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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Österreichisch-Ungarische Monarchie (Geschichte)

ältesten Sohn Rudolf als König von Ungarn krönen, und 1575 fielen diesem auch die Königskronen von Böhmen und von Deutschland zu. Maximilian II., unter dessen toleranter Regierung die prot. Lehre in allen österr. Ländern große Fortschritte machte, starb 12. Okt. 1576; von seinen fünf Söhnen wurde der älteste, Rudolf II., Kaiser. Unter diesem fielen Tirol und Vorderösterreich, die Besitzungen des Erzherzogs Ferdinand, nach dessen Tode 1595 an die beiden überlebenden Linien zurück. Unter Rudolf II. begann die Reaktion gegen den Protestantismus. Er mußte 1608 Ungarn, Österreich und Mähren und 1611 Böhmen an seinen Bruder Matthias abtreten, der ihm 1612 in der Kaiserwürde folgte und 20. März 1619 starb. Mit ihm erlischt die zweite österr. Linie. Sein Vetter Ferdinand, der älteste Sohn des 1590 verstorbenen Erzherzogs Karl von Steiermark, folgte ihm auch in Österreich, Böhmen und Ungarn und wurde zugleich als Ferdinand II. zum Kaiser erwählt. Dagegen erhielt Tirol und Vorderösterreich Ferdinands jüngerer Bruder Leopold V. (s. d.), dessen Nachkommenschaft 1665 ausstarb, worauf diese Länder an die Hauptlinie zurückfielen. Dies war die letzte Landesteilung im österr. Hause; denn Ferdinand II. erließ testamentarisch ein Primogeniturgesetz, das unverbrüchlich gehalten wurde.

Ferdinand II. war ein eifriger Gönner der Jesuiten und hatte schon als Erzherzog die großenteils prot. Länder Steiermark, Kärnten, Kram gewaltsam katholisiert. Deshalb weigerten sich die Böhmen, ihn als König anzuerkennen, und auch in den österr. Erblanden sowie in Ungarn fand er Widerstand. Die böhm. Stände wählten sogar das Haupt der evang. Union, den Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, zu ihrem König. Doch nach der Schlacht am Weißen Berge bei Prag 1620 (s. Dreißigjähriger Krieg) wurde Böhmen Ferdinand unterworfen, der nun in Böhmen, Mähren und Schlesien eine förmliche Ausrottung der prot. Religion begann, wodurch Tausende zur Auswanderung veranlaßt wurden. Auch Ungarn, das unter Bethlen Gabor, dem Fürsten von Siebenbürgen, sich empört hatte, wurde zum Gehorsam zurückgebracht. Ferdinands Nachfolger, Kaiser Ferdinand III. (1637-57), setzte den Krieg fort. Wie Ferdinand II. im Prager Frieden 1635 die Lausitz an Sachsen, so mußte Ferdinand III. im Westfälischen Frieden 1648 das Elsaß an Frankreich abtreten. Ferdinands III. Sohn und Nachfolger, Kaiser Leopold I., reizte die Ungarn durch unduldsame Härte, was einen Aufstand zur Folge hatte. Das Haupt desselben, Tököly, fand Unterstützung von seiten der Pforte, und Kara Mustapha belagerte 1683 Wien, das nur den zur Hilfe herbeieilenden Deutschen und Polen seine Rettung zu danken hatte. Nachdem dann die Siege seiner Feldherren dem Kaiser ganz Ungarn unterworfen hatten (s. Osmanisches Reich, Geschichte), verwandelte er es 1687 in ein Erbreich und vereinigte damit Siebenbürgen. Auch mußte die vom Prinzen Eugen bezwungene Pforte im Karlowitzer Frieden von 1699 das Land nördlich von der Save und Donau bis auf das Banat und den östlichsten Teil Slawoniens zurückgeben und im Passarowitzer Frieden von 1718 auch noch diese Gebiete, die Kleine Walachei, das nördl. Serbien und einen Streifen von Bosnien an Ungarn abtreten. Dagegen scheiterte Leopolds Plan, seinem zweiten Sohne Karl die Erbfolge in der span. Monarchie zu verschaffen, an der Rivalität Frankreichs. Die Folge davon war der Spanische Erbfolgekrieg (s. d.), während dessen Leopold 5. Mai 1705 starb. Sein ältester Sohn und Nachfolger, Kaiser Joseph I., setzte den Krieg fort, starb aber ohne männliche Nachkommen 17. April 1711. Ihm folgte sein Bruder Karl in den Erbstaaten sowie auf dem deutschen Kaiserthron. Er mußte dem von seinen Bundesgenossen abgeschlossenen Utrechter Frieden (s. d.) 1714 in den Friedensschlüssen zu Rastatt und Baden beitreten, die ihm den Besitz der Niederlande, Mailands, Mantuas, Neapels und Sardiniens sicherten; gegen letztere Insel tauschte er 1720 im Vertrage zu London von Savoyen Sicilien ein. Jedoch schon im Wiener Frieden von 1735 und 1738 mußte er Neapel und Sicilien an den Infanten von Spanien, Don Carlos, und an den König von Sardinien einen Teil der Lombardei abtreten, wofür er bloß Parma und Piacenza erhielt. Ebenso verlor er im Belgrader Frieden von 1739 fast alle Früchte der Siege Eugens, indem er die Kleine Walachei, Serbien an Belgrad und das nördl. Bosnien an die Pforte zurückgeben mußte. Das Herzogtum Lothringen, das Stammland seines Schwiegersohns Franz Stephan, gab er an den vertriebenen Polenkönig Stanislaus Leszczynski und mittelbar an Frankreich, während jener 1737 Toscana erhielt. In dies alles willigte Karl VI., um seiner Tochter Maria Theresia die Erbfolge in der Monarchie durch die Pragmatische Sanktion (s. d.) zuzusichern, die nach und nach von allen europ. Mächten anerkannt wurde.

