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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Papieradel - Papiergeld
nungsprobe resultiert. Das Chlor wird auf chem. Wege bestimmt. Bezüglich der direkten Messung der Festigkeit und Widerstandsfähigkeit wendet man Materialprüfungsmaschinen (s. d.) an, auf denen die Reißlänge und Dehnung ermittelt wird, während man die Widerstandsfähigkeit gegen Zerknittern durch Versuche mit der Hand bestimmt. Die königl. Mechanisch-technische Versuchsanstalt in Berlin-Charlottenburg übernimmt Papierprüfungen für jedermann gegen billige Entschädigung.
Statistisches. 1894 schätzt man die Zahl der Papierfabriken der ganzen Erde auf etwa 5000; davon kommen 1200 auf Amerika, 3700 auf Europa,
und zwar auf:
Deutschland 1300
Frankreich 512
Österreich-Ungarn 500
Großbritannien u. Irland 370
Rußland 270
Italien 194
Schweden 165
Spanien 114
Übrige europ. Staaten 275
In den deutschen Papierfabriken sind nahezu 60000 Arbeiter beschäftigt, mit der weitern Verarbeitung des P. zu Bunt-, Gold- und Silberpapier,
photographischem P., zu Papierwaren, Tapeten u. s. w. etwa 64000 Arbeiter.
Die deutschen Betriebe erzeugen jährlich 600000 t P. und Pappe. Davon werden verbraucht:
Zur Ausfuhr 90000 t oder 15,00 Proz.
Für Zeitungen, Zeitschriften, Bücher 250000 t 41,67
Von der Industrie 60000 t 10,00
Vom Handel 55000 t 9,17
Vom Post- und Privatverkehr 45000 t 7,50
Von Schulen und wissenschaftlichen Instituten 50000 t 8,33
Von Staatsverwaltungen, Behörden, Kirchen, Gemeinden 50000 t 8,33
Der jährliche Verbrauch an P. pro Kopf der Bevölkerung beträgt in:
Deutschland etwa 8,0 kg
Österreich-Ungarn 4,6
Frankreich 7,2
Großbritannien 10,0
Schweiz 7,0
Rußland 1,0
In den J. 1886-92 betrug die Ausfuhr von P. und Papierwaren in Millionen Mark:
1886 1888 1890 1892
Deutschland 80,5 91,5 91,2 94,6
Österreich-Ungarn 21,3 22,8 24,6 28,9
Frankreich 12,9 12,0 15,5 17,6
Großbritannien 30,0 36,7 33,5 39,5
Belgien 13,8 21,5 11,5 9,5
Schweiz 3,1 3,1 2,7 2,3
Vereinigte Staaten von Amerika 4,4 4,7 5,1 6,0
Demnach steht Deutschland an erster Stelle. Der starken Ausfuhr gegenüber ist die Einfuhr von P. (mit Einschluß der Pappe) meist gering. 1893 betrug in Deutschland (in Tausenden Mark):
Einfuhr Ausfuhr
Pappen 796 2757
Packpapier 424 7222
Löschpapier 1098 877
Schreib- und Druckpapier 1126 14374
Andere (rohe) P. 174 5051
Litteratur. Hoyer, Fabrikation des P. (Braunschweig 1836-87); ders., Das P., seine Beschaffenheit und deren Prüfung (Münch. 1882): ders., über Papiernormalien und neue Papiermaschinen (ebd. 1887); ders., über Entstehung und Bedeutung der Papiernormalien (ebd. 1888); Mierzinski, Handbuch der praktischen Papierfabrikation (3 Bde., Wien 1886); Hofmann, Praktisches Handbuch der Papierfabrikation (2. Aufl., Berl. 1886 fg.); Herzberg, Papierprüfung (Berl. 1888); Dahlheim, Taschenbuch für den praktischen Papierfabrikanten (3. Aufl., Lpz. 1896).
