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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Österreichisch-Ungarische Monarchie (Bevölkerung)

östlich von Schlan, als Minimum ferner der an der March gelegene Teil Niederösterreichs und von Mähren die Gegend zwischen Znaim (401,6 mm) und Brünn (504,0 mm) sowie das centrale Ungarn (Hodmezö-Vásárhély 407,0 mm). Die regenreichsten Gegenden sind die Umgebung des Ortlers (2453 mm) und die Julischen Alpen (Feistritz 2686 mm, Raibl 2183 mm). Bedeutende Regenmengen weisen auf das Salzkammergut (Ischl 1625, Alt-Aussee 1971), die nördl. Alpen, Vorarlberg (Bregenz 1551), Krain (Laibach 1463), Ragusa (1565) sowie die Gebirge Böhmens, Ungarns und Siebenbürgens (1276 min). - Vgl. Sonklars Regenkarte von Österreich-Ungarn (in Chavannes "Physik.-Statist. Atlas").

Nach Sonklar betrug die mittlere Regenmenge in Centimetern in

^[Liste]

Böhmen, Mähren, Schlesien 64

Galizien, Bukowina 73

Ober- und Niederösterreich 83

Salzburg 115

Steiermark 93

Kärnten 106

Tirol, Vorarlberg 115

Krain, Görz, Istrien 137

Dalmatien 92

Kroatien, Slawonien 94

Ungarn 59

Siebenbürgen 77

Ganz Österreich-Ungarn 74

Die Monarchie ist hinsichtlich ihrer Flora und der Produktion an Kulturpflanzen Deutschland gegenüber bevorzugt, indem sie an ihrer Südmark und in Istrien wie Dalmatien im ganzen Küstenstrich zur Mittelmeerzone Europas und mit dem Hauptteile zum reichsten Gürtel der mitteleurop. Flora gehört. In den West- und Ostprovinzen besteht aber ein großer Unterschied, indem ein Glied der südruss. Steppenvegetation (der "pontischen Flora") entlang der Donau, Drau und Save bis Laibach, Varasdin, Ödenburg, Wien, Preßburg und bis zum Südhang der Karpaten vordringt; der westlich und nördlich dieser Linie liegende Teil der Monarchie schließt sich teils an die übrigen Alpenländer, teils an die süddeutsche Flora inniger an.

An Raubtieren kommt der Bär noch in den südl. Alpenländern und in den östl. Ländern vor, ebendort der Wolf, Luchs und die Wildkatze. Der Schakal ist auf dalmatin. Inseln zu finden, der Fuchs überall. Häufiger trifft man noch an den Dachs, Marder, ferner die Fischotter. Das Murmeltier findet sich noch im Hochgebirge, hingegen ist der Steinbock aus dem Gebiet der Monarchie bereits gänzlich verschwunden.

Bevölkerung. Die Einwohnerzahl (einschließlich der Militärpersonen) betrug:

^[Tabelle]

Jahre Österreich Ungarn Monarchie

1850 17534950 13191533 30726483

1857 18224500 13768513 31993013

1869 20394980 15509455 35904435

1880 22144244 15695184 37839428

1890 23895413 17463791 41359204

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Die durchschnittliche jährliche Zunahme in Prozenten der Bevölkerung:

^[Tabelle]

Zeitraum Österreich Ungarn

1850-57 0,55 0,61

1857-69 0,87 0,93

1869-80 0,75 0,15

1880-90 0,76 1,03

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Österreich allein hatte 1818: 13,38, 1830: 15,58 und 1840: 16,57 Mill. E. Die Monarchie übertrifft die romanischen, bleibt aber hinter den german. und slaw. Ländern hinsichtlich der Volksvermehrung zurück. Die größte Dichtigkeit hat Niederösterreich (einschließlich Wien 134, ohne Wien 66 E. auf 1 qkm), sodann Schlesien (118), Böhmen (113) und Mähren (102). Gut bevölkert sind Galizien (84), Görz und Gradisca (76), der mittlere Teil Oberösterreichs und der mittlere und südl. Teil Steiermarks, sehr gering dagegen die Alpenländer, insbesondere Salzburg (24), Tirol (30) und Kärnten (35). In Ungarn, das in Rücksicht auf die Volksdichtigkeit die Mitte nimmt (54 E.), ist die Bevölkerung gleichmäßiger verteilt, doch übertreffen hier die westl. Komitate sowie die an der Donau und Theiß gelegenen die übrigen Teile des Landes an Volksdichtigkeit. (Hierzu: Karte der Bevölkerungsdichtigkeit in Österreich-Ungarn.)

Geschlecht. In Österreich und Ungarn entfallen (1890) auf die männliche Civilbevölkerung 11689129 und 8668173, auf die weibliche 12206284 und 8795616 Personen, d. i. 1044 und 1028 Frauen auf 1000 Männer. In Österreich überwiegt mit Ausnahme des Küstenlandes (976 Frauen auf 1000 Männer), der Bukowina (993) und Dalmatien (981), in allen Kronländern das weibliche Geschlecht, am meisten in Krain (1096), Schlesien (1096) und Mähren, ebenso in Ungarn (1031), mit Ausnahme der Marmaros (997), eines großen Teiles von Siebenbürgen und der Militärgrenze.

Familienstand. 1890 gab es in

^[Tabelle]

Familienstand Österreich Personen Proz. Ungarn Personen Proz.

Ledige Männer 7342044 62,8 4871702 56,27

Ledige Frauen 7179619 58,8 4365248 49,69

Verheiratete Männer 4003916 34,3 3528486 40,75

Verheiratete Frauen 4034452 33,1 3576012 40,71

Verwitwete, Geschiedene, Getrennte Männer 343169 2,9 257437 2,98

Verwitwete, Geschiedene, Getrennte Frauen 992213 8,1 842944 9,60

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Alter. Altersgliederung in Österreich 1890:

^[Tabelle]

Jahre Personen

Bis 10 6208997

11-20 4667234

21-30 3830552

31-40 3081772

41-50 2543731

51-60 1888649

61-70 1155711

Über 70 518767

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In Ungarn

Bis 15 6401929

15-40 6614988

40-60 3245888

Über 60 1190726

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Religionsbekenntnis. Die Zusammensetzung der Bevölkerung nach dem Religionsbekenntnis 1890:

^[Tabelle]

Bekenntnis Österreich Ungarn

Römisch-Katholische 18934166 8820770

Griechisch-Katholische 2814072 1667980

Armenisch-Katholische 2611 2702

Alt-Katholische 8240 -

Griechisch-Orientalische 544739 2632303

Armenisch-Orientalische 1275 29

Evangelische Augsburger Konfession 315828 1204040

Evangelische helvetischer Konfession 120524 2225126

Herrnhuter 368 -

Anglikaner 1296 -

Mennoniten 490 -

Unitarier 147 61645

Lippowaner 3218 -

Israeliten 1143305 725222

Mohammedaner 81 -

Andere Konfessionen 745 12312

Konfessionslose 4308 -

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Die Römisch-Katholischen (79,24 Proz. in Österreich und 50,85 Proz. in Ungarn) bilden die Mehrzahl in Niederösterreich (92,9 Proz.), Oberösterreich