Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

748

Ostgotland - Ostindien (Vorderindien)

manen (6 Abteil., Münch. und Würzb. 1861-71); ders., Urgeschichte der german. und roman. Völker, Bd. 1 (in Onckens "Allgemeiner Geschichte in Einzeldarstellungen", Berl. 1881); Kaufmann, Deutsche Geschichte bis auf Karl d. Gr. (2 Bde., Lpz. 1880-81); Wietersheim, Geschichte der Völkerwanderung, Bd. 2 (2. Aufl., besorgt von Dahn, ebd. 1881); Th. Mommsen, Ostgot. Studien (im "Neuen Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde", Bd. 14, Hannov. 1888); Tomaschek, Ethnolog. Forschungen. 1. Die Goten in Taurien (Wien 1881); Braun, Die letzten Schicksale der Krimgoten (Jahresbericht der "Reform. Kirchenschule", Petersb. 1890).

Ostgotland, schwed. Provinz, s. Östergötland.

Ostgriqualand, s. Griqua.

Osthavelland, Kreis im preuß. Reg.-Bez. Potsdam, hat 1190,82 qkm und 1890: 67606, 1895: 71508 (36639 männl., 34869 weibl.) E., 4 Städte, 78 Landgemeinden und 63 Gutsbezirke. Sitz des Landratsamtes ist Nauen. (S. Havel.) - Vgl. Bardey, Geschichte von Nauen und O. (Rathenow 1892).

Ostheim (Ostheim vor der Rhön), Stadt im Verwaltungsbezirk Dermbach des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach, an der Streu und in der Nähe des Rhöngebirges, in einer vom bayr. Gebiet umschlossenen Exklave, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Eisenach), hatte 1890: 2340, 1895: 2325 E., darunter 16 Katholiken, Post, Telegraph, eine Kirche, früher Festung, mit doppelten Mauern und 4 Türmen; Plüschweberei, Holzbearbeitungsanstalt, Brauerei, Gerberei, Schuhmacherei, Weberei, Mühlen. In der Nähe die Ruinen des restaurierten Bergschlosses Lichtenberg mit Turm (35 m). O. ist bekannt durch den Bau der Zwergkirschen, der Ostheimer Weichseln (s. Kirsche), deren erste Stämmchen der Feldmedikus Klinghammer 1714 aus der Sierra Morena mitbrachte und anpflanzte.

Ofthofen, Flecken im Kreis Worms der hess. Provinz Rheinhessen, am Seebach, an der Linie Mainz-Worms der Hess. Ludwigsbahn und der Nebenbahn O.-Westhofen (6,1 km), Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Mainz), hatte 1890: 3258 E., darunter 906 Katholiken und 123 Israeliten, 1895: 3353 E., Postamt zweiter Klasse, Telegraph, evang. und kath. Kirche, Synagoge, Schwefelquelle; Fabrikation von Zucker, Maschinen, Papier, Pappe, Strohhülsen, Malz und Hefen, Dampfmahlmühlen, Ziegeleien und Weinbau.

Osthoff, Hermann, Sprachforscher, geb. 18. April 1847 in Villmerich (Westfalen), studierte in Bonn, Tübingen und Berlin und wurde 1871 Lehrer am Gymnasium in Caßel, siedelte aber 1874 nach Leipzig über und habilitierte sich hier 1875. 1877 wurde er als außerord. Professor der vergleichenden Sprachwissenschaft und des Sanskrits nach Heidelberg berufen und noch in demselben Jahre zum ord. Professor befördert. O. veröffentlichte: "Forschungen im Gebiete der indogerman. nominalen Stammbildung" (2 Bde., Jena 1875-76), "Das Verbum in der Nominalkomposition im Deutschen, Griechischen, Slawischen und Romanischen" (ebd. 1878), "Zur Geschichte des Perfekts im Indogermanischen, mit besonderer Rücksicht auf Griechisch und Lateinisch" (Straßb. 1884), "Die neueste Sprachforschung und die Erklärung des indogerman. Ablautes" (Heidelb. 1886). Mit K. Brugmann gemeinschaftlich ließ er erscheinen "Morpholog. Untersuchungen auf dem Gebiete der indogerman. Sprachen" (5 Tle., Lpz. 1878-90).