Als mit Karls VI. Tode 20. Okt. 1740 der Habsburger Mannsstamm erlosch, übernahm dessen Tochter, Maria Theresia (s. d.), die Regierung sämtlicher österr. Erblande. Doch von allen Seiten erhoben sich Ansprüche gegen sie. Ein Krieg begann, in dem anfangs nur England auf ihrer Seite war. (S. Österreichischer Erbfolgekrieg von 1741 bis 1748 und Schlesische Kriege.) In den Friedensschlüssen zu Breslau und Dresden mit Preußen 1742 und 1745 mußte Maria Theresia Schlesien nebst Glatz, mit Ausnahme von Teschen, Jägerndorf und Troppau, im Aachener Frieden (s. d.) 1748 die Herzogtümer Parma, Piacenza und Guastalla an den Infanten Don Philipp von Spanien und einige Bezirke von Mailand an Sardinien abtreten. Zur Wiedereroberung Schlesiens verband sie sich mit Frankreich, Rußland, Sachsen und Schweden; aber nach sieben Jahren eines blutigen Krieges (s. Siebenjähriger Krieg) behielt Preußen 1763 im Frieden zu Hubertusburg (s. d.) Schlesien. Am 18. Aug. 1765 starb Maria Theresias Gemahl Franz, und Joseph II. wurde Mitregent der Mutter in den Erbstaaten und Deutscher Kaiser. Nebenlinien des Hauses Österreich entstanden durch Maria Theresias jüngere Söhne, Leopold, den spätern Kaiser Leopold II. (s. d.), in Toscana und Ferdinand (s. Habsburg) in Modena. Maria Theresia gewann 1772 bei der ersten Teilung Polens Galizien und Lodomerien. Die Pforte mußte 1775 die Bukowina an sie abtreten, und im Teschener Frieden, der den Bayrischen Erbfolgekrieg (s. d.) beendigte, erhielt sie 1779 das Innviertel, so daß bei ihrem Tode (29. Nov. 1780) Österreich 610000 qkm umfaßte. Die Zahl der Bevölkerung war auf 24 Mill. gestiegen. Die Regierung der Kaiserin Maria Theresia, welcher der Minister Kaunitz (s. d.) zur Seite stand, zeichnete sich durch zahlreiche, aber langsame und vorsichtige Reformen aus, auch begann sie eine größere Centralisation, wenigstens für die deutschen Erblande, anzubahnen. Ihr