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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ostindien (Niederländisch-) - Ostindische Compagnien

unternommen, so 1888 die Expedition nach Sikkim gegen die Sikkimer und Tibetaner, die gleichartige Expedition gegen die Siahposch am Indus in Kohistan und gegen die Luschai in den Gebirgen zwischen Assam und Oberbirma. Der afghan. Kronprätendent Ejjub-Chan wurde 1887 in Persien den Engländern ausgeliefert und in Rawalpindi interniert.

In allen Feldzügen, die England unternahm oder beabsichtigte, wurden die ind. Truppen zugleich mit den englischen zur Wahrung der brit. Interessen verwendet, und zwar nicht bloß in dem Grenzlande Afghanistan, sondern auch an entlegenen Punkten. Als 1878 ein engl.-russ. Krieg auszubrechen schien, wurden 6000 Mann ind. Truppen von Bombay nach Malta gebracht, und an dem Feldzuge, den die Engländer 1882 in Ägypten gegen die Armee des rebellischen Arabi unternahmen, nahm eine ind. Division von 10000 Mann unter General Macpherson teil. Es war bezeichnend für die engl. Regierung, daß sie sämtliche Kosten des Krieges von 1878 und 1879 mit Afghanistan sowie auch die des birman. Feldzuges Indien aufbürdete und sogar die Übernahme der Kosten für die Teilnahme des ind. Kontingents an dem ägypt. Feldzuge (1142000 Pfd. St.) dem ind. Staatsschatz zuwies. Gegen die Verwendung der ind. Truppen für europ. Zwecke protestierte 1878 vergeblich die Opposition des Parlaments. Als Nachfolger Lord Dufferins wurde im Dez. 1888 Lord Lansdowne Vicekönig von Indien. Unter seiner Amtsführung wurde 1891 ein Zug gegen den Schutzstaat Manipur unternommen, wo der engl. Generalkommissar von Assam, der sich zur Schlichtung von Thronstreitigkeiten dorthin begeben hatte, mit seinem Gefolge ermordet war. Die Engländer übten rasche Vergeltung und ließen den Regenten hinrichten. Die Besetzung des Pamir durch die Russen bot den Engländern Veranlassung, sich 1892 des südlich vom Hindukusch gelegenen Chanats Tschitral und der wichtigen dortigen Gebirgspässe zu bemächtigen und im folgenden Jahr durch einen besondern Gesandten, Sir Mortimer Durand, das Schutzbündnis mit dem Emir von Afghanistan zu erneuern. Dagegen duldete die brit. Regierung die Vergewaltigung Siams durch Frankreich ohne Widerspruch und schloß 15. Jan. 1896 einen Vertrag mit Frankreich, worin diesem das gesamte auf dem linken Ufer des Me-kong liegende Gebiet zugesprochen und das Königreich Siam neutralisiert wurde. Aufs härteste litt O. durch den stetigen Fall des Silberpreises, so daß es sich endlich 26. Juni 1892 zur Sistierung der freien Silberprägung veranlaßt sah, wodurch wieder sein Export nach den übrigen ostasiat. Ländern, die Silberwährung besitzen, geschädigt wurde. Im Nov. 1893 legte Lord Lansdowne sein Amt als Vicekönig nieder, und Lord Elgin trat an seine Stelle.

Litteratur zur Geschichte. Lassen, Ind. Altertumskunde (4 Bde., Bonn 1844-62; 2. Aufl., Bd. 1, Lpz. 1867; Bd. 2, 1873); von Orlich, Indien und seine Regierung (2 Bde., Lpz. 1859-61); Elliot, The history of India comprising the Muhammedan period (8 Bde., Lond. 1867-77); Wheeler, The history of India form the earliest ages (Bd.1-4, ebd. 1867-81); Torrens, Empire in Asia, how we came by it (ebd. 1872); Kaye, History of the Sepoy war in India (3 Bde., ebd.; Bd. 1, 4. Aufl. 1865; Bd. 2, 5. Aufl. 1881; Bd. 3, 2. Aufl. 1876) und dessen Fortsetzung: Malleson, The History of the Indian Mutiny (3 Bde., ebd. 1879-80); Markham, Statement exhibiting the moral and material progress and condition of India (Bd. 1-6, ebd. 1873 fg.); Ghose, The modern history of the Indian Chiefs, Rajas and Zamindars (2 Bde., Kalkutta und Lond. 1883); Trotter, History of India under Queen Victoria (2 Bde., Lond. 1887); Statistical abstract relating to British India from 1879/80 to 1891/92 (ebd. 1893); Lyall, The rise of British dominion in India (ebd. 1893); Keene, History of India (2 Bde., ebd. 1893).

