-
haltene fossile Fährten von Dinosauriern, s. Chiro-
theriumfährten.
Orntthodelphier, s. Kloakentiere.
Örnitholithen(grch.), Reste von fossilen Vögeln.
Ornithologie (grch.), die Naturgeschichte der
Vögel (s. d.).
Ornithologische Beobachtungsstationen.
O. B. wurden erst in neuester Zeit in Deutschland
errichtet. Sie haben die Aufgabe, alles auf den
Vogelzug nebst den ihn begleitenden Umständen,
auf den allgemeinen und jeweiligen Grad der Häu-
figkeit und Seltenheit der einzelnen Arten sowie
auf deren Vrutgeschäft Bezughabende in gewissen
möglichst kleinen und möglichst zahlreich und dicht
in Deutschland verteilten Lokalitäten zu beobachten
und niederzuschreiben. Zu letzterm Behufe kommen
besondere Registrandcnbogen an die betreffenden
(natürlich freiwilligen) Beobachter zur Verteilung,
welche entsprechend ausgefüllt an den Unternehmer
der Einrichtung, Dr. Rudolf Vlasius in Vrann-
schweig, jährlich einzusenden sind.
Ornitkoin^ia., s. Vogellausfliege.
Qrnithopoden, Vogelfüßler, eine Familie
ausgestorbener Reptilien, welche in ihrem Bau ein
Bindeglied zwischen Reptilien und Vögeln (aber
erstern näherstehend als etwa der ^i'ciiaeopterxx)
bilden, namentlich ist der Bau des Beckens und der
hintern Extremität sehr vogelartig. Die meisten O.
liefen auf den hintern Beinen allein, batten einen
gewaltigen Schwanz, auf den sie sich stützten und
lebten wahrscheinlich teils von animalischer, teils
von vegetabilischer Kost, was sich aus dem Vau ibrer
Zähne schließen läßt. Die Familie gehört zu den