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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Örtel - Ortenburg
Therapie", Lpz. 1874; 2. Aufl. 1876) niederlegte.
Noch weit größeres Aufsehen erregte die Veröffent-
lichung feines Werks "Allgemeine Therapie d er Kreis-
laufstörungen" sin Bd. 4 von Ziemssens "Handbuch
der allgemeinen Therapie", Lpz. 1884; 4. Aufl. 1891),
in welchem er eine neue wirksame Heilmethode an-
gab zur Beseitigung gewisser Kreislaufstörungen
öei chronischen Herzfehlern, Fettherz, allgemeiner
Fettsucht und manchen Lungenaffektionen.
Die Methode O.s besteht im wesentlichen darin,
das ermattende Herz durch vorsichtig begonnene,
stufenweise zunehmende körperliche Anstrengungen,
insbesondere methodisches Steigen (Herzgymnastik)
wieder zu kräftigen, die übermäßige Wasseran-
sammlung im Körper (Erhöhung der Schweihsekre-
tion und bedeutende Verminderung der Flüssigkeits-
aufnahme) zu reduzieren und dadurch dem Herzen
die Arbeit zu erleichtern, sowie durch passende Diät
(eiweißreiche, aber an Fett und Koblenhydraten arme
Nahrung) übermäßig angesetztes Fett zum Schwin-
den zu bringen, ohne den Eiweißbestand des Körpers
zu verringern. Zur praktischen Durchführung dieser
Maßnahmen wurden in Deutschland und Österreich
geeignete klimatische Kurorte als Terrainkurorte ein-
gerichtet.
Unter den sonstigen Schriften O.s sind noch her-
vorzuheben: "über Geschwülste im Kehlkopfe und
deren Operation" sim "Deutschen Archiv für klinische
Medizin", Lpz. 1875), "über den laryngologischen
Unterricht" (ebd. 1878), "Handbuch der respiratori-
schen Therapie" (in Ziemssens "Handbuch der all-
gemeinen Therapie", ebd. 1882), "über den Mecha-
nismus des Brust- und Falsettregisters" (Münch.
1882), "Über Ernährung mit Hühnereiern" (ebd.
1883), "Über Terrainkurorte zur Behandlung von
Kranken mit Kreislaufsstörungen" (Lpz. 1886),
"Zusätze und Erläuterungen zur Allgemeinen Thera-
pie der Kreislaufsstörungen" (ebd. 1886), "Die Pa-
thogenese der epidemischen Diphtherie" (mit 16 far-
bigen Tafeln, ebd. 1887), "über Massage des Her-
zens" (Münch. 1889).
Srtel, Philipp Friedr. Wilh., Volksschriftsteller,
bekannt unter dem Pseudonym W. O. von Horn,
geb. 15. Aug. 1798 in dem Dorfe Horn bei Sim-
mern auf dem Hunsrück, studierte in Heidelberg
Theologie und wurde 1820 Pfarrverweser, 1822
Pfarrer zu Manubach, wo er unter dem Namen
Fr. Wilh. Lips drei Bündchen romantischer Erzäh-
lungen veröffentlichte. 1835 wurde O. Superinten-
dent in Sobernheim, legte 1863 sein Amt nieder
und starb 14. Okt. 1867 in Wiesbaden. Seinen
Ruf als Volksschriftsteller begründete er mit dem
Volksbuche "Die Spinnstube", das seit 1846 all-
jährlich erschien und große Verbreitung fand. Außer-
dem veröffentlichte er eine lange Reihe von Volks-
und Iugendschriften, darunter: "Friedet", "Des
Alten Schmidjakobs Erzählungen", "Rhein. Dorf-
geschichten", "Silberblicke", "Hand in Hand",
"Meister Konrads Jungen-, Gesellen- und Wander-
jahre", "Franz Kerndörfer", "Auch ein Menschen-
leben" u. s. w.; auch gab O. 1858 - 65 ein Volks-
blatt: "Die Maje", heraus (daraus erschienen Er-
zählungen u. d. T. "Aus der Maje", Bd. 1-8,
Wiesbaden, dann Altenb. 1879-90). Eine Anzahl
seiner Schriften hat er selbst in "Gesammelte Er-
zählungen" (13 Bde., Frankf. a. M. 1850-59; neue
Volksausg. in 12 Von. nebst 3 Supplementbdn.,
1860-63; 3. ^unvollständiges Aufl., 3 Bde.,
1892-93) zusammengestellt. Seine Erzählungen
bewegen sich zum großen Teil im Rhein-, Ahr- und
Moselland, dessen Geschichte er auch in dem Werke
"Der Rhein. Geschichte und Sagen seiner Bur-
gen" u.s.w. (4. Aufl., Stuttg.1893) behandelte.-
Vgl. W. O. von Horn, Ein wahrer Freund des Volts.