Ostindien, Niederländisch-, s. Niederländisch-Ostindien.

Ostindienfahrer, im allgemeinen Schiffe, die regelmäßige Reisen nach Ostindien machen. Zur Zeit der englischen, holländischen und französischen ostind. Handelscompagnien waren die O. sehr große, stark bemannte und bewaffnete Schiffe, die teils auf eigene Hand Krieg führten, teils als Bestandteile ihrer vaterländischen Kriegsflotten an größern Seeschlachten teilnahmen. In den Kämpfen des 17. Jahrh. zwischen Holland, England und Frankreich spielten namentlich auf holländ. Seite die O. eine bedeutende Rolle, und ebenso traten sie noch bis spät im 18. Jahrh. auf.

Ostindische Compagnien, Bezeichnung der von den Regierungen der Staaten, denen sie angehörten, für den Handel nach Ostindien privilegierten Gesellschaften. (S. Handelscompagnien.) Sie gingen, mit Ausnahme der französischen, von den mittel- und nordeuropäischen prot. Seemächten aus und entstanden zu Anfang des 17. Jahrh. und im Laufe desselben, einzelne auch erst im 18., als für den kolonialen Besitz der Portugiesen und Spanier die Zeit der Blüte schon vorüber war. Im Gegensatz zur Kolonialpolitik der letztern, die hauptsächlich nach Gold und Grundbesitz strebten, suchten die O. C. lediglich Handelsgewinn. Dieser Art ind. Compagnien sind der Zahl nach fünf, nämlich die Englische, die Holländische, die Dänische, die Französische und die Schwedische, die hier in der Reihenfolge nach ihrer Stiftung genannt werden. Von ihnen sind die beiden erstgenannten und ältesten, die Englische und Holländische, während ihres Bestehens bis in die neuere Zeit zu welthistor. Macht und Bedeutung gelangt.

Die Englisch-Ostindische Compagnie entstand durch einen auf Ansuchen reicher Londoner Kaufleute ihnen 31. Dez. 1600 erteilten Freibrief der Königin Elisabeth, durch den sie unter dem Namen Governors and Company of merchants of London trading to the East-Indies auf 15 Jahre das Privilegium erhielten für den Handel nach allen den Plätzen in Asien, Afrika und Amerika, die zwischen dem Kap der Guten Hoffnung und der Magalhãesstraße liegen. Zugleich ward ihr ein eigenes Siegel, die Wahl eines Gouverneurs und von 20 Direktoren zugestanden, sowie die Erlaubnis, Korporationsgesetze (Bye-laws) zu entwerfen. Mit einem Kapital von 72000 Pfd. St. wurden zuerst fünf Schiffe ausgerüstet, die unter Kapitän James Lancaster 5. Juni 1602 zu Atschin auf Sumatra landeten. Die Expedition machte so vorteilhafte Geschäfte, daß 1604 eine zweite, 1610 eine dritte abging. Eine Gesandtschaft an den Großmogul 1608 erwirkte der Compagnie das Recht des Handels und der Niederlassung für die Westküste von Vorderindien, aber erst nach Besiegung der den Engländern erfolgreich widerstrebenden Portugiesen (1612) konnte die Compagnie daselbst ihre Privilegien ausüben und ihre erste Niederlassung auf dem Kontinent Ostindiens gründen. Durch ähnliche Schwie-^[folgende Seite]