Papieradel, s. Adel
Papierblumen, s. Blumen und Immortellen.
Papierboot, s. Argonaute.
Papiere, indossable, s. Orderpapiere.
Papierfabrikation, s. Papier.
Papier Fayard (spr. -pĭeh faĭahr), s. Geheimmittel.
Papierformate, s. Papier.
Papiergeld (frz. papier-monnaie), ein Ersatzmittel des Metallgeldes, das seinen Wert nicht, wie das letztere, in seinem Stoffe trägt, sondern nur auf Grund seiner Eigenschaft als Schuldschein besitzt, und zwar zunächst auf Grund des Vertrauens des Empfängers, daß er dasselbe in gleichem Wert wieder zu andern Zahlungen werde verwenden können. Man bezeichnet diese besondere Art des Kredits als Zahlungskredit, im Gegensatz zu dem Einlösungskredit, der darauf beruht, daß ein Kreditpapier jeder Zeit zu seinem Nennwert bar eingelöst werden kann. Dieses letztere gilt für die Banknoten (s. d.), die ebendeswegen oft nicht als eigentliches P. betrachtet werden. Allerdings ist auch manchen andern Sorten von P. die sofortige Einlöslichkeit bei gewissen Kassen grundsätzlich zugestanden; aber diese Zusage ist von geringer praktischer Bedeutung, da meistens keine Vorkehrungen getroffen sind, um die Erfüllung derselben bei einem einigermaßen starken Zudrang zur Einlösung zu sichern. Privates eigentliches P., wie z. B. das früher von der Leipzig-Dresdener Eisenbahn ausgegebene, kann höchstens eine örtliche Umlaufsfähigkeit in einem engern Kreise erlangen; der Staat dagegen hat in der Gestalt von Steuern, Gebühren u" s. w. so viele und große Zahlungen von allen Bürgern zu empfangen, daß ein P., das von allen öffentlichen Kassen zu seinem Nennwert angenommen wird, falls es nicht in zu großer Menge ausgegeben wird, dadurch allein schon eine genügende Fundierung besitzt, ohne daß es im Privatverkehr Zwangskurs, d. h. gesetzliche Zahlungskraft zu haben braucht. Neben dieser sog. Steuerfundation desP. hat die gesetzlich ausgesprochene Einlöslichkeit desselben nur eine nebensächliche Bedeutung. Zu dieser Kategorie des einlöslichen P. ohne Zwangskurs gegen Private geboren die deutschen Reichskassenscheine. (S. Kassenscheine.) Eine andere Gattung von P. ist nicht nur den öffentlichen Kassen, sondern auch den Privatpersonen gegenüber mit gesetzlicher Zahlungskraft ausgestattet, beruht jedoch insofern noch auf freiwilligem Kredit, als die stete Einlöslichkeit zugesagt ist. In diese Klasse des einlöslichen P. mit Zwangskurs gehören z. B. die amerik. Greenbacks. Die wichtigste Art aber ist das uneinlösliche P. mit Zwangskurs, das von seiner ursprünglichen Beziehung auf Metallgeld losgelöst erscheint und zu einem selbständigen, wenn auch schlechten Wertmesser wird. Es verdrängt das Metallgeld aus dem Verkehr und führt die sog. Papiergeldwirtschaft, die vom Metallgeld losgelöste Papierwährung, herbei, deren Minderwertigkeit und Schwankungsich in dem Aufgeld oder Agio (s. d.) ausdrückt, welches für Metallgeld, insbesondere für Gold, bezahlt wird. Häufig hat das P. dieser Art die Form von Banknoten, indem der Staat von einer Bank große Vorschüsse in ungedeckten Noten entnimmt und die Einlösungspflicht der Bank zeitweilig aufhebt.
Das P. ist, von ältern Analogien in Karthago, Ägypten und China und einzelnen mittelalterlichen Versuchen abgesehen, erst seit dem Anfang des