Ein Lebensbild (Wiesb. 1868).
Ortelsburg. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez.
Königsberg, hat 1707,28 ykm und 1890: 70323,
1895: 73472 (35103 männl., 38369 weibl.) E.,
3 Städte, 158 Landgemeinden und 48 Gutsbezirke.
- 2) Kreisstadt im Kreis O., am Südrande des
ostpreuß. Landrückens und an der Nebenlinie Allen-
stein-O.-Lyck der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines
Amtsgerichts (Landgericht Allenstein), hatte 1890:
2885,1895: 3200 E., meist Masuren, darunter 217
Katholiken und 136 Israeliten, in Garnison das
Iägerbataillon Graf Uorck von Wartenburg Nr. 1,
Postamt erster Klasse, Telegraph; Maschinenbau-
anstalt, Dampffchneidemühlen, Brauerei und Zie-
geleien. Nahebei das Dorf Beutnerdorf mit
2962 E. Die hier 1266 erbaute Ordensburg wurde
1410 von den Polen zerstört.
Ortenau, Landschaft im Großherzogtum Baden,
im N. von der Oos, im O. vom Schwarzwald, im
S. vom Vreisgau und im W. vom Rhein be-
grenzt, erscheint bereits zur Merowingerzeit als
Mortenaugia (Mortenau), gehörte bis zum Unter-
gang der Hohenstaufen zum Herzogtum Schwaben
und war Ende des 18. Jahrh, unter die Markgraf-
schaft Baden, das Bistum Straßburg, Österreich,
das Reich, Hanau-Lichtenberg, die Grafschaft Hohen-
geroldseck u. s. w. verteilt.
Ortenberg. 1) O. in Hessen, Stadt im Kreis
Büdingen der Hess. Provinz Oberhessen, an der
Nidder und am Südwestrande des Vogelsberges, an
der Nebenlinie Stockheim-Gedern der Oberhess. Eisen-
bahn, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Gießen)
und einer Oberförsterei, hatte 1890:969,1895: 918
meist evang. E., darunter 91 Israeliten, Post, Tele-
graph, Reste der alten Befestigungen, alte roman.-got.
Kirche (12.Jahrh.), Schloß der Fürsten von Stolberg-
Ortenberg-Roßla; Steinhauerei, Gerberei, Weberei,
Obstbau. - 2) O. in Baden, Dorf im bad. Kreis
und Amtsbezirk Osfenburg, rechts an der Kinzig, an
der Mündung des Kinzigthals in die Oberrheinische
Tiefebene und an der Linie Offenburg-Singen der
Bad. Staatsbahnen, hatte 1890:1417,1895:1456
kath. E., Postagentur, Telegraph; Weinbau (guter
Rotwein). Das SchloßO. wurde 1668 vom franz.
Marschall Cre^qui gesprengt und 1834-40 nach
Plänen Eisenlohrs wiederhergestellt.
Ortenburg. 1) Marktstecken im Bezirksamt
Vilshofen des bayr. Reg.-Vez. Niederbayern, hat
(1890) 963 E., darunter 233 Katholiken, Post-
expedition, Telegraph, Marktkirche mit Sarkophag
des Grafen Joachim von O., der die Reformation
in seiner Grafschaft einführte, Stammschloß der
ehemals reichsunmittelbaren Grafen von O.; Vieh-
märkte, Obstbau und Mostfabrikation, Obsthandel.
O., bereits in der ersten Hälfte des 12. Jahrh, ge-
nannt, war vom 13. bis 19. Jahrh. Hauptort einer
Grafschaft und kam 1805 an Bayern. - Vgl. Husch-
berg, Geschichte des Gesamthauses O. (^ulzbach
1828); Mehrmann, Geschichte der evang. Gemeinde
O. (Landshut 1863). - 2) Schloß in Bautzen (s. d.).
Ortenburg, altes Grafengeschlecht, das seine
Abkunft aus dem Hause der Grafen von Sponheim
(s. d.) ableitet. Siegfried von Sponheims (gest. 1065)
Sohn Engelbert wäre Markgraf von Istrien, dessen