Ostholsteinische Eisenbahn, s. Altona Kieler Eisenbahn.

Ostĭa (d. h. Mündungen), Stadt in Latium am Ausfluß des linken Tiberarms, etwa 24 km von Rom, nach der Überlieferung Roms älteste, angeblich von Ancus Marcius gegründete Kolonie, während des gesamten Altertums der Haupthafen Roms, eine Zeit lang auch Flottenstation, außerdem wertvoll durch seine heute noch betriebenen Salzwerke. Ein eigentlicher Hafen hat aber während der ganzen republikanischen Zeit nicht bestanden, erst Claudius legte etwas nördlich von O. einen großen Kunsthafen (portus Augusti) an, der von Trajan erweitert wurde. Die Häfen wurden mit dem Tiber durch einen Kanal verbunden, der einen großen Teil des Stroms ableitete und die jetzige Hauptmündung (bei Fiumicino) bildet. O. hatte schon früh eine christl. Gemeinde, deren Bischof ein hohes Ansehen genoß: im Kardinalskollegium hat der Kardinal von O. die erste Stelle (decanus sacri collegii). Der Ort selbst, 830 von Gregor IV. neu gegründet, verfiel, und das moderne O. ist ein ärmlicher Flecken von kaum 100 E. 7 km landeinwärts von der durch die Alluvion vorgeschobenen Tibermündung.

Ostiarĭus (lat.), auch Janitor, Thürhüter, Pförtner, Sakristan, in der alten christl. Kirche der unterste kirchliche Beamte, der vor und während des Gottesdienstes für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung zu sorgen hatte. Das Amt des O. entstand im Abendland im 3. Jahrh., während im Morgenlande ursprünglich die untern Geistlichen den Dienst der Thürhüter versahen und sich erst später ein eigenes Amt herausbildete.

Ostĭen (lat.), die Herzkammermündungen; Ostienstenōse (lat.-grch.), Verengerung der O. infolge von Entartung der Herzklappen. (S. Herz, Herzfehler.)

Ostiglia (spr. -ílja, lat. Hostilia), Hauptstadt des Distrikts O. (14855 E.) der ital. Provinz Mantua, links am Po, durch Kanal mit Tartaro und Etsch, durch Dampfstraßenbahn mit Mantua verbunden, hat (1881) 4054, als Gemeinde 6996 E., Flußhafen; Reisbau, Holzhandel, Rindvieh- und Geflügelzucht. - O. ist Geburtsort von Cornelius Nepos.

Ostindien, im weitesten Wortsinn Sammelname für den Teil Asiens vom südöstlichsten Winkel Persiens bis an die südwestl. Provinzen von China, der gegen N. von dem mächtigen Gebirgszuge begrenzt wird, als dessen Anfang der Elburs, als dessen Ende die Alpen in Jün-nan und als dessen mittlere Glieder die südl. Kette des Hindukusch und das Himalajagebirge zu betrachten sind. Hierzu kommen noch zahlreiche Inseln und Inselgruppen. Von den Alten schlechthin Indien (s. d.) genannt, erhielten diese Länder im Gegensatz zu Westindien (s. d.) den Namen O. Das Gebiet zerfällt in Vorderindien, Hinterindien und den Indischen Archipel. Über den letztern s. Malaiischer Archipel (nebst Karte). (Hierzu zwei Karten: Ostindien I: Vorderindien. Ostindien II: Hinterindien.)

I. Vorderindien oder Indien diesseit des Ganges bildet ein unregelmäßiges Viereck, dessen Ecken nach den vier Himmelsgegenden gerichtet sind, während die Seiten im N. vom Himalaja, im NW. vom Indus, hinter dem gleich das Hochland von Iran steil emporsteigt, im SO. vom Bengalischen Meerbusen und im SW. vom Arabischen Meere begrenzt werden. Dieses Viereck, von etwa 3575000